Wie der Krieg in die Welt kam und wer von ihm profitiert
Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten ...
Ein Evolutionsbiologe, ein Archäologe und ein Historiker gehen hier der Frage nach, wie der Krieg in die Welt gekommen ist. Sie widersprechen mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten der oft gehörten Behauptung, dass Krieg in der Natur des Menschen läge. (Dass es sich dabei im Gegenteil um eine historische Anomalie handelt, zeigt sich beispielsweise schon allein daran, dass sich auch nach Jahrtausenden der Kriegspropaganda immer noch Widerstand dagegen regt.)
So erklären sie, dass es zwar schon in der Altsteinzeit einzelne Akte von Gewalt gab, dass die Menschheit aber während 99% ihrer Evolution ohne Kriege ausgekommen ist.
Daraufhin arbeiten sie heraus, wie und warum das Phänomen organisierter Gewalttaten gegenüber Gruppen im Zuge der Sesshaftwerdung erstmals aufgetreten ist, wie die Gesellschaften auf dem Weg zu den ersten Zivilisationen und schließlich Staaten immer martialischer wurden und vor allem auch, wer die wahren Nutznießer der Kriege waren und sind.
Dabei verfolgen sie gewissermaßen einen interdisziplinären Ansatz, für den sie vor allem Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und Befunde aus der Archäologie heranziehen, aber auch Beobachtungen an Kulturen von Jägern und Sammlern der letzten Jahrhunderte (wobei immer darauf hingewiesen wird, dass letztere nicht repräsentativ für die Verhältnisse in der Steinzeit sein müssen.)
Die Ausführungen kommen ohne großes Fachvokabular aus, sind leicht verständlich und in einem klaren und eingängigen Stil verfasst.
Die gezogenen Schlüsse sind in manchen Details vielleicht etwas zu spekulativ, wirken insgesamt aber doch plausibel und fundiert.
Einige Inhalte kannte ich schon aus früheren Werken der Autoren (bzw eines Teils von ihnen), beispielsweise was die verschiedenen Naturen des Menschen, die Verquickung von Religion und Krieg oder die Gründe für die zunehmende Unterdrückung der Frauen betrifft. Es werden aber auch neue Überlegungen und Aspekte eingebracht.
Insgesamt lies mich dieses Buch viele Entwicklungen und Ereignisse der Weltgeschichte und Weltpolitik sowie Lehrmeinungen der Soziologie mit anderen Augen sehen und es regt zum Nachdenken darüber an, was die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten hat und hält und wie wir sie vielleicht stoppen können. (Wobei die Autoren zugeben, dass sie diesbezüglich auch keine wirkliche Lösung zu bieten haben, dies aber ohnehin in der Zuständigkeit der Politiker liegt.)