Schonungslos ehrlich
„Wenn man keine Flügel zum fliegen hat, klettert man eben. Wenn man keinen Schlüssel hat, macht man sich einen. So viel muss einem die Freiheit schon wert sein.“
Der zweite Band von Rainbow setzte dort ...
„Wenn man keine Flügel zum fliegen hat, klettert man eben. Wenn man keinen Schlüssel hat, macht man sich einen. So viel muss einem die Freiheit schon wert sein.“
Der zweite Band von Rainbow setzte dort an, wo der erste aufgehört hat. Wir befinden uns im Jahr 1955, Japan hat den Krieg verloren und es herrschen erbärmliche Zustände im Land. Die Jungs, um die sich die Geschichte des Mangas dreht, sitzen in einer Jugendstrafanstalt für verschiedene Delikte, die sie teils gezwungen waren zu begehen - für ihre Verwandten, für Essen, fürs Überleben.
George Abe hat die Zustände des Nachkriegsjapans am eigenen Leib miterlebt. Er wurde in den 30er geboren und arbeitet mit „Rainbow“ seine Erfahrungen und Beobachtungen in einer solchen Strafanstalt auf.
Im Kern handelt die Geschichte vom Zusammenhalt der Jungs. Im ersten Teil wurden sie von „Bruder“ unter die Fittiche genommen. Dieser lehrte sie, dass solche Dinge wie Zusammenhalt und Freundschaft noch existieren, selbst in der Realität der Jugendstrafanstalt. George Abe setzt damit einen Kontrapunkt zu widerwärtigen Ärzten, sadistischen Wächtern und viel Blut und Leid, die in der Anstalt vorherrschen. Mir kam beim Lesen oftmals der Gedanke, dass das die Hölle auf Erden gewesen sein muss. Mir fehlten oft die Worte - aber die Zeichnungen, schonungslos und detailliert ehrlich, cineastisch und blutig, zeigen in vielen Schattierungen das Leben der Freunde.
Im zweiten Teil benötigt „Bruder“ Hilfe - denn sein Leben ist in Gefahr. Er weiß zu viel. Der, der die anderen anfangs immer beschützt hat, ist nun in einer aussichtslosen Lage. Im zweiten Teil zeigt sich, wie sehr sich die Jungs entwickelt haben und aneinander gewachsen sind. Sie stehen für sich ein und fassen Mut, weil anderen sie brauchen. Für mich ist das die große Stärke der Geschichte.
Es war wieder der Zusammenhalt und die Freundschaft, die Lichtpunkte in diesem Manga setzen und den Leser auf bessere Tage hoffe lassen.