Cover-Bild Die Markierung
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 03.09.2022
  • ISBN: 9783455014365
Frída Ísberg

Die Markierung

Roman
Tina Flecken (Übersetzer)

Was passiert, wenn Ideen zu Ideologien gerinnen? Poetisch, scharfsichtig und eindringlich erzählt Fríđa Ísberg von einer Gesellschaft, die per Gesetz Klarheit über Gut und Böse schaffen will.

Island in naher Zukunft. Um die öffentliche Sicherheit zu erhöhen, sind bestimmte Wohngebiete nur noch für sogenannte markierte Menschen zugänglich, deren moralische Vertrauenswürdigkeit durch einen Empathie-Test nachgewiesen wurde. Bei den anstehenden Wahlen wird sich entscheiden, ob die allgemeine Markierungspflicht gesetzlich verankert wird.
Ob die skeptische Lehrerin Vetur, der einflussreiche Psychologe Óli, die Geschäftsfrau Eyja oder der Schulabbrecher Tristan: Egal welchen Hintergrund sie mitbringen und egal, ob sie die gesellschaftlichen Veränderungen befürworten, hinnehmen oder aktiv gegen sie angehen – sie alle geraten in den Strudel der Verwerfungen einer Gesellschaft, deren neue Spielregeln explosive Folgen haben.

 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2022

Eine zeitgemäße Dystopie

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„Die Markierung“ ist das eindrucksvolle Debüt der isländischen Autorin Frida Ísberg.

Die Handlung spielt in der nahen Zukunft und ist in Island angesiedelt. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu optimieren, ...

„Die Markierung“ ist das eindrucksvolle Debüt der isländischen Autorin Frida Ísberg.

Die Handlung spielt in der nahen Zukunft und ist in Island angesiedelt. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu optimieren, werden bestimmte Bereiche nur noch für markierte Menschen zugänglich. Um eine solche Markierung zu erhalten, muss ein Empathietest bestanden werden. Ob diese Maßnahme nun eingeführt wird, soll sich bei den nächsten Wahlen entscheiden. Anhand verschiedener Charaktere aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten erfahren wir, was diese Idee mit den Menschen macht, ob sie diese befürworten oder sich dagegen wehren.

Der Grundgedanke eine Gesellschaft zu erschaffen, in der man sich sicher fühlt, in der alle rücksichtsvoll sind und nett miteinander umgehen, klingt sicherlich verlockend. Aber was ist der Preis dafür ?

Durch ganz unterschiedliche Charaktere beschreibt die Autorin wohin diese Maßnahme führen könnte und es wird schnell deutlich, dass es zu Ausgrenzungen und einer gespaltenen Gesellschaft kommt.

Die isländischen Namen haben mir den Einstieg nicht leicht gemacht, aber im Verlauf der Handlung konnte ich mich gut daran gewöhnen, wobei die Handlung durchaus überschaubar bleibt. Es spielt sich viel in den Köpfen der Protagonisten ab.

Thematisch hat das Buch einiges bieten und liefert eine Menge Stoff zum Nachdenken.

Auch wenn es sich um eine Dystopie handelt, so weit weg sind wir von solchen Gedanken und Ideen leider oft nicht. Wer gerne gesellschaftskritische Romane liest, dem dürfte dieser Roman gefallen.

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Veröffentlicht am 22.12.2022

Zwischen Utopie und Dystopie

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„Stell dir eine Zukunft vor, in fünf Jahren, in zehn Jahren. […] Dann haben wir uns an ein Gesellschaftsbild gewöhnt, in dem Menschen wie Autos sind. Sie müssen einmal im Jahr zur Inspektion, damit man ...

„Stell dir eine Zukunft vor, in fünf Jahren, in zehn Jahren. […] Dann haben wir uns an ein Gesellschaftsbild gewöhnt, in dem Menschen wie Autos sind. Sie müssen einmal im Jahr zur Inspektion, damit man sie wieder gefahrlos in den Verkehr lassen kann. Wenn etwas kaputt geht, muss es repariert werden. So einfach ist das.“

Stell dir vor, du könntest den Charakter eines Menschen, seine moralische Integrität, kurz: ob er nach den gängigen gesellschaftlichen Maßstäben als „gut“ oder „böse“ zu gelten hat, einwandfrei auf den ersten Blick feststellen. Würde das den Umgang miteinander nicht vereinfachen, gar verbessern? Würde es deine gefühlte wie tatsächliche Sicherheit nicht maximieren? Würde es dich nicht vor unliebsamen Überraschungen, vor menschlichen Enttäuschungen und letztlich vor gewalttätigen Übergriffen, seien sie physisch oder psychisch, schützen? Wäre das nicht die ideale Lösung für ein friedfertiges, respektvolles Miteinander? Wäre das nicht der Schlüssel zu einer besseren Gesellschaft und damit, ja: zu einer besseren Welt? Vielleicht sogar der besten aller Welten?

Island in nicht allzu ferner Zukunft: Der so genannte Empathie-Test ermöglicht es frühzeitig, die charakterliche Festigkeit und moralische Vertrauenswürdigkeit einer Person festzustellen. „Frühzeitig“: Das heißt, bevor sich die potenziell negativen Eigenschaften manifestieren. Das heißt, im Kindesalter. Wer den Test besteht, erhält eine entsprechende „Markierung“, dessen soziales Fit-in ist über jeden Zweifel erhaben. Schon entstehen die ersten Wohnhäuser, Blocks, Siedlungen und Viertel, die nur nachweislich Markierten zugänglich sind. Wer durchfällt, wird in einem engmaschigen therapeutischen Netz aufgefangen, es soll ja grundsätzlich niemand zurückgelassen werden, nicht wahr. Ob in Schulen oder Unternehmen, allerorts greift die Aufforderung, sich markieren zu lassen, um sich.

Nun stehen Wahlen an, und das alles beherrschende Thema ist die Frage, ob die Markierungspflicht gesetzlich festgelegt werden sollte. Im Dienste der öffentlichen Sicherheit und damit zum Wohle der Bevölkerung. Wer sich widersetzt, kann nur etwas zu verbergen haben, … oder?

„Die Markierung“, der erste Roman der isländischen Lyrikerin Fríða Ísberg (aus dem Isländischen von Tina Flecken), hat mich von der ersten Zeile an in seinen Bann gezogen. Sprachlich ebenso gewandt wie leichtfüßig entwirft die Autorin eine Gesellschaft, die scheinbar das Patentrezept für alle sozialen Probleme gefunden hat, indem sie sich „rechtzeitig“ deren Wurzeln annimmt: der Menschen. Dabei verzichtet sie dankenswerterweise auf einen plakativen Richtig-oder-falsch-Kontrast, sondern wägt subtil das persönliche wie gemeinschaftliche Bedürfnis nach Sicherheit und Absicherung gegen den individuellen Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung ab: eine literarische Kosten-Nutzen-Analyse des menschlichen Kollektivs, in der die Grenze zwischen Utopie und Dystopie erschreckend durchlässig ist. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Ein nachdenklich stimmendes, dys-/utopisches (?) Gesellschaftsporträt

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„Die Markierung“, das Debüt der isländischen Autorin Fríða Ísberg, besticht mit einer absolut originellen Idee, die auf nachdenkliche Weise auserzählt wird, ohne viel Action und immer dicht an den Charakteren ...

„Die Markierung“, das Debüt der isländischen Autorin Fríða Ísberg, besticht mit einer absolut originellen Idee, die auf nachdenkliche Weise auserzählt wird, ohne viel Action und immer dicht an den Charakteren und ihrer individuellen Existenz in der Gesellschaft. Manchmal vielleicht etwas handlungsarm, insgesamt aber ein extrem gelungener Roman, der auf interessante Weise zwischen Utopie und Dystopie schwankt.

Im Island der Zukunft hat sich ein sogenannter Empathie-Test etabliert, der Personen danach bewertet, ob sie funktionierende Mitglieder einer Gesellschaft sein können. Die Resultate des Tests sind öffentlich zugänglich, und wer ihn besteht („markiert“ ist), genießt gewisse Privilegien, während Nicht-Bestehende oder Menschen, die den Test gar nicht erst machen, der Zugang zu manchen Gebäuden, Stadtvierteln und Läden verwehrt bleibt. Die Debatte über den Test läuft heiß, als eine Volksabstimmung darüber ansteht, ob er verpflichtend eingeführt werden soll. Vier Figuren mit unterschiedlichen Perspektiven auf diese sogenannte Markierung begleiten durch die Geschichte, jede von ihnen mit ihren eigenen nachvollziehbaren Gründen für oder gegen den Test, jede von ihnen mit einer berührenden Biographie.

„Die Markierung“ ist keine actiongeladene Dystopie, sondern ein eher kurzer Roman, der einen ausschnitthaften Blick auf eine potenzielle zukünftige Gesellschaft wirft und dabei viele aktuelle Themen aufgreift: Solidarität und Verantwortung, Ausgrenzung und Klassenunterschiede. Fríða Ísberg gelingt es hervorragend, die verschiedenen Argumente pro oder contra Markierung anhand lebendiger und nachvollziehbarer Charaktere auszuführen und damit einen intensiven Denkprozess in Gang zu setzen. Manchmal verharrt ihr Roman allerdings zu sehr in der Betrachtung, und etwas mehr Triebkraft in der Handlung würde dem Buch nicht schlecht tun, ebenso wie ein etwas größerer Umfang, denn aufgrund der Kürze des Romans und der Aufteilung auf vier Perspektiven bleibt doch überall noch Luft für mehr Ausführlichkeit. Nichtsdestotrotz hat dieses Ausschnitthafte auch seinen Reiz, denn es unterstreicht, dass es kein Buch über bestimmte Menschen ist, sondern ein Buch über eine Gesellschaft. Dass es sich dabei gerade um die isländische Gesellschaft handelt und der Schauplatz Reykjavík häufig eine Rolle im Roman spielt, ist gerade für Island-Fans noch ein zusätzliches Sahnehäubchen.

Ein Roman mit einer außerordentlichen und einzigartigen Grundidee und vielen Ansatzpunkten für Diskussionen und Gedankenspiele. Anspruchsvolle Literatur mit dem gewissen isländischen Etwas!

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Veröffentlicht am 09.10.2022

Authentische Zukunftsvision

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Frida Isbergs Debut 'Die Markierung' lässt schon durch das Buchover erkennen, dass es sich um ein gesellschaftskritisches Buch handeln könnte. Dabei lässt sich nicht einmal genau benennen, was am Cover ...

Frida Isbergs Debut 'Die Markierung' lässt schon durch das Buchover erkennen, dass es sich um ein gesellschaftskritisches Buch handeln könnte. Dabei lässt sich nicht einmal genau benennen, was am Cover genau diesen Eindruck entstehen lässt.
Das Buch spielt einige Jahre in der Zukunft in Island. Im pyschologischen Bereich wurde ein Empathietest entwickelt, der die Empathiefähigkeit der Menschen messen und diese in markierte (Empathiefähige) und unmarkierte Gruppen einteilen kann. Für die markierten Personen entstehen dann Vorteile, wie extra abgetrennte und 'sichere' Wohngebiete.
Schnell wird während des Lesens klar, welche Konflikte aus diesem Setting entstehen können und als Leserinnen bekommen wir durch verschiedene Figuren Einblicke in beide Lager (Befürworter und Ablehner). Wir werden mitten hineingezogen in die Diskussion über diesen Test. Ich persönlich finde das Gedankenspiel höchst interessant und sehe das 'gesellschaftliche Sprengpotential' hinter dieser Möglichkeit. Ich bin froh, dass ich keine Figur des Buches bin und mich keiner der beiden Seiten anschließen musste. Die Einblicke in das Leben der Figuren sind wirklich tief und erst gegen Ende des Buches werden die Verbindungen zwischen den vielen Einzelpersonen deutlich. Allerdings lässt die Offenheit des Endes mich irgendwie unbefriedigt zurück. Ich frage mich, was ich mit diesem Ende anfangen soll? Ob ein Ziel verfolgt wurde oder ob wir als Leserinnen im Grund einfach 'stehen gelassen wurden'. Bis auf das Ende hat der Roman mich wirklich beeindruckt und mich zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt.

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Veröffentlicht am 29.09.2022

Vertrauen oder Kontrolle

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Die Markierung – Frida Isberg
Kann man durch einen psychologischen Test Charakterschwächen ausfindig machen und daraus Neigungen zu einer eventuellen kriminellen Zukunft ableiten? Möglich. Doch ist es ...

Die Markierung – Frida Isberg
Kann man durch einen psychologischen Test Charakterschwächen ausfindig machen und daraus Neigungen zu einer eventuellen kriminellen Zukunft ableiten? Möglich. Doch ist es auch ethisch vertretbar, die Bevölkerung dazu zu zwingen, ebendiese Testergebnisse öffentlich zu machen und diverse Einschränkungen und Anfeindungen in Kauf zu nehmen? Genau das ist es, wovon Frida Isberg in ihrem dystopischen Roman erzählt.
Island wählt demnächst eine neue Regierung. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass diese eine Markierungspflicht beschließen wird, das heißt, jeder ist verpflichtet, den Empathietest (der bereits gang und gäbe ist) zu absolvieren und das Ergebnis offenzulegen. Frida Isberg stellt vier Personen aus der Mitte dieser fiktiven Gesellschaft vor. Ein Befürworter und drei Kritiker, Gegner, Opfer des Systems. Schon vor Inkrafttreten des geplanten Gesetzes sind die nicht Markierten allerlei Repressionen ausgesetzt. Arbeitgeber, Hauseigentümer, etc. setzen auf vorauseilenden Gehorsam und political correctness und schließen diese schon mal aus. Karrieren, Existenzen, Beziehungen scheitern.
So arg viel an Handlung passiert in dieser Geschichte gar nicht. Die Karten liegen von Anfang an auf dem Tisch, das ist die Realität, die es zu akzeptieren gilt. Die vier Figuren, die wir begleiten dürfen, haben damit klarzukommen. Ganz viel passiert einfach in ihren Köpfen. Isberg legt ihre Sorgen und Nöte, Gedanken und Gefühle offen. Dabei geht sie richtig in die psychologischen Tiefen. Der Empathietest, um den sich alles dreht, bleibt dabei selber recht vage. Aber darum geht es der Autorin wohl gar nicht so sehr. Viel wichtiger scheinen ihr die moralischen Aspekte zu sein. Was passiert mit denen, die den Test nicht bestehen, was mit zwischenmenschlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Verwerfungen? Es stellt sich zudem die Frage, ob der Empathietest wirklich schuld ist am Unglück der Verweigerer und Durchgefallenen, oder ob er nur Dinge offenlegt, die ohnehin in der Gesellschaft und im Einzelnen schlummern. Möglicherweise beschleunigt er manche Entwicklung einfach nur. Der Leser ist gefragt, sich seine eigenen Gedanken zu machen.
Dabei muss man sagen, dass diese Dystopie gar nicht sonderlich dystopisch wirkt. Vieles aus dem Roman ist bereits Realität, oder zumindest nahe dran. Zoe beispielsweise ist ein etwas intelligenteres Äquivalenz zu Alexa. Spätestens seit den Corona-Regeln und den gesellschaftlichen Disputen der letzten Jahre, weiß man, wie schnell Einzelne Anfeindungen und Ausgrenzungen ausgesetzt sind. Wobei man da nur Menschen mit der „falschen“ Hautfarbe o.ä. fragen muss, um zu erfahren, dass solche Dinge totgeschwiegener Alltag sind. So gesehen könnte dieser Roman aktueller gar nicht sein.
Sprachlich empfand ich dieses Werk als eher unauffällig. Die vielen isländischen Namen, teils sogar mit fremden Schriftzeichen, machen den Einstieg nicht allzu leicht. Später fällt das aber kaum noch auf. Allerdings bleibt der Erzählstil stets recht distanziert. Wirkliche Nähe zu den Protagonisten stellt sich leider nicht ein.
Eine Lektüre, die Sprengstoff birgt und zum Nachdenken anregt. Sehr lesenswert! 4 Sterne.

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