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Bisco

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Düsterer Roman mit vielen düsteren Gedankengängen

Party of Liars
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Eine unvergessliche Party soll es für die Anwesenden sein, welche auf der Geburtstagsparty der frisch gewordenen 16-jährigen Sophie Matthew sind. Familie, Freunde und vor allem die halbe Stadt und Kollegen ...

Eine unvergessliche Party soll es für die Anwesenden sein, welche auf der Geburtstagsparty der frisch gewordenen 16-jährigen Sophie Matthew sind. Familie, Freunde und vor allem die halbe Stadt und Kollegen von Vater Ethan feiern in dem eindrucksvollsten Haus der Gegend. Das gläserne Haus, um dem es viele Spukgeschichten gibt, erbaut von deutschen Auswanderern und deren traurigen Ende. Das Haus so gläsern, mit seinem Pool, Weinkeller, unter der Erde bestehenden Räumlichkeiten, wer will nicht mit dabei sein.
Ganz am Anfang, erfahren wir jedoch, dass es an diesem Abend ein Opfer geben wird, wer dies ist, erfahren wir jedoch erst ganz am Ende.
Wir beginnen bis auf einen kleinen Vorlauf mit dem Tag der Party. Schon am Vortag ist der Stress bei allen Beteiligten groß. Sophie wohnt mit ihrer Mutter Kim etwas außerhalb des Hauptszenarios. Am Vorabend kommt ihre beste Freundin Mikayla zum Übernachten zu Sophie. Die beiden kennen sich bereits sein Kindheitstagen und wissen (fast) alles voneinander. Kim ist bemüht für ihre Tochter nur das Beste zu geben. Diese kämpft mit ihren eigenen Dämonen. Die ehemalige Tierärztin ist Alkoholikerin und jeder weiß es. Gerade zum Geburtstag will sie abstinent sein und beweisen, dass sie eine gute Mutter ist. Denn ihr Ex-Mann und Sophies Vater Ethan sehen das anders.
Ethan, der Psychiater, lebt im gläsernen Palast mit seiner noch sehr jungen und neuen Frau Dani. Sie hat vor kurzem erst die kleine Charlotte geboren. Der Stress der Geburt und der Wochenbettzeit danach macht ihr zu schaffen. Ihr wird von Ehtans Bruder, der auch Psychiater ist, eine postpartale Depression diagnostiziert, auf welche dies auch eine Zeit lange behandelt wurde. Ethan macht sich Sorgen, das die Party für Dani zu viel werden könnte, denn es muss für Sophie alles perfekt sein (bzw. eher für ihn).
So sind die meisten schon angespannt, bevor am Vormittag des Tages die Party überhaupt beginnt. Dani, welche in letzter Zeit, immer wieder Drohbotschaften erhalten hat, hat diese Ethan nicht gezeigt, aus Angst er hält sie wieder für depressiver und paranoid. Viele ihr sehr unbekannte Menschen sind im Haus unterwegs. Die eigentlichen High-Schoolfreunde ihrer Stieftochter, kommen erst später und in viel kleinerer Menge hinzu. Kim kämpft währenddessen vor Ort damit, dass alle Leute sie im Auge behalten. Die eifersüchtige, alkoholabhängige Ex mit dem schlechten Ruf. Ethan zeigt sich als der Strahlemann und verteilt auch Häme an Kim. Und Mikayla erlebt ihre Teenieprobleme. Neben diesen Charakteren lesen wir die Geschichte auch noch aus der Sicht von der Nanny. Diese ist verliebt in die kleine Charlotte und ist Dani eine enorme Hilfe. Das sie übervorsichtig ist und gerne Gruselgeschichten erzählt, von Menschen, die sterben, ist bei allen nicht immer ganz gewollt. Ist sie einfach nur alt und schugge oder warum tut sie es?
So erleben wir die Zeit vom Tag vor der Party bis hin zum Unfall und auch in wenigen Kapiteln, den Tag nach der Party. Dani, Kim, Ethan, Mikayla und Órlaith haben alle mal mehr oder weniger an Kapiteln, wo wir aus deren Sicht die Geschehnisse erleben. Wir lernen ihre unausgesprochenen Lügen, Ängste, Erfahrungen und Beweggründe kennen.
Die Geschichte spielt mit diesen Blick in den Kopf der 5 Personen, und immer, wenn eine Szene auf dem Balkon stattfindet, denkt man: „Das ist es jetzt, da wird jemand sterben.“ Und auch ein Schreit mitten im Geschehen, zu weit weg vom großen Knall, lässt einen aufschrecken.
Ein fesselnder Thriller ist es nicht, sondern ein Roman, der zeigt, wie es in allen Familien zu Problemen kommen kann. Das eine gläserne Fassade dennoch nicht alles offenbart und wieviel hinter verschlossenen Türen passiert. Die Geschichte arbeitet mit sehr viel Täuschung, mehr als einem Verrat und spielt mit dem psychischem Zerfall von mehr als einer Person.
Es ist ein Roman, der düster ist, und auch wenn das Haus beleuchtet wird, noch Schatten wirft.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Eine schöne Aufarbeitung des Märchen vom Schwanensee

Verrat der Schwäne
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Das Buch ist ein Retelling von Schwanensee und greift viele der bekannten Motive und Symbole auf (Eule, Schwan, See oder Krone etc.). Gleichzeitig erzählt das Buch aber seine ganz eigene Version der Geschichte ...

Das Buch ist ein Retelling von Schwanensee und greift viele der bekannten Motive und Symbole auf (Eule, Schwan, See oder Krone etc.). Gleichzeitig erzählt das Buch aber seine ganz eigene Version der Geschichte und entwickelt daraus etwas Eigenständiges.
„Verrat der Schwäne“ ist ein Retelling von Schwanensee. Bekannt als das weltberühmte russische Ballett, ist die Grundlage ein Märchen bzw. alte Volkssagen, welche noch älter sind. Die Grundlegende Geschichte ist daher eine junge Liebe, Magie, Gut gegen Böse. Die Symbole des Originals in Form von Eule (Odile), Schwan (Marie) und der Krone sind gegeben.
Die Junge Odile ist als Kind von ihrem Ziehvater, dem Magier des Theaters, aufgezogen wurden. In einer Welt wo Magie verschwunden ist und Zauberer gejagt und getötet werden, darf niemand wissen, dass sie über goldenes Blut verfügt und somit eine Zauberin ist (wenn auch ohne Magie).
Bis vor 5 Jahren war sie noch mit der zukünftigen Königin Marie befreundet. Eine unschöne Geschichte in der Vergangenheit, hat die Freundschaft jedoch beendet. Ziel ist es nun für Odile an die Krone zu kommen. Denn ihr Ziehvater will die Magie wieder freisetzten und der Welt wieder Farbe und Leben schenken. Denn das ist die Welt: Kahl, keine Blumen, keine Farben, trostlos.
So wird sie in den Palast geschmuggelt. Nur kurze Zeit später wird der König ermordet und Marie und Odile geraten zwischen dir Fronten. Wie in der Originalgeschichte, wird Marie zu einem Schwan und Marie muss ihr helfen und zugleich an die Krone gelangen.
Die Grundgeschichte ist nicht neu, sondern es macht die Idee aus, was man damit macht. Ich fand die Geschichte angenehm zu lesen. Es hat in seinem Schreibstil viel von einem Märchen und weniger von einem klassischen Fantasy-Buch. Dies ist ein absoluter Pluspunkt. Genauso, wie dieses wunderschöne Cover, welches meinen Blick immer wieder auf sich zieht.
Die Charaktere spielen ihre Rollen. Wobei Odile die treudoofe Tochter immens gut rübergebracht hat. Sie glaubt ihren Ziehvater jedes Wort und das, obwohl sie immer wieder selbst sagt, dass sie keine klassische Vater-Tochter-Beziehung haben, geschweige Liebe erfahren hat. Sie sieht, wie ihr Vater sie wie ein Puppenspieler manipuliert und lässt sich dennoch immer wieder drauf ein.
Marie die schöne Adelige, die den Prinzen heiraten soll, zeigt wie sehr sie sich gefangen fühlt und als Schwan, dass erste Mal im Leben Freiheit verspürt. Ihre Beziehung zu Odile gefiel mir sehr gut. Ich mochte sie auch bei weitem mehr als Odile.
Die weiteren Figuren sind mehr Nebenfiguren als Hauptakteure und machen ihren Job.
Die Geschichte ist nicht neu, aber sie ist schön verpackt. Vom Cover wie auch in ihrer Erzählung. Es gibt keine Überlängen, keine Wiederholungen und ein sauberer roter Faden. Eine schöne märchenhafte Geschichte, die man gut lesen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.04.2026

Anstrengend, widersprüchlich und zu verzettelt

Das White Octopus Hotel
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Am 27.08.1992 war der 4. Geburtstag der Eve Shaw. Ein Tag welcher der kleinen Eve Freude bringen sollte, welcher sie jedoch Ihr ganzes Leben lang negativ verfolgt und ihr unentwegt Schuldgefühle vermittelt. ...

Am 27.08.1992 war der 4. Geburtstag der Eve Shaw. Ein Tag welcher der kleinen Eve Freude bringen sollte, welcher sie jedoch Ihr ganzes Leben lang negativ verfolgt und ihr unentwegt Schuldgefühle vermittelt. An diesem Tag starb ihre nicht mal zweijährige Schwester, weil diese durch das offene Gartentor auf die Straße gelaufen ist.

Die heute 27-jährige Kunstsachverständige hat in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihr Studium abgebrochen, sich therapieren lassen und für sich die Liebe zu Oktopussen gefunden. Sie zeichnet diese Tiere und sie beginnen auf ihren Papieren zu leben. So wie ihr Tattoo, welches sich über ihren Körper bewegt.

Das Verhältnis zu Ihrer Mutter ist sehr schwierig, da die niemals den Verlust ihrer Schwester überstanden hat.

Eines Tages taucht dann aufs Eve Arbeit ihr Lieblingsmusiker Max. Dieser wäre heute über 100 Jahre alt und kann es nicht sein. Aber warum sieht er aus wie auf den Fotos von damals? Warum ist er so erschrocken sie zu sehen? Er gibt ihr einen Oktopus aus Holz und erzählt ihr von dem mysteriösen Hotel. Eve recherchiert und erfährt von den drei Zimmerschlüsseln der Zimmer 7, 17 und 27 und das man mit diesen in dem heutigen verlassenen Hotel zurück in dessen Vergangenheit reisen kann. Dort will sie ein Briefpapier des Hotels erhaschen, mit dem Sie einen Brief schreiben kann und sich selbst in die Vergangenheit schickt, um dann das Unglück zu verhindern.

Wir erleben recht kurz die heutigen 2016 und dann hauptsächlich die Vergangenheit von 1918 und 1934. In beiden Fällen findet die Geschichte im Hotel statt, aber auch in Teilen an der Front, wo wir das Geschehen durch Max erleben.

Der magische Teil im Hotel, mit besonderen Spiegeln, lauschenden „Menschen?“, Telefonen mit Toten am anderen Enden, Geisterhafte Begegnungen usw. war echt interessant zu lesen. Wir lesen von Menschen, welche uns sehr ähnlich sind, aber wir nicht zuordnen können. Wir versuchen den Gründer des Hotels zu erwischen, der uns immer wieder entwischt. Wir reisen mit Hilfe der Türen und der speziellen Zimmerschlüsseln durch die Zeit.

Bis hierhin hört sich das richtig gut an. Und bis etwa 30% im Buch, kam ich auch noch gut mit. Und dann wurde es wild. Durch die Wechsel zwischen den Zeiten und das man erfährt, dass in 1918 Dinge geschehen, welche noch gar nicht passieren können und ebenso in 1934 Erinnerungen existieren, die nicht möglich sind, machte es mir schwer den Faden nicht zu verlieren.

Ich konnte mir mit der Zeit zusammenreimen, was es mit der ein oder anderen Person im Hotel auf sich hat, und viele Vermutungen wurden auch bestätigt. Aber leider verrennt sich die Autorin hier in den nicht immer stimmigen Zusammenhängen einer Zeitreisegeschichte. Es kann in der Vergangenheit nun mal etwas nicht stattfinden, wenn die Zukunft dafür erstmal geschaffen wurden sein muss. Und sehr störte mich die folgende Aussage: „Wenn man mit dem Schlüssel in eine andere Zeit zurückgeht, verliert man sämtliche Erinnerungen“ und genau das passierte im gesamten Buch nicht und ermöglicht somit auch nicht das Ende.

Es ist eine interessante Geschichte, mit viel Selbstdrama, weil Eve ständig depressiv und niedergeschlagen wird. Sich selbst kein Glück zuspricht und das Gefühl hat, sie dürfe niemals glücklich werden, weil sie am Tod ihrer Schwester schuld ist. Das aber die Aufsicht in der Verantwortung der Eltern liegt, wurde nie mit einem Wort gesagt und man lies sie somit im Glauben, der sich so heftig in sie reingefressen hat, dass sie ihr eigenes Leben für ihre Schwester hergeben würde. Mir ist das Buch daher etwas zu melodramatisch gewesen, mit einer zu sehr fehlerhaften Zeitreiseidee, welche zu überladen war.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Eine Erzählung voller Gewalt, Drama und Längen. Kein Fantasy, mehr historische Geschichte

The Poet Empress
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Yin Wie aus Lu´an, aus dem Bezirk Guishan. Tochter von Yin Hunag, Reisbauer, Sechzehn Jahre lebt ein hartes Leben. Ihre Geschwister sterben an Krankheit oder Hunger, ihre Eltern haben selbst kaum zum Überleben ...

Yin Wie aus Lu´an, aus dem Bezirk Guishan. Tochter von Yin Hunag, Reisbauer, Sechzehn Jahre lebt ein hartes Leben. Ihre Geschwister sterben an Krankheit oder Hunger, ihre Eltern haben selbst kaum zum Überleben und es geht Ihnen nicht gut. Dabei leben sie in einem Kaiserreich, dem es an sich überhaupt nicht schlecht geht. Aber wie überall wird hier unten geschuftet und oben geschlemmt.

Der Kaiser mit seinen 5 Söhnen, von seiner Kaiserin und Konkubinen, geboren. Der zweite Thronfolger Terren soll nun verheiratet werden und Kinder zeugen. Denn er gilt als derjenige Sohn, welcher den Thron besteigen soll. So wird im Kaiserreich nach einer passenden Frau für ihn ausgeschrieben und alle kommen in die Hauptstadt.

Wei macht sich selbst keine Hoffnung das zu schaffen. Doch gegen aller Hoffnung, wird sie auserwählt. Gegen den absoluten Unwillen der aktuellen Kaiserin und nur weil Prinz Terren für sich seinen eigenen Kriegszug darin sieht. Verständnis fehlt dafür am politisch schwachen Kaiserhoff und auch die anderen Anwärterinnen zur Konkubine und somit künftigen Kaiserin können diese Entscheidung nicht nachvollziehen.

Wei sieht nun ihre Hoffnung mit der Auswahl ihrer Person ihrem armen Dorf und gerade ihrer Familie zu helfen. Doch es soll anders kommen als sie sich dies überlegt hat.

Sie kommt an einen Hof wo sie schnell den Hass und Neid der anderen Konkubinen zu spüren bekommt. Im Rangsystem der Konkubinen steht sie nun ganz oben. Was nicht bedeutet, dass sie die alleinige Frau ist, welche Terren´s Bett teilen wird. Zumindest nicht wenn man die Planung der Gelehrten betrachtet, welche die Nächte nach den Mondphasen einteilen. Aber so viel Angst Wei vor dem ersten Akt hat, entwickelt sich eine ganz andere Furcht. Jede Nacht wird sie von Terren misshandelt. Er schlägt sie, malträtiert sie mit seinen Messern und im Anschluss heilt er mit Magie ihre Wunden.

„Ich muss aufhören, wie ein Dorfmädchen zu denken. Ich muss anfangen wie eine Kaiserin zu denken.“

Terren mit seiner Affinität zu Klingen, dessen Grausamkeit keiner Logik folgt und der schon in jungen Jahren erst Fische und dann Bedienstete tötete. Als Kind mit seinem Bruder Maro noch lieb und begeistert für die Welt war, auf Bäume kletterte und gute Laune hatte. Familiärer Entzug, keine Liebe, Entzug von seinem Bruder brachte ihn dazu immer verschlossener zu werden und nach und nach zu einem Tyrannen werden ließ.

Sein Bruder Maro, der Erstgeborene, der mit seiner Fähigkeit Flüsse, Wege und Tunnel durch Berge erschafft, um die Hauptstadt und die Wirtschaft anzukurbeln, ist jedoch nicht für einen Krieg gedacht und wird vom Kaiser daher auf den zweiten Platz degradiert. „Wir sind eine Familie. In der Familie gibt man aufeinander acht“ waren in jungen Jahren die Worte zu seinem Bruder Terren und wir erfahren was passiert ist, dass dies nicht mehr der heutigen Zeit entspricht.

Das Buch lebt von seiner Grausamkeit, viel Blut, Manipulation und einer in sich traurigen Geschichte von Familienentzug und Bestrafung an Kindern. Kinder, die mit gerade mal 10 Jahren davon reden, dass sie nun erwachsen sind und ein Land verändern sollen. Kinder, die im gegenseitigen Kampf miteinander stehen, angestachelt von den Erwachsenen. Viele Opfer von Tieren über Menschen stehen zwischen den Fronten und müssen täglich um ihr Leben bangen.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart aber auch in der Vergangenheit. Wir erleben Weis Alltag am Hofe, wie sie ihre Rolle als Konkubine zu leben hat und jede Nacht der Folter ausgesetzt ist. Wie sie versucht sich aus dieser Situation zu retten. Im Wechsel lesen wir aus der Erzählerperspektive, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass zwei Brüder, die sich über alles liebten, sich auf einmal tödlich gegenüberstehen.

Das Buch ist im Genre Fantasy eingereiht, was für mich jedoch absolut nicht passend ist. Der Magieanteil ist eher gering. Wir lesen von Katzen mit Blättern, erleben Heilung durch Magie und die Siegel, welche die Prinzen schützen. Ihr persönliche Magie und die der Schriften ist mir zu wenig präsent gewesen. Es ist zwar Teil der Geschichte, aber die Politik, die Gewalt, das Drama stehen absolut im Vordergrund. Für mich wäre das Buch daher eher im Bereich „Historisches Drama“ einzuordnen, basierend auf einer fantastischen Geschichte.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mit der Abhänigkeit kommt die Gewalt - ein starkes Debüt

Gelbe Monster
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„Gelbe Monster“ enthält eine Geschichte, wo wir sehen wie eine zunächst perfekt wirkende Beziehung nach und nach eine zerstörerische Dynamik entwickelt. Die Mathematik-Studentin Charlie mit dem Weg zum ...

„Gelbe Monster“ enthält eine Geschichte, wo wir sehen wie eine zunächst perfekt wirkende Beziehung nach und nach eine zerstörerische Dynamik entwickelt. Die Mathematik-Studentin Charlie mit dem Weg zum Doktortitel lebt neben dem Studium in den Tag hinein. Ihre Wohnung nur rudimentär eingeräumt und eher vom Alltag überfordert, hat nur Elan, wenn es um ihr Studium geht. So ist es kein Zufall das sie noch den Bolzenschneider vom Baumarkt bei sich hat, welcher nur eine Leihgabe ist. Sie trifft bei ihrem Stammkiosk in Köln-Ehrenfeld (der Bezirk wird zwar nicht erwähnt, aber am Ende vom Buch erwähnt das Buch die Stadt Köln und die Venloer Straße ist in Ehrenfeld) den jungen Literaturstudenten Valentin. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte mit sehr schwierigen Zeiten für beide Protagonisten.
Wir lesen auf zwei Zeitebenen die Gegenwart, wo sie bei ihrer besten Freundin Ella wohnt. Weil ihre Wohnung ein Trümmerhaufen ist. Warum dem so ist, dass wird erst später im Buch geklärt.
Ihre beste Freundin drängt sie zu einem Anti-Aggressionstraining für Frauen und einer therapeutischen Behandlung. Aber wie kommt es, dass diese intelligente Frau mit gebrochener Hand und blauen Auge dahin soll. Immerhin sagt sie immer wieder, dass sie das Opfer in dieser Beziehung sei.
In Rückblenden enthüllt die Geschichte die Entwicklung der Beziehung zu Valentin und warum Charlie gewalttätig wurde. Die Beziehung entwickelte sich von einer normal beginnenden zu einer obsessiven, emotional abhängigen Geschichte. Es treffen Charlies Unsicherheit, Wut und Verlustangst auf die Beziehung und setzen somit auch Valentin unter Druck. Dies schlägt mit der Zeit in eine physische und psychische Gewalt um. Nich immer ist für den Leser sofort ersichtlich wer von wem abhängig ist und wer von beidem wem „mehr“ antut.
Das Frauen in Beziehungen Gewalt, psychisch und physisch ausüben, ist nicht untypisch wird aber als Thema noch sehr selten behandelt. Die Autorin hält sich dabei sehr zurück, wenn es um moralische Wertung geht und überlässt es uns zu entscheiden, wer die Fehler hier macht und wer sein Verhalten hätte ändern müssen.
Man liest immer nur am Rande, dass Charlie große Schwierigkeiten in ihrer Kindheit erlebt hat. Das Verhältnis zu ihrer Mutter muss immens gestört sein. Diese gab Charlie immer zu verstehen das sie hässlich sei und zu nichts nützlich. Tief scheinen hier die Wunden aus dieser Zeit zu sein, werden aber nur am Rande thematisiert, um den Lesern keine „Grundlage“ für ihr Verhalten zu geben, sondern Charlie selbst einzusortieren.
Und hier bekommt sie nicht den Preis für die Sympathieträgerin des Jahres. Man versteht in Teilen ihr Verhalten und teilweise hasst man sie regelrecht für ihr Verhalten. Symbolisch spiegelt sich Charlies innerer Zustand auch im Titel wider. Die „gelben Monster“ erinnern an das Blumenmuster der alten gelben Tapete in ihrer Wohnung, dessen Formen wie kleine Monster wirken – ein Bild für die inneren Konflikte, Erwartungen und Ängste, die Charlie begleiten. So sitzt sie in der Gruppe und sieht um sich herum nur Schwerverbrecherinnen und präsentiert ihre gebrochene Hand, als Zeichen dafür, dass sie das Opfer ist.
Sprachlich erzählt Frau Leinemann in einer klaren und flüssigen Sprache, welche das Buch sehr schnell lässt. Es ist kein leichtes Buch und hat nicht das klassische Happy End was man erwartet. Es hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn alleine schon die Ereignisse der Anti-Aggressionsgruppe, welche zeigen warum die Frauen dort gelandet sind, zeigen wie unterschiedlich Gewalt ist und wie oft in dieser Geschichte Frauen es als Rechtfertigung nutzten.
Es ist intensiv und ungewöhnlich und somit ein Debüt, welches lange nachwirkt.