Während Corona haben sehr viele Promis deutlich mehr Zeit gehabt, und einige haben diese wohl zum Bücher schreiben genutzt. Daher war und bin ich immer ein bisschen zwiegespalten, wenn ich solche Bücher entdecke, aber bei Bülent habe ich ohne großes Nachdenken eine Ausnahme gemacht. Ohne bereits zu viel zu verraten: Es hat sich gelohnt! Denn das Buch bietet weit mehr als ein paar Lacher. Nicht selten musste man sogar beim Lesen ganz schön schlucken, denn es ist auch im Leben eines Bülent nicht alles rosig gelaufen – oft ganz im Gegenteil. Durch seine Biografie erkennt man aber auch, warum er so ist, wie er nun einmal ist. Und auch seine Bühnenprogramme scheinen dadurch auf einmal auch noch mehr Tiefe zu haben.
Das Buch als solches ist voller Tiefe, da sind die schwierigen finanziellen Phasen während der Jugend, der Stolz des türkischen Vaters Turan, der irgendwann dennoch Geld vom Sparbuch des Sohnes nehmen muss (es aber auch zurückzahlt), die Hänseleien in der Schule und das schlechte Abschneiden bei Mädchen in der Pubertät. Die Anfänge als Comedian waren auch alles andere als rosig, ein Auto war für Bülent nicht drin, stattdessen hat er während des Studiums zeitweise in einer WG mit gestörten Katzen gewohnt. Interessant auch, wie er den steinigen Weg zum Comedian zurücklegt, und was er alles auf sich genommen hat, um seiner Passion zu folgen.
Ich hatte immer das Gefühl, dass Bülent wirklich direkt, offen und ehrlich zum Leser spricht und hier keine gepimpte Version seiner selbst (oder seiner Familie) zum Besten gibt. Der Monnemer erzählt offen und schnörkellos, sodass man das Buch kaum mehr aus den Händen legen kann oder will – ich habe es tatsächlich an einem Tag verschlungen.
Seine Haltung zu verschiedenen Dingen, wie der Familie, gegen Rassismus etc. war vorher schon bekannt und logisch, aber hier hat man noch mehr verstanden, warum er so und nicht anders geworden ist. Gut fand ich auch seine Offenheit bezüglich überschrittener Zenite und den Umgang damit. Ich persönlich hoffe ja, dass der gude Monnemer Bub noch ganz lang die Hooar schüddele kann (auch wenn er Waldhof soooo sehr liebt und ich aus der Nähe von Kaiserslautern komme, eine normal eher sehr explosive Mischung im negativen Sinne).
So, genug gelobhudelt, jetzt das Fazit: Der Monnemer ist ein guter Comedian und passabler Autor, von dem ich gerne mehr lesen würde. Fans und Leuten, die sich für seinen Werdegang interessieren sei diesen Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt.