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Veröffentlicht am 07.08.2025

Auf der Flucht

Deckname: Bird
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Heather Berriman, die abgesehen vom Klappentext und einmal in einer unwichtigen Rückblende in ihre Kindheit eigentlich nie Bird genannt wird, ist auf der Flucht. Die Analystin eines englischen Geheimdienst ...

Heather Berriman, die abgesehen vom Klappentext und einmal in einer unwichtigen Rückblende in ihre Kindheit eigentlich nie Bird genannt wird, ist auf der Flucht. Die Analystin eines englischen Geheimdienst wird verdächtigt, geheime Daten weiterzugehen. Ihr bleibt nur die unverzügliche Flucht und Heather zögert daher nicht. Zum Glück hat ihre Herkunft als Tochter eines Geheimagenten sie vorbereitet. Sie hat eine Notfalltasche und stößt ihre Handys ab. Ab jetzt heißt es, so gut wie möglich "Going zero", was in der heutigen Zeit gar nicht so einfach ist. Heather muss versuchen, ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus zu sein und dabei auch noch auf irgendeine Art ihre Unschuld zu beweisen.

Eigentlich war das eine spannende Grundidee, ein bisschen wie das von mir schon angedeutete "Goning Zero" (falls jemand eine ähnliche Thematik mit Abtauchen und Geheimdiensten sucht, hier ist meine Empfehlung!). Und mit Heather hat man eigentlich auch eine interessante Persönlichkeit. Bitte beachtet, dass ich interessant sagte, nicht sympathisch. Um ehrlich zu sein, bis zum Schluss bin ich mit Heather nicht wirklich warm geworden. Sie flieht also erstmal quer durch England und Schottland, über Norwegen und Island und muss dabei nicht nur mit Attentätern rechnen, sondern auch Verhandlungen wegen ihrer Unschuld einfädeln. Alles nicht so einfach. Und hier kommt die Crux: Um zu erklären, warum Heather fähig ist zu tun, was sie tut, begnügt sich die Autorin nicht mit ihrer Ausbildung bei der Armee und dem Geheimdienst, nein, sie breitet die ganze (nicht gerade kurze, denn Heather ist inzwischen etwa Mitte 50) Lebensgeschichte der Protagonistin aus. Und auch, wenn das sicherlich nicht uninteressant ist: Wirklich spannend ist das nicht. Wir wandern schon fast von Seite 1 aus erst einmal in die Vergangenheit von Heather, in die Kindheit und zu ihrem Geheimdienst-Papa. Leider passiert dieses "Abwandern" von aktuellen Szenen in die Vergangenheit immer mal wieder und nimmt wahnsinnig viel Raum ein.

Jetzt kommt zu den Längen noch das Ende, das zumindest mich äußerst unbefriedigt zurücklässt, denn nach dem ganzen Terz, der passiert ist, gibt es eigentlich keine Lösung. Auch habe ich mich immer wieder gefragt, woher Heather das ganze Geld hatte, um diese Flucht so durchführen zu können, denn ein paar Seiten vorher war sie quasi bankrott. So bleibe ich mit für meine Verhältnisse viel mehr Fragen als Antworten zurück nach Beendigung der Lektüre und auch, wenn ich das Buch nicht ungern gelesen habe, bleibt es nicht als Highlight im Gedächtnis.

Veröffentlicht am 02.08.2025

Die Furchtlosen

Irida 1. Irida und die Stadt der Geheimnisse
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Irida und ihre drei Freunde Cedric, Jeremy und Jinjin sind aus verschiedenen Gründen die AußenseiterInnen in ihrer Kleinstadt Hohenburg. Hier gibt es viele Märchen und Sagen, die sich um die Höhlen und ...

Irida und ihre drei Freunde Cedric, Jeremy und Jinjin sind aus verschiedenen Gründen die AußenseiterInnen in ihrer Kleinstadt Hohenburg. Hier gibt es viele Märchen und Sagen, die sich um die Höhlen und alten Burgen und Ruinen ranken. Als es zu einem vermutlichen Grabraub kommt, beschließen Irida und ihre Freunde, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei erfahren sie nicht nur, dass es übernatürliche Wesen wie Geister und Trolle in ihrer unmittelbaren Umgebung gibt, sondern Irida kommt einem persönlichen Geheimnis näher. Und welche Rolle spielt ein zahmes Kaninchen, das scheinbar überall und nirgends auftaucht?

