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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2019

Stimmt nachdenklich

Miroloi
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Am Anfang passiert kaum Handlung, da die Protagonistin in der Ich-Perspektive über ihr Leben auf der Insel nachdenkt und dem Leser ihre Welt näherbringt. Leider geht die Handlung später nur schleppend ...

Am Anfang passiert kaum Handlung, da die Protagonistin in der Ich-Perspektive über ihr Leben auf der Insel nachdenkt und dem Leser ihre Welt näherbringt. Leider geht die Handlung später nur schleppend voran, wodurch das Buch langatmig wird und kaum Spannung vorhanden ist.

Besonders ist der außergewöhnliche Schreibstil von Karen Köhler. Aus der Ich-Perspektive erzählt die Protagonistin ihr Leben in ihrer naiven, einfachen und von zahlreichen Wortneuschöpfungen geprägten Sprache, was sehr passend ist. Denn es macht diese aufgebaute Welt sehr real. Zunächst muss man sich zwar an den anderen Stil gewöhnen, aber dann habe ich ihn sehr gemocht.

Die Personen im Dorf oder im näheren Umfeld der Protagonistin sind verschieden dargestellt und nicht immer durchschaubar, da man als Leser sich nur in der Perspektive der Protagonistin bewegt. Trotzdem fande ich das Leben der Menschen im Dorf und ihre Einstellung zu den Gesetzen interessant.

Mir gefällt die Entwicklung der Protagonistin, die man durch ihre vielen Gedanken jederzeit nachvollziehen kann. Es ist eine Geschichte, die vor allem die Entwicklung der Protagonistin im Fokus hat, wie sie sich mehr und mehr Gedanken macht, die Ungerechtigkeit sieht, ihr Leben selbst bestimmen will.

Die von Karen Köhler dargestellte Welt ist anders als unsere, weist aber dennoch einige Parallelen auf. Interessant ist das Zusammenleben der Personen innerhalb ihrer Gesetze, ihrer Religion. Man fängt an, über das Verhalten der Inselbewohner, ihre gesellschaftliches Zusammenleben, ihre Gesetze und ihre Religion nachzudenken und entdeckt einige Parallelen zur heutigen Welt. In diesem Buch geht es um so viel. Um Feminismus, um Gleichberechtigung, um Bildung, um ein selbstbestimmtes Leben, um Freiheit.

Beim Lesen kamen viele Fragen auf, von denen am Ende für mich zu viele unbeantwortet blieben. Auch der Schluss ist offen gehalten, was mir gar nicht gefallen hat.

Fazit

Karen Köhler hat eine interessante, ungerechte Welt gebildet, die zum Nachdenken anregt. Durch den besonderen Schreibstil kann man sich noch besser in die Hauptfigur hineindenken. Negativ finde ich die langsam voranschreitende Handlung und das zu offene Ende.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Besonderer Schreibstil mit Sogwirkung

Washington Black
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Das Buch zieht einen von Anfang an in seinen Bann. Zum einen ist es um den Sklavenjungen Washington Black eine spannende Geschichte. Auf der Zuckerrohrplantage herrschen unmenschliche Bedingungen, die ...

Das Buch zieht einen von Anfang an in seinen Bann. Zum einen ist es um den Sklavenjungen Washington Black eine spannende Geschichte. Auf der Zuckerrohrplantage herrschen unmenschliche Bedingungen, die jegliche Aspekte des Lebens betreffen. Die Autorin schildert, wie Washington aufwuchs, wie die Sklaven sich untereinander verhalten, wie der Master der Plantage mit Angst und Schrecken über die Sklaven herrscht. Als Washington von Christopher Wilde, dem Bruder des Plantagenbesitzers, ausgewählt wird, um ihm beim Bau seines Luftschiffs zu helfen, verändert sich zum ersten Mal sein Leben umfassend.

Zum anderen ist die Geschichte unglaublich gut und eindrucksvoll geschrieben. Der besondere Schreibstil Esi Edugyans ist mit seinen vielen Vergleichen klar und anschaulich. Nicht nur die Bilder sind klar umrissen, sondern auch was Washington hört und riecht. Dadurch ergibt sich ein umfassendes Bild der Situation und ich tauchte völlig in die lebendig wirkende Geschichte ein. Oft hatte ich das Gefühl, ich wäre direkt hinter Washington und begleitete ihn als stiller Beobachter. Als Leser befindet man sich mit allen Sinnen mitten in der Geschichte und fühlt die Atmosphäre, die Angst der Sklaven und die Faszination für die Natur und das Abenteuer.

In den jungen Washington konnte ich mich gut hineinversetzen und seine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Aber nicht nur er, sondern auch die anderen Charaktere und sogar die Nebenfiguren sind tiefergehend ausgearbeitet und lebendig. Es gibt die verschiedensten Personen, die jede für sich interessant ist und ein Leben zu erzählen hat.

Mir gefällt auch der Mix aus dem ernsten Thema der Sklaverei sowie dem aufregenden Abenteuer um den Bau und der Fahrt mit dem Wolkenkutter. Der Schreibstil ist von Anfang bis Ende außergewöhnlich gut und eine ganz besondere Art, Washingtons Kindheit und Jugend zu erzählen. Kurzzeitig dachte ich, dass dieses Buch mein Jahreshighlight werden wird, weil ich so begeistert war. Aber nach der Hälfte lässt die Geschichte leider nach. Die Handlung wird dürftiger, die Verhaltensweisen von Charakteren sind nicht immer nachvollziehbar. Das letzte Viertel wird wieder besser, wenn auch nicht mehr so gut wie der Beginn.

Auch vom Ende bin ich enttäuscht. Es kam mir so vor, als ob die Autorin einfach zwischen zwei Kapiteln aufgehört hat. Es fühlt sich nicht so an, als ob Washingtons Geschichte zu Ende erzählt ist. Ich würde gerne noch mehr über ihn lesen und erfahren, wie sein weiteres Leben verlaufen ist.

Fazit

Von der Erzählweise und der Schreibtechnik ist dieses Buch außergewöhnlich und lässt den Leser fasziniert mit jeder Faser in die Geschichte eintauchen. Von Anfang bis Ende macht es das Buch besonders. Leider lässt der Roman nach der Hälfte nach, was die Handlung und die Charaktere betrifft. Das Ende ist für mich nicht zufriedenstellend.

Veröffentlicht am 12.09.2019

Steigert sich von langweilig zu spannend

ATME!
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"Atme" beginnt auf den ersten paar Seiten spannend. Aus der Ich-Perspektive von Nile verfolgt der Leser, wie sie, als sie das Verschwinden ihres Verlobten Ben bemerkt, die Suche nach ihm beginnt. Niemand ...

"Atme" beginnt auf den ersten paar Seiten spannend. Aus der Ich-Perspektive von Nile verfolgt der Leser, wie sie, als sie das Verschwinden ihres Verlobten Ben bemerkt, die Suche nach ihm beginnt. Niemand hat etwas bemerkt, seine Freunde/Verwandten nehmen ihre Sorge als Bens Geliebte und Trennungsgrund von seiner Frau nicht ernst. Alleine macht sich Nile auf die Suche nach Ben. Doch nach dem Einstieg in die Geschichte flaut die Spannung ab, da Nile an früher denkt, an das Kennenlernen, das Einziehen in die gemeinsame Wohnung und andere Begebenheiten in ihrer Beziehung. Auch über Bens Frau Flo macht sich Nile viele Gedanken. In der gegenwärtigen Handlung geht es erst einmal nicht voran.

Nach fast der Hälfte des Buches steigt die Spannung wieder, die Suche nach Ben kommt in Fahrt und macht Fortschritte. Ab da ist es schwer, das Buch wegzulegen. Durch die Ich-Perspektive bekommt man nur Niles Gedanken mit und wie sie Bens Umfeld sieht und fragt sich, ob es etwas gibt, das man als Leser deshalb nicht erfährt. Psychologisch und entwicklungstechnisch ist die Handlung in der zweiten Buchhälfte hervorragend aufgebaut und reinstes Lesevergnügen.

Aufgrund der kurzen Kapitel kommt man recht schnell voran. Der Schreibstil ist zügig zu lesen. Die Autorin bedient sich vieler Vergleiche und wechselt lange und kurze Sätze ab, was die Situtation sehr authentisch wirken lässt.

Das Ende kommt sehr plötzlich. Es hat mir gut gefallen, allerdings finde ich es nach einer über 300 Seiten langen Suche zu kurz.

Fazit

Wenn nach der Hälfte wieder Spannung aufkommt und bleibt, ist es ein tolles Buch. Die ausführliche Beschreibung der Dreierkonstellation um Nile, dessen Freund Ben und seiner Frau Flo hätte ich nicht gebraucht.

Veröffentlicht am 10.09.2019

Wieder ein gelungener Thriller um Mara Billinsky

Brennende Narben
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Bei diesem Buch handelt es sich nach "Blinde Rache" und "Lautlose Schreie" um den dritten Thriller mit der Polizistin Mara Billinsky.

"Die Krähe", wie sie von ihren Kollegen genannt wird, habe ich schon ...

Bei diesem Buch handelt es sich nach "Blinde Rache" und "Lautlose Schreie" um den dritten Thriller mit der Polizistin Mara Billinsky.

"Die Krähe", wie sie von ihren Kollegen genannt wird, habe ich schon im ersten Band ins Herz geschlossen. Sie ist wie man sie bereits kennt: eigenwillig, sturköpfig und auf die Arbeit fokussiert. Doch nicht nur, denn nun möchte sie herausfinden, durch wen ihre Mutter vor all den Jahren zu Tode kam. Sie trifft mit ihren Fragen auf Mauern, doch sie gibt nicht auf. Maras Nachforschungen zum Mord ihrer Mutter finde ich spannender, als die polizeilichen Ermittlungen um die Prostituierte und den Bombenanschlag auf der Autobahn. Trotzdem sind beide Fälle sehr gut und logisch aufgebaut, sodass man zunächst im Dunkeln tappt und nach und nach sich heraus kristallisiert, wer hinter den Verbrechen steckt.

Die durch die Ahnungslosigkeit und den schrittweise auftauchenden Hinweisen erzeugte Spannung wird durch die ab und zu auftauchenden Chliffhanger verstärkt. Durch Perspektivenwechsel von Mara zu ihrem Kollegen Jan Rosen oder den an dem Fall beteiligten Personen wird die Spannung aufrecht erhalten. Nach drei Viertel des Buches hat man eine Vermutung, die man bestätigt oder widerlegt haben möchte, aber es zieht sich etwas. Kurz darauf schnellt die Spannung für das Ende wieder in die Höhe.

Das Buch ist aufgrund der Spannung und Borns gutem Schreibstil zügig zu lesen. Es ist atmosphärisch, man spürt die Beklemmung und Bedrohung der Charaktere, sowie ihre Angst. Maras Gedanken und Gefühle werden umfassend, aber nicht ausschweifend umrissen und ihr Verhalten ist nachvollziehbar.

Bezüglich der Handlung beherrscht Leo Born eine ausführliche Beschreibung der Situation, ohne sich in unnötige Details zu verlieren. So entsteht ein umfassendes, anschauliches und realistisches Bild der Personen und ihrer Handlungsweisen. Ebenso sind Kämpfe zwischen zwei Personen oder die Polizeieinsätze bildhaft und spannend dargestellt.

Fazit

Wieder ein spannender Thriller mit Mara, den ich besonders wegen ihrer privaten Ermittlung zum Mord ihrer Mutter sehr gerne gelesen habe. Des weiteren überzeugt er durch die beiden brillant aufgebauten Fälle und einen spannungsgeladenen Schreibstil Leo Borns, der ein realistisches Bild der Figuren entstehen lässt.

Veröffentlicht am 10.09.2019

Spannender Abenteuerroman

Im Langboot
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Der packende und anschauliche Schreibstil verbunden mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Plot sorgen für eine spannende Geschichte um eine gefahrvolle und abenteuerliche Überfahrt auf einem Segelschiff ...

Der packende und anschauliche Schreibstil verbunden mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Plot sorgen für eine spannende Geschichte um eine gefahrvolle und abenteuerliche Überfahrt auf einem Segelschiff ausgehend von England mit Ziel USA im Jahre 1841.

Ab der ersten Seite ist die Geschichte um den Seemann Alexander Holmes aufregend und packend. Von Beginn an ist mir der aufrechte und selbstbewusste junge Mann sympathisch.

Hasselmann beschreibt sehr anschaulich und realistisch die Überquerung des Atlantiks zu dieser Zeit. Er geht auf die katastrophale Unterbringung der Passagiere, die schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Gefahren des Meeres ein. Ein guter Einblick in das Leben eines Seemannes wird auch geliefert.

Nicht nur die Gefahren durch Wind und Wetter, auch das rücksichtslose und egoistische Verhalten von Mitmenschen spielt eine große Rolle. Es sind verschiedenste Charaktere vertreten, die durch Perspektivenwechsel tiefergehend dargestellt werden.

Fazit

Das Buch hat alles, was ein gutes Werk ausmacht: Eine spannende Geschichte, verschiedenste Charaktere, denen man Sympathie oder Antipathie entgegenbringt und einen fesselnden, anschaulichen Schreibstil.