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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2021

Totenflüsterin

Tote schweigen nie
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Cassie Raven ist Assistentin der Gerichtsmedizin und dort stört es normalerweise weder ihre Arbeitskollegen noch ihre "Kundschaft", dass sie wie ein Goth rumläuft, voll tätowiert und gepierct. Niemand ...

Cassie Raven ist Assistentin der Gerichtsmedizin und dort stört es normalerweise weder ihre Arbeitskollegen noch ihre "Kundschaft", dass sie wie ein Goth rumläuft, voll tätowiert und gepierct. Niemand weiß, dass sie manchmal das Gefühl hat, die Toten würden mit ihr reden. Dadurch kann sie immer mal wieder Hinweise zu Todesarten geben, die die Gerichtsmediziner sonst nicht entdeckt hätten. Eines Tages landet jedoch eine Frau auf ihrem Tisch, die sie kennt, mochte und ihr viel zu verdanken hat. Schnell wird ihr klar, dass es sich hier auf keinen Fall um einen Unfall handeln kann. Doch außer DS Flyte glaubt ihr keiner ...

Ich bin ein totaler Fan von Abby aus NCIS und mochte daher Cassie auf der Stelle. Sie hat auch eine sehr coole und sympathische polnische Oma, obwohl ich zum Beispiel nicht unbedingt tote Eichhörnchen geschenkt bekommen würde. Ich kann natürlich aber auch nicht hören, was Tote so flüstern. Manchmal ist das Ganze ein bisschen dick aufgetragen, aber ich mochte die Dynamik zwischen Cassie und Phillida, die kurzen Kapitel und den Fall an sich. Ein Thriller ist es nicht wirklich, aber Spaß gemacht hat es allemal.

Veröffentlicht am 29.11.2021

Wintereinbruch

The Sky in your Eyes
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Elin ist eine junge Frau aus Island, die in einem kleinen Ort wohnt und nicht viele Freunde hat. Sie hat ein paar mehr Kilos drauf, als es Models in Frauenzeitschriften tragen und durch ihren Ex-Freund, ...

Elin ist eine junge Frau aus Island, die in einem kleinen Ort wohnt und nicht viele Freunde hat. Sie hat ein paar mehr Kilos drauf, als es Models in Frauenzeitschriften tragen und durch ihren Ex-Freund, der gnadenlos Bodyshaming bei ihr betrieben hat, ist dadurch ihre Meinung von sich selbst auf einem Tief. Doch dann trifft sie ausgerechnet bei einem veganen Kochkurs auf Jon, der megaschön, megadurchtrainiert und megainteressiert an ihr ist. Aber ist sein Interesse echt? Dann bekommt sie auch auf der Arbeit Probleme mit dem Sohn ihres Chefs und Elin weiß kaum noch, was sie tun, wie sie handeln soll.

Zuerst das Positive: Das aktuelle Loveinterest der Heldin war kein Ar...loch. Das hat mich verblüfft und wirklich angenehm überrascht. Andererseits war er schon wieder unwirklich: zu schön, zu nett, zu verständnisvoll, zu alles. Keine Ecken, keine Kanten, nicht mal irgendwelche körperlichen Schönheitsfehler (die wurden in seiner Kindheit behoben). Auch finde ich das Thema Bodyshaming sehr wichtig, aber war es echt notwendig, es in die andere Richtung zu betreiben? Die Antagonistin war megaschlank, megadurchtrainiert, Veganerin, Fitnesstrainerin und menschlich hässlich. Ist auch eine Art von Bashing. Gut gefallen hat mir, dass die Protagonistin nichts mehr mit ihrem toxischem Freund und dem toxischen neuen Chef zu tun haben wollte. Nicht gut dagegen fand ich, dass sie sich im Endeffekt trotzdem erst wieder als richtiger Mensch gefühlt hat, als sie von einem Mann anerkannt und akzeptiert wurde. Auch finde ich diese Aussagen wie "Ich habe akzeptiert, dass ich nie dünn sein werde" problematisch. Warum hat sie das akzeptiert? Erstens ist "dünn" eine subjektive Angelegenheit, zweitens ist Abnehmen eine Sache zwischen Energieverbrauch und Energiezunahme. Also warum sollte es einem gesunden Menschen nicht möglich sein abzunehmen, wenn er das möchte, und auf sein Wunschgewicht zu kommen? Alles in allem war es sicherlich eine nette Geschichte mit einer gut gemeinten Botschaft.

Veröffentlicht am 27.11.2021

Frostiger Forst

Feuerblut - Der Schwur der Jagdlinge
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Zwölf ist ein Jagdling - ein Mädchen, das sich dem Orden der Jäger angeschlossen hat, zum Kämpfen ausgebildet wird und dem eigenen Clan entsagt, um alle zu schützen. Doch Zwölf hat ein Geheimnis, deshalb ...

Zwölf ist ein Jagdling - ein Mädchen, das sich dem Orden der Jäger angeschlossen hat, zum Kämpfen ausgebildet wird und dem eigenen Clan entsagt, um alle zu schützen. Doch Zwölf hat ein Geheimnis, deshalb schließt sie sich niemandem an. Trotzdem gelingt es Sieben, einem netten Mädchen, so etwas wie freundschaftliche Gefühle in ihr zu erwecken. Doch dann wird das Ordenshaus der Jäger von Kobolden angegriffen und Sieben entführt. Zusammen mit Fünf und Sechs, zwei männlichen Jagdlingen, macht sich Zwölf auf die Suche nach ihr. Unterwegs begegnen sie genügend Gefahren, die sie überstehen können mit Hilfe von Hund, dem Wächter, und ihrer Fähigkeit, einander zu vertrauen.

Ich bin bei dem Buch ein wenig hin- und hergerissen und das hat vermutlich auch viel mit der Übersetzung zu tun. Es fängt schon mal damit an, dass irgendwer auf die Idee kam, die Eigennamen zu übersetzen. Wer, bitte, macht so was? Es liest sich im Deutschen einfach nur furchtbar, wenn von Zwölf, Sieg oder Raureif die Rede ist. Auch konnte sich das Buch nicht richtig entscheiden, ob es ein reines Kinderbuch oder doch lieber ein Jugendbuch sein wollte. Die teilweise brutalen Sachen, die passiert sind, standen im krassen Widerspruch zum Alter der Protagonisten und dem teilweise kindischen Gebaren der Charaktere. Wenn Erwachsene - während einer Schlacht - so Dinge rufen wie "Frostiger Forst!" oder ähnliches, empfinde ich das als lächerlich. Genauso wie die Riesenspinnenszene im Wald. Andererseits habe ich die Geschichte auch durchaus gern gelesen, denn vorhersehbar, wie sie war, beinhaltet sie gute Messages in Bezug auf Freundschaft, Achtung und dem Anerkennen anderer.

Veröffentlicht am 25.11.2021

In ewiger Langeweile

In ewiger Freundschaft (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10)
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Es war einmal eine Autorin. Die war zwar megaberühmt, bekam aber entweder den Hals nicht voll oder hatte Komplexe, weil ein paar ihrer Bücher mal in der Ramschkiste zu finden waren. Also dachte sie: Ich ...

Es war einmal eine Autorin. Die war zwar megaberühmt, bekam aber entweder den Hals nicht voll oder hatte Komplexe, weil ein paar ihrer Bücher mal in der Ramschkiste zu finden waren. Also dachte sie: Ich schreibe jetzt mal ein Buch, in dem ich mit Leuten aus der Buchbranche abrechne und und außerdem jedem, der bei drei nicht auf dem Baum ist, meine eigenen Bücher noch mal um die Ohren haue.

Gesagt, getan.

