Zwischen Kellerwänden und Erinnerungsschmerz
Manchmal fühlt sich ein Roman nicht wie eine Geschichte an, sondern wie ein Gewicht auf der Brust, das man beim Lesen freiwillig trägt. Genau so ein Buch ist Das Gewicht der anderen – unbequem, düster ...
Manchmal fühlt sich ein Roman nicht wie eine Geschichte an, sondern wie ein Gewicht auf der Brust, das man beim Lesen freiwillig trägt. Genau so ein Buch ist Das Gewicht der anderen – unbequem, düster und trotzdem unmöglich aus der Hand zu legen.
Mitten hinein in ein Iran der frühen Achtziger geworfen zu werden, ohne Schutz, ohne Abstand, macht etwas mit einem. Die Haft, die Gewalt, diese absurde Normalität des Schreckens – all das liest sich nicht sensationell, sondern erschreckend ruhig. Gerade diese Ruhe trifft härter als jede explizite Brutalität. Während Peyman versucht zu überleben, ertappt man sich selbst dabei, nach kleinen Momenten von Humor zu suchen, nur um kurz Luft zu holen. Und genau das macht der Text so stark: Er zeigt, wie Menschen selbst im Grauen noch Mensch bleiben wollen.
Besonders hängen bleibt dieses Verschmelzen von erwachsenem Ich und dreizehnjährigem Jungen. Da sitzt kein klassischer Held im Keller, sondern jemand, der versucht, überhaupt erst eine eigene Identität zu finden. Das ist leise, zerbrechlich und gleichzeitig von einer Wucht, die noch lange nachhallt. Kein Buch für nebenbei, eher eines für stille Abende, an denen man bereit ist, sich wirklich berühren zu lassen.
Perfekt ist es nicht – manche Passagen fordern Geduld und lassen einen bewusst stolpern. Aber vielleicht muss Literatur über Gewalt genau das tun. Wehtun, damit man nicht vergisst. Und genau deshalb bleibt dieses Buch hängen wie ein Satz, den man Tage später immer noch im Kopf wiederholt.