Profilbild von Bella0070

Bella0070

Lesejury Profi
offline

Bella0070 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bella0070 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Tiefgründig und überraschend

Mein zärtlicher Schatten
0

Ich bin mit einer ganz anderen Erwartung an dieses Buch herangegangen. Der Titel ließ mich zunächst an eine Liebesgeschichte denken, doch stattdessen bekam ich einen düsteren, stellenweise fast makabren ...

Ich bin mit einer ganz anderen Erwartung an dieses Buch herangegangen. Der Titel ließ mich zunächst an eine Liebesgeschichte denken, doch stattdessen bekam ich einen düsteren, stellenweise fast makabren Mix aus Fantasy und Thriller mit starker psychologischer Tiefe.

Im Mittelpunkt stehen Roos und Agnes. Zwei tragische Figuren, die von Kindheit an von allen Menschen, die sie lieben, ausgenutzt, misshandelt und im Stich gelassen werden. Beide sind überzeugt, in einem Verstorbenen bzw. einem Geist einen Freund gefunden zu haben. Dabei bleibt durchgehend offen, ob es sich um übernatürliche Ereignisse oder um Ausdruck einer psychischen Störung handelt. Gerade diese Ungewissheit hat mich fasziniert.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektiven von Roos, ergänzt durch Gesprächsprotokolle eines Psychiaters, der ihre Schuldfähigkeit in Bezug auf einen Mord beurteilen soll. Schon früh wird angedeutet, wohin die Handlung führt, doch die genaue Entwicklung bleibt lange im Unklaren und entfaltet ihre Wirkung eher subtil.

Der Einstieg fiel mir allerdings schwer. Die Handlung kommt nur langsam in Gang, und die Spannung ist anfangs eher gering. Stattdessen dominieren ausführliche, teils sehr grausame Schilderungen der Kindheit und der psychischen Abgründe der Figuren. Das hat zwar zur Tiefe beigetragen, ließ die Geschichte für mich aber zunächst etwas dahinplätschern, sodass ich mich stellenweise motivieren musste, weiterzulesen.

Im Verlauf konnte ich jedoch immer stärker in die Persönlichkeit von Roos eintauchen. Sie wirkt authentisch, widersprüchlich und nahbar, was mich letztlich doch an die Geschichte gebunden hat. Gegen Ende zieht die Spannung deutlich an, und der Schluss hat mich dann wirklich gepackt.

Besonders gelungen finde ich, dass auch am Ende keine eindeutige Antwort gegeben wird: Handelt es sich um eine geteilte Wahnvorstellung (Folie à deux) oder existieren tatsächlich Geister? Diese Offenheit wirkt nach und regt zum Weiterdenken an.

FAZIT: Trotz des zähen Einstiegs und der anfänglich geringen Spannung spreche ich eine Leseempfehlung aus, vor allem für Leser, die psychologisch dichte und düstere Geschichten schätzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Zwischen Freiheit und Vertrauen

Tale of Sun and Night (Tale of Sun and Night 1)
0

Lio wird seit fünf Jahren von einem Sklavenhändler gefangen gehalten, der sie zu einer skrupellosen Killerin ausbildet. Sie soll auf dem Sklavenmarkt verkauft werden, ihre Käufer ermorden und ausrauben. ...

Lio wird seit fünf Jahren von einem Sklavenhändler gefangen gehalten, der sie zu einer skrupellosen Killerin ausbildet. Sie soll auf dem Sklavenmarkt verkauft werden, ihre Käufer ermorden und ausrauben. An ihr früheres Leben erinnert sie sich nicht. Sie weiß weder, wer sie ist, noch woher sie kommt. Nur bruchstückhafte Alpträume suchen sie heim, die mehr Fragen als Antworten hinterlassen. Als der geheimnisvollen Traumweber Izan sie gekauft, hofft sie, durch ihn ihre Freiheit wiederzuerlangen. Doch die Flucht durch das vom Krieg zerrissene Reich Aurikalos ist gefährlich und Vertrauen ein Luxus, den Lio sich kaum leisten kann. Kann sie Izan und seinen Gefährten wirklich vertrauen? Oder führt sie ihr Weg geradewegs in die nächste Falle?

