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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2020

Eine zweite Chance - für die Protagonistin, und auch für ihre Geschichte

Wenn gestern unser morgen wäre
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Ich habe sehr lange gebraucht, um wirklich in die Geschichte hereinzukommen - und zwar genau bis zu dem Moment, an welchem Sara den Unfall hat und im Krankenhaus wieder aufwacht. Bis zu diesem Punkt war ...

Ich habe sehr lange gebraucht, um wirklich in die Geschichte hereinzukommen - und zwar genau bis zu dem Moment, an welchem Sara den Unfall hat und im Krankenhaus wieder aufwacht. Bis zu diesem Punkt war mir die Protagonistin ehrlich gesagt sehr unsympatisch in ihrer Handlungsweise und ich war schon drauf und dran, das Buch beiseite zu legen und vielleicht irgendwann später einmal weiterzulesen, als es plötzlich sehr viel besser wurde. Als Sara nicht mehr leugnen kann, dass irgendetwas definitiv nicht so ist, wie es sein sollte, hat mich die Geschichte plötzlich gepackt und ich wollte wissen, wie es weitergeht. Eine zweite Chance eben.

Die Idee einer zweiten Chance gefällt mir sehr gut und noch viel schöner finde ich die Art und Weise, wie die Protagonistin diese ergreift und tatsächlich etwas daraus macht. Obwohl ich noch immer nicht von mir behaupten kann, ihre Taten immer 100% gut zu finden, konnte ich sie jetzt zumindest nachvollziehen. Plötzlich habe ich mit ihr mitgefühlt und mitgehofft, zum Beispiel, als die rote und die blaue Mappe vertauscht wurden, und am Ende in Rom.

An einigen Stellen finde ich die Story etwas zu wenig ins Detail gehend, etwa, als Sara mit dem Rad von Österreich zurück nach München fährt. Da werden 2 ganze Tage sehr knapp auf 2 Seiten abgehandelt, obwohl vorher viele Tage sehr detailliert beschrieben wurden. Das fand ich etwas schade.

Was ich gut finde ist - neben der grundsätzlichen Idee -, dass sich manche Elemente von Anfang bis Ende durch das komplette Buch ziehen, insbesondere die Schmetterlinge, die ja gerade am Ende eine doch nicht ganz unerhebliche Rolle spielen und ja auch vorher schon immer mal wieder aufgetaucht und sogar auf dem Cover zu finden sind. Welches mich übrigens auch anspricht, da es etwas sehr Verträumtes hat, gerade auch durch die gewählten Farben und in Kombination mit dem Titel.

FAZIT
Alles in allem eine schöne Lektüre für zwischendurch, die zwar für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen, dann aber umso ansprechender wird. Die Grundidee hinter der Geschichte ist eine sehr schöne, die zum Nachdenken und reflektieren anregt.

Veröffentlicht am 13.09.2020

Lässt mich unschlüssig zurück

Volkswagen Blues
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Als Jack Waterman, ein eher unbekannter Autor mit mäßigem Erfolg, vierzig wird, stellt er fest, dass ihm etwas in seinem Leben fehlt. Womit könnte er also besser beginnen als mit der Suche nach seinem ...

Als Jack Waterman, ein eher unbekannter Autor mit mäßigem Erfolg, vierzig wird, stellt er fest, dass ihm etwas in seinem Leben fehlt. Womit könnte er also besser beginnen als mit der Suche nach seinem Bruder Theo, von dem er seit etwa 20 Jahren nichts mehr gehört hat? Mit seinem alten Bulli macht Jack sich also auf den Weg und begegnet unterwegs Pitsémine, die in Begleitung ihres kleinen schwarzen Katers per Anhalter unterwegs ist. Schon bald stellen die beiden fest, dass sie ein gutes Team sind, und so suchen Jack und Pitsémine, die auch die "Große Heuschrecke" genannt wird, von nun an gemeinsam nach Theo. Dabei führen sie die Spuren, denen sie folgen, einmal quer durch die USA.

