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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Gesellschaftsstudie

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Die 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils ...

Die 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils aus sehr elitären Kreisen entstammen. Das Buch begleitet Lee vier Jahre lang.

Der Schreibstil ist leicht und angenehm zu lesen. Erzählt wird die Geschichte ausschließlich aus der Ich-Perspektive, wodurch man direkten Einblick in Lees Gedanken und Gefühle erhält. Dennoch fiel es mir schwer, eine wirkliche emotionale Verbindung zur Protagonistin aufzubauen. Obwohl Lee durchaus authentisch wirkt, blieb sie für mich distanziert. Ihr Verhalten ist stark von Unsicherheit und mangelndem Selbstwert geprägt. Dies zieht sich leider konsequent durch die gesamte Handlung und passt für mich irgendwie nicht zu dem Mädchen, das sich gegen ihre Eltern durchsetzt, um in einer elitären Schule aufgenommen zu werden. Ihre anhaltende Unsicherheit empfand ich mit der Zeit eher als anstrengend bis nervend und leider konnte ich im Verlauf der Geschichte kaum eine Entwicklung erkennen.

Insgesamt würde ich dem Buch das Prädikat „interessant“ verleihen. Besonders die detaillierten Beschreibungen des Internatslebens und der dortigen Rituale sind gelungen. Ebenso spannend ist die Darstellung der sozialen Spannungen zwischen Stipendiaten und der privilegierten Schülerschicht. Hier zeigt sich die Stärke des Romans als Gesellschaftsstudie.

Allerdings verliert sich die Autorin stellenweise in ausführlichen Beschreibungen, wodurch die Handlung oft langatmig wirkt. Wirkliche Spannung kommt nur selten auf. Die Erzählung plätschert über weite Strecken dahin. Mehrfach hatte ich das Bedürfnis, Passagen zu überfliegen und musste mich teilweise zum Weiterlesen motivieren.

Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erhofft. Insbesondere vermisse ich stärkere Konflikte und eine klarere Entwicklung der Protagonistin.

FAZIT: Eine interessante, detaillierte Darstellung des Lebens und der sozialen Strukturen an einem Eliteinternat, der es jedoch an Spannung fehlt. Daher keine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Faszinierend, beklemmend und deprimierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ...

Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ohne Erinnerung an ein Leben davor, bewacht von wenigen schweigsamen Männern. Der Grund für ihre Gefangenschaft ist unbekannt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die gedankliche Tiefe. Die Geschichte wirkt wie ein philosophisches Experiment über Freiheit, Identität und das, was vom Menschsein übrig bleibt, wenn alles Vertraute wegfällt. Das Mädchen, das nie einen Namen erhält und von den anderen nur "Kind" genannt wird, führt durch diese trostlose und hoffnungslose Welt. Der Schreibstil ist wunderschön, klar und unaufgeregt.

Gleichzeitig war die Lektüre für mich anstrengend. Äußerlich passiert kaum etwas. Fast alles spielt sich in den inneren Monologen des Mädchens ab. Die zahlreichen Wiederholungen, die Stille und die kreisenden Gedanken waren für mich als Leserin teilweise wirklich ermüdend.

Die Stimmung des Romans ist durchgehend melancholisch bis depressiv. Die Atmosphäre empfand ich als sehr erdrückend. Hoffnung blitzt zwar ab und zu auf, ist aber sehr unbeständig und wird immer wieder von einer tiefen Resignation überschattet.

Ob ich es als feministischen Roman bezeichnen würde, weiß ich nicht. Für mich steht weniger ein klares politisches Statement im Vordergrund als vielmehr eine existenzielle Auseinandersetzung mit Isolation und Sinnsuche.

Auch das Ende ließ mich etwas ratlos und auch frustriert zurück, denn eigentlich bleiben alle Fragen offen und die depressive Stimmung hält sich.

FAZIT: Ein ungewöhnliches, intensives Buch, das zum Nachdenken anregt, das ich aber nicht uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Aufwühlend, direkt und ungefiltert

Narbenmädchen
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Lara ist 15 Jahre alt und verletzt sich selbst, daher wird sie für 4 Wochen in eine Kurklinik eingewiesen. Doch kann diese Klinik ihr die Hilfe bieten, die sie wirklich benötigt, und wird sie die Chance ...

Lara ist 15 Jahre alt und verletzt sich selbst, daher wird sie für 4 Wochen in eine Kurklinik eingewiesen. Doch kann diese Klinik ihr die Hilfe bieten, die sie wirklich benötigt, und wird sie die Chance auf Veränderung überhaupt ergreifen können?

Schon die ersten Seiten sind sehr aufwühlend. Man ist sofort mitten im Geschehen und kann Laras Wut, Hilflosigkeit und Angst spüren. Die Handlung wird ungefiltert aus Laras Perspektive erzählt. Der Schreibstil ist jugendlich flapsig. Ich habe das Gefühl, Lara steht neben mir und ich kann ihre Gedanken quasi hören. Nichts wird beschönigt. Der Hintergrund ihres Verhaltens erschließt sich nur langsam.

Lara erscheint sehr authentisch und auch die anderen Jugendlichen, die im Laufe des Buches zunehmend an Profil gewinnen, sind sehr glaubwürdig dargestellt. Ihre Gefühle lassen sich sehr gut nachvollziehen. Die Geschichte ist einfühlsam geschrieben und besitzt eine eindrucksvolle emotionale Tiefe. Besonders die Freundschaft zwischen Lara, Neo und Finn ist berührend und von großer Wärme geprägt.

Es ist ein Buch, das stellenweise sehr nervenaufreibend sein kann, besonders für Menschen, die bislang noch nicht mit diesem Thema in Berührung gekommen sind. Daher ist die Anmerkung der Autorin zum schwierigen Inhalt zu Beginn des Buches sehr sinnvoll. Positiv hervorzuheben ist auch die Zusammenstellung von Hilfe- und Anlaufstellen am Ende. Gut gefällt mir zudem, dass das Tabuthema der Selbstverletzung offen angesprochen wird.

Auch der Schluss ist gelungen: Er verspricht nicht zu viel, lässt aber dennoch ein kleines Pflänzchen Hoffnung wachsen.

FAZIT: Ein intensives, bewegendes Buch über ein schwieriges Thema. Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Eine magische Geschichte über Schuld und Trauma

Das White Octopus Hotel
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Das bunte, spielerische Buchcover, der Klappentext und auch die Leseprobe ließen mich zunächst eine leichte, fast märchenhafte Geschichte erwarten. „Voller Magie“ ist dieses Buch tatsächlich, allerdings ...

Das bunte, spielerische Buchcover, der Klappentext und auch die Leseprobe ließen mich zunächst eine leichte, fast märchenhafte Geschichte erwarten. „Voller Magie“ ist dieses Buch tatsächlich, allerdings auf eine ganz andere Weise, als ich anfangs gedacht hatte. Die Autorin führt den Leser in eine fantastische, bildreiche Welt, die mich immer wieder überraschen konnte.

Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen, doch die Handlung selbst ist deutlich tiefgründiger, als ich erwartet hatte und emotional sehr berührend.

Die Protagonistin Eve ist eine junge Frau, die bereits im Alter von vier Jahren durch den Tod ihrer jüngeren Schwester tief traumatisiert wurde. Sie begegnet Max, der nach den Wirren des Ersten Weltkriegs kaum mehr ins Leben zurückfindet. Beide Hauptfiguren tragen schwere seelische Wunden. Besonders Eves ausgeprägter Selbsthass war für mich stellenweise schwer auszuhalten. Ein zentrales Thema der Geschichte ist der Umgang mit echter und vermeintlicher Schuld.

Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen, was teilweise etwas verwirrend ist. Erst gegen Ende fügen sich viele Andeutungen und Ereignisse zu einem stimmigen und überraschenden Gesamtbild zusammen.

FAZIT: Ein sehr tiefgründiger, bildgewaltiger Roman, der nicht immer leicht zu lesen aber absolut lesenswert ist!

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Der Alptraum jeder Mutter

Wem du traust
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Das dunkle Cover zeigt ein einsames Haus mit einzelnen beleuchteten Fenstern, die Stimmung wirkt bedrohlich, was auf den Inhalt des Buches einstimmt. Jedoch ist mir aufgefallen, dass ich ähnliche Cover ...

Das dunkle Cover zeigt ein einsames Haus mit einzelnen beleuchteten Fenstern, die Stimmung wirkt bedrohlich, was auf den Inhalt des Buches einstimmt. Jedoch ist mir aufgefallen, dass ich ähnliche Cover in letzter Zeit häufiger bei Krimis gesehen habe.

Eva und Susanne sind beste Freundinnen. Susannes 15-jährige Tochter Sofia passt regelmäßig auf Evas kleinen Sohn auf. Eines Abends kommt sie nach einem solchen Babysitterjob nicht nach Hause, obwohl Evas Mann Daniel sie eigentlich zurückgefahren hat. Auch ihr Fahrrad ist verschwunden. Lange bleibt unklar, ob Sofia freiwillig weggelaufen oder ob etwas Schlimmes passiert ist.

Als Mutter einer fast gleichaltrigen Tochter fühlte ich mich vom ersten Moment an emotional in die Handlung hineingezogen. Das Verschwinden des eigenen Kindes ist wohl der größte Alptraum jeder Mutter (und natürlich auch jedes Vaters). Umso leichter fällt es mir, mich in die beiden Protagonistinnen hineinzuversetzen. Evas und Susannes Gedanken, Ängste und Reaktionen erschienen mir durchweg nachvollziehbar und sehr glaubwürdig.

Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und angenehm zu lesen. Besonders gut gefallen haben mir die kurzen Kapitel, die abwechselnd aus Evas Perspektive und der Sicht der Hauptkommissarin erzählt werden. Dadurch entsteht ein lebendiger Wechsel, der das Lesen sehr kurzweilig macht.

Immer wieder sorgen überraschende Wendungen und neue Hinweise dafür, dass die Spannung konstant hoch bleibt. Ich liebe Bücher, bei denen ich selbst miträtseln und eigene Theorien entwickeln kann. Genau das ist hier möglich.

Zwischendurch erhält man zudem Einblick in die Perspektive eines Verbrechensopfers, das unter Schmerzen leidet und große Angst vor dem Täter hat, der sich noch ganz in der Nähe befindet. Auch hier bleibt lange offen, um wen es sich handelt, was die Ungewissheit und damit die Spannung zusätzlich verstärkt.

FAZIT: Ein zutiefst fesselnder und emotionaler Krimi, der wirklich unter die Haut geht. Für mich eine ganz klare und von Herzen kommende Leseempfehlung!

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