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Veröffentlicht am 05.09.2020

Sturm auf Kol

Rebelles
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Da es sich hier um eine Rezension zu Band/Hörbuch 3 einer Trilogie handelt, empfehle ich, dass sich jeder, der die Vorgänger nicht kennt, jetzt schleicht, da ich möglicherweise Spoiler drin haben werde. ...

Da es sich hier um eine Rezension zu Band/Hörbuch 3 einer Trilogie handelt, empfehle ich, dass sich jeder, der die Vorgänger nicht kennt, jetzt schleicht, da ich möglicherweise Spoiler drin haben werde.

Die Bestien haben die äußeren Stadtmauern von Kol eingerissen und stürmen die Stadt, wobei sie Tausende Menschen zerfleischen, zertrampeln, mit Säure verätzen. Luca nutzt diesen Moment und die Macht, die ihm das Artefakt verleiht, um die Macht in Kol an sich zu reißen und sich als heldenhafter Magier/Imperator zu verkaufen. Zur selben Zeit haben sich die Rebelles aufgemacht, um endgültig die Macht der Magier zu brechen, indem sie die Quellen dieser Macht zerstören. Die vier Freunde Tarl, Magnus, Balger und Ceres hat es in alle Winde verschlagen: Ceres ist in einer seltsamen Welt gelandet, Tarl wird für den Kampf gegen die Bestien rekrutiert, Balger ist bei den Rebelles und Magnus resigniert. Doch was, wenn nur die Zusammenarbeit dieser vier die Welt retten kann?

Die ersten beiden Teile der Trilogie waren echt der Hammer und es hat großen Spaß gemacht, sie zu hören, denn der Sprecher ist absolut mega. Das hat er auch hier wieder bewiesen, allerdings hat die Geschichte jetzt nachgelassen. Obwohl es jetzt aus noch mehr Perspektiven erzählt wurde als vorher verlor das Buch für mich an Spannung und einige Male fragte ich mich schon, wie manches passen konnte. Ich fand auch den Teil, den Ceres abseits ihrer Freunde verbrachte, ziemlich zäh und dass Balger ständig sein Fähnchen in Bezug auf Frauen neu ausrichtete, etwas anstrengend. Ganz besonders das Ende hat mich auch recht enttäuscht, es war eine Mischung aus Was-mach-ich-denn-nun-für-ein-Ende und Kitsch. Das klingt jetzt nach viel Maulen, aber insgesamt gesehen ist die Trilogie trotzdem ein Highlight der deutschen Fantasy. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 02.09.2020

Von gläsernen und gebrochenen Herzen

Bittermonds Bucht
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Schon immer lebt Jukka zusammen mit Captain Bittermond in einer Bucht. Er kennt nichts anderes als den grummelnden Bittermond, das Wellenrauschen, den Strand und das alte Wrack, in dem der Captain lebt. ...

Schon immer lebt Jukka zusammen mit Captain Bittermond in einer Bucht. Er kennt nichts anderes als den grummelnden Bittermond, das Wellenrauschen, den Strand und das alte Wrack, in dem der Captain lebt. Doch eines Tages taucht ein Pferdewagen bei ihnen auf und bringt Kandidel, die fahrende Händlerin, und ihre Tochter Lila mit. Zum ersten Mal hat Jukka Kontakt mit anderen Menschen und er merkt, dass er eigentlich nicht viel weiß. Als Kandidel dann schließlich Bittermonds wertvollsten Besitz stiehlt und abhaut, beschließen Jukka und Lila, ihr zu folgen und das gläserne Herz, das sie entwendet hat, zurückzuholen. Dabei lernt Jukka nicht nur etwas über die Welt außerhalb der Bucht, sondern auch über sich selbst.

Also, eigentlich ist das schon eine nette Geschichte mit hübschen Einfällen und auch einer guten Message: Niemand ist ein Verbrecher, weil er ein fahrender Händler oder Zigeuner ist, oder dass geliebte Menschen immer näher stehen sollten als wertvolle Schätze. Aber ein paar Sachen haben mich auch gestört. Welche Mutter, bitteschön, stiehlt was und lässt seine Tochter bei dem Bestohlenen zurück? Warum können irgendwelche Riesenerdmännchen denken und reden, aber alle anderen Tiere können es nicht? Warum hat Jukka noch niemals zuvor das bisschen Palmenwald, das die Bucht und die Wüste trennt, durchquert? So was machen Kinder nun mal, die gehorchen nicht einfach so Befehlen oder Anweisungen, da zu bleiben. Von daher mochte ich das Buch zwar schon, aber es konnte mich nicht durchgehend überzeugen. 3,5/5 Punkte.

Veröffentlicht am 01.09.2020

Zeit ist relativ

Einstein
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Seit Wochen wartet die kleine Maus auf ein besonderes Ereignis - das Käsefest in Bern! Tag für Tag hat sie dafür den Kalender der Menschen abgerissen, eine wirklich schwere Aufgabe für eine Maus! Und dann ...

Seit Wochen wartet die kleine Maus auf ein besonderes Ereignis - das Käsefest in Bern! Tag für Tag hat sie dafür den Kalender der Menschen abgerissen, eine wirklich schwere Aufgabe für eine Maus! Und dann ist es soweit, sie schmuggelt sich in einen Zug und macht sich auf die lange Reise. Doch was ist das? Sie kommt in Bern an und das Käsefest ist vorbei? Um einen ganzen Tag hat sie es verpasst! Wie konnte das passieren? Und die entscheidende Frage, gibt es eine Möglichkeit, die Zeit zurückzudrehen und doch noch in den Genuss von wunderbarem Käse zu gelangen? Die kleine Maus fängt an zu recherchieren und stößt schon bald auf einen berühmten Mann, der sich mit der Zeit beschäftigt hat: Albert Einstein.

Oh, wow! Was für geniale Illustrationen! Ich lese und blättere ja nun in wirklich vielen Graphic Novels herum, aber diese hier spielt tatsächlich in einer eigenen Liga. Kuhlmann (Mann, ist der kuhl, man!) hat es wirklich drauf, aus der Perspektive einer Maus in einer großen Welt zu zeichnen, überhaupt hat er die Sache mit interessanten Perspektiven zu einer eigenen Kunstform erhoben. Dass dabei auch noch eine meganiedliche und interessante Geschichte entsteht, ist dabei nur noch ein Bonus, das Sahnehäubchen auf dem leckersten Eis, das man sich vorstellen kann.

Veröffentlicht am 31.08.2020

There be dragons

Feuererwachen
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Vor neun Jahren erhob sich das Volk, die Rebellen stürzten die grausamen Drachenherrscher und waren so wütend und hasserfüllt, dass sie deren Familien genauso grausam folterten und umbrachten. Lee ist ...

Vor neun Jahren erhob sich das Volk, die Rebellen stürzten die grausamen Drachenherrscher und waren so wütend und hasserfüllt, dass sie deren Familien genauso grausam folterten und umbrachten. Lee ist der letzte Überlebende einer der Drachenreiterfamilien, doch das darf niemand wissen. Zusammen mit seiner besten Freundin Annie schafft er es unter der neuen Regierung aus dem Waisenhaus heraus und dazu, ein Drachenreiter zu werden. Doch schon ziehen wieder finstere Zeiten auf: Überlebende der alten Herrscher bedrohen den neuen Staat - und ihre Vertreterin weiß nicht nur, wer Lee wirklich ist, sie bietet ihm auch an zurückzukehren in den Schoß der Familie und seinen angestammten Platz wieder einzunehmen. Lee und Annie müssen sich entscheiden, für welche ihrer Ideale sie einstehen wollen - und ob ihr Vertrauen und ihre Freundschaft reicht, um es gemeinsam durchzustehen.

Wow, das war mal ein Ritt (auf einem oder mehreren Drachen). Es ist trotz der ständigen Anwesenheit der Riesenechsen kein reines Drachenbuch. Vielmehr wirft es Fragen nach Moral und Gesetz auf, nach dem, wofür man einsteht und was man glaubt, das einem zusteht. Es wird ein Staat entworfen, der mich in großen Teilen an das System der Ostblockstaaten erinnert hat - äußerlich geht es allen oder vielen besser, aber noch immer gibt es Leute, die gleicher sind als andere. Dazu kommt ein Top-Schreibstil, der einfach mitreißt und Protagonisten, die alles andere als schwarz-weiß gezeichnet sind. Mir gefällt die Zerrissenheit der Charaktere, die Ambivalenz manch derer, die zu den "Guten" gehören und ein paar wirklich herzzereißende Szenen, die trotzdem nicht kitschig werden. Definitiv ganz großes Kino!

Veröffentlicht am 26.08.2020

Tod eines Bierbeschauers

Der falsche Preuße
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Wilhelm Freiherr von Gryszinski ist ein preußischer Polizeibeamter, der von Berlin aus nach München gezogen ist. Bekannt als jemand, der der jungen Kriminalistik zugetan ist, soll er sich hier um besondere ...

Wilhelm Freiherr von Gryszinski ist ein preußischer Polizeibeamter, der von Berlin aus nach München gezogen ist. Bekannt als jemand, der der jungen Kriminalistik zugetan ist, soll er sich hier um besondere Fälle kümmern. Ein solcher lässt auch nicht lange warten - wird doch plötzlich ein bekannter Bierbeschauer tot aufgefunden: eingehüllt in einen seltsamen Umhang aus Schwanenfedern und neben ihm der Fußabdruck eines Elefanten! Eine Spur führt Gryszinski zu einem exzentrischen Selfmademillionär, der in einer riesigen Villa mit vielen technischen Spielereien lebt, Abenteuer erlebt hat und nicht abgeneigt ist, seine Ehre durch ein Duell zu verteidigen. Dann meldet sich auch noch der preußische Botschafter bei Gryszinski und plötzlich steht dieser zwischen allen Fronten.

Was das Feeling und die Recherche zum Ende des 19. Jahrhunderts angeht, hat die Autorin ganze Arbeit geleistet. Man wurde an die Hand genommen und durch die Straßen des alten Münchens geleitet, wobei man manchmal aufpassen musste, nicht unter die Räder und Hufe der Trambahn zu kommen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich den Schreibstil als furchtbar zäh empfand und auch keinen Zugang zu irgendeinem Protagonisten erhielt. Bei Gryszinski wusste ich nie, wie ich ihn einstufen sollte, er benahm sich meistens wie ein ergrauter Langweiler, hat jedoch eine junge Frau und ein kleines Kind. Auch die restlichen Charaktere erschienen mir eher wie Schatten denn als Leute, mit denen ich etwas anfangen konnte. So gab es zwar schöne Einblicke in eine längst vergangene Zeit, aber als Kriminalroman selbst war mir das Buch dann doch ein bisschen zu fad.