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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2021

Der Hype ist leider nicht gerechtfertigt...

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019
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"... ich weiß, dass es auf dem Arbeitsmarkt hart für mich wird, aber weißt du was, Yazz? ich bin kein Opfer, behandle mich niemals wie ein Opfer, meine Mutter hat mich nicht zum Opfer erzogen." (S. ...

"... ich weiß, dass es auf dem Arbeitsmarkt hart für mich wird, aber weißt du was, Yazz? ich bin kein Opfer, behandle mich niemals wie ein Opfer, meine Mutter hat mich nicht zum Opfer erzogen." (S. 76)


Bernardine Evaristo wollte mit "Mädchen, Frau etc." ein Buch schaffen, das anders ist. Anders als alles bisher dagewesene. In gewisser Weise hat sie das auch geschafft. Beginnend bei einer Vielzahl schwarzer Frauen unterschiedlicher sexueller Orientierungen & Altersklassen über Transpersonen bis zu einem Schreibstil, den sie Fusion Fiction nennt.

Evaristo schreibt versartig, ohne Satzzeichen außer einem Punkt am Ende jeden Kapitels. Anfangs tat ich mich schwer, aber irgendwann fällt es nicht mehr auf. Viele Sätze entwickeln dadurch eine gewisse Doppeldeutigkeit - das ist wohl gewollt, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Allerdings frage ich mich immer noch, ob es dazu diesen fetzenartigen Erzählstil tatsächlich benötigt hätte. Bei einem normalen Sprachstil hätte man auf den vielen Seiten zumindest mehr Inhalt unterbringen können.

Womit wir beim nächsten "Problem" wären. Evaristo versucht in dem Buch unglaublich viele unterschiedliche Themen anzusprechen, von der Diskriminierung schwarzer Frauen/Personen im Allgemeinen über Gewalt & Unterdrückung in der Ehe bis zu Homo-/Transphobie und Bildungsperspektiven. Das ist zu viel für ca. 500 Seiten. Dadurch kommen die Geschichten der zwölf (vorgestellten, es gibt noch viele weitere handelnde) Frauen zu kurz. Jeder Frau sind ca. 40 Seiten gewidmet, auf denen im Schnelldurchlauf das gesamte Leben (und manchmal noch das der besten Freundin oder des Partners) abgehandelt wird. Leider wirken die meisten Geschichten stark überzeichnet und teilweise sehr klischeehaft. Schade. Die Idee gefiel mir sehr gut, aber ich denke, es wäre besser gewesen, nur sechs oder gar drei Frauen zu Wort kommen zu lassen…

Alle Frauen sind in irgendeiner Art und Weise miteinander verbunden, sei es durch Freundschaft, Familie, ein Arbeitsverhältnis oder Schule & Uni. Das gefiel mir sehr gut, manche Situationen konnte man so aus dem Blickwinkel verschiedener Personen betrachten.

Weniger gelungen fand ich allerdings das Theaterstück vom Amma als „roter Faden“, der sich durch das gesamte Buch zieht. Ehrlich gesagt hatten die Kapitel quasi keinen Mehrwert. Insbesondere vom Ende war ich daher sehr enttäuscht. Die vielen Seiten hätte man problemlos weglassen und für die Frauen verwenden können.

Alles in Allem kann ich leider nur sagen, dass ich von der Idee – also mehrere Frauen, deren Leben zusammenhängen, zu porträtieren – immer noch begeistert bin, aber die Umsetzung mich leider etwas enttäuscht hat. Vielfach blieben Fragen offen, manches wird nur angedeutet, anderes bekommt zu viel Raum. Den Hype halte ich leider für übertrieben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2018

Wie Pferde heilen können....

NALA - Der magische Steinkreis
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In „NALA – Der magische Steinkreis“ erzählt die Autorin Gabriela Proksch Bernabé die Geschichte der dreizehnjährigen Nala. Das schüchterne Mädchen verbringt ihre Sommerferien mit einigen anderen Jugendlichen ...

In „NALA – Der magische Steinkreis“ erzählt die Autorin Gabriela Proksch Bernabé die Geschichte der dreizehnjährigen Nala. Das schüchterne Mädchen verbringt ihre Sommerferien mit einigen anderen Jugendlichen auf dem Arabergestüt „Au Grand Chêne“ in Südfrankreich. Doch auch dort wird Nala schnell zur Außenseiterin und findet nur schwer Anschluss an die anderen.

Aber nicht nur Nala ist eine Außenseiterin – auch die weiße Araberstute Lilou, die erst vor kurzem auf den Hof gekommen ist, wird von den anderen Pferden gemieden. Schnell zeigt sich, dass die beiden ein unsichtbares Band zu verbinden scheint.

Nach einem Unfall sucht Nala Zuflucht im nahen Wald und entdeckt dort einen magischen Steinkreis, der sie eine Traumwelt zu der Schamanin Blaue Feder bringt. Von ihr lernt Nala alles über die Sprache der Pferde…..

Ich habe viele verschiedene Kinderbücher (sowohl Sachbücher, als auch Romane) zum Thema „Pferd“ gelesen. Aber keines davon ist annährend vergleichbar mit „NALA“.

„NALA“ dagegen zeigt dem Leser, dass das, was die Pferde für uns tun, eben nicht so selbstverständlich für sie ist, wie wir vielleicht denken. Daher ist „NALA“ keinesfalls nur ein Roman – gleichzeitig ist es auch eine Art Sachbuch mit genauen (aber auch kindgerechten) Beschreibungen für Übungen aus dem Horsemanship. Einige Kleinigkeiten rund um die Themen Dominanz und Herdenverhalten sehe ich (da ich aus der Clicker-Szene komme) etwas anders, das tut aber der Tatsache, dass es sich hierbei um ein außergewöhnliches und absolut empfehlenswertes Buch handelt, keinen Abbruch.

Das gesamte Buch (inkl. der Übungen!) ist illustriert mit wunderschönen und liebevollen Zeichnungen von Claudia Martina Rauber.

Besonders gut hat mir der Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung gefallen. Denn Nala wächst im Laufe des Buches über sich selbst hinaus. Von dem anfangs schüchternen und verschlossenen Mädchen ist bald nichts mehr zu spüren. Einen bedeutenden Anteil an Nalas „Heilung“ hat dabei die Stute Lilou.

Zusammengefasst möchte ich „NALA – Der magische Steinkreis“ jedem Pferdemenschen, ganz egal ob jung oder alt, ans Herz legen. Die Altersempfehlung liegt bei 11 bis 99 Jahren und ich denke sogar, dass auch jüngere Kinder das Buch vielleicht schon gemeinsam mit ihren Eltern lesen können.

Genauso ist das Buch aber auch für Nichtreiter geeignet, denn das Buch regt dazu an, sich selbst und die Menschen in der eigenen Umgebung noch einmal aus einem ganz anderen Licht zu betrachten. Falls Verständnisprobleme auftreten sollten, sind diverse Pferdebegriffe am Ende des Buches aufgeführt und erklärt.

Veröffentlicht am 17.06.2018

Wer ist schuld?

Schuld
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>>"Doch...wenn du nicht das sagst oder tust, was du für richtig hältst, bekommst du auch Probleme: nämlich mit dir selbst. Mit deinem Spiegelbild, verstehst du?"

>>"Doch...wenn du nicht das sagst oder tust, was du für richtig hältst, bekommst du auch Probleme: nämlich mit dir selbst. Mit deinem Spiegelbild, verstehst du?"<< (S. 43)

"Schuld" ist das dritte DDR-Jugendbuch der Autorin Grit Poppe.
Vor rund 2 Jahren hatte ich das Glück die Autorin bei einer Lesung von "Weggesperrt" inkl. Zeitzeugengespräch erleben zu dürfen. Eine Erfahrung, die ich nie mehr missen möchte. Denn das Leben in der DDR ist etwas, was ich, erst einige Jahre nach der Wende geboren, mir kaum vorstellen kann.

Umso mehr freue ich mich, dass es Bücher gibt, die die Umstände dieser Zeit zeigen. Aber bitte nicht nur die guten, sondern vor allem auch die schlechten Seiten.
"Schuld" ist genau so ein Buch. Ohne Scheu erzählt Grit Poppe die Geschichte des jungen Liebespaares Jana & Jakob. Sie ist die Tochter systemtreuer Eltern, die niemals den Sozialismus anzweifeln würden, er der Sohn zweier Ausreiseantragsteller oder auch Staatsfeinde. Ihre Liebe ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Doch auch als Jakob in das Jugengefängnis muss, gibt Jana nicht auf und versucht Jakob zu helfen, obwohl sie weiß, dass jeder ihrer Schritte überwacht wird...

Die Geschichte wird abwechselnd aus Janas und aus Jakobs Sicht erzählt. Dabei hat mich insbesondere Jakobs tief berührt und geschockt, denn das Leben im Jugendknast ist natürlich alles andere, als schön...
Janas Erzählungen werden begleitet von der großen Frage: "Wer ist eigentlich schuld?". Sie? Ihre Eltern? Jakob? Das System?
Janas Entwicklung ist auf jeder Seite spürbar. Vom jungen und naiven Mädchen, entwickelt sich sich langsam zu einer kritischen und selbstdenkenden jungen Erwachsenen.

Zusammengefasst kann ich "Schuld" jedem Menschen weiterempfehlen, der Interesse an dem Leben in der DDR hat. Die schonungslose Geschichte von Jana und Jakob hat mich tief berührt und zum Nachdenken angeregt.
Ich werde in Zukunft definitiv auch noch die anderen DDR-Bücher der Autorin lesen....

Veröffentlicht am 17.06.2018

Ein Buch, dass dem Hype leider absolut nicht gerecht wird :( Schade!

Children of Blood and Bone
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"Children of Blood and Bone - Golderner Zorn" von Tomi Adeyemi gilt als DAS Buchhighlight 2018 - im englischsprachigen Raum zumindest. In Deutschland wurde der Erscheinungstermin extra um einige Monate ...

"Children of Blood and Bone - Golderner Zorn" von Tomi Adeyemi gilt als DAS Buchhighlight 2018 - im englischsprachigen Raum zumindest. In Deutschland wurde der Erscheinungstermin extra um einige Monate vorgezogen und in Amerika plant man bereits eine Verfilmung.

Schon vor dem offiziellen Erscheinungsdatum erhält das Buch im deutschsprachigen Raum aber eher viel Kritik. Leider auch von mir. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, vielleicht am Buch selbst.
Auf jeden Fall nicht liegt es an der Grundidee. Denn diese ist durchaus interessant.
In Verbindung mit dem Cover und dem Schlusswort der Autorin lässt sich ein Setting mit einem stark afrikanischen Touch erkennen. Rassentrennung und die Unterdrückung von Minderheiten werden thematisiert. Alles unter dem Mantel der Magie und Phantastik.

Die Umsetzung ist meiner Meinung nach aber etwas unglücklich. Die vier Hauptcharaktere Zélie, ihr Bruder Tzain, die Prinzessin Amari und ihr Bruder Inan (aus deren Sicht die Geschichte abwechselnd erzählt wird) verhalten sich alle eher stereotyp. Zélie ist DIE Heldin des Romans, jedoch lösen sich ihre Probleme häufig viel zu einfach und sie ist oftmals unpassend naiv. Tzain übernimmt die klassische „großer-Bruder“-Rolle und versucht Zélie vor alles und jedem zu beschützen. Beide entwickeln sich im Laufe des Buches nicht wirklich weiter und verlieren eher an Authentizität. Mehr Potenzial zeigen die beiden Königskinder, insbesondere Amari entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit, während Inan Probleme hat, sich für eine Seite zu entscheiden.

Die Handlung in „Children of Blood and Bone“ wirkt häufig überstürzt, denn es reiht sich ein Desaster an das nächste. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, dass sich die Autorin etwas Zeit lässt und die Hintergründe und vor allem die vielen außergewöhnlichen Begriffe genauer erklärt. Denn zum Schluss lässt sie den Leser mit vielen offenen Fragen zurück.
Diese Fragen werden vermutlich im 2019 erscheinenden zweiten Teil der Trilogie geklärt.

Ich persönlich werde den zweiten Band aber wohl nicht mehr lesen. Denn leider konnte mich „Children of Blood and Bone – Goldener Zorn“ nicht überzeugen. Ich kann daher auch keine Leseempfehlung für das Buch aussprechen.

Veröffentlicht am 03.06.2018

Über die Liebe zum arabischen Pferd....

Malena
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In Helmut Dillmanns Buch „Malena – Hommage an eine arabische Stute“ begleitet der Leser Malena („Die Geliebte“) durch eine Vielzahl an Geschichten. Wie ein ewiger Geist führt Malena ihn durch die Zeit, ...

In Helmut Dillmanns Buch „Malena – Hommage an eine arabische Stute“ begleitet der Leser Malena („Die Geliebte“) durch eine Vielzahl an Geschichten. Wie ein ewiger Geist führt Malena ihn durch die Zeit, einmal befinden sie sich im von England besetzten Palästina und dann wieder im Deutschland von heute.

Bei dem Buch handelt es sich um eine Art Kurzgeschichtensammlung, die allerdings durch einfühlsame Gedichte, persönliche Briefe, wunderschöne Bilder der Fotografin Julia Moll und eindrucksvolle Zeichnungen von Elke Schimanietz ergänzt wird. Abgerundet wird das Ganze durch eine Abbildung von Malenas Pedigree und dem ihrer Verwandten, denn im Gegensatz zu den meisten Geschichten sind Malena und einige der anderen handelnden Pferde keine Fiktion, sondern wirklich im Besitz des Autors.

Fast magisch schildert der Autor die Geschichten und immer schwingt die tiefe Liebe zum Araber mit. Wie wichtig diese Pferde für Helmut Dillmann sind und auch dass er ein wahrer Pferdemensch ist spürt der Leser auf jeder Seite. Trotz einiger Details, die vielleicht nur für Pferdemenschen wirklich klar sind, ist das Buch ganz sicher auch für jeden Nichtreiter, der die Liebe zu diesen wunderschönen Pferden teilt, geeignet.

Die erzählten Geschichten lassen sich völlig unabhängig voneinander lesen, die einzige Verbindung zwischen all diesen Erzählungen ist Malena (tlw. auch ein anderer Araber). Die Länge der Geschichten variiert zwischen wenigen Zeilen und mehreren Seiten. Auch wenn es eigentlich ein typisches Merkmal von Kurzgeschichten ist, hätte ich mir in manchen Geschichten doch ein abgeschlossenes, statt einem offenen Ende gewünscht. Denn bei mir blieben an einigen Stellen doch Fragen ungeklärt.

Alles in allem ist „Malena – Hommage an eine arabische Stute“ ein wirklich außergewöhnliches Pferdebuch fernab jeglicher Ponyhof- oder Wild-West-Szenen, sondern einzig und allein gezeichnet von der Liebe zum arabisches Pferd. Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung für jeden, der sich auf eine magische Reise zu Pferd begeben möchte.