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Veröffentlicht am 17.11.2025

Tolle Gruselgeschichte

Gespensterjäger auf eisiger Spur (Band 1) - Mit 8 neu illustrierten Farbseiten
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Der Auftakt der Reihe ist wirklich super schön, vor allem durch die neuen Farbseiten. Franziska Blindes Illustrationen sind wirklich ein Highlight: fantasievoll, detailverliebt, genau das braucht ein Kinderbuch, ...

Der Auftakt der Reihe ist wirklich super schön, vor allem durch die neuen Farbseiten. Franziska Blindes Illustrationen sind wirklich ein Highlight: fantasievoll, detailverliebt, genau das braucht ein Kinderbuch, um nicht generisch auszusehen. Die Mischung aus den alten Schwarz-Weiß-Zeichnungen und den neuen Farbseiten funktioniert erstaunlich gut. Man merkt sofort, dass hier jemand mit Spaß am Detail gearbeitet hat.

Inhaltlich ist das Buch klassisch Funke: witzig, null belehrend, einfach in andere Welt eintauchen. Tom ist herrlich panisch, Hedwig Kümmelsaft eine Art Anti-Heldin, die man sofort mag. Das „schimmlig-grüne Gespenst“ ist eher süß-chaotisch als wirklich gruselig, was absolut passt.

Der Plot ist für die Zielgruppe genau richtig. Viel wichtiger: Er fühlt sich nie zäh an. Man rutscht quasi durch die Kapitel.

Unterm Strich: Ein schönes Re-Design eines Klassikers und ein gutes Einstiegsbuch für Kids, die Lust auf unkomplizierten Grusel mit Humor haben und für Erwachsene, die beim Vorlesen etwas visuelle Abwechslung wollen.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Schönes Setting, wenig Spannung“

Beste Zeiten
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Sickan ist 21, stammt aus einer Kleinstadt in Schweden und zieht nach Stockholm, um zu studieren. Zum ersten Mal in ihrem Leben findet sie eine richtige Freundin: die extrovertierte, warmherzige Hanna. ...

Sickan ist 21, stammt aus einer Kleinstadt in Schweden und zieht nach Stockholm, um zu studieren. Zum ersten Mal in ihrem Leben findet sie eine richtige Freundin: die extrovertierte, warmherzige Hanna. Dann lernt sie Abbe kennen und verliebt sich zum ersten Mal. „Beste Zeiten“ begleitet sie durch diese ersten echten Erfahrungen von Liebe, Freundschaft und Selbstfindung.

Ich fand es echt schwierig, eine Rezension zu schreiben. Sprachlich fand ich das Buch richtig toll. Der Stil ist ruhig, klar und gut lesbar, und die Atmosphäre (besonders das Stockholm-Setting) hat mir total gefallen. Aber inhaltlich hat mir einfach der Spannungsbogen gefehlt. Vieles plätschert so vor sich hin und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass nichts wirklich passiert.

Anfangs wirkt alles wie ein klassischer Coming-of-Age-Roman: neue Stadt, erste Liebe. Aber nach und nach brechen Erinnerungen aus Sickans Vergangenheit durch. Mobbing, Übergriffe, emotionale Vernachlässigung. Es gab einige Szenen, in denen ich sie am liebsten einfach in den Arm genommen hätte.

Am Ende entwickelt sich Sickan dann ziemlich rasant. Ich will nicht zu viel verraten, aber der Sprung in ihrer Persönlichkeit kam mir etwas zu abrupt. Nach all dem Zögern und Grübeln war die plötzliche Reife für mich schwer nachzuvollziehen - fast so, als hätte das Buch kurz vor Schluss noch schnell eine Wendung gebraucht.

Trotzdem mochte ich, wie viele Themen Jenny Mustard anspricht: Ausgrenzung, Gewalt, Klassismus, Freundschaft unter Frauen. Und obwohl mich der Spannungsbogen nicht ganz überzeugt hat, bleibt es im Kopf.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Eine Liebesgeschichte, die mit Milchflaschen anfängt, kann nur weh tun.

Öffnet sich der Himmel
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Jeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur ...

Jeden Morgen, bevor die Schule beginnt, fährt James im Jahr 2003 mit dem Fahrrad durch den Nebel von Thornmere und liefert Milch aus. Doch dann taucht Luke auf, mit dieser Art von Präsenz, die man nur einmal im Leben erlebt und von der man sich nie ganz erholt.

Seán Hewitt schreibt, als wäre jede Grashalmspitze ein Gedicht. Das ist schön, aber auch anstrengend. Man verliert sich leicht in der Poesie, bevor etwas wirklich passiert. Die Natur, der Himmel, die Dämmerung, alles wird so detailreich beschrieben, dass man fast vergisst, dass es eigentlich um Liebe geht.

Diese Liebe, oder was James dafür hält, steht im Zentrum Sie ist roh, delulu. Dieses „Ich weiß nicht, was ich da fühle, aber es muss wichtig sein“-Gefühl, das man nur mit 17 hat. Beim Lesen dachte ich immer wieder: „Ja, genau so fühlt es sich an, wenn man glaubt, das Leben beginnt genau jetzt.“

Man spürt, wie sehr James ausbrechen will, nicht nur aus dem Dorf, sondern aus sich selbst. Dieses Bedürfnis, irgendwas Echtes zu spüren, zieht sich durch das ganze Buch. Doch Hewitt zeigt auch, wie gefährlich das sein kann. James ist so obsessiv und klammert sich an Luke wie an eine Idee von Freiheit, und merkt zu spät, dass er sich darin verliert.

„Öffnet sich der Himmel“ ist ein poetischer Fiebertraum über erste Liebe, Scham und das Erwachsenwerden, das sich weniger groß anfühlt, als man gehofft hatte. Trotzdem bleibt dieses Gefühl, das nur gute Coming-of-Age-Romane hinterlassen: dass man wieder kurz siebzehn ist, irgendwo zwischen Hoffnung und Schmerz, und alles möglich scheint.

Veröffentlicht am 19.10.2025

Wenn man alles unter Kontrolle haben will

Madwoman
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„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft.“

Clove lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in ...

„Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft.“

Clove lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Portland. Sie meditiert, macht Yoga, alles, was in unserer heutigen Gesellschaft „Heilung“ versprechen soll. Aber hinter dieser Routine steckt Angst. Als plötzlich ein Brief von ihrer Mutter auftaucht, die im Gefängnis sitzt, gerät alles ins Wanken. Clove hat ihre Vergangenheit verborgen, und selbst ihr Mann weiß nicht, wer sie wirklich ist. Dann trifft sie Jane nach einem kleinen Autounfall. Die beiden kommen sich schnell näher, aber genau das wird gefährlich.

Ich war überrascht, wie nah mir das Buch ging. Ich dachte zuerst, es wäre einfach ein Roman über Mutterschaft, aber es ist viel mehr und härter, als ich erwartet hatte (unbedingt vorher die Triggerwarnungen lesen). Clove ist keine typische Heldin, sie versucht einfach, alles zusammenzuhalten. Ihre Angst ist fast körperlich spürbar, und man versteht, warum sie sich an Routinen, Bio-Food und Online-Bestellungen klammert.

Bieker schreibt, als würde sie einen direkt anschauen. Sehr bildhaft, tolles Tempo, ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt. Es fühlte sich stellenweise so an, als würde man heimlich jemanden beobachten.
Auch wie der Plot insgesamt aufgebaut war, hat mir sehr gut gefallen. Es war immer eine unterschwellige Spannung zu spüren. Schon auf den ersten Seiten hat man das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Kurz gesagt: Dieses Buch hat mich komplett reingezogen. Ich wollte gar nicht aufhören zu lesen, nur drinbleiben und mitfühlen. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Wie ein Song ohne Refrain

Deep Cuts
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Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt ...

Ein Roman über eine Studentin, die Songs auseinandernimmt, als wären sie Anatomie, und über einen Typen, der ihr Talent sofort erkennt. Es geht um Musik, um eine Liebe und um die frühen 2000er. Das klingt hart nach Leidenschaft und Nostalgie, aber für mich hat es nicht funktioniert.

Schon nach den ersten Kapiteln wusste ich, dass ich emotional nicht andocken kann. Percy blieb mir fremd. Ich sah sie in Bars über Jukebox-Hits reden und Songs zerlegen, aber ich habe nichts dabei gespürt. Die Gespräche über Akkorde und Bridges waren mir zu spezifisch und irgendwann einfach zäh. Ich habe sogar die Playlist parallel gehört, um näher ranzukommen, aber es hat nichts verändert.

Manche Gedanken über Songs waren ganz spannend, ja, manchmal auch fast augenöffnend, und genau da habe ich kurz gemerkt, was dieses Buch hätte sein können. Aber insgesamt gingen diese Momente unter, weil Figuren und Story für mich nicht genug Tiefe hatten. Percy sollte verletzlich wirken, doch das kam bei mir nicht an. Auch die Beziehung zu Joe blieb blass, ohne Knistern, und ich konnte emotional einfach nicht mitgehen.

Ich sehe, was die Autorin erzählen wollte, trotzdem hat die Geschichte für mich keine Wirkung entfaltet. Ich habe bis zum Ende durchgehalten, in der Hoffnung auf einen Moment, der mich packt. Aber er kam nicht. Ein paar Radiohead-Zeilen bleiben hängen, und einzelne Gedanken über Musik fand ich spannend, aber im Gesamtbild war es zu wenig für mich.

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