Profilbild von Buch4ever

Buch4ever

Lesejury Star
offline

Buch4ever ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buch4ever über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2026

Beklemmend realistisch – Effizientes Böses trifft auf träge Ermittler

Die Farm der Mädchen
0

Worum geht es?
Ein absolut verstörendes Szenario: In einer abgelegenen Gegend werden junge Frauen gefangen gehalten, um systematisch Babys für einen illegalen, hochexklusiven Markt zu „produzieren“. Es ...

Worum geht es?
Ein absolut verstörendes Szenario: In einer abgelegenen Gegend werden junge Frauen gefangen gehalten, um systematisch Babys für einen illegalen, hochexklusiven Markt zu „produzieren“. Es ist ein Geflecht aus Menschenhandel, korrupten Ärzten und skrupellosen Geschäftsmännern, in dem Menschenleben zur reinen Ware werden.

Meine Meinung
Hans Rosenfeldt mutet seinen Lesern hier einiges zu. Das Thema ist abstoßend, aber der Klappentext ist ehrlich – wer das Buch aufschlägt, weiß, worauf er sich einlässt. Besonders beeindruckt hat mich, wie realistisch dieses Grauen dargestellt wird. Die Täter werden nicht als Klischee-Monster, sondern als effiziente Geschäftsleute skizziert, was die Geschichte umso beklemmender macht.
Der Schreibstil ist dabei präzise, eher kühl und fast schon sachlich. Das erzeugt einen enormen Sog, lässt einen aber auch eine gewisse innere Distanz wahren, was bei diesem harten Thema wichtig ist. Zumindest für mich.
Gehadert habe ich vor allem mit den Charakteren. Hier herrscht ein starkes Ungleichgewicht. Während das Böse erschreckend realistisch, effizient und gut dargestellt ist, bleiben die Ermittler im direkten Vergleich dazu sehr blass. In einer so brisanten Situation hätte ich mir deutlich mehr Biss und Tempo gewünscht. Sie wirkten oft zu langsam.
Das Cover ist sehr einfach gehalten und doch passend zur Story gestaltet.

Fazit
Ein handwerklich starker und atmosphärisch dichter Thriller über die Abgründe unserer Gesellschaft. Wer über die etwas trägen Ermittler hinwegsehen kann und einen realistischen, harten Stoff sucht, wird hier fündig. Ein sehr gutes Buch, dem für die Höchstwertung aber der letzte Funke bei den Protagonisten fehlte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Psychospiel vom Feinsten – Emotionales Hin und Her bis zum Schluß

Don't Let Her Stay
0

Worum geht es?
Joanne genießt ihr Glück mit Ehemann Richard und dem gemeinsamen Baby, bis Richards erwachsene Tochter Chloe einzieht. Was folgt, ist ein perfides Psychospiel: Während Chloe nach außen ...

Worum geht es?
Joanne genießt ihr Glück mit Ehemann Richard und dem gemeinsamen Baby, bis Richards erwachsene Tochter Chloe einzieht. Was folgt, ist ein perfides Psychospiel: Während Chloe nach außen hin das brave Mädchen spielt, zeigt sie Joanne gegenüber ihr wahres, bösartiges Gesicht. Joanne verzweifelt zunehmend, da Richard absolut blind für die Manipulationen seiner Tochter zu sein scheint ...

Meine Meinung
Dieses Buch hat mich wirklich Nerven gekostet! Ich bin fast minütlich gewechselt, auf welcher Seite ich stehe. Der Hauptcharakter Richard ist anfangs so aufgebaut, dass man ihn am liebsten schütteln möchte, bis man langsam begreift, was wirklich hinter dieser Fassade steckt. Das Gaslighting ist hier extrem gut, fast bis zum "ich will nicht mehr weiterlesen" umgesetzt. Denn ich fühlte mich beim Lesen genauso unverstanden wie die Hauptprotagonistin Joanne.
Das Finale war für meinen Geschmack ziemlich überzogen, trotzdem hat mich der moralische Konflikt am Ende sehr gepackt.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sehr zugänglich, die Kapitel sind kurz und es wird aus der Perspektive von Joanne erzählt.
Das Cover ist zwar einfach gestaltet, aber dennoch gut gelungen und passt zur Story.

Fazit
Ein packender Psychothriller, der einen emotional ständig hin- und herreißt. Und einen konstanten Sog entwickelt. Man mag das Buch kaum aus der Hand legen. Auch wenn das Ende etwas "drüber" war, wird für einen runden Abschluss gesorgt. Ein starkes Stück Domestic Noir, das mich durchaus gefesselt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Solider Thriller mit etwas Luft nach oben

Voices. Ich kann euch hören
0

Worum geht es?
Die Psychiaterin Tamsin Shaw liegt nach einem Unfall im Wachkoma. Zumindest glaubt das ihre Umwelt – in Wahrheit bekommt sie alles mit, kann sich aber nicht bewegen oder äußern. Während ...

Worum geht es?
Die Psychiaterin Tamsin Shaw liegt nach einem Unfall im Wachkoma. Zumindest glaubt das ihre Umwelt – in Wahrheit bekommt sie alles mit, kann sich aber nicht bewegen oder äußern. Während sie hilflos im Krankenhausbett liegt, belauscht sie ihre Besucher und stellt fest, dass ihr Unfall wohl Absicht war ...

Meine Meinung
Die Grundidee des „Locked-in“-Szenarios ist packend und erzeugt eine beklemmende Atmosphäre. Und der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm, aber trotzdem ist der Funke bei mir nicht komplett übergesprungen.
Die Kapitel wechseln jeweils aus der Sicht zwischen Tamsin und ihrem Ehemann Jamie, sowie zwischen Gegenwart und Vergangenheit.
Allerdings hatte ich so meine Probleme mit den Charakteren. Die Protagonisten waren mir leider nicht wirklich sympathisch, was es schwer machte, emotional richtig mitzufiebern.
Zudem war die Handlung für mich teilweise etwas vorhersehbar. Die wirklich große Spannung kam leider erst im letzten Drittel auf, als die Ereignisse sich überschlugen.
Das Cover wiederum hat mir großartig gefallen, es passt definitiv zur Story.

Fazit
Eine gute Story mit außergewöhnlichen Gegebenheiten, der im Mittelteil etwas die Puste ausgeht, aber mit einem starken letzten Drittel überzeugen kann. Wer über unsympathische Charaktere und teilweiser Vorhersehbarkeit hinwegsehen kann, wird hier gut unterhalten. Für mich bleibt es ein solider Thriller auf mittlerem Spannungsniveau.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2026

Subtitle Paranoia und meisterhafte Manipulation

Das Signal
0

Worum geht es?
Der Traum vom Neuanfang wird für Viola Decker zum absoluten Albtraum. Denn sie erwacht im Krankenhaus mit einer schockierenden Nachricht.
Wieder zurück im Haus kann sie sich nur im Erdgeschoss ...

Worum geht es?
Der Traum vom Neuanfang wird für Viola Decker zum absoluten Albtraum. Denn sie erwacht im Krankenhaus mit einer schockierenden Nachricht.
Wieder zurück im Haus kann sie sich nur im Erdgeschoss bewegen. Ihr Mann Adam pflegt sie zwar liebevoll, aber treibt den versprochenen Hausumbau kaum voran.
Viola fühlt sich zunehmend isoliert. Vorübergehend angewiesen auf Krücken oder Rollstuhl, verschwinden ausgerechnet immer wieder diese Hilfsmittel, woraufhin sie zu GPS-Trackern greift. Was als Versuch beginnt, die Kontrolle über ihren Alltag zurückzugewinnen, wandelt sich schnell in gefährliches Misstrauen und ein beklemmendes Katz-und-Maus-Spiel im eigenen Zuhause beginnt.

Meine Meinung
Ursula Poznanski schafft es meisterhaft, eine klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen, obwohl sich die Handlung über weite Strecken fast wie ein Kammerspiel anfühlt. Die unterschwellige Bedrohung ist auf jeder Seite spürbar. Besonders stark fand ich die drei hauptsächlichen Charaktere.
Viola ist eine nahbare und intelligente Protagonistin. Ihr Kampf mit der körperlichen Einschränkung und der plötzlichen Abhängigkeit wird sehr realitätsnah und gefühlvoll dargestellt.
Adam ist als Charakter schwer greifbar und gerade deshalb so beängstigend – man schwankt ständig zwischen „besorgt“ und „berechnend“.
Ein Highlight für mich ist der Nachbarsjunge Benno, der der Geschichte eine ganz besondere Note verleiht.
Ein kleiner Bonus on top ist der Stadtplan von Wien im Innencover. Und auch das Cover ist gut gelungen und passt hervorragend zur Story.

Fazit
Die Autorin hat mich mit diesem Werk komplett abgeholt. Die Verwebung von technischem Aspekt, den Trackern, und psychologischer Manipulation ist absolut fesselnd. Es ist ein eher leiser, aber unglaublich spannender Thriller, der fast ohne explizite Gewalt auskommt und stattdessen mit subtiler Paranoia spielt. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite – eine klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2026

Mich hat dieses Buch völlig umgeworfen

Am Meer ist es schön
0

Worum geht es?
Die achtjährige Susi Lach wird 1969 vom Hausarzt als „zu dünn“ eingestuft und zur Erholung an die Nordsee geschickt. Während ihre Familie glaubt, sie erlebe eine unbeschwerte Zeit in St. ...

Worum geht es?
Die achtjährige Susi Lach wird 1969 vom Hausarzt als „zu dünn“ eingestuft und zur Erholung an die Nordsee geschickt. Während ihre Familie glaubt, sie erlebe eine unbeschwerte Zeit in St. Peter-Ording, herrscht hinter den Türen des Verschickungsheims ein brutales Regime. Als Susi nach Hause zurückkehrt, glaubt ihr niemand – ihre Schilderungen werden als blühende Fantasie abgetan. Erst Jahrzehnte später, als ihre Mutter im Sterben liegt, bricht Susanne ihr Schweigen und beginnt gemeinsam mit ihrer eigenen Tochter Julia, das Trauma aufzuarbeiten.

Meine Meinung
Obwohl ich in der DDR aufgewachsen bin und dieses spezifische Schicksal der westdeutschen Verschickungskinder mich daher nicht betrifft, hat mich dieses Buch schlichtweg umgeworfen und erschüttert.
Das Buch macht deutlich, mit welcher Systematik die Kinder für "wenige" Wochen außerhalb des Elternhauses "erzogen" werden sollten und unter welchem gesellschaftlichen Druck auch die Eltern standen, die damals oft blind dem Urteil von Ärzten und Behörden vertrauten.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und spannend. Gewechselt wird zwischen zwei Zeitebenen, dem Sommer 1969 und dem "Jetzt".
Die Charaktere sind für mich nicht immer ideal, wie Susis Schwester Edith. Für mich wurde sie etwas zu überzeichnet dargestellt. Aber wiederum lebt das Buch von solchen Gegenspielern, die ziemlich oberflächlich wirken, damit die Wucht der Thematik nicht geschmälert wird. Die Darstellung der kleinen Susi und ihres jahrelangen Schweigens ist unglaublich einfühlsam und aufwühlend.
Das Cover ist gut gelungen. Wirkt es doch still, schön und zufrieden, wenn man es vor dem Lesen betrachtet. Danach betrachtet man es völlig anders. Für mich ist es sehr passend.

Fazit
„Am Meer ist es schön“ ist ein schmerzhaftes, aber immens wichtiges Buch. Es gibt den ganz vielen betroffenen Kindern von damals eine Stimme und zeigt eindringlich, wie tief die Narben der Verschickungszeit bis heute reichen. Trotz meines kleinen Kritikpunktes am Stil, empfehle ich es allen, die sich mit der verdrängten Vergangenheit der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen wollen.
Gerade in der heutigen Zeit wäre der Zusammenhalt innerhalb von Familien so wichtig. Stattdessen spiegeln sich die allgemeinen Spaltungstendenzen in unserem Land wider, und es gibt leider kaum noch ein gegenseitiges Zuhören.
Eine klare Leseempfehlung von mir!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere