Neuseeland, heute. Nach dem Verschwinden seiner Eltern lässt der junge Maori Taukiri seinen achtjährigen Bruder Ari zurück, flieht mit seinem Surfbrett und seiner Gitarre auf die Nordinsel, um dort dem Strudel aus Verzweiflung und Schuld zu entkommen, in den er hineingeboren wurde. Doch auē ertönt im Geräusch des Meeres, das er liebt und zugleich hasst, in der Musik, die er der Gitarre entlockt, die seinem Vater gehörte, in der Gewalt, die seine Familie verfolgt, bestimmt die Scham darüber, dass er seinen Bruder alleine gelassen hat.
Aber sein Bruder Ari ist stärker, als es den Anschein hat, und er hat eine Freundin, und seine Freundin hat einen Hund, und diese drei zusammen sind vielleicht stark genug, um den Strudel aus Verzweiflung und Schuld umzukehren.
Manawatus Prosa ist so wechselhaft wie der Ozean: fließend, poetisch, in wunderschönen Bildern, hoffnungsvoll und zärtlich, humorvoll, in intensiven Momenten roh und drängend, tief bewegend: ganz große Kunst von einer der stärksten Stimmen der neuseeländischen Gegenwartsliteratur, mehrfach preisgekrönt und eines der erfolgreichsten neuseeländischen Bücher aller Zeiten.
auē 1. (Verb) weinen, klagen, seufzen, stöhnen, heulen
2. (Empfindungswort) Ausdruck des Erstaunens oder der Verzweiflung
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Das Cover finde ich sehr authentisch und schön gestaltet. Die Hintergrundfarbe und die Titelfarbe harmonieren wunderbar miteinander. Die Haptik des Hardcover Buches finde ich sehr ansprechend. Ich kannte ...
Das Cover finde ich sehr authentisch und schön gestaltet. Die Hintergrundfarbe und die Titelfarbe harmonieren wunderbar miteinander. Die Haptik des Hardcover Buches finde ich sehr ansprechend. Ich kannte die Autorin vorher noch nicht und war sehr gespannt auf das Buch.
Die Geschichte spielt in Neuseeland, es geht um eine zerrüttete Familie und um Schild. Im Mittelpunkt stehen die Brüder Ari und Taukiri, deren Eltern sind verstorben und der ältere Taukiri lässt seinen kleinen Bruder bei deren Onkel und Tante zurück. Der achtjährige Ari leidet sehr unter dem Verhalten seines Onkels. Trost und Verbundenheit findet er bei der Nachbarn Beth.
Tauk rutscht in die Dunkelheit der Gesellschaft ab. Gewalt und Drogen sind an der Tagesordnung und immer wieder droht ihn die Vergangenheit zu überrollen. Nur langsam kämpft er sich in die Gegenwart zurück und meldet sich bei Ari. Gibt es noch eine Chance für die Brüder?
Der Roman hat mich tief bewegt. Die unglaubliche Sprache und Poesie sind magisch. Das Buch hat eine gewisse Schwere, manche Szenen waren sehr emotional und erdrückend und doch schafft es die Autorin immer wieder durch ihren brillanten Schreibstil die Handlung spannend zu gestalten. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.
So facettenreich wie der abgebildete Vogel aus einem Kunstwerk des neuseeländischen Künstlers Totaea Rendell entfaltet sich auch der Debütroman der neuseeländischen Autorin mit Maori-Vorfahren Becky Manawatu. ...
So facettenreich wie der abgebildete Vogel aus einem Kunstwerk des neuseeländischen Künstlers Totaea Rendell entfaltet sich auch der Debütroman der neuseeländischen Autorin mit Maori-Vorfahren Becky Manawatu. Dort lernen wir zunächst den achtjährigen Arama und seinen siebzehnjährigen Bruder Taukiri kennen, deren Eltern scheinbar ums Leben gekommen sind. Taukiri liefert seinen kleinen Bruder bei deren Tante Kat und Onkel Stu einfach nur ab und verschwindet danach auf die Nordinsel Neuseelands. Während sich die Wege der beiden Brüder trennen erlebt jeder Bruder für sich seine ganz eigene Hölle und auch ganz eigenen, leider nur seltene positiven Momente. Sie müssen nicht nur den Verlust ihrer Eltern verarbeiten sondern auch ihren Weg im Leben finden. Diesen Weg als holprig zu bezeichnen wäre massiv untertrieben, da Arama mit einem gewalttätigen Onkel zu kämpfen hat und Taukiri mit einem Abwärtsstrudel, der ihn zu verschlingen droht.
Becky Manawatu inszeniert ihren Roman sehr geschickt, indem sie nur nach und nach Informationen zu den einzelnen Protagonisten freigibt und sich Zusammenhänge, die bis in die Großelterngeneration der beiden Brüder zurückgehen langsam aufdeckt. Das macht den Einstieg in den Roman nicht leicht, lohnt sich aber mit jeder weiteren gelesenen Seite. Die mit den Namen der im jeweiligen Kapitel verfolgten Personen überschriebenen Kapitel folgen nicht nur Arama und Taukiri sondern auch deren Vorfahren Jade und Toko. Auf diesen beiden Zeitebenen der Vergangenheit und Gegenwart nähern wir uns einem fulminanten Finale an, das Kapitel für Kapitel einen beim lesen gefangen nimmt. Wir erkennen, dass das Leben dieser Familie schon lange Zeit von Gewalt und Drogen geprägt ist und bis zum Schluss eine Gefahr für alle Beteiligten darstellt. Wobei es sich hier keinesfalls um ein reines Actionspektakel handelt, ganz im Gegenteil. Mitunter sehr leise und mit großartigen, wiederkehrenden sprachlichen Bildern arbeitet Manawatu die einzelnen Facetten ihrer Figuren und deren (Innen-)Leben heraus. Figuren, die zunächst von Grund auf böse erscheinen, bekommen im Verlauf eine mehrdimensionale Tiefe verliehen, selbst mit nur ganz kurzen Szenen und Sequenzen. Spiralen der Gewalt und Angst aber auch der Zusammenhang mit Liebe und Anziehung werden psychologisch authentisch an den Beispielen der Figuren aufgeschlüsselt. Und durch die Hinzunahme der Erzählebene um Jade und Toko bleibt der Roman auch kein reiner Coming-of-Age-Roman mit kindlichen/jugendlichen Protagonisten, sondern entfaltet seine Anziehungskraft auch für Leser:innen, die sich eher weniger in diesem Genre wohlfühlen. Letztlich habe ich mit allen Hauptfiguren bis zum Schluss mitgefiebert und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Durch den Stil des nach und nach Offenbarens lohnt hier sicherlich auch eine Zweitlektüre, um noch mehr Feinheiten der Geschichte erfassen zu können.
Sprachlich zeigt die Autorin ein besonderes Talent, atemberaubende Metaphern für grundlegende, menschliche Bedürfnisse und Zwänge zu entwerfen. Wobei ihr Stil niemals „drüber“ ist, sondern trotzdem bodenständig und verständlich. Etwas „drüber“ finde ich allerdings den Drang des Verlags im Anhang im Rahmen des Glossars alle möglichen Begrifflichkeiten zu erläutern. Vollkommen hilfreich, sinnvoll und wissenswert ist dies bei den vielen Begriffen aus der maorischen Sprache, die im Text vorkommen. Das hat die Übersetzerin Jana Grohnert, ebenso wie natürlich beim gesamten Romantext, ganz hervorragend gemacht. Allerdings werden neben den maorischen Begriffen auch Worte der gegenwärtigen Sprachkultur wie Chewbacca, Hacky Sack oder Snapchat im Glossar erklärt, was kurios bis lächerlich wirkt. Hier hätte sich der Verlag meines Erachtens auf die maorischen Begriffe beschränken sollen. An einer Stelle ging es dann auch bei einer Anspielung auf den Film „Die Reifeprüfung“ mit der Übersetzerin oder dem Verlag durch, denn dort bieten sie im Glossar eine komplette Deutung der Anspielung im Roman an. Das hat nach meinem Empfinden dort nichts zu suchen und sollte dem Kombinationsvermögen der Leser:innen überlassen bleiben. Leider kennzeichnet der Verlag die im Glossar auftauchenden Worte auch nicht im eigentlich Romantext. Meine persönliche Präferenz wären hier Fußnoten direkt auf der entsprechenden Seite im Roman gewesen.
Da diese Kleinigkeiten bezogen auf den Anhang zum Buch allerdings meine einzigen Kritikpunkte am Buch darstellen, ich ansonsten inhaltlich wie sprachlich den Roman wirklich toll finde ebenso wie die Covergestaltung, kann ich eine Lektüre aus diesem ansonsten in der deutschsprachigen Übersetzung nur selten vertretenen Region der Erde nur dringend empfehlen.
Ein Buch über Verlust, Schuld und das Aufwachsen in einer zerstörerischen Umgebung – intensiv, schmerzhaft und sprachlich meisterhaft.
Taukiri verlässt nach dem Tod der Eltern seinen achtjährigen Bruder ...
Ein Buch über Verlust, Schuld und das Aufwachsen in einer zerstörerischen Umgebung – intensiv, schmerzhaft und sprachlich meisterhaft.
Taukiri verlässt nach dem Tod der Eltern seinen achtjährigen Bruder Ari und lässt ihn bei der Tante und deren gewalttätigem Mann zurück. Er fürchtet, einen schlechten Einfluss auf ihn auszuüben. Mit Gitarre und Surfbrett reist er auf die Nordinsel und gerät dort in einen Strudel von Ereignissen. Doch Taukiri hört im Meer das „Aue“ – ein Wort, das für Weinen, Stöhnen und Klagen steht – und es plagt ihn ein schlechtes Gewissen.
Ari arrangiert sich so gut es geht bei seiner Tante. Unterstützung findet er in Beth, dem gleichaltrigen Nachbarskind, und ihrem Hund.
In Rückblicken wird nach und nach die Geschichte der Familie erzählt.
Es hat etwas gedauert, bis ich in das Buch hineingefunden habe – zum einen wegen der vielen Māorinamen, zum anderen, weil die verschiedenen Zeitebenen nicht sofort klar waren. Ich war entsetzt über die Grausamkeiten, die hier geschildert werden, und über den exzessiven Drogenkonsum. Eigentlich wollte ich abbrechen, weil mir das zu viel wurde, doch dann nahm die Geschichte an Tiefe und Ruhe zu, sodass sie mich schließlich gefesselt hat. Ich wollte unbedingt wissen, wie sie endet.
Sprachlich ist das Buch brillant – auch dank der hervorragenden Übersetzung von Jana Grohnert. Der Aufbau ist, sobald man ihn durchschaut hat, sehr packend. Das Werk zählt zu den erfolgreichsten und preisgekrönten neuseeländischen Büchern überhaupt.
Der Film Django Unchained spielt darin eine große Rolle – sowohl inhaltlich als auch in der Darstellung der Gewaltszenen. Das muss man mögen.
Alles in allem ein starkes Buch. Allerdings sollte man sowohl häusliche als auch allgemeine Gewalt aushalten können – und bereit sein, eine von Drogenkonsum zerrüttete Gesellschaft literarisch zu ertragen.
Das Buch kann auf jeden Fall ein absoluter 5-Sterne-Read sein, die Geschichte hat großes Potenzial. Für mich war es aufgrund persönlicher Präferenzen leider nicht so, das sollte andere aber wirklich nicht ...
Das Buch kann auf jeden Fall ein absoluter 5-Sterne-Read sein, die Geschichte hat großes Potenzial. Für mich war es aufgrund persönlicher Präferenzen leider nicht so, das sollte andere aber wirklich nicht von der Lektüre abhalten. In jedem Fall hat mir die Geschichte ab etwa der Hälfte deutlich besser gefallen. Der Anfang tröpfelte ein wenig zu sehr vor sich hin und ich habe verhältnismäßig lange gebraucht, um alle Figuren einordnen zu können.
Ich mochte das Eintauchen in diese neuseeländische Māori-Geschichte grundlegend gern, auch die Struktur mit ihren verschiedenen Erzählperspektiven und den sich langsam entfaltenden Verbindungen zwischen den Figuren hat mir gut gefallen. Die indigene Sprache fand ich sinnvoll und lehrreich eingesetzt.
Sprachlich greift Manawatu immer wieder zu poetischen Ausführungen, die mir persönlich einfach nicht so gefallen. Ich kann Poesie nicht greifen und nur selten verstehen, weshalb mir an diesen Stellen immer der Kontakt zum Text verlorengeht. Trotzdem finde ich die Poesie maßvoll eingesetzt, sodass sich der Roman nach ein wenig Eingewöhnungszeit gut lesen ließ.
Bemerkenswert ist die sprachliche Wandelbarkeit der Autorin: Die drei erzählenden Figuren haben jeweils eine unterscheidbare, eigene Sprache. Doch so handwerklich gut ich das auch finde, hatte ich phasenweise meine Schwierigkeiten damit. Vor allem die sehr kindliche Sprache von Ari fand ich anstrengend. An dieser Stelle möchte ich aber nochmal betonen, dass das einfach meine persönliche Präferenz ist und dass ich gleichzeitig absolut sehe, wie gut und authentisch diese Figur geschrieben ist. Seine gutmütige und ungefilterte Sicht auf die Dinge, die in seinem Leben so grausam sind, hat mich nämlich auch wirklich berührt.
Ein weiterer Punkt, weswegen ich die Geschichte nicht so genießen konnte, wie ich es gewollt habe, ist die unermessliche Gewalt und das damit einhergehende Leid. Ich reagiere extrem sensibel auf Gewaltschilderungen (gegen Menschen und Tiere gleichermaßen), weshalb ich einige hochgelobte Bücher gar nicht erst anfasse. Hier wurde ich wiederholt kalt erwischt. Ich bin mir ganz sicher, dass die Stärke des Buches unter anderem in diesen Schilderungen liegt, wenn mensch sich darauf einlassen kann. Das Rohe sowie parallel der Zusammenhalt dagegen sind in jedem Fall emotionalisierend. Und ich mag emotionale Tiefe enorm, für mich gehört sie untrennbar zu guter Literatur. Nur mit expliziter, wiederholter Gewalt kann ich nicht gut umgehen, sodass ich mich dann von der Geschichte distanzieren und den Kontakt immer wieder neu suchen muss.
Die Auflösung der Familienbeziehungen, die Erkenntnisse zur Vergangenheit und die sich auf und ab wiegende Spannung haben mir gut gefallen. Am Ende konnte ich die Geschichte auch nicht mehr aus der Hand legen. Doch ein angenehmer Read war es für mich aus obigen Gründen leider nicht. Ich empfehle das Buch trotzdem für alle Menschen, die mit Gewaltschilderungen und Poesie keine Probleme haben, denn dann ist es ein vielschichtiges und tiefgängiges Werk.
TW: (tödliche) Gewalt gegen Menschen und Tiere, Fehlgeburt, Unfalltod, Drogenmissbrauch, (Nennung von) Vergewaltigung