Und schon war genau dieses Buch wieder auf den Bestsellerlisten und die Autorin hat alles richtig gemacht. Happy End.

Außer vielleicht für manche Leser. Solche wie mich. Ich hätte gern einen Fall gehabt, der mich interessiert. Der spannend geschrieben ist, ohne dass ich dauernd von alten Titeln der Autorin lesen muss. Ohne dass es zu ständigen Wiederholungen kommt, ohne dass die Charaktere alles, aber auch wirklich alles noch einmal durchkauen und dennoch nicht bei 1 + 1 auf 2 kommen.

Ein Buch, in dem nicht der (natürlich!) adlige Hauptcharakter von der eigenen Autorin schlimmer angehimmelt wird als einer der verdächtigen Autoren von der Chefin der Kriminalpolizei.

Ich hätte gern ein Buch gelesen, in dem es ohne Eigenlob abgeht. Ein Buch, in dem eine der Protagonistin nicht sagt: Gendern ist Mist, was soll der Quatsch. Ein Buch, in dem nicht auf jeder Seite gebrüllt wird: Wir sind reich und der Klimawandel geht uns am A... vorbei, Hauptsache, wir fahren unsere fetten Boliden oder Geländewagen.

Von einem Krimi war hier jedenfalls nicht viel zu finden, zumal eine wichtige Person erst irgendwann zum Schluss aus dem Hut gezaubert wurde.

Eigentlich hätte mich das Thema wirklich interessiert. Aber die Umsetzung war einfach furchtbar. Und wirklich nur geeignet für Leute, denen es zu peinlich ist, die Bahnhofsheftchen über den mega gutaussehenden Adligen und seine Liebschaften zu lesen. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.11.2021

Goldene Zwanziger?

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein großer Rausch
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Frauen hatten es selten einfach in der Geschichte der Menschheit, das ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch in den so genannten Goldenen Zwanzigern nicht anders. Magda Fuchs arbeitet noch immer als ...

Frauen hatten es selten einfach in der Geschichte der Menschheit, das ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch in den so genannten Goldenen Zwanzigern nicht anders. Magda Fuchs arbeitet noch immer als Polizeiärztin, aber leben kann sie davon nicht, weshalb sie eine eigene Praxis eröffnet. Durch ihre Arbeit als Polizeiärztin wird sie in einen Fall gezogen, bei der ein Schlitzer eine Rolle spielt. Er greift Frauen auf die grausamste Weise an - indem er ihnen die Bäuche aufschlitzt. Zur selben Zeit wird Magda auch mit dem Leid von Frauen konfrontiert, die von ihr verlangen, dass sie abtreibt - etwas, das gesetzlich verboten ist. Auch mit Celia und Doris geht es weiter und alle drei Frauen müssen um ihren Platz im Leben kämpfen.

Dieser Band schließt sich nahtlos an Band 1 an. Soeben wurde noch Silvester gefeiert, plötzlich hat jemand Doris niedergestochen - und er hört bei ihr nicht auf. Tatsächlich jedoch spielt der Fall des Schlitzers eine weniger dominante Rolle, als mir lieb gewesen wäre. Es gab ganze Abschnitte in diesem über 400-Seiten-Buch, die sich nur mit den Beziehungen der Frauen zu diversen Männern beschäftigten. Das ist zwar für die damalige Zeit fast unabdingbar für eine Frau gewesen zu heiraten, aber richtig spannend war das nicht. Immerhin gab es interessante und manchmal auch erschütternde Einblicke in die Goldenen Zwanziger, die so golden dann doch nicht gewesen waren. Inflation, Judenhass, die Stellung der Frauen, all das wurde in dem Buch behandelt. Manchmal wurde es mir ein bisschen zu langatmig, aber alles in allem war es eine Geschichte, deren letzten Band ich jetzt auch noch lesen möchte. 3,5/5 Punkten.