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Veröffentlicht am 11.09.2018

Gelungene Zeitreise durch fast tausend Jahre deutsche Geschichte

Land im Sturm
3

Inhalt

Der junge Schmied Arnulf lebt im Jahre 955 in Bayern. Er ist gezwungen, aus seinem kleinen Heimatdorf zu fliehen, da er für ein Verbrechen verantwortlich gemacht wird, das er nicht begangen hat. ...

Inhalt

Der junge Schmied Arnulf lebt im Jahre 955 in Bayern. Er ist gezwungen, aus seinem kleinen Heimatdorf zu fliehen, da er für ein Verbrechen verantwortlich gemacht wird, das er nicht begangen hat. Auf der Flucht trifft er Hedwig, die von Ungarn verschleppt wurde, sich aber befreien konnte. Zusammen gehen sie nach Augsburg, das von den Ungarn angegriffen wird. Arnulf und Hedwig gründen schließlich eine Familie. Ihre Nachfahren begleitet der Leser über verschiedene interessante Zeitpunkte der deutschen Geschichte hinweg bis zur Deutschen Revolution im Jahre 1848.

Meine Meinung

Das Buch, das über einen Zeitraum von fast tausend Jahren spielt, ist in fünf Teile gegliedert. Zunächst begleitet man Arnulf und Hedwig, dann ihre Nachfahren zu verschiedenen Zeitpunkten der deutschen Geschichte. Am Anfang jedes Abschnitts wird die jeweilige Zeit und Lage in Deutschland sowie der Protagonist kurz vorgestellt, so dass man sich in der Handlung leichter zurechtfindet. Das Buch ist aber mehr als eine Sammlung von Kurzgeschichten, denn die Protagonisten gehören zu einer Familie und es gibt weitere Details, die die Figuren miteinander verbinden.

Ulf Schiewe hat ein sehr schönes Werk geschaffen, das die Geschichte Deutschlands mit der Geschichte der einfachen Leute verknüpft. Dabei sind die historischen Ereignisse und persönlichen Erlebnisse der Charaktere gleichgewichtet. Geschichtliche Gegebenheiten sind in die Handlung eingewebt, so dass man die Umstände und Ereignisse zu jener Zeit nebenbei erfährt, sie aber nicht in den Hintergrund rücken. Vielmehr erlebt man die Ereignisse mit den Figuren zusammen auf einer persönlichen und emotionalen Ebene. Die Informationen zum damaligen Leben sind gut in die Handlung eingebettet, interessant und überhaupt nicht langweilig. Zudem wirkt die Beschreibung der damals bestehenden Lebenssituationen sehr anschaulich. Wissenswert finde ich auch, wie beispielsweise in der Schmiede gearbeitet und dort verschiedene Gegenstände oder Waffen hergestellt wurden. Kampfszenen sind auch vorhanden. Diese sind bildhaft und detailliert geschildert, ohne zu blutrünstig oder ausufernd zu sein.

Charaktere sind alle vertreten: gute und böse, freundliche und gemeine. Vor allem zur damaligen Zeit war das Leben oft nicht einfach, so dass es gutherzige Charaktere gibt, die Schlimmes erfahren und deshalb auch weniger schönes tun mussten. Die Charakterentwicklung ist trotz der manchmal etwas kurzen Zeit, während der man die Personen im jeweiligen Abschnitt begleitet, sehr gut gelungen. Man konnte sich in die sympathischen Charaktere sehr gut einfühlen, denn trotz der relativen kurzen Abschnitte lernt man die Figuren gut kennen und verfolgt gerne ihr Leben und möchte wissen, wie sie manch schwierige Lage überstehen und hofft auf ein Happyend. Schade war, dass man Charaktere, die man kennen gelernt und lieb gewonnen hat, nach einem Abschnitt wieder loslassen musste. Aber das ist nachvollziehbar, da Ulf Schiewe fast tausend Jahre Geschichte in einem Buch erzählt, was ihm sehr gut gelungen ist.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, da man nebenbei sehr viel über die deutsche Geschichte lernt und durch die Zeitsprünge und gut gewählten zeitlichen Epochen einen schönen Überblick bzw. Einblick in die Entwicklung der Menschheit und Gesellschaft über annähernd tausend Jahre erhält. Man erfährt woher „der Deutsche“ kommt und wer er ist.