Lio bewegt sich durch eine Welt, in der alles vollständig vom Traumstaub durchdrungen ist. Das Worldbuilding und das Magiesystem sind dabei so detailreich und bildhaft gestaltet, dass die Schauplätze beim Lesen förmlich lebendig werden und man mühelos in diese Welt eintauchen kann.

Ich mochte besonders die gelungene Balance zwischen ruhigen, atmosphärischen Momenten und spannungsgeladenen Szenen, die die Handlung stetig vorantreiben. Dadurch blieb das Buch für mich durchgehend fesselnd, ohne dabei an emotionaler Tiefe zu verlieren.

Auch das zusätzliche Kapitel, das sich per QR-Code freischalten lässt, fand ich eine spannende Idee. Es bietet eine etwas gewagtere Szene für alle, die neugierig sind, während die Hauptgeschichte selbst jugendfrei bleibt und somit auch jüngere Leser anspricht.

Lio und Izan sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ihre Emotionen wirkten auf mich authentisch und greifbar, und gerade die langsame Entwicklung ihrer Liebesgeschichte hat mir sehr gefallen. Auch die Dynamik innerhalb der Gefährtengruppe, ihre Freundschaft und Loyalität, hat für mich der Geschichte zusätzliche Wärme verliehen.

Gegen Ende fügen sich nach und nach die offenen Fragen zusammen, was ich sehr befriedigend fand, auch wenn der Roman mit einem Cliffhanger endet, der mich definitiv neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat

FAZIT: Für mich ist dieser Roman eine atmosphärisch dichte Mischung aus Magie, Spannung und Emotion, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Eine klare Leseempfehlung für alle, die in eine gefühlvolle und zugleich abenteuerliche Fantasywelt eintauchen möchten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2026

Die Last der Herkunft

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

Der Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.

Im ersten Erzählstrang begleitet ...

Der Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Alena Schröder erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei sehr unterschiedliche Frauenleben miteinander.

Im ersten Erzählstrang begleitet man Hannah im Jahr 2023. Sie ist eine unsichere junge Frau, die große Schwierigkeiten hat, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen. Besonders einschneidend ist das Auftauchen ihres Vaters, der sich ihr Leben lang kaum um sie gekümmert hat und plötzlich wieder Kontakt sucht. Hannahs innere Zerrissenheit und ihre Wut auf ihn sind für mich sehr nachvollziehbar dargestellt.

Der zweite Handlungsstrang führt in die Nachkriegszeit 1945 in den von den Russen besetzten Osten. Hier geht es um Marlen und ihre Adoptivmutter Wilma. Ihre Lebensgeschichte ist tragisch, berührend und hat mich emotional besonders gepackt.

Sowohl Hannah wie auch Marlen werden auf unterschiedliche Weise von ihren Eltern ausgenutzt. Thematisch kreist das Buch stark um Identität, die Suche nach dem eigenen Platz im Leben und die Frage, was man seinen Eltern oder überhaupt seinen Erzeugern schuldig ist. Diese Aspekte fand ich sehr gelungen und regen zum Nachdenken an.

Die beiden Erzählstränge verlaufen lange parallel und berühren sich kaum. Ich habe dabei ständig auf eine größere, überraschende Verbindung zwischen den Figuren gewartet. Die Auflösung am Ende empfand ich jedoch eher als klein und etwas enttäuschend.
Erstaunt hat mich außerdem zu erfahren, dass dieser Roman den Abschluss einer Trilogie bildet. Man kann das Buch zwar unabhängig lesen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige Zusammenhänge klarer werden, wenn man die vorherigen Teile kennt.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen: flüssig, angenehm und leicht zu lesen. Anfangs hatte ich etwas Mühe, die vielen Figuren einzuordnen, aber das hat sich im Laufe der Geschichte gelegt. Besonders die Charaktere sind überzeugend gezeichnet. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen.

FAZIT: Ein lesenswerter Roman mit starken Figuren, bewegenden Lebensgeschichten und interessanten historischen Einblicken. Trotz eines für mich etwas enttäuschenden Endes hat mich das Buch insgesamt überzeugt und zum Nachdenken angeregt. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2026

Gelungener Auftakt mit einer sympathischen Ermittlerin

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
0

Tatort Trelleborg von Mattias Edvardsson ist das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ganz sicher nicht das letzte.

Die Handlung ist von Beginn an äußerst spannend: Im Jahr 1989 wird in einem ...