An und für sich habe ich die Geschichte gern gelesen, denn mir gefielen die Ideen und zumindest die meisten Charaktere. Allerdings bin ich immer wieder hängengeblieben, weil sich hier Heitz wirklich nicht von seiner besten stilistischen Seite präsentiert. Ich weiß nicht, wie oft Irida erwähnen musste, wie stark sie ist und wie unverstanden sie sich in ihrer eigenen Familie fühlt (dabei ist die echt in Ordnung, es gab nur eine Stelle, wo Schwester und Mutter echt genervt haben). Außerdem benutzte er seltsame Satzkonstruktionen "Sie stand schmausend am Tisch" und ähnliches und ich weiß nicht, wie oft ich die Augen verdreht habe wegen unlogischer Ereignisse. Eine erwachsene Frau lässt sich ausfragen und vertraut sich fremden Kids an, Irida und ihre Freunde können auf dem Smartphone einen Artikel so sehr vergrößern, dass sie auf dem Foto nicht nur die Abdrücke einer Sonde sehen, sondern sie erkennen auch, dass es die Sonde von Iridas Onkel gewesen sein muss, weil man erkennt, wo er seine Verbesserungen vorgenommen hat. (Wohlgemerkt, die Sonde selbst ist nicht mal zu sehen, nur ihre Abdrücke in der Erde.) Dazu schießt jemand mit einem Giftpfeil auf einen Typen, mit dem sich Irida gerade unterhält, und anstatt in Deckung zu gehen, panisch im Kreis zu rennen und Feurio zu schreien oder - ja, ich weiß, völlig absurder Gedanke! - die Polizei zu benachrichtigen, stehen sie seelenruhig weiter in der Gegend herum. Dass scheinbar alle Bewohner des Ortes eher nichtmenschlicher Herkunft zu sein schienen, ist da fast nur noch Nebensache.

Diese Sachen haben mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen und ich finde, auch bei einem Jugendbuch sollte wenigstens der Hauch von Logik erhalten bleiben. Obwohl mich durchaus interessiert, wie es weitergeht, bin ich daher nicht sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 31.07.2025

Feen und Dämonen

Das Mädchen aus der Schwebenden Welt (Floating World-Dilogie, Band 1)
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Ren lebt seit 10 Jahren unter fahrenden Artisten; sie gibt sich als normales Mädchen aus und versucht krampfhaft, ihre Magie zu verbergen. Doch dann werden sie bei einem Auftritt in einem Bergdorf von ...

Ren lebt seit 10 Jahren unter fahrenden Artisten; sie gibt sich als normales Mädchen aus und versucht krampfhaft, ihre Magie zu verbergen. Doch dann werden sie bei einem Auftritt in einem Bergdorf von einem Dämonen angegriffen, der mehrere Leute tötet und Lichtmagie bricht aus Ren hervor und tötet den Dämonen. Ihre Magie war so stark, dass sie noch weit weg gesehen wurde - und plötzlich sind viele Feinde und Assassinen hinter ihr her. Sunho, der vor zwei Jahren ohne Gedächtnis aufgewacht ist, wird ebenfalls angeheuert, sie zu finden. Inkognito treffen die beiden aufeinander und erkennen schnell, dass der wahre Feind jemand anders ist.

Nicht nur die Grundidee, auch mehrheitlich die Umsetzung und der Schreibstil haben mir gut gefallen. Mit Ren und Sunho gibt es zwei hochsympathische Hauptpersonen, die durch weitere Charaktere gut in Szene gesetzt werden. Solange es in der Geschichte keine Actionszenen gibt, macht die Autorin auch alles richtig: Poesie und Realität halten sich die Waage. Allerdings sind Ereignisse in Aufruhr und intensive Actionszenen nicht ihre Stärke. Da neigt sie dazu, Wichtiges zu schnell abzuhandeln und Unwichtiges auszuwälzen. Und solange es für gewisse Ereignisse noch keine Erklärung gibt, scheinen sich auch ein paar Logikfehler eingeschlichen zu haben. Trotzdem lässt sich das Ganze schön lesen und mich würde auf jeden Fall die Fortsetzung interessieren.

Veröffentlicht am 25.07.2025

Später

Not Quite Dead Yet
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Jet Mason ist eine junge Frau aus reichem Hause, die sich in ihrem Leben immer mal wieder treiben lässt. Ganz richtig glaubt sie, dass für große, wichtige Dinge ja auch immer noch später Zeit ist. Leider ...

Jet Mason ist eine junge Frau aus reichem Hause, die sich in ihrem Leben immer mal wieder treiben lässt. Ganz richtig glaubt sie, dass für große, wichtige Dinge ja auch immer noch später Zeit ist. Leider ändert sich das an Halloween: Sie wird in ihrem eigenen Haus überfallen, niedergeschlagen und für tot liegengelassen. Doch Jet erwacht im Krankenhaus - nur um zu erfahren, dass sie trotzdem ermordet wurde. Sie hat ein nicht operatives Aneurysma im Kopf, das sie innerhalb der nächsten sieben Tage töten wird. Sie beschließt, endlich einmal im Leben eine Sache richtig durchzuziehen: zu ermitteln, wer ihr eigener Mörder ist.

Gleich vorneweg: Viele sympathische Figuren tauchen in diesem Buch nicht auf und auch mit Jet muss man erstmal warm werden. Doch spätestens, als anfing, Witze über ihren Tod zu machen, wuchs sie mir doch ans Herz. Und Billy - der arme, süße Billy - war von Anfang bis Ende die grünste Flagge, die man sich vorstellen kann. Ein treuer Freund, ein feiner Kerl. Es gab einige typische Holly-Jackson-falsche-Fährten und den ein oder anderen Verdächtigen. Zwar war mir der Täter ab einer bestimmten Stelle (an der man auch wieder irregeleitet werden sollte) klar, allerdings konnte ich mir sein Motiv so gar nicht vorstellen, weshalb ich immer wieder zu zweifeln anfing. Das Ende wurde dann wirklich emotional und hat mich mitgenommen und die Auflösung ... nun ja. Holly neigt immer dazu, ihr Endspiel ein bisschen zu übertreiben. Hier blieb es gerade noch im Rahmen, also alles gut, zumindest für mich. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.07.2025

Auf und ab

Downhill Dreams
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Josephine "Josi" Dietrich ist eine gute Mountainbikerin, die es geschafft hat, ein Stipendium in den USA zu ergattern. Kurz vorher arbeitet sie noch im Radladen ihres Vaters, als ihr ausgerechnet der absolute ...

Josephine "Josi" Dietrich ist eine gute Mountainbikerin, die es geschafft hat, ein Stipendium in den USA zu ergattern. Kurz vorher arbeitet sie noch im Radladen ihres Vaters, als ihr ausgerechnet der absolute Superstar der Mountainbikeszene, Levi. Es funkt auf den ersten Blick, doch dann trennen sich ihre Wege. Als Josi jedoch in den USA am Sportscollege ankommt, stellt sie fest, dass ausgerechnet Levi einer ihrer Trainer ist. Und Beziehungen zwischen Studenten und Trainern/Mentoren sind streng verboten. Außerdem ist da noch die Exfreundin von Levi und die Tatsache, dass Levi eine schwere Knieverletzung hat, die seine Karriere stoppen könnte ...

Das ist endlich mal eine Sportromanze, die diesen Namen auch verdient hat. Das Feeling, gerade was Up- und Downhill anging, konnte ich so sehr nachvollziehen, bin ich doch früher auch selbst gefahren. Die Charaktere waren auch recht sympathisch, allerdings kann ich es nicht leiden, wenn beschlossen wird, dass man nichts miteinander anfängt und dann einer der beiden die Hasskappe auf andere schiebt, die ihr Glück versuchen. Zum Glück hielt sich das noch einigermaßen in Grenzen. Im Mittelteil wurde es ein bisschen langatmig, auch fand ich die Nebencharaktere recht blass, aber das Ende konnte mich noch einmal richtig in Wettkampfstimmung versetzen und mitnehmen. Alles in allem ein empfehlenswerter NA. 3.5/5 Punkten.