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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 13.03.2020
  • ISBN: 9783423282208
Graham Swift

Da sind wir

Der neue Roman des Man-Booker-Preisträgers
Susanne Höbel (Übersetzer)

Ein Zauberer und ein Entertainer verlieben sich in dieselbe Frau

Jack Robbins und Ronnie Dean sind Freunde, beide träumen vom Ruhm – Jack als Entertainer, Ronnie als Zauberer. Nach ihrer Militärzeit lassen sie endlich das berüchtigte Londoner East End hinter sich: Im mondänen Seebad Brighton steigen sie Ende der Fünfzigerjahre ins flirrende Showgeschäft ein. Als die bezaubernde Evie White zu ihnen stößt, kommt der ganz große Erfolg, und aus den Freunden werden Rivalen. Denn Evie – erst Ronnies Assistentin, später seine Verlobte – beginnt eine Affäre mit Jack. Wenig später verschwindet Ronnie während eines Auftritts und bleibt unauffindbar. Als könnte er wirklich zaubern.

Hypnotisch erzählt der große englische Romancier Graham Swift von den magischen Momenten im Leben, die sich selten im Rampenlicht abspielen.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2020

It must be magic

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Hier schreibt Graham Swift von Zauberern und anderen bunten Vögeln. Auch wenn es zunächst gar nicht so schillernd losgeht in diesem kurzen Roman, der doch alles beinhaltet, was man sich nur wünschen kann! ...

Hier schreibt Graham Swift von Zauberern und anderen bunten Vögeln. Auch wenn es zunächst gar nicht so schillernd losgeht in diesem kurzen Roman, der doch alles beinhaltet, was man sich nur wünschen kann! Vor allem eine glasklare Sprache und einen stimmigen, fesselnden Stil, beides bleibt in der exzellenten Übersetzung bestens erhalten!

Im Mittelpunkt steht Ronnie, zunächst ein kleiner, verschüchterter Junge, den es zu Beginn der Bombardierungen auf London im Zweiten Weltkrieg - was mehr oder weniger gleichbedeutend mit dem Beginn des Krieges selbst ist - aufs Land verschlägt. Er wird, wie Abertausende anderer britischer Kinder auch, evakuiert und wird von seinen Gasteltern mehr oder weniger verzaubert - denn er kommt mehr oder weniger in ein Paradies. In dem er auch noch das Zaubern lernt.

Diese Fertigkeit will er Jahre später zu seinem Beruf machen - gemeinsam mit Jack, seinem Freund aus Armeezeiten, träumt er von einer Karriere auf der Bühne. Zu der dieser ihm irgendwann, mittlerweile zum Moderator einer kleinen Show geworden, ihm tatsächlich verhilft. Und fast auch noch zu einer Braut. Aber eben nur fast.

Warum das so ist und wie es kommt, dass Jack ebenso plötzlich von der Bühne verschwindet wie er auf ihr landet - das beschreibt Graham Swift ebenso lakonisch wie fesselnd. Und das Publikum - in diesem Falle wir, die Leser - bleibt mindestens ebenso nachdenklich zurück wie Evie, Ronnies Fast-Ehefrau...

Ein überaus lohnendes Stück englischer Literatur, das aus meiner Sicht nur einen einzigen Mangel aufweist: es ist viel zu schnell zu Ende!

Veröffentlicht am 13.03.2020

Von Schein und Sein und der Flüchtigkeit der Dinge

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Im Roman „Da sind wir“ des Engländers Graham Swift wird die 25-jährige Revuetänzerin und Protagonistin Evie White von zwei Männern geliebt. Einer von ihnen ist Jack Robinson, 28 Jahre alt und bereits eine ...

Im Roman „Da sind wir“ des Engländers Graham Swift wird die 25-jährige Revuetänzerin und Protagonistin Evie White von zwei Männern geliebt. Einer von ihnen ist Jack Robinson, 28 Jahre alt und bereits eine Saison lang als Conférencier im Theater auf dem Brighton Palace Pier erfolgreich. Sein gleichaltriger Freund Ronnie Deane, den er beim Militärdienst kennengelernt hat, interessiert sich schon seit seiner Kindheit für die Zauberei, ist bei der Ausübung seiner Künste aber weniger erfolgsverwöhnt. Bei seinen Auftritten nennt er sich „Pablo“ wie der Papagei, der ihm einmal sehr nahe war und den er vermisst.

Jack bietet ihm eine Shownummer im aktuellen Programm unter der Bedingung an, dass er mit einer Assistentin auftritt. Ronnie und Evie lernen sich beim Vorstellungsgespräch kennen. Die gemeinsamen Proben bringen sie einander näher. Während das Publikum immer begeisterter von den Auftritten des Paars ist, beginnen Evie und Jack während einer Abwesenheit von Ronnie eine Liebesbeziehung.

Die Haupthandlung spielt Ende der 1950er. Die langen Schatten des Krieges sind verblasst, Kleinkunst und Kino erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Seebad Brighton vergnügen sich die Menschen und genießen die entspannte Atmosphäre. Einen besonderen Anziehungspunkt bildet das auf einem der Piers gelegene Theater. Während man auf der Bühne von Gesang, Zauberei, Tanz und Akrobatik mit viel Glitzer und Glanz verwöhnt wird, atmet der Gast vor und nach seinem Besuch die Seeluft ein und hört das Rauschen des Meeres. Gleiches konnte ich bei meinem Aufenthalt vor einiger Zeit auch erfahren. Leider gibt es das Theater heute nicht mehr, aber ebendort bieten sich einige andere Vergnügungen an.

Während ich als Leser wenig über die Kindheit von Jack und Evie erfahren konnte, folgte ich Ronnie zu einer für ihn entscheidenden Zeit Anfang der 1940er Jahre. Damals erlebte er eine ganz andere Seite von Familie und Erziehung als die, in der er heranwuchs. Diese Zeit hat sein Denken und Handeln nachhaltig geprägt. Der Ausspruch „Da bin ich“ oder auch „Da sind wir“, den er damals oft gehört hat, vermittelte ihm, dass Glück möglich, aber auch flüchtig ist. Das hat ihn geerdet und nicht nur durch seine Zauberkunst weiß er, dass nicht immer alles, was man zu sehen glaubt, der Realität entspricht. Gleichzeitig hat er es geschafft, einen seiner Träume zu leben und Evie ergänzt nicht nur seine Auftritte, sondern er wünscht sie sich an seiner Seite zur Verwirklichung eines weiteren. Bis er erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben.

Im Buch „Da sind wir“ erzählt Graham Swift von Schein und Sein und der Flüchtigkeit der Dinge, von glanzvollen Bühnenauftritten und der Zeit jenseits der öffentlichen Bewunderung, in dem die Maskerade abgelegt wird und die Alltagsrollen eingenommen werden. Sein einfühlsam geschriebener Roman verknüpft heitere und tragische Momente, die zeigen, wie schmerzlich und freudig Leben ist. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

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Veröffentlicht am 17.05.2020

Von Zauberern, Papageien und der Liebe

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Graham Swifts kurzer Roman "Da sind wir" ist geballtes Erzählen, Narration im Zeitraffer gewissermaßen. Es ist eine Geschichte über das Leben dreier Menschen aus dem britischen Showbusiness des 20. Jahrhunderts ...

Graham Swifts kurzer Roman "Da sind wir" ist geballtes Erzählen, Narration im Zeitraffer gewissermaßen. Es ist eine Geschichte über das Leben dreier Menschen aus dem britischen Showbusiness des 20. Jahrhunderts - Kollegen, Freunde, Geliebte.
Im Mittelpunkt steht Ronnie Deane, der Zauberer. Er wird 1931 in bescheidenen Verhältnissen in London geboren und erlebt als Kind die Kriegsjahre in Großbritannien. Seine Mutter bringt ihn während der Zeit der Bombenangriffe bei einem vermögenden Paar in Oxfordshire unter, das sich als Mitbegründer der Organisation "Oxfam" sozial engagiert. Sein Pflegevater Eric Lawrence bringt ihm das Zaubern bei und Ronnie macht es zu einer Karriere. Während seiner Armeezeit lernt er den Show-Produzenten, Schauspieler und Entertainer Jack Robbins kennen, in dessen Shows er auftritt. Seine Assitentin Evie White wird auch zu seiner Lebenspartnerin abseits der Bühne. Während eines Sommeraufenthaltens 1959 in Brighton, bei dem Evie und Ronnie als Pablo & Eve bei Jacks Bühnenshow auftreten, ändert sich das Leben der drei Showmenschen für immer.
Die Lebensgeschichten der drei Hauptfiguren werden sehr schnell erzählt (teilweise im Modus: Dann passierte das und dann das…), scheinbar ohne Tiefe, zweidimensional. Erst als wir mit Evies Perspektive konfrontiert werden, bekommt das Ganze ein reflexives Gerüst, die Narben und Verletzungen der Figuren sowie ihr Lebensdrama werden sichtbar.
Wir haben einen allwissenden Erzähler, der zwischen verschiedenen Perspektiven, Zeiten und Ereignissen hin- und her springt. Manchmal geht der Perspektivwechsel sehr schnell und man muss aufpassen, dass man den Zeitsprung von 50 Jahren überhaupt mitbekommt.
Graham Swift ist ein Erzähler der alten Schule - er beschränkt sich auf das Wesentliche, festgehalten in einer reinen, gekünstelten Prosa, die in Wechselwirkung mit dem schillernden Show-Beruf der Protagonisten steht. Swift schält die Geschichte gewissermaßen und zurück bleibt das zerstückelte Fruchtfleisch, in das der Leser getrost hineinbeißen kann, wie in reifes Obst.
Eigentlich ist das Buch von seiner Form her eine klassische Novelle. Das Leit- bzw. Falkenmotiv ist hier der bunte Papagei, der auch bei der "unerhörten Begebenheit", die gegen Ende erzählt wird, eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Erzählen auf die klassische Art also.
Experimentell ist das nicht und will es auch nicht sein. Es ist solide, eine interessante Geschichte, denn der Leser bekommt einen Einblick in einen Bereich des Showbusiness, der noch vor allen anderen auf Effekthascherei, Täuschung, Illusionen und Tricks basiert.
Eine schön erzählte Geschichte einer Dreiecksbeziehung, bei der ein Beteiligter am Ende den Kürzeren zieht, aber nicht unbedingt ein Meisterwerk.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Von Zauberkunst und wahrer Magie

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Das englische Seebad Brighton Ende der 1950er Jahre: In einer allabendlichen Varietéshow während der Sommermonate tritt der 28-jährige Jack Robbins als Conférencier auf. Er bezeichnet sich selbst als den ...

Das englische Seebad Brighton Ende der 1950er Jahre: In einer allabendlichen Varietéshow während der Sommermonate tritt der 28-jährige Jack Robbins als Conférencier auf. Er bezeichnet sich selbst als den „Flinken Jack“ und ist beim Publikum beliebt. Auch sein gleichaltriger Freund Ronnie Deane macht sich auf dem Brighton Pier als Zauberer unter seinem Künstlernamen Pablo einen Namen. Zusammen mit seiner Assistentin und Verlobten Evie White (25) wird der Magier zum Highlight der Show. Beruflich läuft es gut für die beiden jungen Männer, doch privat bahnt sich Ärger an. Auch Jack hat ein Auge auf die ansehnliche Evie geworfen…

„Da sind wir“ ist ein Roman von Graham Swift.

Meine Meinung:
Der Roman ist zwar in Abschnitte, nicht jedoch in Kapitel unterteilt. Erzählt wird aus einer auktorialen Perspektive heraus, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Zeiten und Orte wechseln hin und her.

Der Schreibstil ist sehr besonders. Der Autor beweist, dass er mit Sprache vortrefflich umgehen kann. Davon zeugen unter anderem seine Wortspiele und Metaphern. Manche Formulierungen und Motive tauchen immer wieder auf, sie bilden einen roten Faden. Vor allem zu Beginn habe ich mich mit dem Schreibstil allerdings ein wenig schwergetan, da sich dort Vorausdeutungen und Rückblenden vermischen.