Tatort Trelleborg von Mattias Edvardsson ist das erste Buch des Autors, das ich gelesen habe und ganz sicher nicht das letzte.

Die Handlung ist von Beginn an äußerst spannend: Im Jahr 1989 wird in einem Waldstück in Südschweden die Leiche des achtjährigen Robin gefunden. Die junge Polizeimeisterin Gunni Hilding, die selbst noch mit ihrer schwierigen Kindheit und Jugend zu kämpfen hat, wird daraufhin ins Dezernat für Gewaltverbrechen berufen. Es gibt zahlreiche Verdächtige und schließlich scheint der Fall gelöst, doch Gunni bleiben Zweifel. Als 1994 erneut ein Junge ermordet aufgefunden wird, ist sie überzeugt, dass beide Fälle zusammenhängen.

Besonders gut gefallen hat mir der Schreibstil mit den kurzen Kapiteln. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Die Geschichte spielt in einer Zeit ohne Mobiltelefone, was für mich, die ich diese Ära noch selbst erlebt habe, einen ganz eigenen nostalgischen Reiz hatte. Ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, in der Rauchen noch allgegenwärtig und Frauen in Führungspositionen längst nicht selbstverständlich waren. Auch die immer wieder eingestreuten Verweise um die Ereignisse rund um die WM 1994 haben zur authentischen Atmosphäre beigetragen.

Gunni ist eine äußerst sympathische und vielschichtige Protagonistin. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Unsicherheiten und ihren Umgang mit der eigenen Vergangenheit, das macht sie sehr greifbar und menschlich. Ich hoffe sehr, in Zukunft noch mehr von ihr lesen zu können.

Der Krimi lebt von der Vielzahl an Verdächtigen und überraschenden Wendungen. Gerade wenn man glaubt, der Lösung nahe zu sein, tauchen neue Hinweise auf. Genau dieses Miträtseln liebe ich an diesem Genre. Einziger Kritikpunkt: Das Motiv des Täters wird am Ende meiner Meinung nach etwas zu knapp behandelt. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

FAZIT: Ein gelungener und vielversprechender Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2026

Thriller-Highlight

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
0

„Der Boss“ von Iliana Xander ist für mich ein echtes Lesehighlight!

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und ich muss sagen: Es hat mir richtig gut gefallen. Nach einer Partynacht ...

„Der Boss“ von Iliana Xander ist für mich ein echtes Lesehighlight!

Es ist das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und ich muss sagen: Es hat mir richtig gut gefallen. Nach einer Partynacht liegt Natalies Freundin Cara im Koma. Die Polizei tappt im Dunkeln. Als Natalie, aus deren Ich-Perspektive die Geschichte erzählt wird, in einer Zeitschrift den Mann wiedererkennt, mit dem Cara in der Nacht zusammen war, beschließt sie kurzerhand, selbst Nachforschungen anzustellen. Durch einen Zufall ergattert sie einen Job als Haushälterin in der Villa des verdächtigen Unternehmers. Die Atmosphäre in der Villa ist beklemmend, unheimlich und bedrohlich. Man spürt förmlich, dass dort etwas nicht stimmt.

Natalie ist eine mutige Protagonistin, die ich wirklich gern begleitet habe. Gleichzeitig wirkt sie stellenweise etwas naiv, da sie sich recht auffällig verhält und dadurch selbst in Gefahr bringt. Genau das macht sie aber auch menschlich und authentisch.

Der Thriller ist von der ersten Seite an wahnsinnig spannend. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgesuchtet, weil ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Besonders gut gefallen hat mir, dass man als Leser ständig miträtseln kann, wer hinter allem steckt. Immer wieder sorgen unvorhergesehene Wendungen für Überraschungen und halten die Spannung konstant hoch.

Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und leicht zu lesen. Man gleitet förmlich durch die Seiten. Die kurzen Kapitel tragen zusätzlich dazu bei, dass man „nur noch ein Kapitel“ lesen möchte. Neben Natalies Perspektive taucht immer wieder eine unbekannte Stimme auf, die das Geschehen noch geheimnisvoller macht und die Spannung weiter steigert.

FAZIT: Ein durchgehend spannender Thriller mit vielen Wendungen und einer dichten Atmosphäre. Für mich ein echtes Highlight und definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin. Klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere