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Veröffentlicht am 15.09.2016

Tannöd 2.0

Blutwinter
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1920, der Abend des 5. Dezembers. Jemand stapft durch den tiefen Schnee Richtung Wolfsham, einem kleinen Kaff in Oberbayern. Auch wenn es der Vorabend von Nikolaus ist, hat dieser Mann keine Geschenke ...

1920, der Abend des 5. Dezembers. Jemand stapft durch den tiefen Schnee Richtung Wolfsham, einem kleinen Kaff in Oberbayern. Auch wenn es der Vorabend von Nikolaus ist, hat dieser Mann keine Geschenke dabei, im Gegenteil, er bringt Blut, Mord, Grausamkeit und Verderben.
85 Jahre später. Zwei Journalisten befragen die hochbetagte Maria in ihrem Pflegeheim. Sie wollen die ganze Wahrheit über diesen Fall wissen, und zu diesem Zweck lesen sie ihr zuerst die Zeugenaussagen überlebender Dörfler vor - unter anderem auch die der damals zehnjährigen Maria. Die Journalisten erhoffen sich einen Artikel, doch was Maria ihnen dann erzählt, übertrifft alle Erwartungen und löst nicht nur einen Fall aus längst vergangenen Zeiten, sondern gleich zwei.

Tiefer Winter, abgelegene Ortschaft, grausame Morde, Journalistenbefragung, Zeugenaussagen der Nachbarn im Dorf - kommt jemand bekannt vor? Rischtiiiiiisch. Klingt nicht nur vage nach Tannöd 2.0. Hat sogar recht viel Ähnlichkeit mit der Geschichte von A. M. Schenkel. Extrem auffällig zieht sich das bis ungefähr zur Hälfte des Buches, denn auch die Zeugenaussagen sind ähnlich aufgebaut. Erst als Maria dann selbst anfängt zu erzählen und die Journalisten selbst nach Wolfsham aufbrechen, bekommt die Geschichte einen eigenständigen Drall. Wer sich also solche Ähnlichkeiten erlaubt, muss sich gefallen lassen, dass er mit dem Original verglichen wird. Und hier wird auffällig, dass Schenkels Schreibweise origineller ist, ganz besonder bei den Zeugenaussagen, wo wirklich jeder seine eigene, erkennbare Stimme bekommt, wohingegen man bei Flexeder nur wenig Unterschiede im Stil der einzelnen Personen erkennen kann, und dass es bei Tannöd von Anfang an in die Geschichte hineinzieht, wohingegen der Blutwinter eher schwerfällig beginnt und auch schwerfällig endet. Auch dass gerade zum Schluss, wo man dann endlich richtig Interesse hat, noch seitenweise über die privaten Probleme eines der Journalisten lesen muss, die nichts mit dem Buch zu tun haben und auch wirklich irrelevant sind, ist kein cleverer Schachzug des Autors. So ist ein Buch herausgekommen, das zwar gar nicht schlecht ist, aber gut und gern bei der doch rechten guten Idee etwas mehr Originalität hätte vertragen können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wolfsgeheul und Adlerschrei

Animox 1. Das Heulen der Wölfe
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Simon ist zwölf und ein totaler Außenseiter. Nicht nur, dass seine Mutter nie zuhause ist und er bei seinem Onkel Darryl aufwächst, wird er in der Schule von älteren Mitschülern gemobbt - weil er Tiere ...

Simon ist zwölf und ein totaler Außenseiter. Nicht nur, dass seine Mutter nie zuhause ist und er bei seinem Onkel Darryl aufwächst, wird er in der Schule von älteren Mitschülern gemobbt - weil er Tiere verstehen kann und sich mit ihnen unterhält, ganz besonders mit Tauben. Als wäre das nicht schon schwer genug für einen Jungen seines Alters, werden Darryl und er bei dem nächsten Besuch seiner Mutter überfallen. Von Ratten. Millionen von Ratten, die scheinbar nichts anderes im Sinn haben, als ihn und seine Mutter in ihre Gewalt zu bringen. Seine Mutter wird entführt und Simon erfährt ein paar Dinge. Dass die Mitglieder seiner Familie ihre Gestalt wandeln können zum Beispiel. Dass man erwarten kann, dass es ihm auch so geht. Und dass er mitten in einen Krieg der Gestaltwandler geraten ist und möglicherweise als Erbe des Bestienkönigs eine Gefahr für alle darstellt. Und ach, so: einen Bruder hat er auch noch. Einen Zwillingsbruder, der es gar nicht komisch findet, plötzlich ihn auf dem Hals zu haben ...

Ein großartiger Auftakt einer wohl fünfbändigen Serie. Hier bleibt kaum was zu wünschen übrig. Abenteuer, Familie, Gefahren, Freundschaft. Ganz besonders die Freundschaft unter unterschiedlichen Typen von Gestaltwandlern und Mobbing sind immer wiederkehrende Themen des Buches, ohne irgendwie mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen. Manchmal handeln die Protagonisten vielleicht ein bisschen ihrem Alter voraus, aber nicht übertrieben, so dass man gerade auch bei Simon über manch zu sehr vernünftige Gedanken drüber hinwegsehen konnte. Ich kann nur sagen, dass ich mich großartig unterhalten gefühlt habe und mich wirklich auf die nächsten Bücher dieser Reihe freue. Keine reinen Kinderbücher hat diese Serie, vorausgesetzt sie bleibt so fesselnd, das Potenzial für eine neue Sucht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Es hätte so cool sein können!

Die Buchspringer
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Hörbuch-Rezi:

Wenn man sich vorstellt, dass es möglich wäre, in Bücher zu springen und dort als Beobachter die Handlungen live mitzuerleben. Das wäre extrem cool! Allein bei der Idee sind mir so an die ...

Hörbuch-Rezi:

Wenn man sich vorstellt, dass es möglich wäre, in Bücher zu springen und dort als Beobachter die Handlungen live mitzuerleben. Das wäre extrem cool! Allein bei der Idee sind mir so an die hundert Bücher eingefallen, in die ich springen wollte. Also, wie man sieht, die Idee ist saucool und ich wäre gern ein Buchspringer, also jemand, dem es genetisch möglich ist, sich in Bücher einsaugen zu lassen.

Amy ist so jemand. Sie wusste davon nichts, weil sie mit ihrer eigentlich schottischen Mutter in Deutschland wohnt. Jetzt sind Ferien, die beiden haben unangenehme Zeiten erlebt und sie kehren in die Heimat ihrer Mutter zurück, einer unbekannten schottischen Insel. Dort lernt Amy nicht nur ihre ebenso unbekannte Großmutter kennen, sondern auch, dass sie ein Buchspringer ist. Doch in der Buchwelt ist nicht alles in Ordnung, im Gegenteil. Ein Dieb stiehlt die wichtigsten Zutaten bekannter Weltliteratur und zerstört dadurch die Geschichten, eine Buchfigur wird ermordet, Amy verliebt sich in Will, den Neffen des nicht gerade in Freundschaft verbundenen Clans und es geschehen sogar Mordversuche an ihr. Dann erfährt sie noch, dass sie nicht nur ein Buchspringer, sondern etwas noch Seltsameres als das ist. Sie befreundet sich mit Werther und Shir Khan und versucht, alles unter einen Hut zu bringen.

Ja, tolle Ideen. Eigentlich auch ein guter Schreibstil, der von der Sprecherin gut erzählt wurde. Und trotzdem kam schnell gepflegte Langeweile auf, denn Amy und Will erzählen zwar dauernd, dass sie nach dem Mörder und Dieb suchen, aber eigentlich springen sie nur ratlos in den Büchern hin und her und laufen den Ereignissen nach. Richtige Initiativen ergreifen sie nicht wirklich. Außerdem wurde nie wirklich beschrieben, wie es funktioniert, dass man aus den Büchern wieder zurückkehrt oder gar "Seiten blättert". Allein bei der Beschreibung der Rückkehr würden mir so viele Dinge einfallen, die das unmöglich machen, dass ich mich von so einer vagen Sache eher abgeschreckt gefühlt hätte. Dann die Sache mit dem Mord und den geheimnisvollen Schriften an der Wand. Da soll derjenige, der das geschrieben hat, nicht seine eigene Schrift erkannt haben? Oder Amy: Dauernd erzählt sie von Will und seinen Himmelsaugen und wie toll sie ihn findet, und dann konfrontiert sie ihn nicht mal mit dem, was sie in seiner Hütte findet? Wie sinnlos ist das denn? Amy war eh die Figur, die mich am meisten aufgeregt hat. Sie war phlegmatisch, und obwohl sie angeblich immer so schlau und intelligent war, hat sie jedes Mal ewig gebraucht, bis sie auf das kam, was so offensichtlich vor ihrer Nase lag. Von den Vorwürfen ihrer Mutter gegenüber, die sie betreffend ihres bis dahin unbekannten Vaters hatte, mal ganz abgesehen - mit welchem Recht hat sie sich da so aufgeregt? Dieses Mädchen war einfach nervig und hat nichts dazu beigetragen, das Buch besser zu machen. 2,5 Punkte, durch die Sprecherin, die ihre Sache gut gemacht hat, auf 3 aufgewertet.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Unglückszahl 13

Secret Fire
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Sacha ist 17, lebt in Paris und kann nicht sterben. Jedenfalls nicht vor seinem 18. Geburtstag. Warum das so ist, erfährt man in dem Buch, das erkläre ich nicht ausführlich. Aber da er eben unsterblich ...

Sacha ist 17, lebt in Paris und kann nicht sterben. Jedenfalls nicht vor seinem 18. Geburtstag. Warum das so ist, erfährt man in dem Buch, das erkläre ich nicht ausführlich. Aber da er eben unsterblich ist im Moment, macht er sich einen "Spaß" daraus, auf sein Leben zu wetten und Geld abzuziehen. Er schwänzt die Schule, macht Geschäfte mit Kriminellen und lebt ansonsten in der Erwartung seines Todes.
Taylor ist auch 17, lebt in einem Kaff in England und ist in allem das Gegenteil von Sacha. Sie ist die perfekte Schülerin, macht ehrenamtliche Arbeiten und immer korrekt und formal.
Eigentlich könnten sich die zwei nie begegnen, wenn da nicht ihre Lehrer wären, die sie zu einem ersten Kontakt per email zwingen. Oder eine geheime Bruderschaft aus dem 17. Jahrhundert, die gegen Hexen und Dämonen vorging. Oder Alchemisten und ein Fluch. Doch als sich die beiden endlich kennenlernen, reißt es sowohl Sacha als auch Taylor in einen Strudel aus Ereignissen, dem sie sich nicht entziehen könnten, selbst wenn sie wollten. Sie müssen Sachas vorbestimmten Tod unbedingt verhindern, nicht nur um Sacha selbst, sondern um der gesamten Menschheit willen.

Das Buch hat eine originelle Idee, ist spannend und echt flüssig geschrieben, so dass die Seiten nur so dahinfliegen. Man darf nicht allzuoft innehalten, um einige Sachen zu durchdenken, denn dann würden manches ein bisschen unglaubwürdig rüberkommen (und damit meine ich nicht den Fantasyanteil), doch manchmal gibt es logische Holpersteine, die besser aus dem Weg hätten geräumt werden können. Trotzdem kann das Buch packen, die Protagonisten sind sympathisch und obwohl sie sich gegenseitig natürlich auch nach dem ersten schweren Start total sympathisch sind, gibt es zumindest jetzt noch kein mega Liebesgeschnulze. Hatten natürlich auch keine wirkliche Zeit dafür und ich hoffe, das bleibt so in der recht angenehmen Form. Für einen ersten Teil war das Buch jedenfalls ein rasanter Einstieg, der spannende Unterhaltung für Band Zwei verspricht.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nicht jedermanns Sache

sweet & salty
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Sweet & Salty heißt dieses ungewöhnliche Kochbuch, und der Untertitel verspricht Früchstück für den ganzen Tag. Seit einiger Zeit probiere ich alle möglichen (und unmöglichen) Kochbücher aus, also musste ...

Sweet & Salty heißt dieses ungewöhnliche Kochbuch, und der Untertitel verspricht Früchstück für den ganzen Tag. Seit einiger Zeit probiere ich alle möglichen (und unmöglichen) Kochbücher aus, also musste ich das auch haben. Ich stehe auch auf ausführliche Frühstücke, und soviel kann ich euch verraten: die gibt es. Unterteilt ist das Buch in folgende Abschnitte:

Smoothies & Bowls
Waffeln
Pancakes & Crepes
Brote & Toasts
Aus dem Ofen
Omeletts & Co.
Für den größeren Hunger

Auch wenn es Frühstück genannt wird, sind die Rezepte so aufgeteilt, dass man problemlos Mittag, Snacks, 2. Frühstück oder auch Abendessen draus machen kann. Manches davon funktioniert auch überraschend gut, gerade die Smoothies fand ich super, das Kokosomelett mit Bananen, Erdnüssen und Reis oder die Kokossuppe ebenfalls. Für nicht so toll befunden habe ich einige Kombinationen wie Brezel-Käseauflauf mit Pflaumenmus, und endgültig gestreikt haben meine Geschmacksnerven dann bei Waffeln mit Knusperhähnchen und Banane.

Logisch, das ist natürlich alles Geschmackssache, und alles probiert man in Kochbüchern eh nicht aus. Positiv erwähnen möchte ich noch, dass bis auf ein paar Ausnahmen keine allzu exotischen Zutaten gekauft werden mussten, was ja doch meistens ins Geld geht, und dass sowohl die Texte als auch die Fotos einfach nur top waren. Geeignet ist das Buch jedenfalls nicht für jedermann - wer gerne beim Essen experimentiert, wird voll auf seine Kosten kommen, aber wer eher der Typ "Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" ist, sollte gar nicht erst dazu greifen.