Der Schreibstil des Autoren gefällt mir gut, er ist leicht und flüssig zu lesen. Die Lage der damaligen Zeit und das Leben der Menschen wird anschaulich und detailreich geschildert. Die Atmosphäre der Veränderung und die Aufregung und Entschlossenheit der Menschen, beispielsweise während der Deutschen Revolution, konnte man spüren und es entstand das Gefühl, als wäre man dabei.

Fazit

Das Buch hat mir sehr gut gefallen und Ulf Schiewe hat die Idee, annähernd tausend Jahre deutscher Geschichte in einem Buch zu erzählen, hervorragend umgesetzt. Sowohl die geschichtlichen Aspekte als auch die persönlichen Ereignisse der Charaktere sind gut dargestellt und keines der beiden rückt in den Hintergrund. Ich habe schnell in jeden Abschnitt hineingefunden und mit den Figuren mit gefiebert.
Dies war mein erstes Buch von Ulf Schiewe und ich werde auf jeden Fall noch weitere lesen, da mir dieses so gut gefallen hat. Es ist eine Empfehlung nicht nur für Leser historischer Romane, sondern für jeden, der mehr über die deutsche Geschichte erfahren möchte.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Tolle Geschichte mit starken Charakteren

Der Gesang der Bienen
1

Das Buch überzeugt durch einen anschaulichen Schreibstil. Gebannt gelesen habe ich die Szene eines Bärenangriffs, die bildhaft geschildert ist, sodass ich das Gefühl hatte, ich wäre hautnah mit dabei. ...

Das Buch überzeugt durch einen anschaulichen Schreibstil. Gebannt gelesen habe ich die Szene eines Bärenangriffs, die bildhaft geschildert ist, sodass ich das Gefühl hatte, ich wäre hautnah mit dabei. Informationen über die Zeidlerei, die Bienen, die Köhlerei oder andere Situation aus dem Mittelalter sind geschickt in die Handlung eingebettet und veranschaulichen das alltägliche Leben, so dass man sich in diese Zeit zurückversetzt fühlt.

Gut gefallen haben mir die gut ausgearbeiteten Charaktere mit Ecken und Kanten und Erlebnissen aus der Vergangenheit, die sie bis heute beschäftigen und ihr Handeln beeinflussen. Nicht alle sind sofort leicht einzuschätzen und können einen überraschen.

Der Schluss ist richtig spannend und dramatisch geschildert, allerdings gibt es ein paar Kleinigkeiten, wie das Verhalten mancher Figuren, die ich am Ende nicht vollständig nachvollziehen konnte. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Erklärung gewünscht. Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt.

Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Zitat von Hildegard von Bingen oder aus der Bibel, was dem Buch noch mehr Charme verleiht. Eine Karte von Seyfrieds Wanderung, ein Personenverzeichnis mit allen vorkommenden Charakteren und ein Nachwort des Autors, das informiert, welche Aspekte den Tatsachen entsprechen und welche frei erfunden sind, runden den Roman ab.

Fazit
Gelungener Roman über das Leben im Mittelalter, die Zeidlerei und Hildegard von Bingen mit anschaulichem Schreibstil und gut ausgearbeiteten Charakteren.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Enttäuschend

Das Mädchen, das in der Metro las
1

Inhalt

Juliette taucht in der Metro in die Welt der Bücher ein. Entweder liest sie oder schaut, was andere lesen und beobachtet sie. Als sie einmal ein paar Stationen früher aussteigt, entdeckt sie die ...

