Cover-Bild Amon

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10,00
inkl. MwSt
  • Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 272
  • Ersterscheinung: 28.11.2014
  • ISBN: 9783499613272
Jennifer Teege, Nikola Sellmair

Amon

Mein Großvater hätte mich erschossen
Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod Tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Seine Lebensgefährtin Ruth Irene, Jennifer Teeges geliebte Großmutter, begeht 1983 Selbstmord.
Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert. Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Sie trifft ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat.
Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2020

Ein sehr persönliches Buch

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Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Rowohlt (20. September 2013))
ISBN-13: 978-3498064938
Preis: 21,90 €
auch als Taschenbuch und als E-Book erhältlich

Ein sehr persönliches Buch

Inhalt:
Jennifer ...

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Rowohlt (20. September 2013))
ISBN-13: 978-3498064938
Preis: 21,90 €
auch als Taschenbuch und als E-Book erhältlich

Ein sehr persönliches Buch

Inhalt:
Jennifer Teege ist 38 Jahre alt, als sie durch Zufall erfährt, dass sie die Enkelin des sadistischen KZ-Kommandanten Amon Göth ist. Sie ist schockiert und unsicher, wie sie sich verhalten soll, vor allem gegenüber ihren israelischen Freunden. Nach und nach arbeitet sie ihre Familiengeschichte auf.

Meine Meinung:
Dies ist ein sehr persönliches Buch. Jennifer Teege lässt die Leserschaft an ihren Gefühlen, Ängsten, Verwirrungen und Hoffnungen teilhaben. Ihr Bericht ist ergreifend und bedrückend, macht aber auch Mut und Hoffnung.

Unterbrochen wird Jennifer Teeges Erzählung von mehr oder weniger objektiven Einschüben von Nikola Stellmair, die zusammen mit Teege recherchiert hat.

Ich kann dieses Buch empfehlen, auch wenn es keinen objektiven Einblick in eine der dunkelsten Epochen der deutschen Geschichte verschafft.

★★★★★

Veröffentlicht am 30.12.2017

Der böse Wolf

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TochterAlice

vor 4 Jahren
(5)


kann, darf nicht Teil der eigenen Verwandtschaft sein?

Nun, bei Jennifer Teege ist es so und er hat nicht nur Rotkäppchen, sondern gar viele arme Seelen auf dem Gewissen: ...



TochterAlice

vor 4 Jahren
(5)


kann, darf nicht Teil der eigenen Verwandtschaft sein?

Nun, bei Jennifer Teege ist es so und er hat nicht nur Rotkäppchen, sondern gar viele arme Seelen auf dem Gewissen: ihr Großvater war nämlich Amon Göth, der "Schlächter von Plaszów", vielen bekannt aus "Schindlers Liste". Spät wurde die Autorin mit diesem Teil ihrer Vergangenheit, besonders makaber der persönliche Hintergrund: Amon Göth hat als Kommandant von Auschwitz nicht nur Juden, sondern alle andersartigen Menschen skrupellos umgebracht: ganz egal, ob die Andersartigkeit durch Herkunft, Gesinnung oder Aussehen bedingt war -zynisch ist er dabei vorgegangen und erbarmungslos.


Seine Enkelin Jennifer ist aus der damaligen Sicht auch anders, nämlich dunkel: sie hat einen wunderschönen Teint, den sie ihrem Vater, einem Nigerianer verdankt - einem Untermenschen aus der Sicht von Amon Göth. Früh wurde sie zu einer Pflegefamilie gegeben, hatte anfänglich noch Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter, Monika Göth und zu ihrer Oma, Ruth Irene Kalder, der Geliebten von Amon Göth, der jedoch abbrach. Sie wuchs bei gütigen, verständnisvollen Eltern, aber fehlte etwas: ihre Vergangenheit. Wie so viele Adoptivkinder, suchte und fand sie beide Eltern wieder. Sie kannte also ihre Eltern, ihre Oma, doch erfuhr sie den familiären Zusammenhang erst durch ein Buch ihrer Mutter, das ihr zufällig 2008 in die Hände fiel.

Jennifer Teege beschreibt das Leben mit diesem Erbe - einem der großen Naziverbrecher, ja einem Massenmörder als Großvater. Und mit einer Mitläuferin, Mitwisserin, Begleiterin als Großmutter - einer Frau, die ihr als Kind gütig und liebevoll begegnete, die sie bis dahin nur positiv sah. Mutig legt sie das Dilemma, den inneren Zwiespalt dar, der sie so aufgewühlt hat: darf man eine solche Frau lieben? Kann man gegenüber ihr warme Gefühle, Erinnerungen, ja Sehnsüchte zulassen?

Doch dies ist nicht die einzige "Baustelle", die Jennifer Teege mit dem Wissen über ihre Vergangenheit zu klären hatte: nein, ausgerechnet sie hat enge Bindungen zu Israel, spricht Hebräisch, hat zwei sehr enge Freundinnen in dem Land. Wie sollte sie diese mit ihrem Erbe konfrontieren?

