Der erste Eindruck kann täuschen
Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ erzählt die Geschichte von Robyn Jackson. Einem 17-jährigen Mädchen, dass an einer schweren Krankheit leidet und ein leidenschaftlicher True Crime Fan ist. Das ...
„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ erzählt die Geschichte von Robyn Jackson. Einem 17-jährigen Mädchen, dass an einer schweren Krankheit leidet und ein leidenschaftlicher True Crime Fan ist. Das Buch wurde von der deutschen Autorin Katie Kento geschrieben und ist 2025 als Taschenbuch und eBook im ONE Verlag (Bastei Lübbe) erschienen. „Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Einzelband.
Robyn Jackson ist ein Hauptcharakter, der für mich sowohl positive als auch negative Eigenschaften hat. Ich habe es geliebt, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist und für ihre Träume gekämpft hat. Gleichzeitig ist mir ihre Engstirnigkeit auf die Nerven gegangen und auch ihre Sturheit war für mich irgendwann nur noch anstrengend. Glücklicherweise durchläuft Robyn im Laufe der Geschichte eine gut erkennbare Entwicklung, die sich in eine Richtung bewegt, mit der ich am Ende zufrieden war. So kam meine Sympathie, die ich anfänglich für Robyn hatte und die zwischenzeitlich einen gehörigen Dämpfer bekam, zum Ende hin wieder zurück. Genauso erging es mir auch mit ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen, die ich mal nachvollziehen konnte und dann mal wieder nicht. Anders sah es hingegen mit ihren Gedanken und Gefühle aus. Die Tatsache, dass ich einen intensiveren Blick auf beides werfen konnte, weil die komplette Geschichte aus Robyns Sicht erzählt wird, hat mir nur stellenweise dabei geholfen eine Bindung zu ihr aufzubauen. Leider bleib sie an zu vielen Stellen für mich nicht richtig greifbar. Als Hauptcharakter war Roby für mich ok mehr aber auch nicht.
Neben Robyn gibt es noch zwei weitere Charaktere, die eine entscheidende Rolle spielen und die gegensätzlicher nicht sein könnten. A.J. ist Robyns Partner in Crime, der für sie zu Augen und Ohren im Hotel Ambrosia wird. Ein Junge, der genauso alt ist wie Robyn und der mir auf Anhieb sympathisch war. Trotz seiner eher zwielichtigen Vergangenheit ist er ein herzensguter Mensch, der für Gerechtigkeit kämpft und der ähnlich wie Robyn kein bisschen auf den Mund gefallen ist. Mir hat besonders gut gefallen, dass A.J. nicht alles so ernst nimmt, das hat ihn für mich zu einem angenehmen Zeitgenossen gemacht.
Nelly Jackson ist Robyns Großtante, die als Krankenschwester im örtlichen Krankenhaus arbeitet und die sich neben ihrem zeitintensiven und stressigen Job auch noch aufopferungsvoll um ihre Großnichte kümmert. Mein erster Eindruck von Nelly war nicht gerade positiv. Ihre Fürsorge fand ich stellenweise arg übertrieben und in manchen Situationen fand ich ihr Verhalten gegenüber Robyn übergriffig. Robyn ist 17 Jahre alt. Ich hatte aber manchmal den Eindruck, dass sie für ihre Großtante noch ein unmündiges Baby ist, dass für absolut alles Hilfe braucht. Dieses Verhalten bessert sich im Laufe der Geschichte ein bisschen aber nie soweit das es gereicht hätte, um mir Nelly sympathisch zu machen. Für mich war sie bis zum Schluss das komplette Gegenteil von A.J..
Wichtigster Handlungsstrang der Geschichte, sind Robyns Ermittlungen im Hotel Ambrosia, die ursprünglich nur als Recherchematerial für eine Podcastfolge von ihrer Lieblingspodcasterin gedacht waren und dann passiert direkt vor Robyns Augen etwas, dass ihr keine Ruhe mehr lässt. Plötzlich werden alle Bewohner des Hotels zu Verdächtigen und Robyn vermutet hinter jedem ungewöhnlichen Verhalten ein Verbrechen. Dabei wurde mit jedem weiteren Kapitel klar, dass man sich nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen sollte, denn nur weil jemand eine zwielichtige Vergangenheit hat, macht ihn das noch lange nicht zu einem Mörder.
Dieser Handlungsstrang basiert lose auf unterschiedlichen realen True Crime fällen, die einem mehr oder weniger auffallen, wenn man sich bereits intensiver mit dem Thema True Crime beschäftigt hat. Ich, die ähnlich True Crime verrückt ist wie Robyn, hat nicht besonders lange gebraucht, um all die Ganzen True Crime Fälle zu erraten, die die Autorin hier als Inspiration genutzt hat. Für jemanden der sich bisher eher weniger mit dem Thema beschäftigt hat, kann das ein oder andere Geschehen eine Überraschung sein.
Katie Kento ist es gelungen einen packenden Jugendkrimi zu schreiben, der mich mit einem kontinuierlich ansteigenden Spannungsbogen von sich überzeugen konnte. Spätestens nach den ersten 100 Seiten hatte mich die Geschichte so sehr gefesselt, dass ich das Buch keine Sekunde mehr aus der Hand legen wollte. Da kann ich der Autorin sogar verzeihen, dass die Geschichte kein bisschen gruselig war. Zugegeben es braucht schon eine ganze Menge damit ich mich grusele und das wäre für ein Jugendbuch wahrscheinlich zu viel. Von daher kann ich damit leben, dass dieser Teil gänzlich gefehlt hat.
Was ich der Autorin hingegen nicht verzeihen kann, ist das Ende des Buches. Zwar gelingt es ihr die Geschichte zu einem halbwegs logischen Ende zubringen für meinen Geschmack lässt sie dabei aber zu viele Fragen unbeantwortet. Würde es sich bei „Hotel Ambrosia“ um ein normales Jugendbuch handeln wäre das für mich nicht so schlimm gewesen. Es handelt sich hier aber um einen Krimi und bei diesem Genre mag ich es überhaupt nicht, wenn Fragen offenbleiben. Ich weiß, dass das hart klingt aber für mich ist die Geschichte damit unvollständig.
Was mich ebenfalls gestört hat war die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wurde. Es gibt Kapitel, die nicht in Form eines klassischen Fließtextes geschrieben wurden und die meinen Lesefluss massiv gestört haben. Glücklicherweise hält sich die Anzahl dieser Kapitel in Grenzen, sodass ich nicht ständig aus meinem Lesefluss gerissen wurde. In den restlichen Kapiteln hat die Autorin bewiesen das sie einen wundervollen Schreibstil hat, der sich angenehm flüssig lesen lässt und auch ihre Beschreibungen waren ein Genuss. Katie Kento hat ein Händchen für detailreiche Beschreibungen, die mich als Leserin in die Geschichte hineingezogen haben und mir so das Gefühl gegeben haben ein Teil des Geschehens zu sein.
Fazit
Ein Jugendkrimi, der mich trotz der für mich bekannten True Crime Fälle überraschen konnte.