Cover-Bild Das vorläufige Ende der Zeit
(9)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 18.04.2023
  • ISBN: 9783832181840
Berni Mayer

Das vorläufige Ende der Zeit

Roman
Der verlassene jüdische Friedhof Słubice gehört zu Frankfurt an der Oder, liegt aber auf polnischem Staatsgebiet. An diesem besonderen Ort begegnet die Archäologin Mi-Ra zum einen dem Friedhofswärter Artur, zum anderen Horatio Beeltz, einem seltsamen, aus der Zeit gefallenen Verleger, der nicht nur alles über den Friedhof weiß – sondern sich auch sehr für Mi-Ra und Artur und ihre Geschichte interessiert. Mi-Ra hat ihre traumatische Kindheit und eine brutale Beziehung bloß halb überwunden; Artur lebt nach dem Tod seiner kleinen Tochter wie betäubt in einer nahezu wortlosen Ehe. Dann eröffnet ihnen Horatio Beeltz Ungeheuerliches: Er habe auf dem Friedhof in Słubice einen Zeitriss entdeckt, über den es möglich sei, in die eigene Vergangenheit zu reisen. Falls sich Mi-Ra und Artur dazu entschlössen, könnten sie an bestimmten Stellen in ihrem früheren Leben eine andere, vielleicht bessere Entscheidung treffen und den Dingen eine neue Wendung geben. Berni Mayer zeigt in seinem originellen, ebenso lakonisch wie berührend erzählten Roman, dass es nicht immer die offensichtlichen Fehlentscheidungen sind, die die Welt ins Unglück stürzen, und dass es manchmal Umwege braucht, um die Wunden zu heilen, die das Leben schlägt.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2023

Das große Thema Zeit, romanhaft aufbereitet, mit vielen Fragen und kann es überhaupt 'die Antwort' geben

0

Der jüdische Friedhof in Slubice ist der Ort des Geschehens, der Ort des Hier und Jetzt, dem fest verankerten Ausgangspunkt für eine Reise, in der Zeit. Die Wege dreier Menschen kreuzen sich hier. Mi-Ra, ...

Der jüdische Friedhof in Slubice ist der Ort des Geschehens, der Ort des Hier und Jetzt, dem fest verankerten Ausgangspunkt für eine Reise, in der Zeit. Die Wege dreier Menschen kreuzen sich hier. Mi-Ra, eine koreanisch stämmige Archäologin, betreibt Forschungen an diesem außergewöhnlichen symbolträchtigen historisch schwer beladenen Fleckchen Erde, der Friedhofswärter Artur unterstützt sie dabei und dann ist da, sozusagen als das alles in Gang setzte Element, der Verleger Horatio Beeltz, ein auch in seiner äußeren Erscheinung sehr eigener Mensch. Dieser bereitet das Thema Zeit vor ihnen aus und erzählt davon, dass auf dem Friedhofsgelände ein Zeitriss existiert, durch den hindurch man in die Vergangenheit reisen kann. Und dann, wenn man genau dies tut, kann man - die Frage nach dem sollte und den Konsequenzen stellt sich dann natürlich auch - es besser machen, vermeintlich falsche Entscheidungen löschen, für ein Leben im Jetzt, in dem die eigenen Träume nicht gescheitert sind. Hier, in dieser Geschichte, wird erstmal nicht zurückgeschreckt, vor den Konsequenzen und Mi-Ra und Artur machen sich 'auf die Reise'.
Beim Film würde man nun sagen, was für ein faszinierender Plot. Er öffnet so viele Türen, lässt so vieles möglich werden und wirft so viele Fragen auf, auf die bisher wohl noch niemand 'die Antwort' gefunden hat. Vielleicht gibt es auch keine Antwort/Antworten darauf.
Diese Geschichte strahlt schon eine ganz eigene Faszination aus, dem großen Thema geschuldet, dem Sprachstil, auch dem Handlungsgeschehen, bedingt zumindest und ich zumindest will es nicht missen, diesen Roman gelesen zu haben. Und natürlich bleibt etwas hängen, vor allem Fragen und der Versuch, die eigenen Gedanken hin zu etwas Konkretem zu führen.
Also einfach lesen und dann weiß man, wie man dazu steht.

Veröffentlicht am 24.04.2023

Ein intensiver Roman über die Zeit und Entscheidungen

0

Das Buch hat mich von Anfang an fasziniert, der Klappentext hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht und das Cover ist schlicht der Titel gefällt mir sehr gut und passt perfekt zur Handlung.

Was ...

Das Buch hat mich von Anfang an fasziniert, der Klappentext hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht und das Cover ist schlicht der Titel gefällt mir sehr gut und passt perfekt zur Handlung.

Was wäre, wenn man Entscheidungen, die im Nachhinein falsch oder ungünstig waren rückgängig machen könnte? Auf einem verlassenen jüdischen Friedhof treffen die Archäologin Mi-Ra und der Friedhofswärter Artur aufeinander. Beide haben sie Entscheidungen in ihrem Leben getroffen, die sie bereuen und der Schmerz der Beiden ist groß, doch sonst könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Als der älterer und geheimnisvoller Mann, sein Name ist Horatio Beeltz, ihnen anbietet die Zeit nochmal zu erleben und die Entscheidungen rückgängig machen zu können..... Was wäre, wenn das möglich wäre?


Der Roman hat einen fast poetischen Schreibstil, die Handlung liest sich toll und die Charakter sind facettenreich. Die Idee hat mir sehr gut gefallen und die Geschichte ist mir noch lange in meinen Gedanken geblieben. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2023

Risse in der Zeit

0

In seinem neuen Roman „Das vorläufige Ende der Zeit“ beleuchtet der Autor und Journalist Berni Mayer die Zeit aus mehreren Perspektiven von Menschen, die die Zeit gerne zurückdrehen möchten und mit ihr ...

In seinem neuen Roman „Das vorläufige Ende der Zeit“ beleuchtet der Autor und Journalist Berni Mayer die Zeit aus mehreren Perspektiven von Menschen, die die Zeit gerne zurückdrehen möchten und mit ihr hadern. Schuld, Schmerz, Traumata und tragische Erlebnisse hindern Artur und Mi-Ra daran, glücklich im Jetzt zu leben – und so lassen sie sich auf dem verlassenen jüdischen Friedhof Słubice zusammen mit dem eigensinnigen Kosmologen Horatio auf eine fantastische Séance ein, die sie mit halluzinogenen Pilzen und einem seltenen Zeitriss zurück in die Vergangenheit wirft.

Die junge Archäologin und Journalistin Mi-Ra kämpft mit innerer Unruhe und Zerrissenheit – sie ist alleinerziehende Mutter und versucht, ihre Traumata aus der Kindheit zu verarbeiten und mit frechen Sprüchen taff zu wirken. Einst aus Korea eingewandert, verlässt der Vater die Familie, um in seine Heimat zurückzukehren und lässt Mi-Ra mit Mutter, Bruder und Verletzungen von seinen Prügelattacken zurück. Und auch mit ihrem Ex-Freund und Vater ihres Sohnes verbindet sie etwas Toxisches. Der Friedhofswärter Artur hingegen muss den tragischen Verlust seiner krebskranken Tochter Mila und das Ende seiner Ehe verkraften. Und während die Beiden sich etwas näherkommen, sendet sie der mysteriöse Verleger Horatio Beeltz nicht nur auf bewegende Trips in die Vergangenheit, sondern stellt ihnen auch die philosophische Frage, welche vergangenen Ereignisse sie tatsächlich ändern wollen und können.

Mit einer modern-flotten, flüssigen Sprache und einigen Bezügen zu musikalischen Titeln ist Bernie Mayer ein unterhaltsamer, guter Roman gelungen, der dennoch stellenweise sein Potenzial nicht vollkommen ausgeschöpft hat. Während Arturs Geschichte des tiefen Verlusts tiefgründig und sehr berührend ausgearbeitet ist, bleiben Mi-Ra und Horatio etwas blass gezeichnet. Dafür besticht Letzterer durch wissenschaftlich sehr interessante Ausführungen über das Wesen der Zeit und wie die Menschen dieses nicht akzeptieren oder verstehen. Lakonischer Humor trifft dabei auf sehr ernste Themen sowie moralische Fragen des Lebens und besonders die Szenerie dieses geschichtsträchtigen Friedhofs ist sehr schön und dicht beschrieben. Manche Dialoge wirken etwas stelzig, während andere vor allem durch Mi-Ras Kommentare eine pfiffige Ironie ausstrahlen.

Insgesamt ein melancholisch-nachdenklicher Roman mit Ansätzen aus der Philosophie und Wissenschaft, der trotz Zeitreise- und Paralleldimensionen gut verständlich bleibt und solide unterhält – und der trotzdem etwas an der Oberfläche pendelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2023

Interessante Frage über das Leben etwas kurios umgesetzt

0

Die Archäologin Mi-Ra reist nach Frankfurt a. d. Oder um dort den alten jüdischen Friedhof zu untersuchen und eine Artikel darüber zu schreiben. Dort trifft sie auf Artur, den Friedhofswärter, der dort ...

Die Archäologin Mi-Ra reist nach Frankfurt a. d. Oder um dort den alten jüdischen Friedhof zu untersuchen und eine Artikel darüber zu schreiben. Dort trifft sie auf Artur, den Friedhofswärter, der dort Ordnung hält. Kurz darauf taucht Horatio auf, ein älterer Herr, der viel mehr über den jüdischen Friedhof zu wissen scheint und von der Möglichkeit erzählt, dort in der Zeit zu reisen. Somit lassen sich Mi-Ra und Artur auf das Experiment ein und reisen in ihre eigene Vergangenheit zurück – zu Momenten, die sie tief geprägt haben. Mi-Ra wurde sehr streng erzogen und findet heute selbst kaum eine Verbindung zu ihrem Sohn. Wo sie eher vorlaut und ehrlich agiert, ist Artur eine in sich gekehrte und ruhige Person, nicht zuletzt auch wegen dem großen Verlust, als er seine kleine Tochter an den Krebs verloren hat, was zu einer distanzierten Beziehung in seiner Ehe geführt hat.

Somit geht Berni Mayer mittels zwei gut ausgearbeiteten Charaktere und deren Lebenswege der Frage nach, ob wir unsere Vergangenheit ändern können und inwieweit sich dies auf die Gegenwart auswirkt. Laut Horatio soll dies möglich sein. Doch auch er möchte einen wichtigen Aspekt in seiner Vergangenheit ändern und beobachtet deshalb Mi-Ras und Arturs Handlungen genau. Ist der mystische, längst verlassene Friedhof die Möglichkeit auf ein besseres Leben oder nur die Bestätigung des eigenen Schicksals? Der Autor hat mir mit einem angenehmen Schreibstil die beiden Lebensgeschichten von Mi-Ra und Artur sehr berührend vermittelt. Auch wenn die Geschichte etwas langwierig ist, konnte sie mich am Ende fesseln und die Botschaft nachvollziehbar schildern.

Da dies ein Roman ist und nicht SciFi, habe ich nicht mit damit gerechnet, dass die Thematik der Zeitreisen vollständig und wissenschaftlich geklärt wird. Die philosophische Frage dahinter, ob eine Änderung der Vergangenheit möglich wäre und wie sie sich auf die Gegenwart auswirkt, steht hier natürlich im Mittelpunkt. Trotzdem hat Horatio mit den Zeitreisen der beiden Protagonisten experimentiert und es wurde vieles angedeutet, z. B. eine Geheimgesellschaft, die völlig fixiert auf dieses Thema war, oder dass Horatio viel länger leben würde, als andere Menschen. Auch das Vorhandensein des einen Charakters, der durch eine falsche Entscheidung seine Firma und Annehmlichkeiten verloren hat, erschließt sich mir nicht. Hier wurden mehr Mystik und theoretische Thesen angedeutet, was für den eigentlichen Kernpunkt der Geschichte nicht gebraucht wird und mich viel zu neugierig macht, dann aber leider ohne nähere Antworten zurückgelassen hat.


Fazit:
„Das vorläufige Ende der Zeit“ behandelt anhand von Horatios Zeitreisen die Frage, ob und wie die beiden Protagonisten ihre Vergangenheit ändern können. Der Autor hat die Lebenswege der beiden gekonnt dargestellt, was mich berühren konnte. Doch einige Aspekte hätte man getrost weglassen können, weil sie nichts für den Verlauf oder die Kernfrage der Geschichte beitragen.