Charmanter historischer Kriminalroman
Fräulein Renée und das kartografische KomplottDer junge Dichter Caspar Schütze tritt eine Stelle als Chronist bei der siebzehnjährigen Renée Graf an. Ihre Regeln sind klar: Sie hat das Kommando, Abenteuer gehen vor Vernunft, und Tradition ist kein ...
Der junge Dichter Caspar Schütze tritt eine Stelle als Chronist bei der siebzehnjährigen Renée Graf an. Ihre Regeln sind klar: Sie hat das Kommando, Abenteuer gehen vor Vernunft, und Tradition ist kein Argument. Kaum ist die ungewöhnliche Zusammenarbeit besiegelt, stolpern die beiden über eine Leiche in einem abgelegenen Forsthaus. Die Ermittlungen führen sie bald zur ehrwürdigen Geographischen Gesellschaft Württemberg und mitten hinein in ein Netz aus Machtstreben, wissenschaftlichen Ambitionen und moralischen Grauzonen.
Fräulein Renée und das kartografische Komplott ist ein unterhaltsamer historischer Kriminalroman mit einem ebenso ungewöhnlichen wie sympathischen Ermittlerduo.
Renée ist klug, eigenwillig und ausgesprochen abenteuerlustig. Mit erfrischender Selbstverständlichkeit widersetzt sie sich den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit, was gleichermaßen unterhaltsam wie erfrischend wirkt. Leidenschaftlich stürzt sie sich in die Ermittlungen und ihre selbst aufgestellten Regeln verleihen dem Geschehen eine angenehme Unberechenbarkeit. Auch ihre Schwärmerei für Lisbeth Kaufmann ist ebenso liebenswert wie unangepasst und wird sensibel sowie ganz ohne Klischees erzählt.
Caspar bildet mit seiner Aromantik und seiner ruhigen Art den idealen Gegenpol. Als Chronist bleibt er häufig beobachtend und reflektierend, oft auch etwas zögerlich. Sein Hang zur Poesie und der Wunsch, dem engen Elternhaus zu entkommen, machen ihn greifbar und sympathisch. Die Dynamik zwischen den beiden sowie ihre pointierten Wortgefechte sorgen immer wieder für humorvolle, aber auch nachdenkliche Momente. Auch die Nebenfiguren sind interessant und liebevoll gezeichnet, sodass man sich stellenweise etwas mehr Raum für sie gewünscht hätte.
Der Kriminalfall beginnt klassisch mit einer Leiche in einem abgelegenen Forsthaus und führt bald zur Geographischen Gesellschaft Württemberg. Besonders gelungen ist die Verbindung von Kartografie, Wissenschaft und politischem Einfluss, die dem Komplott eine originelle und zugleich realistische Note verleiht. Die Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts ist sorgfältig recherchiert und lebendig eingefangen. Mitunter verliert sich der Roman etwas in ausführlichen Beschreibungen und Gedanken, während die eigentliche Ermittlungsarbeit zeitweise in den Hintergrund rückt. Die schlüssige Auflösung und die thematische Vielschichtigkeit gleichen dies jedoch gut aus.
Alles in allem ist Fräulein Renée und das kartografische Komplott ein charmanter historischer Krimi mit einem außergewöhnlichen Ermittlerduo, feinem Humor und einem klug konstruierten Fall. Ein Lesevergnügen für alle, die historische Settings, Abenteuer und eigenwillige Figuren mögen.