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Veröffentlicht am 27.07.2026

Unterhaltsam

Mr. Saitos reisendes Kino
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Schon der Anfang von Mr. Saitos reisendes Kino macht neugierig und gibt den Ton für einen Roman vor, der voller skurriler Einfälle, liebenswerter Figuren und großer Gefühle steckt. Annette Bjergfeldt erzählt ...

Schon der Anfang von Mr. Saitos reisendes Kino macht neugierig und gibt den Ton für einen Roman vor, der voller skurriler Einfälle, liebenswerter Figuren und großer Gefühle steckt. Annette Bjergfeldt erzählt eine außergewöhnliche Geschichte über Familie, Freundschaft und die kleinen Zufälle, die ein ganzes Leben verändern können. Dabei verbindet sie historischen Hintergrund mit einer fast märchenhaften Atmosphäre.

Im Mittelpunkt steht Lita, die gemeinsam mit ihrer temperamentvollen Mutter Fabiola aus Argentinien fliehen muss und schließlich auf einer abgelegenen Insel vor Neufundland landet. Dort begegnet sie einer Vielzahl ungewöhnlicher Menschen, die der Geschichte ihren ganz eigenen Charme verleihen. Besonders die Freundschaft zwischen Lita und Oona sowie die Gemeinschaft im Seemannsheim machen den Roman zu einer warmherzigen Erzählung über das Ankommen und das Finden einer Familie an den unerwartetsten Orten.

Besonders gefallen hat mir die Atmosphäre des Buches. Bjergfeldt erschafft mit ihrer bildhaften Sprache lebendige Schauplätze, sodass man die raue Küste, das tosende Meer und das bunte Leben auf der Insel förmlich vor sich sehen kann. Gleichzeitig schwingt in der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit mit, obwohl sie auch Themen wie Verlust, Heimat und Neuanfänge behandelt.

Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und besitzen viele kleine Eigenheiten, die sie unverwechselbar machen. Gerade diese Mischung aus Exzentrik und Herzlichkeit sorgt dafür, dass man die Bewohner der Insel schnell ins Herz schließt. Auch Mr. Saito selbst ist eine faszinierende Figur, auch wenn sein Auftritt später erfolgt, als der Titel zunächst vermuten lässt. Das hat mich zwar etwas überrascht, letztlich fügt er sich aber wunderbar in die Geschichte ein.

Der einzige Punkt, der meinen Lesegenuss etwas gebremst hat, war das Erzähltempo. Der Roman nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und zahlreiche kleine Episoden. Das passt zwar gut zur märchenhaften Stimmung, an einigen Stellen hätte ich mir aber etwas mehr Straffung gewünscht. Gerade im Mittelteil hatte ich gelegentlich das Gefühl, dass die Handlung etwas auf der Stelle tritt.

Dennoch überwiegen für mich ganz klar die Stärken des Buches. Mr. Saitos reisendes Kino ist ein warmherziger, poetischer Roman, der weniger von großen Wendungen als von seinen Figuren und seiner besonderen Atmosphäre lebt. Wer Geschichten voller liebenswerter Charaktere, leiser Melancholie und einer Prise Magie mag, wird hier viele schöne Lesestunden verbringen.

Veröffentlicht am 27.07.2026

Sympathisch und authentisch

Before I met Supergirl
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Mit Before I met Supergirl erzählt Rea Garvey weit mehr als die Geschichte seiner musikalischen Anfänge. Es ist eine sehr persönliche Reise durch seine Kindheit und Jugend in Irland, geprägt von einer ...

Mit Before I met Supergirl erzählt Rea Garvey weit mehr als die Geschichte seiner musikalischen Anfänge. Es ist eine sehr persönliche Reise durch seine Kindheit und Jugend in Irland, geprägt von einer großen Familie, tief verwurzelten Traditionen und dem Traum, eines Tages von der Musik leben zu können. Dabei entsteht keine klassische Künstlerbiografie, sondern eine Sammlung von Erinnerungen, die mal humorvoll, mal nachdenklich und immer authentisch wirken.

Besonders gelungen fand ich, wie lebendig Rea Garvey seine Heimat beschreibt. Die irische Kultur, der Einfluss des katholischen Glaubens und die politischen Spannungen jener Zeit sind spürbar, ohne dass das Buch jemals belehrend wirkt. Vielmehr vermitteln die Geschichten das Gefühl, selbst ein Stück dieses Lebensweges mitzugehen. Gerade diese Mischung aus persönlichen Erlebnissen und dem Blick auf das Land, das ihn geprägt hat, macht den besonderen Reiz des Buches aus.

Auch als Erzähler wirkt Rea Garvey angenehm ehrlich. Er schildert nicht nur die schönen Momente, sondern spricht ebenso offen über Rückschläge, Unsicherheiten und die Umwege, die ihn letztlich zur Musik geführt haben. Dadurch entsteht ein sehr nahbares Bild, das den Menschen hinter dem bekannten Musiker in den Mittelpunkt rückt.

Dabei geht es nicht ausschließlich um den Weg zum Erfolg. Vielmehr stehen Themen wie Familie, Freundschaft, Glaube und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben im Vordergrund. Gerade diese persönlichen Einblicke verleihen dem Buch eine emotionale Tiefe, die noch lange nach dem Lesen nachwirkt.

An einigen Stellen hätte das Erzähltempo für meinen Geschmack etwas straffer sein dürfen. Manche Episoden nehmen mehr Raum ein als andere und wirken stellenweise etwas ausführlich. Gleichzeitig passt diese ruhige, episodenhafte Erzählweise gut zum Charakter des Buches, das weniger eine chronologische Erfolgsgeschichte als vielmehr eine Reise durch prägende Erinnerungen sein möchte.

Before I met Supergirl ist eine warmherzige und authentische Autobiografie, die auch Leserinnen und Leser anspricht, die Rea Garvey bisher hauptsächlich aus dem Radio oder Fernsehen kennen. Wer sich für die Geschichte hinter dem Künstler interessiert und persönliche Erinnerungen voller Herz, Humor und irischem Charme schätzt, findet hier eine ebenso unterhaltsame wie berührende Lektüre.

Veröffentlicht am 27.07.2026

Ein neuer Fall für Susan Ryeland

Tod zur Teestunde
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Anthony Horowitz beweist mit Tod zur Teestunde einmal mehr, warum er zu den besten Vertretern des klassischen Kriminalromans gehört. Auch der dritte Band um Susan Ryeland verbindet auf raffinierte Weise ...

Anthony Horowitz beweist mit Tod zur Teestunde einmal mehr, warum er zu den besten Vertretern des klassischen Kriminalromans gehört. Auch der dritte Band um Susan Ryeland verbindet auf raffinierte Weise Fiktion und Realität und spielt dabei gekonnt mit den Erwartungen seiner Leser. Wer die beiden Vorgänger mochte, wird sich auch hier schnell wieder zu Hause fühlen.

Susan Ryeland arbeitet inzwischen für einen kleinen Verlag und soll das Manuskript eines neuen Atticus-Pünd-Romans lektorieren. Schon bald wird jedoch deutlich, dass dessen Autor Eliot Crace mehr erzählt als nur einen fiktiven Kriminalfall. Je tiefer Susan in das Manuskript eintaucht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen der Geschichte auf dem Papier und den Ereignissen in der Wirklichkeit. Genau dieses Spiel mit den verschiedenen Erzählebenen gehört für mich wieder zu den größten Stärken des Romans.

Wie schon in den vorherigen Bänden gelingt es Horowitz, den Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken. Die zahlreichen Hinweise sind geschickt platziert und erst nach und nach setzt sich das Gesamtbild zusammen. Besonders das "Buch im Buch"-Konzept funktioniert erneut hervorragend und sorgt dafür, dass man ständig versucht, Parallelen zwischen dem Manuskript und den tatsächlichen Ereignissen zu entdecken.

Der Einstieg fiel mir allerdings etwas schwer. Durch die vielen Figuren, Familienverhältnisse und Gespräche braucht die Geschichte eine Weile, bis sie richtig Fahrt aufnimmt. Gerade zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass sich der Roman etwas Zeit lässt, bevor die eigentliche Spannung einsetzt. Sobald sich die Handlung jedoch entfaltet, entwickelt sich daraus wieder ein clever konstruierter Whodunit, der bis zum Schluss mit Überraschungen aufwartet.

Besonders gefällt mir an der Reihe, dass Susan keine klassische Ermittlerin ist. Als Lektorin gerät sie eher zufällig in die Mordfälle hinein, was den Geschichten einen ganz eigenen Reiz verleiht. Gleichzeitig bekommt man interessante Einblicke in die Welt des Verlagswesens und den Entstehungsprozess von Büchern, was sich angenehm von vielen anderen Krimis abhebt.

Tod zur Teestunde reicht für mich durchaus an die Qualität der beiden Vorgänger heran. Zwar braucht die Handlung etwas Anlauf, doch wer klassische Krimis mit viel Köpfchen, raffiniert konstruierten Rätseln und einem ungewöhnlichen Erzählkonzept schätzt, wird auch diesen Band genießen. Ein intelligenter, atmosphärischer Kriminalroman, der einmal mehr zeigt, wie geschickt Anthony Horowitz mit seinem Genre spielt.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Zwischen Melancholie und Hoffnung

Die Tage im Café Torunka
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Schon auf den ersten Seiten von Die Tage im Café Torunka entsteht dieses besondere Gefühl, das man kaum beschreiben, aber sofort wiedererkennen kann, dieselbe stille Magie, die schon Yagisawas Buchhandlung ...

Schon auf den ersten Seiten von Die Tage im Café Torunka entsteht dieses besondere Gefühl, das man kaum beschreiben, aber sofort wiedererkennen kann, dieselbe stille Magie, die schon Yagisawas Buchhandlung Morisaki so unverwechselbar gemacht hat. Kaum betritt man dieses kleine Café in einer Seitenstraße von Tokio, scheint die Welt ein wenig langsamer zu werden. Der Duft von Kaffee, das leise Klirren von Tassen, gedämpfte Gespräche ...Yagisawa erschafft einen Ort, der zugleich real und märchenhaft wirkt.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die das Café Torunka bevölkern: der Besitzer, seine Tochter, der zurückhaltende Shuichi und schließlich Chinatsu, die geheimnisvolle Besucherin, die jeden Sonntag eine kleine Balletttänzerin aus Papier hinterlässt. Ihre Begegnungen entfalten sich leise und unaufgeregt, doch in diesen stillen Momenten liegt eine tiefe emotionale Spannung. Yagisawa schreibt über Erinnerungen, Verlust und neue Anfänge, ohne Pathos, aber mit feiner Beobachtungsgabe und großem Mitgefühl.

Was den Roman so besonders macht, ist sein Tempo. Er erzählt keine spektakuläre Geschichte, sondern eine, die sich im Nachklang entfaltet. Die Sprache ist schlicht, aber poetisch; jeder Satz trägt etwas Warmes, beinahe Tröstliches in sich. Yagisawa versteht es, den Zauber des Alltäglichen sichtbar zu machen: in einer Geste, einem Gespräch, im leisen Rascheln einer Serviette.

Die Tage im Café Torunka ist ein Roman über Begegnungen, die heilen, über Trauer, die still mitgetragen wird, und über den Mut, sich wieder zu öffnen. Ein leiser, wunderschöner Roman über das, was uns verbindet, mit anderen und mit uns selbst. Wer Geschichten liebt, die Wärme, Nachdenklichkeit und leise Melancholie vereinen, wird sich im Café Torunka zu Hause fühlen

Veröffentlicht am 12.10.2025

Analytisch, leise, eindringlich

Deep Cuts
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Deep Cuts von Holly Brickley ist ein Roman über Musik, Leidenschaft und die Suche nach Verbindung: zwischen Menschen, aber auch zwischen Klang und Gefühl. Die Geschichte spielt Anfang der 2000er-Jahre ...

Deep Cuts von Holly Brickley ist ein Roman über Musik, Leidenschaft und die Suche nach Verbindung: zwischen Menschen, aber auch zwischen Klang und Gefühl. Die Geschichte spielt Anfang der 2000er-Jahre in Berkeley und begleitet Percy Marks, eine Studentin, die Musik nicht nur hört, sondern seziert, analysiert und lebt. Als sie Joe trifft, einen jungen Musiker mit eigenen Ambitionen, entwickelt sich zwischen den beiden eine intensive, kreative und zugleich fragile Beziehung.

Was an Deep Cuts sofort auffällt, ist die starke Atmosphäre. Brickley fängt die frühen 2000er mit ihren kulturellen Referenzen, Barszenen und der Mischung aus Unbeschwertheit und Orientierungslosigkeit sehr authentisch ein. Auch die Art, wie sie über Musik schreibt, analytisch, leidenschaftlich, manchmal fast akademisch, ist ungewöhnlich und verleiht dem Roman einen eigenen Ton. Besonders Leser, die sich für Songwriting oder Musikgeschichte interessieren, werden hier viele kluge Beobachtungen entdecken.

Allerdings ist genau dieser Fokus auch die größte Herausforderung. Wer sich weniger für musikalische Details begeistert, könnte sich von den langen Passagen über Harmonien, Akkordstrukturen und Songtexte etwas distanziert fühlen. Auch bleibt die Handlung eher leise. Es geht weniger um äußere Ereignisse als um Stimmungen, Wahrnehmungen und innere Konflikte. Das funktioniert, wirkt aber stellenweise etwas zäh.

Percy als Hauptfigur ist faszinierend, aber nicht immer leicht zugänglich. Ihre Leidenschaft ist spürbar, ihre Unsicherheiten sind glaubwürdig, doch sie bleibt oft gedanklich in sich selbst verfangen. Joe wirkt im Vergleich dazu etwas blasser, was die Dynamik der Beziehung manchmal unausgewogen macht. Trotzdem gelingen Brickley einige emotionale Momente, vor allem wenn Musik und Beziehung ineinander übergehen und man spürt, wie Kunst und Liebe sich gegenseitig nähren, aber auch verletzen können.

Sprachlich bewegt sich Deep Cuts zwischen präziser Beobachtung und poetischer Leichtigkeit. Brickley schreibt klar, ohne unnötige Effekte, aber mit Sinn für Rhythmus. Man merkt, dass auch ihre Sprache von Musik beeinflusst ist.

Deep Cuts ist kein lauter Roman, sondern einer, der von Zwischentönen lebt. Er ist atmosphärisch dicht, musikalisch durchdrungen und introspektiv ...manchmal zu sehr. Wer sich auf die ruhige, analytische Erzählweise einlässt, findet hier eine feinfühlige Geschichte über Kunst, Nähe und Selbstwahrnehmung. Wer hingegen mehr Handlung oder emotionale Direktheit sucht, könnte sich etwas verloren fühlen.