Ruhige Internatsgeschichte über Zugehörigkeit und Selbstzweifel
PrepLee Fiora wechselt als Teenager auf ein Eliteinternat und verbringt dort mehrere prägende Schuljahre. Der Roman begleitet sie durch diese Zeit und zeigt ihren Alltag, Freundschaften, Unsicherheiten und ...
Lee Fiora wechselt als Teenager auf ein Eliteinternat und verbringt dort mehrere prägende Schuljahre. Der Roman begleitet sie durch diese Zeit und zeigt ihren Alltag, Freundschaften, Unsicherheiten und erste Beziehungen. Man hat beim Lesen das Gefühl, ihr über mehrere Jahre hinweg beim Erwachsenwerden zuzusehen.
Besonders spannend fand ich den Einblick in das Internatsleben. Da die Jugendlichen ständig zusammen sind, werden soziale Unterschiede, Cliquen und auch Klassismus sehr deutlich sichtbar. Lee stammt aus einem eher normalen Elternhaus und fühlt sich in dieser privilegierten Umgebung oft unsicher. Dieser Konflikt zwischen Herkunft und Elite-Blase wird sehr nachvollziehbar dargestellt.
Der Schreibstil ist angenehm und detailreich, wodurch sowohl Lee als auch die Nebenfiguren gut greifbar werden. Gleichzeitig ist Lees geringes Selbstwertgefühl manchmal schwer auszuhalten – man wünscht sich beim Lesen häufig, dass sie mehr Selbstvertrauen entwickelt.
Sehr gelungen fand ich die Passagen, in denen die erwachsene Lee auf ihr jüngeres Ich zurückblickt. Sie reflektiert ihr Verhalten von damals mit Verständnis, aber auch mit Selbstkritik. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Tiefe.
Insgesamt ist der Roman eher ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für Beobachtungen. Für meinen Geschmack hätte er stellenweise etwas kürzer sein können. Trotzdem ist „Prep“ ein interessantes Porträt des Erwachsenwerdens und besonders für Leser*innen empfehlenswert, die Coming-of-Age-Geschichten oder Internatsromane mögen.