Gesellschaftsstudie
PrepDie 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils ...
Die 14-jährige Lee schafft es in den 1990er-Jahren mit einem Stipendium und gegen den Willen ihrer Eltern auf das Eliteinternat Ault bei Boston. Dort muss sie sich unter Mitschülern behaupten, die größtenteils aus sehr elitären Kreisen entstammen. Das Buch begleitet Lee vier Jahre lang.
Der Schreibstil ist leicht und angenehm zu lesen. Erzählt wird die Geschichte ausschließlich aus der Ich-Perspektive, wodurch man direkten Einblick in Lees Gedanken und Gefühle erhält. Dennoch fiel es mir schwer, eine wirkliche emotionale Verbindung zur Protagonistin aufzubauen. Obwohl Lee durchaus authentisch wirkt, blieb sie für mich distanziert. Ihr Verhalten ist stark von Unsicherheit und mangelndem Selbstwert geprägt. Dies zieht sich leider konsequent durch die gesamte Handlung und passt für mich irgendwie nicht zu dem Mädchen, das sich gegen ihre Eltern durchsetzt, um in einer elitären Schule aufgenommen zu werden. Ihre anhaltende Unsicherheit empfand ich mit der Zeit eher als anstrengend bis nervend und leider konnte ich im Verlauf der Geschichte kaum eine Entwicklung erkennen.
Insgesamt würde ich dem Buch das Prädikat „interessant“ verleihen. Besonders die detaillierten Beschreibungen des Internatslebens und der dortigen Rituale sind gelungen. Ebenso spannend ist die Darstellung der sozialen Spannungen zwischen Stipendiaten und der privilegierten Schülerschicht. Hier zeigt sich die Stärke des Romans als Gesellschaftsstudie.
Allerdings verliert sich die Autorin stellenweise in ausführlichen Beschreibungen, wodurch die Handlung oft langatmig wirkt. Wirkliche Spannung kommt nur selten auf. Die Erzählung plätschert über weite Strecken dahin. Mehrfach hatte ich das Bedürfnis, Passagen zu überfliegen und musste mich teilweise zum Weiterlesen motivieren.
Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erhofft. Insbesondere vermisse ich stärkere Konflikte und eine klarere Entwicklung der Protagonistin.
FAZIT: Eine interessante, detaillierte Darstellung des Lebens und der sozialen Strukturen an einem Eliteinternat, der es jedoch an Spannung fehlt. Daher keine klare Leseempfehlung.