Ich bin sprachlos! WOW
Ich habe Q mit einem mulmigen Gefühl begonnen – und es hat mich nicht mehr losgelassen. Christina Dalcher schafft es erneut, wie schon bei Vox, eine dystopische Welt zu entwerfen, die erschreckend nah ...
Ich habe Q mit einem mulmigen Gefühl begonnen – und es hat mich nicht mehr losgelassen. Christina Dalcher schafft es erneut, wie schon bei Vox, eine dystopische Welt zu entwerfen, die erschreckend nah an der Realität ist. Dieses Mal geht es um ein Bildungssystem, das auf Leistung, Effizienz und einem sogenannten Q-Wert basiert – ein einziger Zahlenwert, der über alles entscheidet: Zukunft, Bildung, Status. Was mich so gefesselt hat, ist, wie subtil und gleichzeitig brutal dieses System ist. Es fängt mit etwas an, das wie eine clevere Idee klingt – wer möchte nicht, dass Schulen besser funktionieren? – und endet in einer gnadenlosen Selektion.
Besonders spannend fand ich die Perspektive der Protagonistin Elena. Ihre Entwicklung ist intensiv und nachvollziehbar. Als Mutter gerät sie zwischen ihre eigenen Überzeugungen und das, was sie für den Schutz ihrer Töchter tun muss. Ich konnte ihre inneren Konflikte sehr gut nachempfinden, besonders weil die Geschichte zeigt, wie leicht man in Strukturen mitläuft, die man eigentlich nie befürworten wollte. Und wie schwer es ist, sich dem zu entziehen, wenn man merkt, dass das System Unschuldige verschlingt.
Der Schreibstil ist klar, mit einem starken Sog, der mich regelrecht durch die Seiten gezogen hat. Gleichzeitig regt er zum Nachdenken an. Ich habe mich oft gefragt, wie weit unsere heutige Gesellschaft eigentlich noch von diesem Szenario entfernt ist. Was wäre, wenn Leistung tatsächlich über alles entscheidet? Was ist ein Mensch wert, wenn er nicht “gut genug” ist?