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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2025

Realistisches Grauen

Gerächt sein sollst du
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Zuallererst: der Farbschnitt sieht einfach nur toll aus mit der Fortführung des Waldes von der Vorderseite! Es handelt sich um einen Kriminalroman, nicht um einen Thriller. Die Geschichte ist an sich nicht ...

Zuallererst: der Farbschnitt sieht einfach nur toll aus mit der Fortführung des Waldes von der Vorderseite! Es handelt sich um einen Kriminalroman, nicht um einen Thriller. Die Geschichte ist an sich nicht weniger schockierend, aber das Buch kommt insgesamt ruhiger rüber als die mittlerweile gewohnten Slasher, wobei der Anfang wirklich heftig ist.Danach wird es glücklicherweise etwas weniger drastisch, es bleibt aber dadurch genügend Raum für das Menschliche. Und Menschen können auch auf verschiedene Arten grausam und verletzend sein, ebenso wie verletzlich und unsicher. Eevi und Mats verbindet viel mehr, als man in diesem Teil der Reihe erfährt - die Beziehung der beiden ist greifbar, aber nur oberflächlich beschrieben, deswegen gibt es einen Punkt Abzug. Viele Personen lassen am Ende Fragen offen und das wirkt ein bisschen unfertig, selbst für eine Reihe. Aber die Verbrechen, Opfer, Motive und Auswirkungen könnten morgen genauso in der Tageszeitung stehen, was total erschreckend ist. Ich meine auch von einigen Sachen im Kosovokrieg schon gehört zu haben... Ich werde in die nächsten Veröffentlichungen auf jeden Fall reinlesen und denke, dass da noch einiges kommt.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Viele kleine Dinge ergeben auch ein Ganzes

Lauter kleine Lügen
1

Ein sehr besonderes Buch.Der Titel passt sehr gut, denn es braucht nicht mehr als lauter kleine Lügen, um aus einer scheinbar funktionierenden Nachbarschaft einen Sumpf von Abgründen auferstehen zu lassen. ...

Ein sehr besonderes Buch.Der Titel passt sehr gut, denn es braucht nicht mehr als lauter kleine Lügen, um aus einer scheinbar funktionierenden Nachbarschaft einen Sumpf von Abgründen auferstehen zu lassen. Das Setting ist hier Ende der 70er, es könnte aber auch heutzutage zu solchen Verwicklungen kommen. Das Thema ist nicht nur der Mord. Auch Homophobie, Rassismus, toxische Beziehungen u.v.m. werden hier thematisiert und ich habe mich beim Lesen mehr als einmal gefragt, wie das Buch in Australien selber ankommt, da hier auch sehr kritisch auf die Gesellschaft dort an sich geschaut wird.
Ich ziehe einen Punkt ab, weil es sehr viele Namen gibt, die man sich merken muss und manche Charaktere mir bis zum Ende fremd bleiben. Außerdem hat es in der Mitte kurze, aber wiederholte Längen, die man gut aushalten kann, aber halt vielleicht auch überflüssig gewesen sind.
Was ich sehr amüsant und sehr passend finde, sind die regelmäßigen Auszüge aus Biologiebüchern über die Lebensweise von Ameisen, man lernt etwas dazu.
Am Ende kommt auch noch eine Überraschung, so dass man fast geneigt ist, das ganze nochmal zu lesen. Ich könnte mir das Buch sehr gut als Theaterstück vorstellen, ein schönes Debüt.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Die Macht der Vergangenheit

Die Schrecken der anderen
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Das Cover hat mich direkt erwischt. Mit seiner ungewöhnlichen Szenerie im Stil eines klassischen Gemäldes hebt es sich deutlich von den Covern der aktuellen Bücher ab. Von der Autorin hatte ich noch nie ...

Das Cover hat mich direkt erwischt. Mit seiner ungewöhnlichen Szenerie im Stil eines klassischen Gemäldes hebt es sich deutlich von den Covern der aktuellen Bücher ab. Von der Autorin hatte ich noch nie gehört, aber sie wird mir jetzt nach der Lektüre definitiv im Gedächtnis bleiben. Zum einen ist ihr Schreibstil schon ungewöhnlich, denn sie benutzt zum Beispiel Gedankenstriche anstatt Anführungszeichen bei wörtlicher Rede. Und diese selber ist selten direkt, eher poetisch, manchmal kryptisch. Deswegen ist es trotz des Umfangs von 332 Seiten nicht schnell runter zu lesen, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut. Wer aufmerksam liest wird dafür mit feinen Beschreibungen und Gedanken belohnt, die mal sehr komisch, mal bedrückend und mal so großartig sind, dass man sich fragt, wieso man nicht eher sowas schon mal gelesen hat. Besonders die Analogie des Teufelkreises gefällt mir sehr sehr gut. Es ist deutlich zu erkennen, dass hier jemand schreibt, der die Sprache liebt und sie sich zum Werkzeug gemacht hat. Die Autorin hat deutsche Literatur, Linguistik und Philosophie studiert und das merkt man auch. Mir persönlich gefällt das gut, die Handlung ist zeitweise für mich schon fast zur Nebensache geworden, weil ich mich so an kleinen Sätzen erfreut habe. Aber klar, es gibt eine Handlung und auch der Sinn des Buchtitels wird deutlich. Ich kann mir das Buch sehr gut in der Oberstufe eines Deutsch Kurses vorstellen, also ich hätte mich "damals" sehr gefreut. Ich glaube, dass der Roman, der übrigens auch ein Krimi ist, nicht für jeden etwas ist. Wer aber nicht nur Input, sondern Literatur lesen möchte, die durchaus auch amüsante Szenen hat, sollte dem hier unbedingt eine Chance geben. Den Punktabzug gibt es von mir auch nur, weil mir das Ende plötzlich zu schnell kam und manche Fragen bei mir offen blieben. Trotzdem gibt's von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Bevor wir unschuldig waren!

Before we were innocent
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Wer den Titel des Buches auf deutsch übersetzt, könnte da schon stutzig werden. Wie kann man unschuldig werden ( und nicht einfach sein) und was muss passiert sein, dass man es vorher nicht war?
Diese ...

Wer den Titel des Buches auf deutsch übersetzt, könnte da schon stutzig werden. Wie kann man unschuldig werden ( und nicht einfach sein) und was muss passiert sein, dass man es vorher nicht war?
Diese Fragen werden hier nicht einfach plump beantwortet, streng genommen werden sie gar nicht beantwortet, aber die Autorin schafft es, dass vermutlich jeder Leser und jede Leserin am Ende eine eigene Vorstellung davon hat.
Dabei handelt es sich um eine ganz leise Geschichte, die sehr aufwühlend, weil so echt und nachvollziehbar ist.
In zwei Zeitstrahlen wird hier erzählt, was aus verschiedenen Leben wird, wenn einem in frühen Jahren ein Vorfall aus der Bahn wirft, der alles verändert. Und welche Auswirkungen echte, von den Medien herbeizitierte und vor allem erlebte Schuld auf verschiedene Menschen und deren Familien haben können.
Am Ende gibt es kein Ende, weder für die Protagonisten noch für die Lesenden. Aber es gibt Erkenntnisse und die Antwort darauf, wie man (wieder) unschuldig werden kann.
Das Buch liest sich sehr flüssig und unaufgeregt. Es macht einen zwischendrin betroffen und nachdenklich, vielleicht manchmal melancholisch in seine eigene Jugend zurück blickend. Aber trotzdem kann man durch das Setting unter den Reichen und Schönen genügend Abstand wahren, um sich nicht selber zu sehr identifizieren zu können. War zumindestens bei mir so. Der Spannungsbogen ist geschickt durch den kompletten Roman gezogen, so dass es trotz der Ruhe nie langweilig wird, man möchte schon genau wissen, wer da was getan hat und was nicht.
Ein Coming-of-Age Roman der anderen Art, von der Stimmung her ( nicht vom Inhalt) vielleicht in Richtung Stand by Me - Die Geschichte eines Sommers von Stephen King.
Bisher für mich einer der besten Romane des Jahres!

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Frankfurts Abgründe

Narbensommer #Thriller
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In Frankfurt werden grausam entstellte Frauenleichen gefunden und ein medikamentenabhängiger Polizist mit seinem Team versucht sich an der Aufklärung. Gar nicht so einfach, wenn sich alles in das Milieu ...

In Frankfurt werden grausam entstellte Frauenleichen gefunden und ein medikamentenabhängiger Polizist mit seinem Team versucht sich an der Aufklärung. Gar nicht so einfach, wenn sich alles in das Milieu des organisierten Verbrechens verschiebt... Dieser Thriller spielt für mich auf vielen Ebenen. In der Vergangenheit, in der Gegenwart, im Kopf des Täters, in den Irrungen der verschiedenen Clans, intern bei der Polizei und Staatsanwaltschaft und vereint so viele Personen und Schauplätze, dass es manchmal ganz schön hin und her geht. Alte Bekannte aus dem Vorgängerbuch kommen auch dazu, die auch hier sehr nützlich sind. Insgesamt also viel los, mir an mancher Stelle zu viel. Dadurch wird an anderen Stellen irgendwie gesprungen, plötzlich ist man erneut in einem undurchsichtigen Massaker, wo man doch nur den seit Tagen verschwundenen Kollegen geortet hat. Ich fand es dadurch manchmal nicht wirklich spannend, aber anstrengend am Ball zu bleiben, weil ich zwischendurch gar nicht mehr wusste, ob wir noch am Wolf dran sind oder woanders. Die Auflösung kam dann unerwartet in der Person, einer der direkt Beteiligten war auch die ganze Zeit mein Tipp, aber der Täter selber nicht, sehr schön. Ich finde, das Thema hätte durch Ruhe in den Szenen mehr Tiefe gewonnen und für schlaflose Nächte sorgen können, z.B. die beiden Anfangsszenen waren sehr plastisch und nachvollziehbar und wirklich erschreckend. Aber ich bin guter Dinge, ein schönes Ermittlerteam mit viel Raum für Mehr und ich bin somit gespannt auf Roman Nummer 3.

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