Cover-Bild Elmet

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12,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 09.11.2020
  • ISBN: 9783442770434
Fiona Mozley

Elmet

Roman
Thomas Gunkel (Übersetzer)

Eine schmerzhaft schöne Familiengeschichte – preisgekrönt, bejubelt, berührend.

John Smythe ist mit seinen Kindern Cathy und Daniel aufs Land gezogen, nach Yorkshire, in die Wälder von Elmet. Dort hegen die drei den Traum von einem anderen, friedvollen Leben. Sie wohnen in einem Häuschen, das sie eigenhändig erbaut haben, mitten in der Natur, nicht weit von der Eisenbahnlinie Edinburgh-London entfernt. Nur manchmal muss der Vater fort zu illegalen Faustkämpfen. In diesen Zeiten, in denen es immer weniger Arbeit gibt im Norden Englands, der einzige Weg, um die Familie über Wasser zu halten. Doch dann steht eines Tages ein Mann vor der Tür, der behauptet, dass alles ihm gehört - der Wald, der Grund und Boden, das Häuschen, in dem sie leben. Ihn kümmert der Wald eigentlich nicht, er bewirtschaftet ihn nicht. Aber er pocht auf sein Recht.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2021

Starkes Debüt

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Elmet... kleines Landstrich in den Wäldern von Yorkshires. Hier wohnt John Smythe mit seiner Tochter und mit seinem Sohn in einer Holzhütte, welche sie eigenhändig gebaut hatten. Mitten in der Natur, nicht ...

Elmet... kleines Landstrich in den Wäldern von Yorkshires. Hier wohnt John Smythe mit seiner Tochter und mit seinem Sohn in einer Holzhütte, welche sie eigenhändig gebaut hatten. Mitten in der Natur, nicht weit von der Eisenbahnlinie Edinburgh-London, jagen und sammeln die drei was der Natur hergibt und genießen Lebensabende mit selbstgebrautem Apfelwein. Nur manchmal muss John bei illegalen Faustkämpfe mitmachen, um die kleine Familie über Wasser zu halten. Nach paar Monaten friedvollen Leben in der Natur, steht eines Tages plötzlich ein Mann vor deren Tür und behauptet, dass alles, der Grund und Boden, der Wald und das Häuschen ihm gehört. Obwohl er den Wald nicht bewirtschaftet, nicht mal dafür interessiert, pocht er auf sein Recht...

Die Geschichte fängt mit drei Seiten an. Drei berührende, düstere Seiten, in dem ein Junge, völlig durchgebranntes Waldboden seiner Schwester sucht. Mit diesen Seiten, leise aber sehr eindringlich hat mich die bei London geborene Autorin in eine Familiengeschichte mitgenommen. Ein Familiendrama, welche sehr bildhaft geschrieben ist. Ich hatte der Duft von Kiefer in der Nase und die Farbe von Feuer vor meine Augen. Obwohl ich die ein oder andere Geschehnisse und die Taten von den Figuren nicht nachvollziehen konnte, waren die Charaktere für mich sehr interessant.

„Elmet“ ist eine trostlose, traurige und brutale Familiengeschichte, welche mit großartiger Sprache sehr atmosphärisch erzählt wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2020

Nature Writing in der dunkelsten Form

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Elmet, ein ehemals unabhängiges, keltisches Königreich des frühen Mittelalters im alten Norden Britanniens, bildet den geografischen Hintergrund für diesen Roman. Dort, in den Wäldern Yorkshires. Hier ...

Elmet, ein ehemals unabhängiges, keltisches Königreich des frühen Mittelalters im alten Norden Britanniens, bildet den geografischen Hintergrund für diesen Roman. Dort, in den Wäldern Yorkshires. Hier hat sich John mit seinen Kindern Cathy und Danny niedergelassen. Die Mutter ist weg, warum und wohin erfährt man nicht. Sie leben in einer selbstgebauten Hütte, ernähren sich von dem, was die Natur hergibt. Der Vater, ehemals ein erfolgreicher Bare Knuckle Fighter, ein Schläger, früher auch Geldeintreiber für den Großgrundbesitzer Price, hat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Die Kinder, aufgewachsen bei der inzwischen verstorbenen Großmutter, fühlen sich sicher in seiner Gegenwart, vertrauen auf ihn und vermissen nichts: „Er wollte uns gegen das Dunkle auf der Welt stärken. Je mehr wir wussten, desto besser würden wir vorbereitet sein.“Und dennoch dringt diese Welt in ihr Leben ein. Vertreten durch Price, der seine Ansprüche auf das Land geltend macht und sie vertreiben will. Ein Vorwand, denn eigentlich geht es ihm um John, den er wieder in seine Geschäfte einbinden will. Ein letzter Faustkampf soll alles entscheiden.

Der Roman (Shortlist Booker Prize 2017) ist mehr als eine Zurück-zur-Natur Story, es ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Ankommen in einer Welt, die nichts mit dem Idyll gemein hat, das John für seine Kinder erschaffen möchte. Aus der Perspektive des vierzehnjährigen Danny erzählt „Elmet“ von miesen Lebensumständen in einem vergessenen Landstrich, von Gewalt und toxischer Männlichkeit. Von dem vergeblichen Versuch des Vaters , diesem Leben nochmal eine Wendung zu geben.

"Elmet" ist Nature Writing in der dunkelsten Form. Die Schilderungen des täglichen Lebens in den Wäldern bestechen durch ihre atmosphärischen Beschreibungen, die Sprache ist außergewöhnlich beeindruckend, oft lyrisch in den Bildern. Aber, und das ist die Schwäche dieses Romans, nicht so, wie man es von einem Vierzehnjährigen mit rudimentärer Bildung erwarten würde.

Veröffentlicht am 13.11.2020

Einen eigenen Weg

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Den gehen die drei Smythes: Vater John mit seinen beiden Kindern Cathy und Daniel. Sie sind nach Yorkshire gezogen, mitten in die Wälder, haben ein eigenes Haus gebaut. Doch es gibt jemanden, nämlich den ...

Den gehen die drei Smythes: Vater John mit seinen beiden Kindern Cathy und Daniel. Sie sind nach Yorkshire gezogen, mitten in die Wälder, haben ein eigenes Haus gebaut. Doch es gibt jemanden, nämlich den Besitzer des Waldes, dem das überhaupt nicht passt. Mehrfach versucht er, die Familie dort herauszubekommen. Doch auch diese hat Unterstützer auf ihrer Seite.

Wenn man sehr beschönigend herangeht, könnte man die Lebensweise der Smithes als alternativ bezeichnen, da sie sozusagen ihren eigenen Weg gehen. Die Kinder besuchen nicht die Schule, John Smythe hat keinen Job im eigentlichen Sinne, sondern stellt sich manchmal in illegalen Faustkämpfen. Und macht noch so das ein oder andere.

Im Klartext befinden sie sich allerdings nicht auf, sondern unter der Armutsgrenze und sind zumindest in gewissen Fällen gezwungen, sich von anderen abhängig zu machen. Wobei die Gefüge innerhalb des Romans nicht immer ganz klar nachzuvollziehen sind, für mich jedenfalls nicht. Ob wir wollen oder nicht, es kann passieren, dass uns "Elmet" zu den tiefsten Niederungen in uns selbst führt. Zu Empfindungen, die uns selbst an uns verborgen geblieben sind oder die wir verstaut zu haben glaubten in den tiefsten Ecken unseres Bewusstseins, unserer Seele. Es könnte sogar zu einem Kampf mit sich selbst kommen, wenn man sich auf die Probe stellt - sowohl in Bezug auf seine Empfindungen als Teil der Szenerie im Roman, als auch schlicht und einfach seiner Einstellungen in gewissen Dingen zu sich selbst. Kann ich mich auf mich verlassen, bleibe ich mir treu?

John Smythe kann das von sich behaupten, die meisten anderen Akteure nicht oder zumindest nicht ständig. Ein Roman nicht nur, aber auch über Erkenntnisse über sich selber. Zu empfehlen für Leser, die nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln und starken Tobak vertragen können!

Veröffentlicht am 12.11.2020

Elmet, eine gesellschaftliche Utopie

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Die Themen alternative Lebensentwürfe jenseits der Mainstream-Gesellschaft, "zurück zur Natur", Ökologie, Selbstversorger und Aussteigen sind in der aktuellen Belletristik gerade sehr en vogue. Auch hier ...

Die Themen alternative Lebensentwürfe jenseits der Mainstream-Gesellschaft, "zurück zur Natur", Ökologie, Selbstversorger und Aussteigen sind in der aktuellen Belletristik gerade sehr en vogue. Auch hier kommt es aber auch wieder auf das "Wie" an, denn ob eine Geschichte den Leser berührt, kann nicht allein durch eine den Zeitgeist erfüllende Thematik erreicht werden. Es muss einfach das Gesamtpaket stimmen, denn was nützt die beste und brisanteste Thematik wenn Erzählweise, Plot und Figurenzeichnung nicht stimmen?

In Fiona Mozleys "Elmet" stimmt alles. Nicht umsonst wurde der Roman 2017 für den "Booker Prize" nominiert. Archaisch und fesselnd erzählt die Buchhändlerin Mozley ihre Geschichte. In dieser geht es um Moral, Recht und die Sehnsucht nach einem Idyll. John Smythe verlässt seine Dorfgemeinschaft und zieht mit seinen jugendlichen Kindern Cathy Oliver und Daniel Oliver nach Elmet, ein Landstrich in Yorkshire, der früher einmal ein britannisches Königreich war. Hier hausen die drei total abgeschieden in einem Wäldchen und dort in einer aus Lehm und Haselzweigen selbst gebauten Hütte in der Nähe der Eisenbahnlinie London-Edinburgh. Der Vater verdient sein Geld mit Faustkämpfen, gegessen wird vor allem selbst erlegtes Wild, Eier der eigenen Hühner und selbst angebautes Gemüse. Bildung erhalten die Kinder durch Vivien, eine Freundin der abwesenden Mutter, deren Schicksal zunächst im Dunkeln bleibt. Das utopistische Projekt vom Selbstversorger-Leben in der Natur wird jäh gefährdet durch das Auftauchen des Großgrundbesitzers Mr. Price. Obwohl er mit dem Land, auf dem das Häuschen der Familie Oliver/Symthe steht, nichts anfangen will, beansprucht er selbiges für sich. Es beginnt ein zunächst kalter Krieg, bei dem es nur Verlierer geben kann.

Ganz langsam entfaltet sich die Tragik dieses Romans. Leise und eindringlich entwickelt sich der Spannungsbogen. Dem Leser schwant bereits am Anfang Böses, denn direkt im ersten Kapitel wird angedeutet, dass das "Projekt" Elmet gescheitert ist. Hier spricht die Stimme des Erzählers Daniel im Präsens, kursiv gesetzt. Solche erzählerischen Intermezzi bzw Stimmen aus der Gegenwart des Erzählers gibt es zwischendurch dann noch öfters. Sie durchbrechen die in Rückblenden erzählte Handlung. Was ist vorgefallen, fragt sich der Leser, wie konnte diese Familie mit ihrem alternativen Dasein so krachend scheitern? Warum ist der Traum vom Einsiedlerleben im Wald geplatzt? "Elmet" ist ein durch und durch sozialkritischer Roman über "Haben und Sein", der den Kapitalismus und seine oftmals menschenverachtenden Prinzipien in Frage stellt. Der ominöse Mr. Smith steht für den Kapitalismus in Reinkultur, also für das "Haben" als Eigenwert, während die Familie Oliver/Smythe einfach nur "sein" möchte und zwar auf dem Land, das sie sich zum Leben auserkoren hat.

Es ist eine trostlose, sehr traurige und brutale Geschichte, die Fiona Mozley sich ausgedacht hat - "bleak" wie man im Englischen sagen würde. Sehr atmosphärisch ist dieser Roman, beklemmend und doch von ausnehmend schöner Sprache, die niemals überfrachtet oder gekünstelt daherkommt. Ein kleines Juwel der Erzählkunst und noch dazu ein Debütroman!



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