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Veröffentlicht am 01.04.2021

Unglücksroman

Sylt auf unserer Haut
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Maja und Robert sind seit siebenundzwanzig Jahren verheiratet und seit langer Zeit nicht mehr glücklich miteinander. Ein Urlaub auf Sylt soll das wieder ändern. Zusammen mit einem bekannten Paar wollen ...

Maja und Robert sind seit siebenundzwanzig Jahren verheiratet und seit langer Zeit nicht mehr glücklich miteinander. Ein Urlaub auf Sylt soll das wieder ändern. Zusammen mit einem bekannten Paar wollen sie auf der Insel ausspannen und sich wieder näherkommen. Doch Robert hat nur seinen Job im Kopf und Maja merkt plötzlich, dass sie auf den anderen Mann, Bernd, abfährt. Auch sie ist ihm nicht gleichgültig. Und so kommt eines zum anderen und kommt, was oder wer kommen muss ...

Auf dem Cover steht: Glücksroman. Zugegeben, das ist normalerweise nicht mein Genre, aber in der heutigen Zeit kann es selbst mich dazu verleiten, einfach mal mit einem bisschen Wohlfühlen und Urlaubsfeeling abschalten zu wollen. Ich habe nicht viel erwartet und brauchte auch nicht viel, aber was ich bekommen habe, sprengte die Grenzen dessen, was ich bereit bin mitzugehen.

Wenn auf einem Cover mit Glücksroman geworben wird, erwarte ich, dass man sich mit dem Buch wohlfühlt. Aber dieses Buch hat mir vor Ekel eine Gänsehaut beschert. Das Ehepaar, Maja und Robert: Wie die über den jeweils anderen denken, ist respektlos und jenseits dessen, was ich von einer Beziehung denke oder erwarte. Robert verachtet seine Frau, weil die ein paar Kilos zugelegt hat und keinen Sport treibt. Er findet es auch nicht verwerflich, sich nach anderen Frauen umzusehen oder ab und zu einen ONS zu haben. Maja ist keinen Deut besser. Auch sie betrügt ihren Mann und lügt, um ihre Affäre zu schützen.

Dazu kommen alle paar Seiten Sexszenen zum Abgewöhnen und die Botschaft, dass man seinen eigenen Mann nicht abweisen darf, wenn er scharf ist - es ist aber okay, einen Handjob zu tun.

Ich weiß nicht, welche Messages mit diesem Roman gesendet werden sollen, ich finde ihn weder zum Wohlfühlen noch zum glücklich sein, sondern einfach ethisch und moralisch für die Tonne.

Danke, aber nein, danke. Dieses Sylt auf der Haut ist dazu da, es schnell mit viel Wasser abzuspülen und zu vergessen.

Veröffentlicht am 29.03.2021

Hexental

Die Hexe und der Söldner
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Raffael, Wieland, Dana und Brocken haben einen ganz schön langen Weg zurückgelegt und dabei viele Gefahren er- und überlebt. Auch hier wimmelt es von intriganten Personen, hinterhältigen Assassinen, blutrünstigen ...

Raffael, Wieland, Dana und Brocken haben einen ganz schön langen Weg zurückgelegt und dabei viele Gefahren er- und überlebt. Auch hier wimmelt es von intriganten Personen, hinterhältigen Assassinen, blutrünstigen Barbaren und alles dazwischen. Doch schließlich schaffen sie es, sämtliche Hinweise, die die Hexe, hinter der Brocken herjagt, zu entschlüsseln. Auf dem Weg über das Meer und ohne Umwege über die kalten Matrosen machen sie sich auf, um sich in einen letzten Kampf zu werfen. Doch haben sie überhaupt eine Chance gegen eine so übermächtige Hexe wie die, die einst Brocken verflucht hat?

Diese Rezension bezieht sich auf das Hörbuch, und wie üblich ist es mega von Robert Frank gesprochen. Doch um ehrlich zu sein, mittlerweile war die Luft raus - der Brocken muss echt hoch gewesen sein, so dünn war die Luft in diesem Teil. Eigentlich war es nur eine Wiederholung der ersten beiden Bände; große Gefahr, Berserkerkraft, Befreiung, repeat. Zwischendurch wurde die Gefahr durch den mega-mega-mega-gefährlichen Auftragsmörder und eine gleichzeitige Gefahr mega-mega-mega-glücklich gelöst und bekam dadurch einen durchaus antiklimaktischen Beigeschmack. Auch das Ende hat mich maßlos enttäuscht. Als hätte der Autor keine Lust mehr gehabt oder eine Wette gegen eine Autorin/einen Autor von Liebesgedöns verloren, so schmalzig wurde es auf den letzten paar Minuten. So bleibt insgesamt für den Söldner und seine Gefährten zu sagen, dass es ganz nett war, aber kein Vergleich zum Totengräber oder der Krosann-Saga. Eher nett. Aber wenn ich nett will, greife ich nicht zu Sam Feuerbach.

Veröffentlicht am 28.03.2021

Wissen kompakt

Alles, was wir wissen und was nicht
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Im Englischen heißt dieses Buch Neue Kinderenzyklopädie. Das war den deutschen Herausgebern wahrscheinlich zu gefährlich - nicht dass dann Erwachsene das Buch nicht mehr kaufen. Und tatsächlich ist das ...

Im Englischen heißt dieses Buch Neue Kinderenzyklopädie. Das war den deutschen Herausgebern wahrscheinlich zu gefährlich - nicht dass dann Erwachsene das Buch nicht mehr kaufen. Und tatsächlich ist das ein Werk, das sowohl für Kinder als auch Erwachsene geeignet ist. Es ist natürlich möglich, es in einem Schwung hinwegzulesen, aber nicht empfehlenswert, denn damit nimmt man sich selbst sowohl den Spaß als auch das ständige Neuentdecken von Dingen, die man nicht oder wenigstens nicht so (genau) wusste.

Ich habe jetzt über zehn oder elf Tage hinweg immer wieder danach gegriffen, geblättert und nachgelesen. Lloyd, der Herausgeber, teilt die Enzyklopädie zwar in verschiedene Kapitel wie Universum, Menschen, Geschichte und Zukunft ein, aber man kann natürlich auch Seitenspringer sein und sich immer weiter von den interessanten Informationen führen lassen.

Besonders zu erwähnen ist die Qualität des dicken, schweren Buches, das auch den Ansturm von Kinderhänden standhält oder auch die der Fotos, die jede Information, jedes Wissen visualisieren.

Ich bin vielleicht nicht immer der Meinung des Herausgebers - zum Beispiel bringt er auf der einen Seite die Definition von Kommunismus und führt auf der anderen Seite Länder auf, die angeblich noch den Kommunismus praktizieren. Aber wenn man darüber nachdenkt, wie die Definition ist, muss man auch zugeben, dass die Länder nicht dazu passen. So was könnte Kinder und Jugendliche, die nachhaken, irritieren.

Aber das kam recht selten vor und tut dem Großen und Ganzen keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 22.03.2021

Moloch Berlin

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum
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1920. Nach dem Tod ihres geliebten Ehemannes, eines Hildesheimer Anwalts, versucht Magda Fuchs einen Neuanfang in Berlin. Als Polizeiärztin wird sie immer dann hinzugezogen, wenn an einem Tatort Kinder ...

1920. Nach dem Tod ihres geliebten Ehemannes, eines Hildesheimer Anwalts, versucht Magda Fuchs einen Neuanfang in Berlin. Als Polizeiärztin wird sie immer dann hinzugezogen, wenn an einem Tatort Kinder auftauchen - und das passiert leider viel zu oft. Die Kinder Berlins sind die großen Verlierer des 1. Weltkriegs, viel zu viele, unterernährt und durch die Gleichgültigkeit und Kälte der Erwachsenen von Brutalität gekennzeichnet. Magda würde ihnen am liebsten allen helfen, doch ihre Hände sind gebunden. Dennoch gerät sie mitten hinein in Kinderschmuggel und moderne Sklavenarbeit. Nur der junge Kommissar Kuno scheint sich genauso für die Kinder zu interessieren wie sie. Und dann ist da auch noch Celia, ein Mädchen aus gutem Hause, das des Mordes angeklagt ist.

Es wird nicht nur aus Magdas Sicht erzählt, ab und zu kam auch Celia zu Wort und um ehrlich zu sein, ich konnte dieses Mädchen nicht ausstehen. Klar, sie ist ein Kind ihrer Zeit und Erziehung, aber das machte sie mir nicht sympathischer. Magda ist der bodenständige Part, hart arbeitend hat sie sich durch ein genau so hartes Studium gekämpft und trotz allem Menschlichkeit bewahrt. In dem Buch werden die Zustände Anfang der goldenen Zwanziger in Berlin beschrieben und das fand ich eigentlich ganz gut. Die Art und Weise jedoch, wie sich diese "starken" Frauen ihren Weg suchten, war mir teilweise zu kitschig und vorhersehbar und gelegentlich so ausgewalzt, dass ich aufpassen musste, nicht zu überblättern. Alles in allem also nett zu lesen, wird mir wohl aber nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Veröffentlicht am 21.03.2021

Wo ist ...?

Wer wohnt denn da im tiefen Wald?
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Ich war schon immer ein Fan von Wimmelbüchern und Wimmelspielen, weshalb es logisch ist, dass ich auf dieses Buch hier besonders gewartet habe.

Und das Warten hat sich gelohnt!

Schon auf der Umschlagseite ...

Ich war schon immer ein Fan von Wimmelbüchern und Wimmelspielen, weshalb es logisch ist, dass ich auf dieses Buch hier besonders gewartet habe.

Und das Warten hat sich gelohnt!

Schon auf der Umschlagseite findet man viele Tiere und Natur und man kann (zum Beispiel mit Kindern - aber auch ohne) sehr viel Zeit damit verbringen, das Cover zu betrachten und herauszufinden, wen man wo sieht.

Dann schlägt man die erste Seite auf und ist extrem geflasht. So eine wunderschöne Zeichnung mit mega liebevollen Details! Natürlich macht das die Natur von Wimmelbüchern aus, aber hier hat man sich noch extra viel Mühe gegeben.

Auf jeder Seite findet man jetzt etwas Neues: Frühlingserwachen, Sommer, Feste der Tiere, Spiele, Abendveranstaltungen, Theater, Winter mit Wintersport/Spielen und Zu-Bett-Geh-Ritualen.

Mein Vorlesekind und ich waren nicht nur begeistert, sondern teilweise echt gefordert! (Einmal habe ich heimlich auf dem Handy googeln müssen, was Hasenglöckchen sind - dachte schon an einen Übersetzungsfehler.) So steckt in diesem Wimmelbuch nicht nur jede Menge Spaß und Sachen zum Entdecken, sondern auch etwas zum Lernen, selbst für Leute, die älter als sechs Jahre sind.

Dazu gibt es auf jeder Seite noch ein Gedicht, das wir ebenfalls gleich genutzt haben zum Suchen, also das, was im Gedicht vorkam, haben wir pro Zeile dann gewimmelt.

Wenn ich überhaupt was zu bemängeln habe, dann eigentlich nur, dass genau in der Mitte, wo man die Seiten hat, manchmal nur schwer erkennt, was sich dort versteckt. Ich verstehe ja, dass das Buch für kleinere Kinder und daher stabil sein soll, aber da hätte ich mir eine bessere Lösung gewünscht.

Trotzdem bekommt das Buch meine vollste Empfehlung - nicht nur Kinder finden es außergewöhnlich schön, spannend und lehrreich.