Das Buch hat mich etwas unschlüssig zurückgelassen. Im Großen und Ganzen hat es mir gut gefallen, Reisebücher sind toll und bei diesem hier verspürt man sofort die Lust, sich ebenfalls in einen alten Bus zu setzen und sich in Richtung Oregon Trail aufzumachen. Trotzdem haben mir verschiedene Dinge gefehlt. Zum Beispiel wurden zwar viele Orte und Schauplätze erwähnt, die Jack und die Große Heuschrecke bestaunen dürfen, mir waren da aber tatsächlich die Beschreibungen ein wenig zu knapp. Natürlich sind seitenlange Landschaftsbeschreibungen auch nicht gerade spannend, aber in den allermeisten Fällen wurde hier irgendwie vorausgesetzt, dass man im Kopf schon die passenden Bilder parat hat; was bei mir leider nicht immer der Fall war, und das hat es mir schwieriger gemacht, mich wirklich in die Umgebung hineinzufühlen. Ebenso dazu beigetragen hat der Schreibstil, der nicht schlecht ist, mich aber auch nicht überzeugen konnte. Ich konnte keine Nähe zu den Figuren aufbauen, und obwohl ich die beiden als Leser ja gewissermaßen auf ihrem Roadtrip begleitet habe, blieben sie mir merkwürdig fremd. Vielleicht hat da auch mit reingespielt, dass über Jack häufig nur als "der Mann" gesprochen wurde, und auch "Jack" ist eigentlich nur ein Pseudonym; wer er wirklich ist erfährt man nicht wirklich, auf seine Vergangenheit wird nur ganz knapp angespielt; vielleicht sollte das so, aber bei mir hat es verhindert, dass ich eine Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte.

Pluspunkte gibt es dafür, dass Bücher eine große Rolle spielen, es werden einige Werke amerikanischer und kanadischer Autoren erwähnt, das hat mir gut gefallen. Auch, dass immer wieder über die Geschichte bzw den Untergang der Indianerstämme gesprochen wurde, war spannend.

Mein Fazit also - ich weiß nicht. Ich glaube, das Buch hätte deutlich mehr Potenzial gehabt, als hier ausgeschöpft wurde. Das Ende lässt mich unbefriedigt zurück, denn die Botschaft wurde mir einfach nicht klar, ich weiß nicht, was mir dieses Buch sagen wollte. Um ein paar Stunden mal abzuschalten und sich auf einen kleinen gedanklichen Roadtrip zu begeben, ist es dennoch gut. Man kann es lesen, muss man aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 03.09.2020

Wie wurde der Wolf zum Hund?

Der Hund und sein Mensch
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Jeder weiß, dass der Hund ein Nachfahre des Wolfes ist. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass unsere heutigen Hunde nicht mehr wie einst in Rudeln durch die Wälder streifen und gemeinsam von der Jagd leben? ...

Jeder weiß, dass der Hund ein Nachfahre des Wolfes ist. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass unsere heutigen Hunde nicht mehr wie einst in Rudeln durch die Wälder streifen und gemeinsam von der Jagd leben? Wann wurde der Wolf "zahm" und weshalb lässt er sich heute vergleichsweise einfach dressieren und trainieren?

Auf diese und viele weitere Fragen wird in diesem Buch eingegangen. Dabei wird die Geschichte des Hundes und des Wolfes nacherzählt, der Leser begleitet den Wolf durch die Eiszeit bis heute und schaut dabei auch auf die Entwicklungsgeschichte des Homo Sapiens, die eng mit der Hundwerdung zusammenhängt. Dabei werden verschiedene Hypothesen beleuchtet - hat der Mensch irgendwann Wolfswelpen adoptiert und aufgezogen und so die Entwicklung zum Hund in Gang gesetzt? Das scheint bei genauerer Betrachtung unplausibel, und so widmet sich der Großteil des Buches einer sehr viel wahrscheinlicheren These: der Selbstdomestikation der Hunde. Denn das Zusammenleben von Wolf und Mensch bot für alle Beteiligten viele Vorteile, auf die im Buch ausführlich eingegangen wird und die eine solche Annahme sehr wahrscheinlich machen.

