Schonungslos und dennoch einfühlsam: Packendes True Crime-Buch über zwei schreckliche Kinderschicksale
In den Jahren 1994 und 2005 erschütterten zwei Fälle, in denen Kindern auf ihrem Schulweg Schreckliches zugestoßen war, den Freistaat Sachsen.
Der zehnjährige Michael Teumer aus Lößnitz verschwindet an ...
In den Jahren 1994 und 2005 erschütterten zwei Fälle, in denen Kindern auf ihrem Schulweg Schreckliches zugestoßen war, den Freistaat Sachsen.
Der zehnjährige Michael Teumer aus Lößnitz verschwindet an einem trüben Januarmorgen 1994. Lange bleibt seine Familie im Ungewissen darüber, ob Michael noch lebt. Plötzlich erhalten die Polizei und die Teumers anonyme Schreiben von jemandem, der angeblich weiß, dass Michael von einem Auto angefahren wurde und daraufhin verstorben ist. Doch wo ist die Leiche des Kindes?
Ayla war sechs Jahre alt, als sie in ihrer Heimatstadt Zwickau Opfer eines schier unaussprechlichen Verbrechens wurde. Der Täter gesteht den Mord nur kurze Zeit nach der Tat. Zwickau ist in Aufruhr. Vor dem Gericht demonstrieren aufgebrachte Bürger, der Täter muss im Verhandlungssaal geschützt werden.
Gabi Thieme war jahrzehntelang Journalistin bei der bekannten sächsischen Tageszeitung „Freie Presse“. Die gebürtige Erzgebirgerin hat über beide Fälle ausführlich berichtet und im Fall Ayla die Gerichtsverhandlung persönlich mitverfolgt. Bis heute hält sie Kontakt zu den Angehörigen von Michael und Ayla.
Ihr True Crime-Buch „Auf dem Schulweg verschwunden“, erschienen im Paperento Verlag im Frühjahr 2025, ist deshalb keine Nacherzählung beider Fälle im Sinne journalistischer Sensationslust. Stets respektvoll beschäftigt sich Gabi Thieme mit der Frage, wie die Familien der Opfer nach solch unfassbaren Gewalttaten weiterleben können.
Ihr gelingt der Spagat zwischen der schonungslosen Offenbarung dessen, was den Kindern angetan wurde, und dem Treffen des richtigen Tons, nämlich mitfühlend und empathisch.
Sie reichert ihre schockierenden und detailreichen Ausführungen mit einer Reihe Fotos an, die unter anderem die Tatorte und die anonymen Schreiben im Fall Michael Teumer zeigen. In „Auf dem Schulweg verschwunden“ beleuchtet sie auch die Arbeit der Polizei. Den Beamten gehen die beiden Fälle trotz aller Professionalität an die Nieren – verständlicherweise.
„Auf dem Schulweg verschwunden“ ist ein ebenso spannendes wie einfühlsam geschriebenes Zeugnis über zwei furchtbare Kinderschicksale. Man kann dieses Buch einfach nicht aus der Hand legen, muss aber – selbst als erfahrener True Crime-Leser – an manchen Stellen innehalten und durchatmen. Gabi Thieme beschönigt nichts. Sie war ganz nah dran an beiden Fällen und sorgt mit ihrem neuen Buch auch dafür, dass Michael und Ayla nicht in Vergessenheit geraten.