Mut zur Wahrheit – ein Blick in die Tiefe
Eric Stehfest öffnet in seinem neuen Buch ein Fenster zu einer Welt, die nur wenige kennen – und er tut es mit erschütternder Ehrlichkeit. In „9 Jahre Wahn“ beschreibt er, wie aus Jahren von Drogenkonsum, ...
Eric Stehfest öffnet in seinem neuen Buch ein Fenster zu einer Welt, die nur wenige kennen – und er tut es mit erschütternder Ehrlichkeit. In „9 Jahre Wahn“ beschreibt er, wie aus Jahren von Drogenkonsum, Selbstzweifeln und Instabilität schließlich eine Diagnose paranoid-schizophren wurde. Er spricht nicht nur über Symptome, sondern über die Tage, an denen seine Gedanken sich wie fremde Stimmen anhörten, über das Chaos, das Entgleiten der Kontrolle, über Angst, Rückzug und Therapie.
Besonders beeindruckend finde ich, wie Stehfest den Spagat schafft zwischen Rohheit und Hoffnung. Er vermeidet weder das Dunkel seiner Vergangenheit noch beschönigt er die Konsequenzen – und dennoch wirkt seine Stimme nicht verzweifelt, sondern entschlossen. Die Kapitel erzählen nicht nur vom Zusammenbruch, sondern auch vom Wiederaufbau, von der Auseinandersetzung damit, wer man war, wer man ist und wer man sein möchte.
Der Schreibstil ist unmittelbar, klar und oft sehr persönlich – man hat das Gefühl, er spricht direkt mit einem. Einige Passagen sind provozierend, andere schlichtweg traurig, und sie bleiben haften. Minimalistisch in der Sprache, aber maximal in der Wirkung. Besonders stark fand ich die Abschnitte, in denen er beschreibt, wie seine Umgebung reagierte – wie wenig Verständnis erfuhr, wie groß die Isolation war – und wie verklärt manche Hilfe war. Auch wenn man selbst keine psychische Erkrankung kennt, öffnet dieses Buch Augen.
Ein kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Reflexion gewünscht – etwa eine Tieferlegung, wie er heute konkret mit Angehörigen und Alltag umgeht. Aber gerade diese Offenheit macht das Buch umso authentischer: Es ist kein fertiger Ratgeber, sondern das Bekenntnis eines Menschen, der mitten im Leben steht – mit Kampf, Rückschlägen und Lichtblicken.
Fazit:„9 Jahre Wahn“ ist keine leichte Lektüre – und doch eine wichtige. Für Betroffene, Angehörige und alle, die verstehen wollen, wie weit Psychopathologien gehen können und wie groß der Mut ist, sich ihnen zu stellen. Ein Buch, das bewegt, inspiriert und nachhallt.