Vererbtes Trauma
Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen ...
Die Geschichte beginnt als historischer Roman zur Zeit des 2. Weltkriegs, die Protagonisten erleben verschiedene Traumata, Flucht, verborgene Existenz, Vergewaltigung und brutaler Mord. Die traumatischen Ereignisse setzen sich in den nachfolgenden Generationen fort. Und die Wege der Protagonisten kreuzen sich über die Beziehungen ihrer Kinder und Kindeskinder. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, ohne häufig genau zu wissen, woher ihre Rastlosigkeit, ihre Bindungsunfähigkeit, ihre Schwermut, ihre Wut kommt. Sie gehen alle unterschiedlich damit um und schlagen unterschiedliche Wege ein, auch dadurch, dass sie aus unterschiedlichen Schichten kommen. Aber eines haben sie alle gemein: einen dunklen Fleck auf der Seele und mindestens einen Schicksalsschlag im Nacken.
Was als historischer Roman beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer erotisch-esoterisch-spirituellen Lebensreise. Dass sich Schuld und Angst als traumatische Erlebnisse vererben und die Kriegskinder und -enkel in ihrem Leben beeinflussen können, ohne dass diesen das immer klar ist, ist mittlerweile ein ziemlich anerkannter Ansatz der Psychologie. Und auch ein sehr interessanter. Soweit ist der Roman noch nachvollziehbar. Allerdings wird dieses Modell im Buch in der ewigen Wiederholung der Abfolgen über drei Generationen ziemlich auf die Spitze geschrieben. Mir ist auch die federführende Rolle der Edelprostituierten, die den Sohn als Stammkunden hat und den Vater heiratet, mit ihren über Sex vermittelten Lebensweisheiten ein wenig zu viel des Guten, sodass mir die Entwicklung ähnlich befremdlich wird, wie es der etwas holprige Titel ist.
Wer einen historischen Roman erwartet, sollte besser zu einem anderen Buch über die Zeit greifen.