Dieser Roman geht an die Nieren
Ohne ein letztes WortMaggies Mann ist tot. Ermordet während eines Überfalls auf ein Flüchtlingscamp, in dem er als Arzt beschäftig war. Ihr Leben als Koryphäe der plastisches Chirurgie gerät vollends aus den Fugen, als ihr ...
Maggies Mann ist tot. Ermordet während eines Überfalls auf ein Flüchtlingscamp, in dem er als Arzt beschäftig war. Ihr Leben als Koryphäe der plastisches Chirurgie gerät vollends aus den Fugen, als ihr auch noch die Approbation entzogen wird. Bis zum Zeitpunkt, als ihr ein befreundeter Arzt, der eines der einflussreichsten Unternehmen in diesem Bereich betreibt, ein verlockendes Angebot macht. Sie soll einem russischen Oligarchen zu einem veränderten Gesicht verhelfen und in diesem Zug auch noch seiner jungen Freundin ein üppigere Oberweite verschaffen. Für Maggie ein Klacks, auch in Anbetracht dessen, dass sie dafür fürstlich entlohnt werden soll. Aber wenn was zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es oftmals so. Und so dauert es nicht lange, bis sich die Ärtzin in einer Spirale aus Lug, Trug und Verrat befindet, aus der sie nur noch lebend herauskommen möchte. Aber scheinbar ist ihr verstorbener Mann und dessen Freund, mit dem Maggie früher in Auslandseinsätzen als Militärärzte zusammengearbeitet hat, ebenfalls darin verwickelt gewesen. Aber wie hängt das alles zusammen?
Wenn man bei Netflix eine Thrillerserie sucht, dann stolpert man unweigerlich über den Namen "Harlan Coben". Der Streamingdienst verfilmt seine Romane in atemberaubender Geschwindigkeit. Bei "Ohne ein letzes Wort" hat er sich nun mit Hollywoodschauspielerin Reese Witherspoon zusammengetan, die mit ihrem "Reese's Book Club" Buchempfehlungen in die Welt hinausschickt. Es lässt sich nicht beurteilen, inweiweit sie in diesen Roman mit eingebunden war, aber in Filmen geht die Handlung in der Regel etwas zügiger voran, als der Beginn hier. Die ersten paar Kapitel ziehen sich, aber spätestens mit dem Angebot, die OPs in Russland durchführen zu sollen, wird die Handlung wesentlich interessanter und auch rasanter. Als Leser taucht man tief in die Themen "Organspende" und "Moral in der medizinischen Forschung" ein. Wie weit sind Menschen bereit zu gehen, wenn sie denken, dass ihre Forschungen das Leben aller Menschen verbessern kann? Lebensverlängernde Maßnahmen im Tausch gegen das Umgehen von Regularien, die einen nur aufhalten und Geldgebern, die nicht nicht ganz den wohltätigen Zweck im Augen behalten. Man begibt sich auf ein gefährliches Terrain, denn diesen Menschen sind Leben nichts wert, sondern lediglich ihr Profit.
Sind dies alles neue Erkenntnisse? Sicherlich nicht. Maggies Hatz auf der Suche nach der Wahrheit hat viele spannende Momente. Aber oftmals ist der Inhalt einfach viel zu geschwätzig. Somit geht der Flow verloren, was schade ist, denn wenn man weniger ambitioniert an die Sache rangegangen wäre, wäre das dem Lesefluss zuträglich gewesen. Eigentlich weiß man nicht, ob das ein Thriller, eine Gesellschaftskritik oder ein Moralmanifest hätte werden sollen. Es ist am Ende alles drei geworden. Und das Ergebnis ist dann eben nur so mittelprächtig, wenn man sich für keine Seite entscheidet.
Ich könnte wetten, dass dieses Buch, wenn es dann verfilmt wird, ein Thriller wird und die oben erwähnten, anderen Komponenten eher in den Hintergrund treten werden. Und genau das wäre auch der richtige Weg für dieses Buch gewesen.