Was für ein gelungener Abschluss
Das ist es nun: das endgültige Ende von Volker Kutschers zehnbändiger Geschichte über Gereon Rath, Charly Ritter und über Deutschland von der Mitte der 1920er-Jahre bis in die Zeit nach dem Krieg. Für ...
Das ist es nun: das endgültige Ende von Volker Kutschers zehnbändiger Geschichte über Gereon Rath, Charly Ritter und über Deutschland von der Mitte der 1920er-Jahre bis in die Zeit nach dem Krieg. Für diejenigen, die die vorherigen Bände gelesen haben, schließen sich in „Westend“ – das man durchaus als Epilog des Gesamtwerks betrachten kann – viele Kreise. Alle anderen erwartet ein eindrucksvolles, wenn auch fiktives Zeitdokument in Form eines Interviews mit dem inzwischen pensionierten Kriminalhauptkommissar Gereon Rath.
Auch in diesem abschließenden Band offenbart sich noch einmal die Tragik des Protagonisten. Als der per se anständige Mensch, der er war (und ist), gerät Rath immer wieder in Situationen, in denen er Entscheidungen treffen muss (oder glaubt, sie treffen zu müssen), um der Gerechtigkeit zu ihrem Recht zu verhelfen. Entscheidungen, die sich am Ende gegen ihn selbst und gegen die Menschen wenden, die ihm nahestehen. All dies geschieht vor dem Hintergrund des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte, in einer Zeit also, in der solche Entscheidungen tödliche Konsequenzen haben konnten.
Wie schon die Spin-offs „Moabit“ und „Mitte“ ist auch „Westend“ im Original als Comic erschienen. Ich habe mich – vor allem fürs Autofahren – für die Hörbuchversion entschieden und es nicht bereut. Die Sprecher verleihen dem Interview eine große Authentizität, auch wenn man sich vielleicht gewünscht hätte, der Verlag hätte die Schauspieler aus der Babylon Berlin-Adaption als Interpreten gewinnen können.
Unterm Strich spreche ich eine uneingeschränkte Lese- (oder Hör-)Empfehlung für alle Fans von Gereon Rath aus. Wer das Buch liest oder hört, ohne den Rest der Geschichte zu kennen, wird im Zweifel Lust bekommen, auch die vorherigen Bände zur Hand zu nehmen.
Abschließend noch eine sehr persönliche Bemerkung: Volker Kutscher hat mit den Gereon-Rath-Romanen nicht nur eine spannende Geschichte erzählt. Es ist ihm auch gelungen, eindrucksvoll zu beschreiben, wie sich Deutschland in dieser Zeit zunächst schleichend und dann immer rücksichtsloser zu seinem eigenen Nachteil verändert hat. Er zeigt aber auch, wie lange selbst diejenigen, die aber auch gar nichts mit den Nazis im Sinn hatten, brauchten, um den Ernst der Lage wirklich zu verstehen. In diesem Sinne: Wehret den Anfängen.