Bittersüßes, modernes Weihnachtsmärchen
Ein eher schmales Büchlein, bei dem weder Titel noch Cover auf den tief berührenden Inhalt schließen lassen. So schlicht wie seine Gestaltung ist auch Rishøis klarer, schnörkelloser Schreibstil, der mich ...
Ein eher schmales Büchlein, bei dem weder Titel noch Cover auf den tief berührenden Inhalt schließen lassen. So schlicht wie seine Gestaltung ist auch Rishøis klarer, schnörkelloser Schreibstil, der mich sofort in die kleine Ronja hineinversetzt hat, die uns ihre Geschichte in diesem Buch erzählt.
Ronja lebt mit trunksüchtigem Vater und der liebevollen großen Schwester Melissa in einer trostlosen Stadtwohnung. Kein Geld, kein Job, keine kindlichen Freuden. Die Weihnachtszeit bricht an und eine Lageverbesserung scheint anzustehen: Ronja bekommt vom mitfühlenden Schul-Hausmeister den Tipp für einen Job als Weihnachtsbaumverkäufer und bittet ihren Vater, sich zu bewerben. Tatsächlich bekommt er die Arbeitsstelle und endlich geht es für die kleine Familie bergauf. Doch die vorprogrammierte Enttäuschung lässt nicht lange auf sich warten. Ronjas Vater fällt zurück in die Alkoholsucht. Kurzerhand übernimmt Melissa den Job, schuftet hart, hält die Familie zusammen. Schließlich hilft sogar Ronja selbst beim Geld verdienen mit, illegal und hinterm Rücken des Standinhabers.
Besonders anrührend und traurig fand ich die Momente, in denen Melissa von besseren Zeiten erzählt. Von einer einsamen, aber gemütlichen Hütte im Wald, in der sie zu dritt eine normale Familie sein können. Herzergreifend!
Zum Ende spitzt sich die Situation der Mädchen zu. Die illegalen Verkäufe fliegen auf, ein Wintersturm zieht auf, Ronja wird krank, niemand kümmert sich. Zwei Kinder, die schutzlos dem nackten Überleben ausgesetzt sind. Mir kamen die Tränen.
Keine warme Wohlfühl-Geschichte, bei der man gemütlich Kakao schlürft und dann beruhigt ins Bett geht. Bittersüß und nachdenklich stimmend, rau, scharfkantig und am Ende … muss jeder selbst entscheiden …