Inhalt

Juliette taucht in der Metro in die Welt der Bücher ein. Entweder liest sie oder schaut, was andere lesen und beobachtet sie. Als sie einmal ein paar Stationen früher aussteigt, entdeckt sie die „Bücher ohne Grenzen“-Aktion von Soliman. Er glaubt, dass das richtige Buch ein Leben verändern kann.

Meine Meinung

Zunächst hat mir das Buch gefallen, da man in Juliettes Leben und ihre Gedanken darüber eintaucht. Doch durch die vielen Gedankenbeschreibungen ist kaum Handlung vorhanden und es geht nicht voran.

Später wird dann eine Situation zwischen Soliman und Juliette begonnen zu beschreiben, aber nicht zu Ende erzählt. Da fragt man sich, wie, was, warum jetzt eigentlich passiert ist. Die Protagonistin kann ich dann nicht mehr verstehen, da sie wie aus dem nichts etwas tut, dies aber mal nicht durch lange Gedankenbeschreibungen erklärt wird. Insgesamt werden also unnötige Dinge erklärt, aber die, die wichtig sind, um die Geschichte und die Beweggründe der Charaktere zu verstehen, leider nicht.

Zudem wird auf die Idee, Bücher an fremde Menschen zu verschenken um deren Leben zu verändern, nicht weiter eingegangen.

Juliette ist jemand, der viel liest. So werden öfters Bücher erwähnt, teilweise französische, teilweise Klassiker, die ich nicht kenne, nur ein paar dem Titel nach. Wenn man diese Bücher gelesen hätte, würde einem dieses Buch vielleicht besser gefallen.

Aufgrund der kurzen Kapitel kommt man trotz der vielen Beschreibungen und wenig Handlung schnell durch das Buch, auch wenn das Lesen durch die vielen langen Sätze erschwert wird.

Fazit

Leider bei weitem nicht so gut, wie erhofft und nicht das, was ich erwartet habe. Sehr viele Beschreibungen an der falschen Stelle und kaum Handlung. Ich kann das Buch nicht weiter empfehlen.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Unterhaltsame Jagd nach verborgenen Schriften

Die Bücherjäger
1

Inhalt

Konstanz 1417: Poggio Bracciolini, Sekretär von einem der drei Päpste, liebt alte Schriften und sucht nach diesen verborgenen Schätzen. In einem Bergkloster am Bodensee entdeckt er ein Buch, das ...

Inhalt

Konstanz 1417: Poggio Bracciolini, Sekretär von einem der drei Päpste, liebt alte Schriften und sucht nach diesen verborgenen Schätzen. In einem Bergkloster am Bodensee entdeckt er ein Buch, das durch eine Kette gesichert ist. In ihm steht brisantes Wissen, dass die Außenwelt nicht erfahren darf. Poggio deckt diese geheimen Zeilen auf, doch dann ist der Foliant plötzlich verschwunden. Damit beginnt die große Jagd auf das Buch, denn einige wollen diese Informationen für ihre Zwecke einsetzen.

Meine Meinung

Das Buch beginnt spannend, als Poggio das Buch entdeckt und liest, was darin geschrieben steht. Denn das darin enthaltende Wissen ist eine tolle Idee und nach eigenen Recherchen eine wirklich existierende Theorie. Man stellt sich dazu einige Fragen, die später noch beantwortet und die Idee noch weiter ausgeführt wird. Allerdings sinkt die Spannung nach einem Drittel des Buches und steigt dann nur noch situationsbedingt an.

Zwischendurch gibt es immer mal wieder Rückblicke in Poggios Jugend und junges Erwachsenenalter. Diese Abschnitte fand ich aber langweilig, da sie die spannende Gegenwart unterbrochen haben und meiner Meinung nach nicht nötig sind, um die Geschichte oder Poggio zu verstehen. Nur einmal haben sie eine Tatsache erklärt, die recht interessant war.

Mir hat die Beschreibung des damaligen Lebens sehr gut gefallen. Beispielsweise gab es in den Bibliotheken eine Zeichensprache, mit der man sich verständigt hat und es wird erklärt, wie damals Illustrationen in Büchern angefertigt wurden.

In diesem Buch gibt es die unterschiedlichsten Charaktere. Zum einen Poggio, der sympathisch ist und Bücher liebt. Zum anderen der Antagonist Oswald von Wolkenstein, der das Geschriebene für seine eigenen Zwecke benutzen möchte. Zudem gibt es noch weitere Protagonisten wie den Papst Johannes XXIII. und Agnes, von denen man nicht immer weiß, was man von ihnen halten soll. Die Charaktere bleiben alle auf Distanz, so dass man zwar auf ein gutes Ende der Bücherjagd hofft, aber mit keinem der Figuren mit fiebert.

Ein Personenverzeichnis und ein Glossar sind vorhanden, allerdings habe ich diese nur durch Zufall entdeckt, weil sie am Ende des Buches zu finden sind. Zumindest das Glossar sollte man eher vor Beginn des Buches lesen als danach. Im Nachwort wird erklärt, was in diesem Buch erfunden und was tatsächlich passiert ist, was in jedes gute historische Buch gehört.

Fazit

Insgesamt ein Buch, das interessant ist und unterhält, auch wenn die Spannung zur Mitte und zum Ende hin nur noch teilweise vorhanden ist. Trotz der Distanz zu den Charakteren, sind diese gut ausgearbeitet und passen perfekt in die Geschichte.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Informativ & verständlich

Wütendes Wetter
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Hitzewellen, heftige Stürme und Unwetter. Sind diese Ereignisse dem Klimawandel geschuldet und könnten sie in Zukunft öfters auftreten?

Die Physikerin Frederike Otto hat die Attributionswissenschaft ...

Hitzewellen, heftige Stürme und Unwetter. Sind diese Ereignisse dem Klimawandel geschuldet und könnten sie in Zukunft öfters auftreten?

Die Physikerin Frederike Otto hat die Attributionswissenschaft mitentwickelt, anhand derer festgestellt werden kann, wie wahrscheinlich ein Wetterereignis aufgrund des Klimawandels geworden ist. Auf diese Weise ist es nun möglich, das veränderte Klima mit dem Wetter zu verknüpfen.

In „Wütendes Wetter“ zeigt die Autorin auf, wie schwierig es war, die Frage zu beantworten, ob der Klimawandel für ein Extremwetterereignis verantwortlich ist. Mit Hilfe von Attributionsstudien kann sie nun berechnen, ob die Häufigkeit eines konkreten Extremwetters aufgrund der Erderwärmung zugenommen hat und wie diese das Wetter in Zukunft beeinflussen wird. Anhand des Hurrikans Harvey, der 2017 über Houston wütete, erklärt sie, wie sie bei der Attribution vorgeht und möglichst zeitnah ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren kann, bevor das Wetterereignis aus dem Interesse der Menschen verschwindet.

Ihre Arbeitsweise und die meteorologischen Hintergründe beschreibt sie so, dass sie auch für einen Laien verständlich sind. Deshalb ist das Buch leicht zu lesen, bis auf die Tatsache, dass sie die geschlechtergerechte Schreibweise benutzt. Vor allem zu Beginn des Buches ist das störend, da „Sternchen innen“ sehr oft vorkommt und ich jedes Mal beim Lesen darüber gestolpert bin.

Fazit
Die Wissenschaftlerin liefert hier ein informatives und verständliches Buch über die Auswirkungen des Klimawandels auf das heutige Wetter und gibt einen Ausblick, wie sich dieses weiter verändern wird, wenn die Erwärmung um 2°C oder mehr Realität wird. Daher kann ich dieses Sachbuch jedem empfehlen, der sich für das Wetter, den Klimawandel und dessen Folgen für die Menschen oder Extremwetterereignisse interessiert.