Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“
Let’s Talk About FeelingsMein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ...
Mein literarisches Jahr schließe ich mit „Let’s Talk About Feelings“ von Leif Randt. Seinen Vorgängerroman „Allegro Pastell“ kannte ich vom Cover, vom Hörensagen, aber irgendwie hatte ich ihn immer in ein falsches Genre einsortiert. Warum auch immer.
Worum geht es? Marian Flanders ist 41, lebt in Berlin, verkauft schöne, teure Kleidung, denkt viel nach und sortiert seine Tage, Gefühle und Begegnungen sehr pedantisch. Gute Sonntage landen in Rankings, Gespräche werden innerlich bewertet, Stimmungen präzise benannt. Man weiß immer, wie sich etwas anfühlt, zumindest theoretisch. Aber genau das mochte ich. Es gibt einen frühen Verlust, eine Trauerfeier auf einem Boot, Asche auf dem Wannsee und die Zeit danach. Man begleitet Marian durch diese Phase, eher beobachtend als mitfühlend; für mich hat sich das stellenweise sehr distanziert angefühlt. Aber am Ende war genau das auch eine mögliche Art, Trauer darzustellen.
Ich hatte das Gefühl, etwas sehr Zeitgenössisches gelesen zu haben. Ein Buch, das mehr protokolliert als erzählt, und das ist auch eine Form von Ehrlichkeit. Marians Leben ist weit weg von meiner Realität, aber ich hatte trotzdem ein sehr genaues Bild von ihm im Kopf. Sein Leben wirkte auf mich plausibel, auch wenn es stellenweise sehr absurd war.
Es ist auch ein wenig ein „Berlin-Buch“. Stil und Atmosphäre waren top notch. Kühl, genau beobachtet, erstaunlich unterhaltsam. Werde nächstes Jahr mehr von ihm lesen. „Allegro Pastell“ steht jetzt auch noch an.