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Missing Page - Tödliche WorteAntonia ist 17 und steckt mitten in einer Schreibblockade. Ihr Drachen-Fantasyroman kommt einfach nicht voran. Also bewirbt sie sich auf einen Workshop für kreatives Schreiben des Bestsellerautors R.E. ...
Antonia ist 17 und steckt mitten in einer Schreibblockade. Ihr Drachen-Fantasyroman kommt einfach nicht voran. Also bewirbt sie sich auf einen Workshop für kreatives Schreiben des Bestsellerautors R.E. Giffard, den er in seinem Haus in den schottischen Highlands veranstaltet. Und obwohl Toni mit ihrer Bewerbung eigentlich zu spät dran war, bringt sie eine kleine Bestechung der zuständigen Mitarbeiterin doch noch in den Genuß ihrer Reise. Und dort erwarten sie schon 5 andere Schreibbegeiserte, die vom literarischen Genie des R. E. Giffard profitieren wollen. Der Hausherr ist allerdings ein Haustyrann. Sowohl zu seinen Besuchern wie auch zum Personal ist er extrem unfreundlich, ja sogar unverschämt. Seinen Teilnehmern gibt er verschiedene Aufgaben und selbstverständlich bewältig keiner diese auch nur annährend zu seiner Zufriedenheit. Umso erstaunter sind alle Nachwuchsschreiber, als Giffard verkündet, dass derjenige, der ihn am meisten überzeugt, sein ganzes Vermögen erben soll. Gut, ein wenig Motivation hat noch nie geschadet, aber als Giffard tot ausgefunden wird, haben alles Hausbewohner noch ein anderes Problem: Warum und vor allem, durch wen, musste R.E. Giffard sterben?
Okay, bei einem schönen Farbschnitt hat man mich schon fast und wenn das Vorgängerbuch, in diesem Fall "Hotel Ambrosia" (das ich allerdings nicht gelesen habe), so viele Lobeshymnen einsackt, dann kann doch mit "Missing Page" nichts schiefgehen? Naja, teilweise. Die Ausgangslage ist wie immer bei solchen Thrillern, smart gewählt. Dass ein Unwetter hereinbricht und alle isoliert im Haus festsitzen, ist ein gängiges Mittel, um Spannung zu erzeugen, denn niemand kann dann seinem Schicksal entgehen. Aber Katie Kento hat sich ziemlich viel von Agatha Christie abgeschaut, denn der im Buch öfter mal zitierte Hercule Poirot stand Pate für Antonia Roth, die im Laufe der Geschichte zur Meisterdetektivin aufblüht. Zusammen mit George, einem anderen Kursteilnehmer, für den sie romantische Gefühle entwickelt, sind sie auf der Suche nach dem Mörder. Wenn es den ünerhaupt gibt, denn alles lässt auf Selbstmord schliessen. Wenn dann am Ende alles auf den Tisch kommt und Toni die typische Zusammenfassung hält, bei der man sich denkt "Respekt, wie die das doch recht plötzlich alles zusammenkombiniert hat", dann bekommt man schon so Peter Ustinov Vibes (für die Jüngeren "Kenneth Brannagh Vibes"). Was mich aber sehr gestört hat war, dass Antonia Schlafwandlerin ist. Katie Kento möchte somit uns Leser im Unklaren lassen, was Toni nun wirklich erlebt hat und was nur in ihrer Fantasie passiert ist. Aber im Endeffekt ist das einfach nur nervig verwirrend. Man durchblickt nicht mehr, was Realität und Fiktion ist und das stört den Lesefluss ungemein. Hinzu kommt, dass der Roman einfach viel zu lang ist. 100 Seiten weniger hätte ihm gutgetan, denn es tun sich einige Längen in der Geschichte auf, die dadurch nur umso verschachtelter wird. Aber keine Panik, am Ende wird alles schlüssig erklärt. Ob's logisch und halbwegs realitisch, lassen wir mal dahingestellt.
So bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück. Spannend war es oft, aber ich habe ab einem bestimmten Punkt das Ende des Buches herbeigesehnt. Und das ist nie ein gutes Zeichen.