Neben dem Wolf wird auch auf viele andere Tierarten innerhalb der Hundeartigen und auch der Katzenartigen eingegangen. Im Fokus liegt zunächst Afrika, denn von dort kam Homo Sapiens auf den eurasichen Kontinent, doch auch die Entwicklungen etwa in Australien, das sich lange Zeit sehr isoliert von der restlichen Welt entwickelt hat, werden näher betrachtet.

Im zweiten Teil des Buches zieht der Autor seinen eigenen Hund Branko als Fallbeispiel heran und geht an dessen Entwicklung und Eigenarten näher auf die Verhaltensweisen von Hunden ein. Selbstverständlich muss, wie Reichholf auch selbst betont, bedacht werden, dass jeder Hund verschieden ist und sich die Beobachtungen eines einzelnen Individuums keinesfalls auf die Gesamtheit, sehr wahrscheinlich nichteinmal auf die Mehrheit aller Hunde übertragen lässt.

Dennoch hat mir auch dieser Teil sehr gut gefallen, wie auch schon der erste Teil, der sehr informativ gestaltet und auch gut verständlich geschrieben war. Interessante Fakten, die sich nicht nur auf die Hundwerdung allein beziehen, sondern etwa auch auf das große Massenaussterben von Arten gegen Ende der Eiszeit, werden gut und nachvollziehbar dargestellt.

Einzig regelmäßige Verweise à la "Darauf gehe ich später ein", "...wie wir gleich sehen werden" oder "...worauf ich an anderer Stelle zurückkommen werde" haben mich nach einer Weile etwas gestört, da solche Formulierungen sich doch ziemlich gehäuft haben. Nicht dramatisch, aber schöner hätte ich es gefunden, wenn stattdessen ein solcher Satz einfach weggelassen worden wäre, denn meistens hat es mich gar nicht gestört, dass auf einen bestimmten Punkt nicht sofort näher eingegangen wird - eher haben diese Formulierungen den Fokus unnötig darauf gelenkt. Teilweise hatte es etwas von dem Versuch, den Leser zu beschwichtigen und sich zu entschuldigen für etwas, was ohne eben diese Entschuldigung gar nicht aufgefallen wäre. Wie gesagt, nur ein kleiner Kritikpunkt und nichts Dramatisches, es hat mich bloß einfach ein bisschen gestört.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen und es hat mir insgesamt gut gefallen. Es ist sicherlich lesenswert für alle Hundebesitzer und alle, die sich für die Entwicklung von Arten bis zur heutigen Zeit hin interessieren!

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Veröffentlicht am 01.09.2020

Auf der Suche nach sich selbst

Pax
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Pax wohnt, seit er sich zurückerinnern kann, bei seiner Tante Beatrix. Schon kurz nach seiner Geburt sind seine Eltern und sein älterer Bruder auf einer Afrikareise verschwunden. Seitdem wächst Pax mit ...

Pax wohnt, seit er sich zurückerinnern kann, bei seiner Tante Beatrix. Schon kurz nach seiner Geburt sind seine Eltern und sein älterer Bruder auf einer Afrikareise verschwunden. Seitdem wächst Pax mit der ständigen Suche nach etwas Wärme und Zuneigung auf, denn auch nach Jahren scheint Beatrix oft überfordert mit den Gefühlen des Jungen und mit der ihr auferlegten Aufgabe, sodass Pax sich beinahe genauso sehr um sie kümmert wie sie sich um ihn und lernt, seine Gefühle eher für sich zu behalten und sich vor der Außenwelt zu verschließen. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Leni verbringt er dennoch eine schöne Kindheit, bis die beiden sich mit der Pubertät immer weiter voneinander entfernen und Pax feststellt, dass er anders ist als andere Jungen. Was er sich zunächst nicht eingestehen kann, wird bald zur Gewissheit - er ist schwul. Diese Entdeckung stürzt ihn in eine tiefe Krise, da er sich niemandem öffnen kann und weiterhin sein Pflichtgefühl gegenüber Tante Beatrix wächst.

Pax ist ein sehr sympathischer Protagonist. Er lernt früh, Vieles mit sich selbst auszumachen und durchlebt genauso wie jeder andere Jugendliche auch die nicht immer einfache Phase des Erwachsenwerdens. Pax eckt an, gerade wegen seiner Homosexualität, für die er schon verurteilt wird, noch bevor er selbst sein Anderssein klar formulieren und definieren kann. Doch er findet auch Möglichkeiten, das auszugleichen, Zeit für sich selbst, sei es mit Leni, im Fußball oder bei seinem größten Hobby, den Filmen. Nach und nach gelingt es Pax, aus seinem Kokon zu schlüpfen und Schritt für Schritt zu sich selbst zu finden.

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in das Buch hineinzufinden, denn der Schreibstil ist nicht der einfachste. Oft stößt man auf längere Schachtelsätze, und auch, dass wörtliche Rede nicht mit Anführungszeichen, sondern nur durch Kommata abgetrennt ist, kann am Anfang irritieren. Je weiter ich gelesen habe, desto einfacher ist mir das Lesen aber gefallen und inzwischen finde ich, dass es sogar sehr gut zum Buch, dessen Thematik und auch zur Gedankenwelt des Protagnisten passt und deren Komplexität auch auf sprachlicher Ebene sehr gut wiedergibt. Denn auch das Thema Erwachsenwerden ist kein einfaches, besonders nicht, wenn man sich mit solchen Sorgen auseinandersetzen muss wie Pax. Zum Bedürfnis, geliebt zu werden, dem Pflichtgefühl, Beatrix nicht zur Last zu fallen und der Sorge um ihre häufig angeschlagene Gesundheit kommt das drängende und unangenehme Gefühl, selbst anders zu sein und damit zurechtkommen zu müssen. Ein sehr wichtiger Aspekt, der im Verlauf des Buches weiter in den Vordergrund rückt und, wie ich finde, sehr schön beschrieben wird.

Ich mochte das Buch sehr gerne, den einen Stern Abzug gibt es dennoch, weil ich relativ lange nicht ganz damit warm wurde. Danach hat es mir dann aber umso besser gefallen. Ich fand es berührend und konnte, letztendlich dann doch unter anderem auch dank des Schreibstils, sehr gut eintauchen in diese Geschichte. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Der verschlungene Pfad des Erwachsenwerdens

Das lügenhafte Leben der Erwachsenen
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Giovanna ist 13 als sie entdecken muss, dass die Welt keineswegs so ist, wie sie immer dachte, und dass Menschen fehlbar sind. Ausgelöst durch die Aussage ihres Vaters, Giovanna werde immer mehr wie dessen ...

Giovanna ist 13 als sie entdecken muss, dass die Welt keineswegs so ist, wie sie immer dachte, und dass Menschen fehlbar sind. Ausgelöst durch die Aussage ihres Vaters, Giovanna werde immer mehr wie dessen Schwester Vittoria, beginnt Giovannas Entwicklung von einem Kind zur jungen Erwachsenen. Um zu erfahren, was an der Sache mit Vittoria dran ist, stellt Giovanna den Kontakt zu ihr her, den die Eltern schon vor vielen Jahren abgebrochen haben. Und stellt fest, wie sehr sie diese andere, unbehütetere Welt fasziniert. Merkt, dass auch Vittorias Sicht der Dinge durchaus ihre Berechtigung hat und muss langsam aber sicher erkennen und akzeptieren, dass weder ihre Eltern, noch sie selbst, noch sonst irgendein Mensch perfekt ist und dass jeder seine persönlichen Abgründe hat.

So wendet Giovanna sich langsam aber sicher immer mehr ab von ihrer behüteten Kindheit und einem Leben zu, in dem sie lernt, unabhängig von anderen Entscheidungen zu treffen, in dem sie sich selbst einen Weg erarbeitet, den Alltag zu bestreiten. Im Mittelpunkt steht dabei der Konflikt innerhalb der Familie, alte Streitigkeiten zwischen Vater und Tante, aber auch die Beziehung der Eltern zu Eltern der besten Kindheitsfreundinnen Giovannas. Und sie lernt: bei allem, was die Erwachsenen tun, tun sie vor allem eines: Sie lügen. Sie manipulieren sowohl die Wahrheit als auch andere Menschen, um ihre Ziele zu erreichen, um möglichst gut dazustehen. Immer weiter dringt Giovanna in dieses schier endlose Geflecht aus Lügen und Halbwahrheiten ein, tauscht die oberflächliche Sicht eines unerfahren Kindes gegen die ruhige, abschätzende einer jungen Frau. Dabei dreht sich nach wie vor alles um den Auslöser ihres Wandels - die Möglichkeit, dass sie zu einer zweiten Vittoria wird, dass sie deren Aussehen annimmt, dürr und hässlich wird, und dass sie sich ihr auch innerlich immer weiter annähert. Dieser Gedanke erschreckt sie zutiefst und fasziniert sie zugleich, sodass die Beziehung zu Tante Vittoria ein Wechselspiel ist aus äußerster Ablehnung einerseits und dem sehnlichen Wunsch nach Anerkennung andererseits.



Erzählt wird in der ersten Person aus Sicht Giovannas, und mit ihr wurde der Geschichte eine wirklich interessante Protagonistin zuteil. Denn Giovanna berichtet dem Leser offen und ehrlich von ihren Gedanken, schreckt nicht davor zurück, auch ihre eigenen Ängste, ihre manchmal zweifelhaften und schlechten Entscheidungen zu offenbaren. Giovanna beschönigt dem Leser gegenüber nichts, am wenigsten sich selbst, und damit ist ihr eine Eigenschaft gegeben, die den Menschen um sie herum fehlt. Elena Ferrante legt es nicht darauf an, mit Giovanna eine sympathische Protagonistin zu schaffen, und genau darum geht es ja - Giovanna ist ehrlich, und sie steht damit permanent im absoluten Kontrast zur gesamten Welt des Erwachsenseins, die bis in ihre Grundfesten auf Lügen basiert.

Giovanna hat eine sehr interessant und vielschichtig beschriebene Persönlichkeit und es ist spannend, sie bei ihrer Entwicklung zu beobachten und sie auf dem Weg durch die Pubertät zu begleiten. Sie macht sich viele Gedanken über sich selbst, ihre Rolle im Leben, ihre Beziehungen zu Eltern, Freunden, Verwandten. Sie sammelt erste Erfahrungen darin, sich in ihrem weiterentwickelnden Körper zurechtzufinden und erlangt gleichzeitig die Fähigkeit, andere Menschen zu duchschauen und die Motive ihres Handelns zu ergründen. Denn auch über andere Menschen denkt sie sehr viel nach und lernt dadurch, sich selbst von den anderen zu unterscheiden, sich zu einem Individuum, einer eigenen Persönlichkeit zu entwickeln.

Etwas an Giovannas Art hat mich beim Lesen sehr fasziniert und so sehr gepackt, dass ich immer weiter hätte lesen können. Mitanzuschauen, wie das kleine, angepasste Mädchen beginnt, sich gegen die ihr von Eltern und Bekannten aufgezwungene Ordnung, den ihr aufgezwungenen Lebensstil überhaupt, zu erheben, um seinen eigenen Weg zu gehen, hat mir sehr gut gefallen. Vor allem auch, da dieser Weg definitv alles andere als gerade verläuft, er gleicht mehr einem verschlungenen, halb zugewucherten Pfad, den Giovanna bezwingen muss, um die Reise ins Erwachsenenleben zu bewältigen. Doch man spürt beim Lesen, wie sehr sie an dieser schwierigen Aufgabe, an Fehlern und Irrtümern wächst und nach und nach ihre Kindheit abstreift, um sich zu einer selbstbestimmten Person zu entwickeln.

Der Schreibstil Elena Ferrantes hat mir gut gefallen und einen angenehmen Lesefluss ermöglicht, und ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich mich zum Weiterlesen motivieren muss. Eher im Gegenteil, ich hatte sehr angenehme Lesestunden und fand es schade, als ich gemerkt habe, dass sich das Buch schon dem Ende zuneigt. Alles in allem bin ich begeistert von diesem Buch und kann es nur wärmstens weiterempfehlen!

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