Ein kluges, reflektiertes und sehr persönliches Buch über Vergangenheit, historische Fakten, Sichtweisen - und über die Liebe. Aus meiner Sicht ein Gewinn für jeden aus der Generation der Nachkommen, der vielem verständnislos und ohnmächtig gegenübersteht, gewisse Fakten seine Familie, seinen Ursprung betreffend nicht begreifen will, es gar nicht kann, denn erstens zeigt uns Jennifer Teege, dass es gar keine optimale, sondern nur eine sehr persönliche Herangehensweise, ein individuelles Begreifen, eine individuelle Verarbeitung gibt. Es gibt auch andere Stimmen, so werden bspw. Stellungnahmen ihrer Adoptivmutter, ihres Adoptivbruders eingeblendet, historische Tatsachen werden mitgeteilt. So wird der Leser nicht nur von Jennifer Teeges Perspektive begleitet, sondern erfährt auch die Reflexion ihres Umfeldes. Ein kleines großes Buch, das ich sicher wieder und wieder zur Hand nehmen werde. Jennifer Teege hat aus meiner Sicht einen großen Schritt getan, der nicht nur ihr, sondern auch mir weitergeholfen hat.


Ich empfehle es jedem, der ein familiäres Erbe - sei es groß, sei es klein, ist es von Wissen oder von Nichtwissen geprägt. Mir hat das Buch gezeigt, dass ich zwiespältige Gefühle hinsichtlich meiner Vergangenheit zulassen darf, ja muss, um weitermachen zu können. Weitermachen heißt nicht "nur" weiterleben, indem man weiter funktioniert. Nein, es bedeutet auch die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln mit diesem Wissen, zu sich selbst und zu seinen widersprüchlichen Empfindungen zu stehen.

Veröffentlicht am 31.03.2021

Schuld ist nicht vererbbar, Schuldgefühle aber schon

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Der Titel ist verstörend, aber wenn man Jennifer Teeges Geschichte und die ihrer Vorfahren erfährt, wird der Satz nachvollziehbar.
Die Autorin schreibt hier über ihr eigenes Schicksal. Im Alter von vier ...

Der Titel ist verstörend, aber wenn man Jennifer Teeges Geschichte und die ihrer Vorfahren erfährt, wird der Satz nachvollziehbar.
Die Autorin schreibt hier über ihr eigenes Schicksal. Im Alter von vier Wochen wurde sie von ihrer Mutter ins Kinderheim gebracht und kam mit drei Jahren zu einer Pflegefamilie, die sie einige Jahre später adoptierte. Obwohl ihre Adoptiveltern und deren leibliche Söhne das Mädchen liebevoll bei sich aufnahmen und sie so eine glückliche Kindheit verbringen konnte, hatte sie immer das Gefühl, ihr würde etwas fehlen, denn die Vergangenheit, ihre Wurzeln, lagen im Dunkeln. Sie ist schon 38, hat mittlerweile selbst eine Familie gegründet, als ihr durch Zufall ein Buch in die Hände fällt. Bestürzt stellt sie fest, dass dieses Buch von ihrer leiblichen Mutter geschrieben wurde, zu der sie seit ihrer frühen Kindheit keinen Kontakt mehr hatte.
Als sie dieses Buch liest, fällt mir einem Schlag ihre Welt in Scherben, denn sie erfährt, dass ihr Großvater Amon Göth, der „Schlächter von Płaszów“, der Kommandant des gleichnamigen Konzentrationslagers war. Für Jennifer Teege beginnt ein schmerzhafter Verarbeitungsprozess. Nie und nimmer kann sie sich und ihr eigenes Leben, ihre Werte und Vorstellungen, mit der Person Amon Göth zusammenbringen. Es fällt ihr auch schwer, sich anderen Menschen in ihrer Umgebung zu öffnen, denn sie befürchtet, die Taten ihres Großvaters fallen auf sie selbst zurück. Schuld ist nicht vererbbar, Schuldgefühle aber sehr wohl. Vermutlich kann man nicht annähernd nachempfinden, was in Jennifer Teege vorging, wie sie sich gefühlt hat. Ganz besonders belastend empfindet es die Autorin, dass ihre Großmutter, die sie noch gekannt und geliebt hat, von den Taten wusste, denn sie lebte damals mit Amon Göth in der Villa gleich neben dem Lager in Plaszów.
Wie sie mit diesem furchtbaren Wissen fertig wird, wie es ihr weiteres Leben verändert und wie ihre Adoptivfamilie und ihre Freunde damit umgehen, das alles erzählt Jennifer Teege in diesem Buch, das erschüttert und berührt zugleich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2019

bewegend

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Ich habe am Tag vor Lesebeginn den Film „Schindlers Liste“ nochmal angesehen und dies hat dazu geführt, dass ich das ganze Ausmaß des Grauens und des Erschreckens von Frau Teege noch tiefer nachempfinden ...

Ich habe am Tag vor Lesebeginn den Film „Schindlers Liste“ nochmal angesehen und dies hat dazu geführt, dass ich das ganze Ausmaß des Grauens und des Erschreckens von Frau Teege noch tiefer nachempfinden konnte. Das Buch ist in mehrere große Kapitel unterteilt.

Da ist zuerst der Großvater. Die Erzählung über seine Gräueltaten und auch seines Endes sind schwer zu ertragen. Viele Sätze treffen wie Keulenschläge und erzeugen bewegende Bilder im Kopf. Die unbegreifliche Grausamkeit und der gelebte Sadismus von Amon Göth machen ihn zu einem Menschen, der wie eine böse Persiflage wirkt und dessen Taten man nur als gegeben nehmen kann, aber nicht wirklich versteht.

Schwerer fällt der Autorin und dem Leser sicherlich im nächsten Kapitel zu begreifen, wie die Großmutter, Ruth Irene Göth, solch einen Menschen lieben und ihr Leben lang als den perfekten Mann im Gedächtnis halten konnte und wie sie zwischen all den Grausamkeiten von Amon Göth leben und ruhig atmen konnte. Bewundert habe ich hier Jennifer für ihre absolute Ehrlichkeit uns und vor allem sich selbst gegenüber. Denn während sie Amon Göth nie persönlich kennen gelernt hat, ist ihre Großmutter lange der einzige Mensch, der ihr Zuneigung entgegen bringt und bei der sie sich sicher fühlt.

Im dritten Kapitel versucht Jennifer Teege der Frau nachzuspüren, die Ihre Mutter ist und die sie schon als Kleinkind in ein Heim gegeben hat aus dem sie in eine Pflegefamilie kam, die sie später auch adoptiert hat und die heute noch ihre eigentliche Familie ist.

Am Ende schlägt das Buch einen Bogen zur Gegenwart, zu Israel und zu Jennifers Freunden und Familie. Das Buch ist ein langer emotionaler Weg der Autorin in dem sie nicht nur die Entdeckung verarbeitet, dass sie einen Kriegsverbrecher und Mörder zum Großvater hatte, sondern auch eine Reflektion ihrer eigenen Lebensgeschichte mit der Adoption, der Pflegefamilie, Depressionen.

Die Ehrlichkeit von Frau Teege hat mich bewegt. Sie findet kluge und ehrliche Worte, frei von Pathos und übertriebener Dramatik. Schön fand ich auch, dass das Buch abwechselnd aus Jennifers und aus der Sicht einer neutralen Beobachterin (Nicola Sellmair) berichtet und so auch Aspekte, Meinungen und Eindrücke Dritter einen Weg in die Geschichte finden und das Bild komplettieren.

Nach langer Zeit habe ich mich wieder intensiver mit dem Thema des Holocaus beschäftigt. Diesmal auf eine ganz neue Art, nämlich nicht nur mit den Tätern und Opfern sondern auch mit den Nachkommen, in diesem Fall mit Jennifer Teege, die erst als erwachsene Frau erfährt, wer ihr leibliche Familie wirklich war und lernen muss damit zu leben. Das Buch ist es Wert, dass man sich Zeit dafür nimmt.

Veröffentlicht am 24.10.2018

Puh ... keine leichte Kost ...

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Wow, was für eine Entdeckung Jennifer Teege gemacht hat! Das würde wohl den stärksten Mann umhauen, wünscht sich doch niemand direkt etwas mit den schlimmsten Schergen des Naziregimes zu tun gehabt zu ...

Wow, was für eine Entdeckung Jennifer Teege gemacht hat! Das würde wohl den stärksten Mann umhauen, wünscht sich doch niemand direkt etwas mit den schlimmsten Schergen des Naziregimes zu tun gehabt zu haben. Glauben wir nicht alle an das Gute in unseren Vorfahren? Auch Jennifers Großmutter hielt es bis ans Ende so und stand hinter ihrem Mann, der solch grausame Taten verübt hatte und für den Tod tausender Menschen verantwortlich war. Kein Wunder ist die Familie nach seinem Tod „gestört“ um es milde auszudrücken. Jennifer wurde ein Opfer dieser Familienkonstellation und kam als kleines Kind in eine Pflegefamilie, die sie später adoptierte. Dort lebt sie recht glücklich, gründet ihre eigene Familie und macht schließlich genannte Entdeckung. Nun lässt ihr ihre eigene Vergangenheit keine Ruhe und sie recherchiert jedes noch so kleine Detail um ihre Funde schließlich in vorliegendem Buch zu verarbeiten. Während die erste Hälfte faszinierend geschrieben ist und den Leser mehr als einmal Schlucken lässt, scheint sie sich gegen Ende etwas zu verzetteln und auch zu wiederholen. Von mir gibt es für diese bewegende Schicksalsstory deshalb leider nicht ganz die Bestnote, während die Autorin jedoch meine volle Bewunderung hat und ich ihr persönlich weiterhin viel Kraft wünsche, diese Vergangenheit zu bewältigen.