Cover-Bild Deine kalten Hände

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau Verlag
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 312
  • Ersterscheinung: 15.02.2019
  • ISBN: 9783351037628
Han Kang

Deine kalten Hände

Roman
Kyong-Hae Flügel (Übersetzer)

Ein großer Roman über die Einsamkeit der menschlichen Existenz.

Eines Tages verschwindet der Bildhauer Jang Unhyong beinahe spurlos. Er hinterlässt seine faszinierenden Gipsabdrücke von Händen und Körpern – und ein bewegendes Tagebuch, das seine lebenslange Suche nach Nähe und Wahrhaftigkeit in aller Welt voller Masken schildert.
»Han Kang erzählt zugleich mit großer Brutalität und großer Poesie – eine Mischung, die nur wenigen Schriftstellern gelingt.« Stern.

»Man kann sich dieser Stimme nicht entziehen.« Independent.

Von der Autorin des internationalen Bestsellers »Die Vegetarierin«.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2019

Hinter der Maske

0 0

Der koreanische Bildhauer Jang Unhyong ist eines Tages verschollen. In seiner künstlerischen Arbeit hat er Gipsabdrücke von Händen und Körpern angefertigt. Dadurch ist er der Schriftstellerin H. aufgefallen, ...

Der koreanische Bildhauer Jang Unhyong ist eines Tages verschollen. In seiner künstlerischen Arbeit hat er Gipsabdrücke von Händen und Körpern angefertigt. Dadurch ist er der Schriftstellerin H. aufgefallen, die mit ihm auch einmal ein Gespräch geführt hat. In dem Versuch seiner Schwester, den Mann zu finden, gelangt H. an sein bewegendes Tagebuch. Es dokumentiert seine lebenslange Suche nach Nähe und Wahrhaftigkeit in einer Welt voller Masken.

„Deine kalten Hände“ ist ein ungewöhnlicher Roman von Han Kang.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einem langen Prolog, der in sieben Kapitel unterteilt ist. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht der Schriftstellerin H. Dann folgt – nach einem Vorwort – das Tagebuch des Bildhauers, ebenfalls aus der Ich-Perspektive geschrieben. Es besteht aus drei Teilen, die wiederum in mehrere Abschnitte, jeweils mit Überschriften markiert, untergliedert sind. Der Roman endet mit einem Epilog, wieder aus der Sicht der Schriftstellerin, mit vier kurzen Kapiteln. Der Aufbau wirkt gut durchdacht und einleuchtend.

Der Schreibstil ist besonders. Er scheint einerseits schnörkellos und recht nüchtern, andererseits aber geradezu poetisch und voll von Symbolen. Die Sprache hat mich fasziniert, verlangt dem Leser allerdings eine hohe Aufmerksamkeit ab. Der Einstieg in die Geschichte gelang mir ohne Probleme.

Der Roman beschränkt sich auf wenige Charaktere. Im Vordergrund steht natürlich der Künstler, über den man am meisten erfährt. Jedoch fiel es mir schwer, aus ihm und den anderen Protagonisten schlau zu werden. Alle Figuren erscheinen recht kühl und bleiben merkwürdig auf Distanz, was sich zum Beispiel darin äußert, dass der Name der Schriftstellerin nur abgekürzt wird. Es ist schwierig, Sympathie für die Personen zu empfinden, obwohl es sich um reizvolle Charaktere handelt.

Die Grundthematik des Romans finde ich sehr interessant. Es geht um die Einsamkeit der menschlichen Existenz und die Suche nach der Wahrheit. Was verbergen die Menschen hinter ihrer Maske, hinter ihrer Hülle? Was ist Schein, was ist Sein? Mit diesen Fragen setzt sich der Bildhauer auch künstlerisch auseinander.

In seiner Kindheit erlebt der Künstler Neid, Eifersucht und Verrat, was ihn zum Außenseiter werden lässt. Die Schilderungen dazu konnten mich bewegen. Allerdings lässt der Roman auch vieles offen – für meinen Geschmack zu viel, denn so blieb mir einiges unverständlich.

Das Nachwort der Autorin fällt leider ziemlich kurz aus und trägt recht wenig zum Verständnis der Lektüre bei. Es gibt aber Einblicke in den Schreibprozess, was ich interessant finde.

Das Cover wirkt sehr künstlerisch, was thematisch gut zum Roman passt. Der deutsche Titel ist treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Deine kalten Hände“ von Han Kang ist ein Roman, zu dem ich keinen vollständigen Zugang finden konnte. Der Inhalt ist verstörend, aber auch aufwühlend und zum Nachdenken anregend. Meinen hohen Erwartungen wurde das Buch leider nicht in Gänze gerecht. Doch wegen seiner Besonderheit halte ich es dennoch für lesenswert.

Veröffentlicht am 21.03.2019

Schönheit für andere sichtbar machen

0 0

Der Bildhauer Jang Unhyong hat sich darauf spezialisiert, Gipsabdrücke von weiblichen Händen und sonstigen Körperpartien zu nehmen. Als er eines Tages verschwindet, hinterlässt er ein Manuskript, indem ...

Der Bildhauer Jang Unhyong hat sich darauf spezialisiert, Gipsabdrücke von weiblichen Händen und sonstigen Körperpartien zu nehmen. Als er eines Tages verschwindet, hinterlässt er ein Manuskript, indem er sein Leben und seine künstlerische Tätigkeit beschreibt... .
Wieder hat die koreanische Autorin Han Kang einen außergewöhnlichen Roman geschrieben, der mich als Leserin mitgenommen und sehr beeindruckt hat.
Die Handlung selbst ist eigentlich relativ unspektakulär. Wir lernen erst eine junge Journalistin kennen, die von den Werken des Künstlers unglaublich fasziniert ist, obwohl sie sich sonst gar nicht für Skulpturen interessiert. Sie ist es auch, die das Manuskript erhält und durch deren Augen man es als Leser sozusagen gemeinsam mit ihr liest.
Der Künstler Jang Unhyong erzählt darin aus seiner Kindheit und schon seiner früher Suche danach, ins Innerste eines Menschen zu schauen. Später, während seiner Schaffenszeit, zeigt sich, dass er ein besonders Auge für Schönheit hat, die andere Leute nicht wahrnehmen.
Mich hat fasziniert, wie er, der eigentlich ein Einzelgänger ist und etwas verschroben rüber kommt, sich plötzlich um eine junge übergewichtige Frau kümmert, welche aus seiner Sicht wunderschöne Hände besitzt. So beweist er in der ganzen Handlung einen besonderen Blick für Dinge, die anderen Menschen verborgen bleiben und es gelingt ihm auch, diese Besonderheiten durch seine Kunst für andere sichtbar zu machen.
Han Kang schreibt irgendwie nüchtern, aber dann auch wieder mit viel Gefühl. Es ist schwierig zu beschreiben, was ihren Stil ausmacht. Jedenfalls baut die Geschichte einen Sog auf, dem man sich kaum entziehen kann und das, ohne künstlich Spannung zu erzeugen.
Insgesamt ist ,,Deine kalten Hände" ein besonderes Werk, das mich beeindruckt hat. Für mich ist es ein besonderes Stück Literatur, welches ich gerne hier weiterempfehle.

Veröffentlicht am 01.03.2019

Der Herr der menschlichen Spuren

0 0

Das ist der Bildhauer Jang Unhyong auf eine ganz besondere Art und Weise: denn er fertigt Gipsabdrücke von menschlichen Körperteilen - nur von weiblichen Modellen - ab, die er nachgießt. Mal sind es Hände, ...

Das ist der Bildhauer Jang Unhyong auf eine ganz besondere Art und Weise: denn er fertigt Gipsabdrücke von menschlichen Körperteilen - nur von weiblichen Modellen - ab, die er nachgießt. Mal sind es Hände, mal das Gesicht, mal das Becken. Es hängt davon ab, was ihm jeweils als besonders schön aufgefallen ist.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters: das trifft auf keinen besser zu als auf besagten Bildhauer, der die Frauen gezielt anspricht. Durch seine ebenso zurückhaltende wie sichere Art kommt er meist zum Ziel.

Es ist auffällig, dass die Frauen im Leben des Bildhauers befangen sind, sie sind nicht im Einklang mit sich und vor allem mit ihrem Körper, es hapert bei ihnen am Selbstwertgefühl. Und ausgerechnet Jang Unhyong, der ihnen dieses entgegenbringt, wird von ihnen ausgenutzt, auf bestimmte Art und Weise.

Auf einmal ist er einfach nicht mehr da - ebenso wie sein letztes Modell, eine Innenarchitektin mit einem Makel an der Hand. Einen, der für ihre Mitmenschen nicht mehr ersichtlich ist, unter dem sie aber dennoch leidet.

Auf der Suche nach ihrem Bruder übergibt die Schwester des Bildhauers dessen Aufzeichnungen der Schriftstellerin H. Ob sie wohl fündig wird, fündig werden kann?

Es ist ein Roman über menschliche Spuren, menschliche Werte und die Einsamkeit - sowohl des Menschen an sich als auch die der Spuren, die er hinterlässt. Über (Un)Verbindlichkeiten und Wertschätzung, die eigene wie auch die der anderen. Ein Roman mit einer starken Symbolik, in den sich vieles hineininterpretieren lässt, der aber gleichzeitig viele Fragen aufwirft. In mir hat er viele Emotionen hervorgerufen - einerseits empfand ich ihn als irritierend, ja verstörend, andererseits aber auch als eine Art Ermunterung zur Akzeptanz seiner selbst - gerade als Frau. Han Kang schreibt eindringlich und sehr klar, auch gibt es einen gewissen Spannungsaufbau - mir jedenfalls fiel es hier leicht, am Ball zu bleiben, mehr noch: ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen. Dennoch fand ich mich am Ende mehr als verwirrt wieder. Oder wie durcheinander gewirbelt. Vielleicht ist es das, was gute Literatur ausmacht: sie verändert ein winziges Bisschen im Menschen oder gar ein.

Der Vergleich von Han Kang zu Murakami, der des öfteren gezogen wird, passt aus meiner Sicht ganz und gar nicht, denn die koreanische Autorin Han Kang hat mit jedem ihrer Romane etwas ganz Eigenes, Neues, nie Dagewesenes geschaffen, das sich mit nichts anderem vergleichen lässt. Ich empfehle ihn jedem Leser, der offen ist für etwas vollkommen anderes und freue mich selbst schon auf das nächste Mal, wenn ich mich wieder von Han Kang verwirren lassen kann!

Veröffentlicht am 21.02.2019

Masken

0 0

Ein zufälliger Theaterbesuch bringt die Schriftstellerin H. in den Besitz des Tagebuchs von Künstler Jang Unhyong. Dieser ist vor einiger Zeit spurlos verschwunden, zurück bleiben nur seine Skulpturen. ...

Ein zufälliger Theaterbesuch bringt die Schriftstellerin H. in den Besitz des Tagebuchs von Künstler Jang Unhyong. Dieser ist vor einiger Zeit spurlos verschwunden, zurück bleiben nur seine Skulpturen. In seinen Aufzeichnungen erfährt H. wie es zu seinem Verschwinden kam, und noch viel mehr über seine Kunst.

Han Kang blickt in diesem Roman mit der ihr ganz eigenen Sichtweise tief in die Köpfe ihrer Figuren. Unhyong hat eine recht seltsame Beziehung zu seinen Mitmenschen, einerseits offen was die Kunst angeht, andererseits auch verschlossen. Erst die junge Frau L., die die titelgebenden kalten und gleichzeitig wunderschönen Hände besitzt, während der Rest ihres Körpers nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht, erst diese junge Frau also, kann ihn etwas öffnen. L. ist eine interessante Figur, ihr Selbstbild und ihr Selbstvertrauen bzw. der Mangel daran nehmen großen Raum im Roman ein, viele ihrer Handlungen machen sehr betroffen und sind verstörend. Ihre Freundschaft mit Unhyong wird sehr gut dargestellt. Ebenso dessen Kunst, die Plastiken, Masken und Hohlräume, seine Faszination für Ls Hände. Erstaunlich eigentlich, doch die Autorin beschreibt diese Dinge in wenigen Worten trotzdem so genau, dass man sie vor Augen hat. Die Symbolik rund um Masken und Hüllen, hinter und in denen sich Menschen verstecken, wird auf immer neue Art und Weise in den Fokus gerückt. Sprachlich ist der Roman eigentlich eher kalt, trotzdem werden beim Leser viele Emotionen geweckt. Mir hat Han Kangs Roman gut gefallen, eine starke Symbolik und viele Einblicke in die Gefühlswelt der Gesellschaft.

Veröffentlicht am 17.02.2019

Was verbergen die Menschen hinter ihren Masken?

0 0

Die Schriftstellerin H. besucht die Premiere des neuen Dramas einer Studienfreundin. Doch sie kann der Handlung nicht mehr folgen, nachdem sie auf der Bühne eine besondere Skulptur entdeckt: Den Abdruck ...

Die Schriftstellerin H. besucht die Premiere des neuen Dramas einer Studienfreundin. Doch sie kann der Handlung nicht mehr folgen, nachdem sie auf der Bühne eine besondere Skulptur entdeckt: Den Abdruck eines Menschen. Werke dieses Künstlers konnten sie schon in der Vergangenheit fesseln. Auf der Premierenfeier begegnet H. dem Bildhauer Jang Unhyong zum ersten Mal und wechselt ein paar Worte mit ihm. Monate später meldet sich dessen Schwester bei ihr: Jang ist verschollen, und H. ist die einzige in seinen Aufzeichnungen erwähnte Person, mit der sie noch nicht gesprochen hat. Trotz ihrer ausweichenden Reaktion hat H. kurze Zeit Jangs Manuskript im Briefkasten. Ihre Neugier siegt, und sie taucht ein in seine Erinnerungen.

Zu Beginn lernt der Leser den Bildhauer Jang Unhyong aus der Perspektive der Schriftstellerin H. kennen. Sie ist fasziniert von seinen Werken, menschlichen Abdrücken, bei denen einige Stellen abgerissen wurden und den Blick ins hohle Innere freigeben. Deshalb erkennt sie sofort, dass es sich um eine weitere Skulptur von Jang Unhyong handelt, als sie diese auf der Bühne erblickt. Die anschließende Begegnung mit ihm ist kurz und für sie nicht von weiterer Bedeutung. Doch ihre Frage an ihn, warum er solche Werke schafft, scheint etwas in ihm ausgelöst zu haben. Er erwähnt diese Situation in seinem Manuskript, das er vor seinem Verschwinden hinterlassen hat und das nun H. in die Hände fällt.

Nach diesem kurzen Intro wechselt die Perspektive und besagtes Manuskript ist abgedruckt. Es nimmt den Großteil des Buches ein und endet erst wenige Seiten vor dessen Ende. Es beginnt mit H.s Frage nach dem Warum, die Jang ins Grübeln bringt und ihn zu einem Rückblick anregt. In seiner Kindheit suchte er als einziger Sohn von drei Kindern nach Anerkennung und Zuneigung von seinen Eltern. Doch insbesondere sein Vater ist ihm gegenüber kühl und streng. Diverse Szenen beleuchten Jangs Position in der Familie und in der Schule. In dieser Zeit entwickelt sich auch eine erste Faszination für von der Norm abweichende Körperteile: Immer wieder versucht er, einen Blick auf die durch einen Unfall verstümmelten Finger seines Onkels zu erhaschen.

Als Leser verfolgt man Jangs Entwicklung und erlebt mit, wie er zum ersten Mal Gipsabdrücke von L. nimmt. Diese ist stark übergewichtig, doch ihre Hände findet Jang besonders schön und engagiert sie als Modell. Nach anfänglichen Bedenken von L.s Seite verbringen zunehmend Zeit miteinander. Ihre Beziehung ist kompliziert und wird Jang nachhaltig prägen. Aber findet sich darin auch eine Antwort auf sein Verschwinden?

Jangs Faszination für Körperteile und dessen Entschluss, sie als Gipsabdrücke in unterschiedlichen Haltungen festzuhalten, wird mit poetischer Sprache gelungen beschrieben. Sein Schaffen ist voller Symbolik. Wie viel Mensch fängt ein Abdruck ein? Was verbirgt sich hinter ihren Masken? Wer ist bereit, sie abzulegen? Der Leser begegnet Charakteren, die ihre wahren Gefühle nicht nach außen tragen können oder wollen. Der Künstler Jang hat derweil immer wieder den Eindruck, selbst hohl zu sein. Er sehnt sich danach, hinter die Maske eines anderen zu blicken. Das Buch lässt den Leser tief blicken und begreifen, was in ihm vorgeht. Trotzdem gelang es mir nie, seinen Charakter in Gänze zu fassen. So blieben bei mir am Ende viele Fragezeichen, an denen das kurze Outro aus H.s Perspektive nichts änderte.

„Deine kalten Hände“ ist ein Künstler- und Gesellschaftsroman, der starke Bilder schafft und Raum zur Interpretation gibt. Er brachte mich ins Nachdenken, konnte mich auf der emotionalen Ebene aber nicht packen. Ein Buch für alle, die gern symbolträchtige Werke lesen.