Die beiden Freunde und Evie stehen im Fokus der Geschichte. Vor allem Ronnie und dessen Vergangenheit werden intensiv und in aller Tiefe beleuchtet. Mit ihm beschäftigt sich ein Großteil des Romans. Doch der Leser erhält auch Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt von Jack und Evie. Die drei Charaktere wirken vielschichtig und authentisch.

Vordergründig dreht sich alles um eine Dreiecksgeschichte, kein origineller, neuer Stoff. Doch der Roman behandelt viel mehr als eine einfache Lovestory. Auf nur rund 160 Seiten stecken viele Themen und Details. Es geht unter anderem um Zaubertricks und wahre Magie, um Illusionen und Träume, um die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, um dysfunktionale Familienverhältnisse und um die Suche nach einem Platz im Leben. Und immer wieder sind da die ganz grundlegenden Fragen. Wie offen und ehrlich sind wir gegenüber anderen und uns selbst? Ist das ganze Leben nur eine Show und wir sind die Schauspieler?

Dem Autor gelingt es, den Leser bei der Stange zu halten. Obwohl es inhaltliche Wiederholungen gibt und bereits früh vorweggenommen wird, wie die Geschichte in ihren Grundzügen endet, kommt beim Lesen keine Langeweile auf, denn nach dem ersten Viertel entsteht ein Sog, dem man sich schwerlich entziehen kann.

Das Cover ist nicht nur für sich betrachtet ein richtiger Hingucker, sondern passt auch inhaltlich hervorragend, da das Motiv des Papageis mehrfach im Buch auftaucht. Der deutsche Titel ist nicht so treffend wie das englischsprachige, mehrdeutige Original („Here we are“), das sich allerdings nicht einfach übersetzen lässt.

Mein Fazit:
„Da sind wir“ von Graham Swift ist ein empfehlenswerter Roman, in dem trotz seiner Kürze dank einer ausgeklügelten Erzähltechnik sehr viel steckt.

Veröffentlicht am 01.12.2020

Illusion und Wirklichkeit

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"Geheimnisse. Wir haben alle welche. Und sind sie je gut aufgehoben? Gut aufgehoben bei uns selbst?"

Evie White ist 75 Jahre alt und lässt ihr Leben Revue passieren. Das Schicksal hat sie vor 50 Jahren ...

"Geheimnisse. Wir haben alle welche. Und sind sie je gut aufgehoben? Gut aufgehoben bei uns selbst?"

Evie White ist 75 Jahre alt und lässt ihr Leben Revue passieren. Das Schicksal hat sie vor 50 Jahren ins Showbusiness und zu ihrer großen Liebe geführt, doch waren alle getroffenen Entscheidungen richtig?

Der ungewöhnliche Erzählstil mit stetigen Perspektivwechseln und jenseits irgendeiner Chronologie lässt mich das Erzählte mit distanziertem Blick betrachten. Die Handlung ist nicht so sehr auf dem Punkt, sie ist wie abschweifende Gedanken. Das verstärkt die melancholische Wirkung des Romans, doch auch ich bin mehr als einmal in Gedanken abgeschweift und hab nicht mehr alles mitbekommen. Doch grade deshalb mag ich andererseits diese dünnen Bücher. Sie schmücken eine Geschichte nicht bis ins Detail aus, lassen Platz für eigene Gedanken und Interpretationen, außerdem bin ich leidenschaftliche Melancholikerin.

Haben wir nicht alle eine Geschichte, auf die wir ähnlich wehmütig zurückblicken werden, wenn wir alt sind?
Werden wir selbst auseinanderhalten können, was wirklich und wahrhaftig war und was nur Illusion? Und werden wir magische Momente erleben?
Was ich an Evie liebte war, dass sie die Zauber-"Tricks" nicht entlarvt, bei denen sie assistiert. Sie glaubte daran, wollte daran glauben. Und wurde tatsächlich verzaubert.

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