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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2025

Was bleibt, wenn alles zerfällt

Der brennende Garten
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Meine Meinung

Schon in den ersten Seiten zieht mich die Welt von Sashi in ihren Bann. In der Geschichte geht es um eine junge Frau im Studienalltag mit einem Traum, Ärztin zu werden, während um sie herum ...

Meine Meinung

Schon in den ersten Seiten zieht mich die Welt von Sashi in ihren Bann. In der Geschichte geht es um eine junge Frau im Studienalltag mit einem Traum, Ärztin zu werden, während um sie herum eine Gemeinschaft, eine Familie und ein Land in den Strudel von Gewalt und Verzweiflung geraten. Ich habe selten eine Geschichte erlebt, die das Alltägliche und das Extrem so dicht miteinander verwebt wie in diesem Roman...und mich zugleich noch so sehr mitreißt.

Die Figuren wirken nicht wie Platzhalter für politische Ideen, sondern Menschen mit Hoffnungen, Schuldgefühlen, Bindungen und Abgründen.Alles hier wirkt super authentisch. Sashi etwa bleibt verletzlich, mutig und immer auch zwiegespalten. Ihre Brüder, ihre Eltern, sie alle tragen das Gefühl mit, dass etwas schiefgelaufen ist  und / aber dass Aufgeben keine Option ist.

Die Erzählung spannt einen Bogen vom häuslichen Garten, vom Arzttraum, vom Studieren bis hinein in Feldhospital und eine Welt, in der Unterscheiden schwer wird: Freund oder Feind, Zuhause oder Flucht, Helfen oder Beteiligen.

Dieses Buch packt!

Die Sprache tut ihren Teil, denn sie ist genau, sie ist sparsam, sie lässt Bilder und Stimmungen in mir nachwirken.

Wer Lektüre will, die Ablenkung bietet und sich schnell „weglesen“ lässt, der ist hier falsch.
Der brennende Garten ist ein toller bedeutungsschwerer Roman, den ich allen empfehle, die sich auf eine Lektüre einlassen wollen, die zum Nachdenken anregt. Es ist kein Wohlfühlroman.


Über die Autorin

V. V. Ganeshananthan ist außerordentliche Professorin für Englisch an der University of Minnesota. Ihr Roman Der brennende Garten wurde von der Kritik gefeiert und 2024 mit dem Women's Prize for Fiction sowie dem Carol Shields Prize ausgezeichnet. Sie co-hostet den Fiction/Non/Fiction-Podcast auf Literary Hub, der sich mit dem Schnittpunkt von Literatur und Nachrichten beschäftigt.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Die Wurzeln des Wahnsinns – Familiengeschichte als Psychogramm

Botanik des Wahnsinns
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Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt ...

Meine Meinung

Leon Englers Roman konnte mich augrund der wilden Mischung aus persönlicher Familiengeschichte und psychologischer Reflexion wirklich packen. Ich habe die Erzählerperspektive sehr direkt erlebt. Es geht um einen jungen Psychologen, der auf eine Familie blickt, in der über Generationen psychische Erkrankungen und Abhängigkeiten präsent sind, und fragt sich deshalb immer wieder, ob er selbst irgendwann betroffen sein wird.

Für mich war es beeindruckend, wie Engler diese Ängste und Beobachtungen nicht nur erzählt, sondern zugleich analytisch reflektiert.

Was mich besonders angesprochen hat, ist der Ton des Buches. Engler bleibt sachlich, fast lakonisch, aber gleichzeitig sehr nah an den Menschen und ihren Eigenheiten.

Gleichzeitig habe ich gespürt, dass der Roman kein dramatisches Geschehen liefern will. Das schafft er wegen der nüchternen Erzählung auch ganz hervorragend. Die Episoden springen zwischen Generationen, zwischen Klinikalltag und Reflexionen, und manchmal musste ich mich darauf einlassen, dass nicht alles eine klare emotionale Klammer hat.

Für mich ist Botanik des Wahnsinns ist ein tolles anspruchsvolles gutes Debüt, das mich am Ende auch nachdenklich gestimmt hat.Das Ende ist rund und man erkennt alle Zusammenhänge.


Über den Autor

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. ›Botanik des Wahnsinns‹ ist sein Debütroman.


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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ein Roman über Erschöpfung, Anpassung und Sinnsuche

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout ...

Meine Meinung

Kikuko Tsumuras Roman "Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist schon allein wegen des Titels ein wirklicher "Catcher". Das Buch erzählt von einer Frau, die nach einem Burnout einfache Jobs sucht – Arbeiten ohne Verantwortung, ohne Druck, ohne Ehrgeiz. Doch schnell merkt sie, dass selbst die vermeintlich leichten Tätigkeiten schwer werden, wenn man sie tagtäglich ausführt.

Tsumura beschreibt diese Suche nach Ruhe mit einem kühlen, präzisen Blick. Ihre Sprache ist schlicht, oft trocken. In alltäglichen Szenen zeigt sich die tiefe Erschöpfung einer Gesellschaft, in der Arbeit Identität geworden ist.

Das Buch hat keinen dramatischen Verlauf, keine lauten Wendungen. Es lebt von der Wiederholung (wirkt aber nicht langweilig), vom leisen Stillstand, von kleinen Beobachtungen, den neuen Aufgaben und Herausforderungen.

"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist ein zurückhaltendes, unterhaltsames, kluges Buch über Müdigkeit, Anpassung und den Wunsch nach einem Leben, das weniger verlangt und dennoch nie wirklich einfach wird.


Über die Autorin

Kikuko Tsumura stammt aus Osaka in Japan. Sie gewann den PEN/ROBERT J. DAU SHORT STORY PRIZE und wurde mit diversen japanischen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem AKUTAGAWA PRIZE, dem NOMA LITERARY PRIZE, dem DAZAI OSAMU PRIZE und dem NEW ARTIST AWARD der japanischen Regierung.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Vom Fahrradkurier zum Magier

Das vergessene Museum
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Meine Meinung
Ich habe „Das vergessene Museum - Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek gelesen und vergebe dafür auf jeden Fall 5/5.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der ...

Meine Meinung
Ich habe „Das vergessene Museum - Der Siegelwahrer von London“ von Andreas Suchanek gelesen und vergebe dafür auf jeden Fall 5/5.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Einstieg gelingt ohne lange Einleitung und man ist sofort mitten in der Geschichte, als der Fahrradkurier Liam in ein Ereignis gerät, das sein Leben vollkommen verändert. Diese unmittelbare Erzählweise sorgt dafür, dass ich direkt in die Welt hineingezogen wurde und kaum aufhören konnte zu lesen.

Liam ist eine glaubwürdige Hauptfigur. Er ist kein Held im klassischen Sinn, sondern jemand, der einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Gerade das macht ihn für mich sympathisch. So sympathisch, dass man ihn auch gerne selbst treffen möchte. Zusammen mit Harry, der eine lockere und witzige Art hat, entsteht eine gute Dynamik, die die Geschichte trägt und auflockert. Ich mochte, dass die Dialoge natürlich wirken und dass es immer wieder kleine humorvolle Momente gibt, ohne dass die Spannung darunter leidet. Die Freundschaft wird auch ganz toll hervorgehoben in den verschiedensten Momenten.

Das Setting ist dem Autor ebenfalls toll gelungen. Die Idee eines geheimen Museums voller magischer Artefakte, versteckt mitten in London, hat mich sofort fasziniert. Die Beschreibungen sind für mich persönlich wirklich bildhaft, ohne überladen zu sein, und die Balance zwischen Action und Magie und "Weltrettung" passt für mich perfekt.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, mochte die Atmosphäre und den klaren, flüssigen Stil.

Fazit:

Für mich ein wirklich tolles, unterhaltsames Buch voller Rätsel, Magie und Humor! Von mich Anfang bis Ende alles mehr als stimmig. Tolles Cover, super Story, gutes (wenn auch offenes) Ende. Am Ende bleibt für mich ein starkes Gefühl von Neugier und Vorfreude auf die Fortsetzung.

Wer Geschichten mit Magie, Geheimnissen und sympathischen Figuren mag, wird hier sehr gut bedient.

Klappentext

Liam hat es nicht leicht. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen, hält er sich in London als Fahrradkurier über Wasser. Als er ein Paket zu einem Privatmuseum liefert, wird er dort Zeuge eines Überfalls. Er kann nichts mehr für den sterbenden Kurator tun, doch dieser überträgt ihm ein Symbol aus schwarzer Tinte auf seine Haut – und macht ihn somit zum neuen Siegelwahrer des Museums. Liam wird in die Welt eines international agierenden Museumsnetzwerks katapultiert, welches magische Artefakte sicher verwahrt – denn mit diesen lassen sich gefährliche Kräfte kanalisieren. Doch die Museen werden von einem gefährlichen Gegner bedroht und schnell wird klar: Liams eigene Vergangenheit ist eng mit den Geschehnissen verknüpft.



Über den Autor

Suchanek verfasste in seinen Jugendjahren seine ersten Geschichten und Romane. Nach dem Fachabitur, einer Ausbildung im IT-Bereich und dem Studium der Informatik fing er zunächst nebenberuflich an, seine Geschichten und Romane zu veröffentlichen. Seine ersten professionellen Erfahrungen als Autor machte er als Co-Autor für Heftroman-Serien wie Sternenfaust (Bastei-Verlag), Maddrax (Bastei-Verlag), Professor Zamorra (Bastei-Verlag) oder Perry Rhodan (Pabel-Moewig).

Zusätzlich zu diversen Kurzgeschichten, die in Fantasy-, Steampunk- und Mystery-Anthologien erschienen, schreibt er seit 2012 seine eigenen Serien und veröffentlicht diese in seinem Verlag Greenlight Press. Dazu gehören monatlich erscheinende, zyklisch aufgebaute Reihen wie Das Erbe der Macht, Heliosphere 2265 und der Jugendkrimi Ein MORDs-Team. Sie erscheinen als E-Books, Hörbücher und in gedruckter Form.

Er betreibt seine eigene App, zahlreiche Social-Media-Konten und einen eigenen Blog. Nebenbei organisiert Suchanek die mehrtägige Schreib-WG, wo er zusammen mit anderen deutschen Schriftstellern wohnt und arbeitet. Aus der Wohngemeinschaft heraus übertragen die Bewohner ihre Aktivitäten in das Internet und veranstalten Meet & Greets.

Suchanek wohnt und arbeitet in Karlsruhe. (Quelle: Wikipedia)

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Freiheit und Suche nach Zugehörigkeit - poetischer Roman

Schwanentage
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Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die ...

Meine Meinung

"Schwanentage" von der Autorin Zhang Yueran hat mich aufgrund Klappentext und Cover neugierig gemacht. Meiner Meinung nach es ein nachdenklicher, fast poetischer Roman, der sich um die Suche einer jungen Frau nach ihrer Identität dreht.

In der Geschichte begleiten wir die Protagonistin von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter und stellt dabei Fragen zu Familie, Kultur und Selbstverständnis. Die Schwäne im Titel stehen dabei als Symbol für Freiheit und das ständige Suchen nach Zugehörigkeit.

Was den Roman besonders macht, ist die komplexe, nicht immer einfache Beziehung zwischen der Erzählerin und ihrer Mutter. Es ist keine idealisierte Mutter-Tochter-Geschichte, sondern ein Band, das sowohl Liebe als auch Enttäuschung beinhaltet. Ich finde es wirkt sehr authentisch. Diese ambivalente Darstellung bringt dazu auch noch Tiefe in die Erzählung und macht die Charaktere realer und greifbarer.


Der Schreibstil ist ruhig und nachdenklich, mit einer fast melancholischen/poetischen Schönheit. Es gibt viel Raum für Reflexion, und die Erzählung lässt den Leser über die eigene Suche nach Zugehörigkeit und Identität nachdenken. Tolles Buch


Klappentext

Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos – und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen …


Über die Autorin

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman.

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