Zu viel Spice, zu wenig Weihnachten
Good SpiritsAls ich den Klappentext zu dem Buch gelesen habe, war ich total in Weihnachtsstimmung und die Idee einer Geschichte, die an Dickens’ Weihnachtsgeschichte angelehnt ist, hat mich sehr angesprochen. Also ...
Als ich den Klappentext zu dem Buch gelesen habe, war ich total in Weihnachtsstimmung und die Idee einer Geschichte, die an Dickens’ Weihnachtsgeschichte angelehnt ist, hat mich sehr angesprochen. Also begann ich zu lesen und war zunächst wirklich angetan von der Geschichte um Harriet und Nolan.
Nolan ist seit über 100 Jahren ein Geist der vergangenen Weihnacht. Jahr für Jahr sucht er schreckliche Menschen heim, um mit ihnen ihre Vergangenheit zu besuchen und sie schnellstmöglich an den nächsten Weihnachtsgeist weiterzureichen. Mit dieser Art von Mensch möchte Nolan nicht unbedingt mehr Zeit als nötig verbringen und daher rühmt er sich damit, dass er seine “Fälle” die meiste Zeit sehr schnell weiterreichen kann.
Doch dieses Mal ist irgendetwas anders. Dieses Mal soll er Harriet York heimsuchen, doch er kann nichts Schreckliches an der weihnachtsbegeisterten Frau finden – ganz im Gegenteil, sie gibt meist mehr als sie hat und nimmt nichts. Ob sie Nolan etwas verheimlicht? Doch auch nach diversen Besuchen in Harriets Vergangenheit kann Nolan nichts entdecken. Er muss Harriet jedoch an den nächsten Geist weiterreichen und das bis spätestens zum Weihnachtsabend.
Zusammen müssen die beiden herausfinden, weshalb Nolan bei Harriet gelandet ist und was zu tun ist. Könnte es sein, dass Harriet und er sich gegenseitig helfen sollen?
Wie bereits erwähnt, war ich zunächst sehr angetan von der Geschichte. Weihnachtsfeeling kam auf, der Humor hat gestimmt, die Charaktere waren toll. Ich hatte mich auf eine cozy weihnachtliche RomCom gefreut. Diese bekam ich auch eine Weile lang. Dann hatte ich jedoch den Eindruck, dass er Weihnachtsaspekt immer mehr in den Hintergrund geriet und abgelöst wurde von den familiären Schwierigkeiten in Harriets Familie und den damit zugrunde liegenden Traumata, mit denen Harriet zu kämpfen hat. Die Geschichte bekam etwas mehr Schwere und Tiefgründigkeit. Versteht mich nicht falsch, ich mag Tiefgründigkeit und liebe es als Leserin dabei zu sein, wenn sich eine Buchfigur weiterentwickelt – was Harriet eindeutig getan hat. Ich war nur irgendwie nicht darauf vorbereitet und es hat mich emotional leider nicht richtig packen können. Ich möchte nicht sagen, dass es mich kalt gelassen hat, doch normalerweise verdrücke ich auch beim Lesen die ein oder andere Träne und hier habe ich es nur zur Kenntnis genommen.
Außerdem wurde mir der Spice-Anteil des Buches zu dominant. Ich habe nichts gegen Spice in Büchern, doch auch hier: Wenn man eine cozy RomCom erwartet, möchte man nicht unbedingt gefühlt eine Sex-Szene nach der nächsten lesen. Außerdem war entweder die Wortwahl der Autorin oder die der Übersetzerin etwas befremdlich für mich als es um leidenschaftliche Zungenküsse ging.
Ich denke, wenn man von all dem weiß und mit der richtigen Erwartung an das Buch herangeht, sind die meisten obengenannten “Kritik”punkte vermutlich zu vernachlässigen. Denn dann handelt es sich um eine schöne Liebesgeschichte mit einer Menge Spice und tollen Charakteren, die sich weiterentwickeln.
Wer jedoch eine cozy RomCom erwartet, die ein großes Weihnachtsfeeling versprüht, könnte evt. etwas überrascht oder sogar enttäuscht werden, so wie ich.
Daher vergebe ich 3,5 von 5 Sternen für “Good Spirits”.