Eine glaubwürdige Darstellung des Muttersein unter dem Druck von Instagramm und der Öffentlichkeit
8000 Arten, als Mutter zu versagenKinder sind ein Geschenk. Aber sie sind neben der Freude, die wir wegen ihnen verspüren auch viel Arbeit, Stress und Schmerz. So zeigt uns Frau Kebekus ehrlich und mit viel Humor und auch selbstkritischen ...
Kinder sind ein Geschenk. Aber sie sind neben der Freude, die wir wegen ihnen verspüren auch viel Arbeit, Stress und Schmerz. So zeigt uns Frau Kebekus ehrlich und mit viel Humor und auch selbstkritischen Reflexionen, wie schön es ist Mutter zu sein, auch wenn der Weg durch die Schwangerschaft und den ersten 18 Monaten kein Spaziergang mit frischem Make-Up, nen Kaffee in der Hand und einem Lächeln im Gesicht ist.
So erzählt sie uns ganz offen, dass die Schwangerschaft sie überrascht hat und mit dieser erstmal ganz viele To-Do-Listen erstellt wurden, was man alles mit dem Baby machen möchte. Und kläglich daran scheiterte. Der Druck, der schon in der Schwangerschaft steigt, wenn Instagramm zeigt wie fit der Körper während der Schwangerschaft zu sein hat. Mit dem „Belly-Only-Pregnancy“ (nur der Bauch nimmt zu) und sie jedoch zur Fraktion „Ass-Only-Pregnancy“ -Gruppe gehörte. Dazu die täglichen Sportübungen, Vorschriften was sie essen soll und wie wichtig ist doch ist, zur Geburt frisch rasiert zu sein. Man könnte ja einen Kommentar zur Behaarung erhalten.
Doch kaum war raus das sie schwanger war, muss sie sich dem Dünnschiss der Nation anhören von „zu alt“, „zu unverantwortlich“ und dann noch im 8. Monat auf der Bühne. Wie unverschämt. Ich fand die Kommentare (welche sie erstmal der deutschen Rechtschreibung angepasst hat), welche sie wiedergibt, sehr gut gekontert. Was nimmt sich eine Gesellschaft zu urteilen, ob sie zu alt ist oder nicht und warum sie arbeiten, geht (Comedian), was soll passieren außer, dass das Baby nen schlechten Witz hört?
So führt uns Frau Kebkus im weitern Verlauf durch eine echt lange und unschöne Geburt und zeigt das das Thema Wochenbett nicht schönes kuscheln im Bett ist und zwischendrin locker den Haushalt machen. Sie erklärt offen und mit viel Humor wie der eigene Druck steigt sich selbst zu perfektionieren, dem Kind die perfekte Mutter zu sein und daneben noch den Haushalt zu schaffen. Aber wie sie selbst sagt, ist eine junge Mutter nach Kaiserschnitt mit der Optik einer „Cracknutte“ in den ersten Wochen nicht das Vorzeigepüppchen von Instagramm.
Und hier trifft der Humor, mit vielen lustigen Anekdoten auf die immer wiederkehrende Problematik, welche sie selbst erleben muss: Eine Gesellschaft die dir vorschreiben meint zu müssen, wie du auszusehen hast, wie du mit dem Kind umzugehen hast und was du dir alles anzuhören hast. Spoiler: In Wirklichkeit nichts davon. Frau Kebekus erklärt, wie schlimm der Druck durch Instagramm ist, ihr ein Körperbild vorzuschreiben, von Leuten zu hören wie man das Kind zum Schlafen zu bringen hat, sich anhören zu dürfen das es normal ist das die Nippel bluten und sie drüberstehen soll und dann noch beleidigt wird, wenn sie stillt. Ansonsten wollen Männer Möpse sehen, aber bloß nicht, wenn sie ihren biologischen Sinn erfüllen.
So ist der schwerste und wenn auch schönste Job den man als Frau haben kann der Job der Mutter (natürlich vorausgesetzt man möchte Kinder haben, was jede Frau für sich selbst entscheiden kann) und es zigtausend Menschen gibt, die meinen dir zu zeigen, was die perfekte Mutter ist. Und Frau Kebekus zeigt ehrlich und authentisch, wie sich zigtausende Leute ihre Meinung in den Hintern schieben können. Ich finde das Buch großartig und erfrischend. Ich selbst bin keine Mutter, ich habe auch keine Kinder. Aber ich habe Respekt vor jeder Frau, die sich die Kraft täglich nimmt, sich liebevoll um ihr Kind zu kümmern, auch wenn es aufopfern bedeutet und auch mal zurückstecken.
Ich kann die Autorin voll und ganz verstehen, dass sie nicht nur Mutter sein will und auch arbeiten geht, notfalls auch ohne Schlüpper, dass man dem Kind nen Kochlöffel in die Hand drückt, um selbst mal zum Aufräumen zu kommen und nicht allen Ratgebern Recht gibt, sondern sie ihren (und dem des Babypapas) eigenen Weg findet sich um ihr Baby zu kümmern.
Ich würde mich freuen, auch noch in Zukunft von ihr zu lesen, wie es mit dem Spross und den nächsten Jahren weitergeht. Ob ihr Kind ihren Humor hat und im Kindergarten schon zeigt was ein kölsches Kind mit Kebekusgenen so von sich geben wird.