Cover-Bild Marlene und die Suche nach Liebe

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12,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau TB
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 544
  • Ersterscheinung: 15.02.2019
  • ISBN: 9783746635064
C. W. Gortner

Marlene und die Suche nach Liebe

Roman
Christine Strüh (Übersetzer)

Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.

Wie im Rausch erkundet die junge Marlene die wilden Nächte Berlins. Sie liebt, wen immer sie begehrt, und wird mit „Der blaue Engel“ zum Star. Bald feiert man sie in Hollywood als glamouröse Diva. Ihr Streben nach Selbstbestimmung lässt Marlene jedoch immer wieder anecken, und auch in der Liebe bleibt sie auf der Suche – bis sie dem Schauspieler Jean Gabin begegnet. Doch dann zieht Marlene mit den amerikanischen Truppen an die Front – und die Rückkehr in das zerstörte Deutschland wird zu ihrem persönlichen Drama.

Eine große Geschichte über Leidenschaft und Kunst, eine Welt im Wandel – und die Liebe

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2019

Marlene - die rastlose Diva

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Die 1901 in Berlin geborene Marie Magdalene Dietrich gilt auch heute noch als eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen, die es zu internationalem Ruhm und Ansehen im Filmgeschäft gebracht haben. ...

Die 1901 in Berlin geborene Marie Magdalene Dietrich gilt auch heute noch als eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen, die es zu internationalem Ruhm und Ansehen im Filmgeschäft gebracht haben. Sie war nicht nur Leinwandgöttin in „Der blaue Engel“, sondern erlangte auch mit „Marokko“ und mit „Zeugin der Anklage“ weltweit Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihre schauspielerischen Leistungen. Auch als Sängerin konnte sie die Menschen mit ihrer rauchigen Stimme faszinieren, ihre Lieder wie „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, „Du, du liegst mir am Herzen“ oder „Ich bin die fesche Lola“ sind bis heute unvergessen. Aber wer versteckt sich eigentlich wirklich hinter dem Namen Marlene Dietrich, was war sie für ein Mensch?

Der amerikanische Autor Christopher W. Gortner hat in seinem neuen Buch „Marlene und die Suche nach Liebe“ versucht, dieser Frage nachzugehen und dem Wesen Marlene Dietrich auf die Spur zu kommen. Der Schreibstil ist flüssig und liest sich zum einen wie eine Autobiographie in Romanform, was vor allem der Ich-Perspektive zu verdanken ist und den Leser ziemlich schnell in die Geschichte hineinzieht, um das Phänomen Marlene kennenzulernen. Es ist wie ein Blick durchs Schlüsselloch, wobei man gleichzeitig eine Zeitreise ins letzte Jahrhundert unternimmt und sich an Schauplätze des Lebens und Wirkens der Dietrich begibt. Marlene wächst mit ihrer Schwester Elisabeth im Berliner Stadtteil Schöneberg in einer gutsituierten Familie auf und wird durch ihre sehr ehrgeizige Mutter zum Geigen- und Klavierunterricht geschickt, was sie mit 18 Jahren an die Musikhochschule Weimar brachte, um dort ein Studium als Konzertgeigerin zu beginnen, welches sie nach einem Wechsel nach Berlin 1921 abbrach und sich ab da vollständig auf die Schauspielkarriere konzentrierte. Erst Erfahrungen beim Varieté und später Privatunterricht bei Mitgliedern des Reinhardt-Ensembles, wo sie nebenbei Fechten und Tanzen lernte und zugleich im Deutschen Theater kleine Rollen bekleidete. 1923 lernt sie bei einem Stummfilmengagement in Rudolf Sieber ihren Ehemann kennen, mit dem sie eine gemeinsame Tochter Maria Elisabeth hat. Das Paar trennt sich allerdings Mitte der 30er Jahre, denn Marlene ist kein Familienmensch, sondern strebt mehr nach Ruhm und Karriere. Auch während ihrer gesamten Karriere kam ihr niemand wirklich nach, die bisexuell orientiert Marlene perfektionierte ihre androgyne Fassade, war sowohl eine verunsicherte, von Selbstzweifeln geplagte, aber auch eitle und mutige Frau, die trotz vieler Freunde und einer großen Anzahl Liebhaber ein einsames Dasein fristete und sehr zurückgezogen 1992 in Paris verstarb. Unvergessen ihr Engagement für die US-Truppen während des Zweiten Weltkrieges und ihre antifaschistische Haltung, die sie dazu veranlassten, 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, was sie für viele Deutsche leider zur Landesverräterin werden ließ. Der französische Schauspieler Jean Gabin war ihre große Liebe, auch wenn die beiden nur wenige Jahre miteinander verbracht haben und im Zwist auseinandergingen.

Gortner gibt dem Leser einen sehr amerikanisch gefärbten Streifzug durch Marlenes Leben, lässt bekannte Namen wie Gary Grant, James Stewart oder auch Ernest Hemingway vorbeilaufen und doch fehlen die letzten 50 Jahre des Dietrich-Lebens, die ebenfalls die Diva ausgemacht haben. Mit keinem Wort wird die Freundschaft zwischen Marlene und Hildegard Knef erwähnt oder ihre Rückkehr nach Deutschland, die ebenfalls prägenden Einfluss auf die Person Dietrich gehabt haben.

„Marlene und die Suche nach Liebe“ ist ein schöner Streifzug der ersten 45 Jahre der Filmdiva in autobiografischer Romanform. Leider erschließt sich dadurch das Leben von Marlene nicht völlig, denn einige wichtige Lebenspunkte finden sich in diesem Buch nicht. Wer sich für das Leben der größten deutschen international anerkannten Filmdiva interessiert, wird diese sehr bildhaft gestaltete Lektüre zu schätzen wissen, die durchaus eine Leseempfehlung verdient!

Veröffentlicht am 14.02.2019

Wer war Marlene Dietrich?

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Diese Frage versucht C. W. Gortner mit seinem Roman „Marlene und die Suche nach Liebe“ zu beantworten. Ich muss zugeben, ich wusste nicht viel über „die Dietrich“, kannte ihren Film „Der blaue Engel“ und ...

Diese Frage versucht C. W. Gortner mit seinem Roman „Marlene und die Suche nach Liebe“ zu beantworten. Ich muss zugeben, ich wusste nicht viel über „die Dietrich“, kannte ihren Film „Der blaue Engel“ und das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, hatte sofort ihr Erscheinungsbild im Kopf und ihre markante Stimme im Ohr. Zufällig habe ich erst vor kurzem gelesen, dass sie eine Schwester hatte und sich im 2. WK gegen die Nazis stark machte. Sie war eine Frau, die Eindruck hinterließ. „Dich kann man nicht verlassen, Marlene, weil man Dich nicht vergessen kann.“ (S. 195).

Dabei sollte sie nach dem Willen ihrer perfektionistischen und alles kontrollierenden Mutter eigentlich Konzertgeigerin werden. „ ... wenn man echtes Talent besitzt, kann man fast alles erreichen. ... Möchtest du dein Leben selbst bestimmen oder soll das Leben über dich bestimmen?“ (S. 65) Aus einer Uhrmacherdynastie stammend und früh verwitwet, stellt sie an Marlene (eigentlich Marie Magdalene Dietrich) und deren ältere Schwester Liesel höchste Ansprüche und war fast nie mit ihnen zufrieden.

Marlene beginnt ihre Karriere ganz unten, spielt in Filmorchestern, tritt in zwielichtigen Revuen und Kabaretts auf, macht Werbefotos, besucht eine Schauspielschule. Sie hat etwas, was Männer und Frauen gleichermaßen anzieht. „Du bist keine Frau. Du bist ... du bist irgendwas anderes.“ (S. 313) Sie legt sich bei ihren Affären nicht auf ein Geschlecht fest. Marlene liebt bestimmte Menschen – ihr ist egal ob das dann ein Mann oder eine Frau ist. Eines Tages spricht sie der Aufnahmeleiter Rudolf Sieber an und vermittelt ihr die erste Nebenrolle. Monatelang wirbt er um sie, schließlich heiraten sie und bekommen eine Tochter – Heidede. Doch Marlene will keine Hausfrau und Mutter sein, sie will berühmt werden! Ihr Mann und ihre Tochter bleiben dabei auf der Strecke.

Man merkt dem Buch an, dass es ein Mann geschrieben hat. Die Sexszenen sind sehr explizit beschrieben – aber Marlene benahm sich anscheinenden sowieso eher wie ein Mann als wie eine Frau. Sie bevorzugte Anzüge, hatte ein großes Selbstbewusstsein, ließ sich von kaum jemanden etwas sagen, wollte über ihre Rollen und Kostüme selbst bestimmen. Dezidiert zählt er auf, wann sie mit wem welchen Film gedreht hat und was dabei alles passiert ist – an diesen Stellen glich das Buch eher einer Biografie als einem Roman.
Gortner schreibt in der Ich-Perspektive, lässt Marlene ihren Aufstieg und die Rückschläge selbst erzählen, von ihren dauernden Hungerkuren und Sportexzessen, um ja dünn genug zu sein. Trotzdem bekam ich keinen wirklichen Zugang zu ihren Gedanken und Gefühlen, fühlte mich beim Lesen von ihrem Leben ausgeschlossen. Marlene kommt nicht besonders sympathisch rüber. Ich hatte das Gefühl, sie suchte keine Liebe, sondern Leidenschaft und Sex, Erfolg und Geld.
Aber ich war fasziniert, mit welchen Berühmtheiten sie verkehrte und was sie im 2. WK geleistet hat, darüber hätte ich gern mehr gelesen. Etwas schade fand ich, dass das Buch 1946 endet, als ihre große Zeit beim Film vorbei ist. Auch über ihre Beziehungen zu Menschen wie Hemingway, Remarque oder Wells hätte ich gern mehr erfahren.
Auch wenn ich keinen richtigen Zugang zu Marlene bekommen habe, beschreibt Gortner die Zeit, Orte und Filmbranche sehr lebendig, die miesen Absteigen, in denen Marlene wohnt, die windigen Clubs und Flüsterkneipen, die Amüsierlokale und Transvestiten-Shows, die homosexuelle Szene und ihre Erkennungszeichen.
Ich bin immer noch Lena. Die Dietrich ist eine Illusion. Nichts als gutes Licht und Schminke.“ (S. 325)