Starke Protagonisten, wenn auch etwas Blass
VexEigene Meinung
Bei Reado habe ich das erste Mal von diesem Buch gehört. Und es hat mich sofort angesprochen, weswegen es ebenfalls sofort auf meiner Wunschliste wanderte. Nun habe ich es auch endlich gelesen ...
Eigene Meinung
Bei Reado habe ich das erste Mal von diesem Buch gehört. Und es hat mich sofort angesprochen, weswegen es ebenfalls sofort auf meiner Wunschliste wanderte. Nun habe ich es auch endlich gelesen und hier erzähle ich euch, wie ich “Vex – Reiz mich nicht” fand …
Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der Protagonisten Harper und Will erzählt. Die Kapitel sind sehr kurz, was das schnelle Voranschreiten enorm erleichtert – oder auch das „mal eben noch ein Kapitel einschieben“. Der Schreibstil ist flüssig, sarkastisch und natürlich spicy. Gerade Letzteres empfand ich allerdings gar nicht als übermäßig intensiv. Klar gibt es einige Szenen, in denen sich Blümchen und Bienen näherkommen – wobei das stellenweise eher an Hornisse und Venusfliegenfalle erinnert – aber ich habe definitiv schon Härteres gelesen. Das im Dark Romance Kontext ist auch immer schwierig, aber ich versuche mein 12-Jähriges Ich, ein bisschen zu zügeln.
Der Anfang hat mir besonders gut gefallen. Ich lerne Harper und Will kennen und merke schnell, dass sich beide nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Beide wirken dominant und selbstbewusst. Harper mochte ich vor allem wegen ihrer sarkastischen, frechen Art sehr gern. Will hingegen ist für mich stellenweise fast schon ein bisschen zu stereotypisch als Dark-Romance-Boyfriend angelegt. Vielleicht habe ich mich an taffen weiblichen Hauptfiguren aber auch einfach noch nicht sattgelesen.
Harper bringt einige Altlasten mit nach L.A. – und mit Will kommen neue dazu. Während er Probleme meist schnell und leise löst (nicht unbedingt im Sinne aller Beteiligten), versucht Harper, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Dinge strategischer anzugehen. Natürlich funktioniert das nur bedingt, und so geraten die beiden schneller aneinander, als Harper lieb ist. Gleichzeitig fühlt sich auch Will durch Harper in seiner Arbeit bedroht und geht auf seine ganz eigene Weise damit um.
Positiv hervorheben möchte ich, dass beide Charaktere Anfang dreißig sind – und sich auch so verhalten. Die Charakterzüge, die die Autorin ihnen verleiht, wirken größtenteils authentisch. Das klassische „Miscommunication“-Trope bleibt hier zum Glück weitgehend aus oder wird zumindest schnell aufgelöst. Es entwickelt sich also nicht zu dieser nervenaufreibenden Dauerschleife aus „Wie kann er/sie nur?“ und „Ich bin verletzt, sage es aber nicht, weil er/sie muss das selbst merken“.
Die Geschichte bringt definitiv Potenzial für Spannung mit, doch bei mir hat sie nur stellenweise wirklich gegriffen. Gegen Ende nimmt das Tempo zwar zu und die letzten Kapitel werden deutlich intensiver, aber insgesamt hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Oft hatte ich das Gefühl, dass viele Figuren etwas blass bleiben. Von Harper erfahre ich noch am meisten – doch selbst das hätte für mich gern noch ausführlicher sein dürfen.
Trotzdem bin ich neugierig, wie es weitergeht, und hoffe im nächsten Band noch mehr über die Hintergründe und einzelnen Charaktere zu erfahren.
Mein abschließendes Fazit
Harper und Will funktionieren als Paar sehr gut miteinander. Besonders positiv fand ich, dass beide älter sind und sich entsprechend reifer verhalten. Auch der Spice wirkt stimmig und fügt sich gut ein, ohne übertrieben zu wirken. Was mir jedoch gefehlt hat, war mehr Tiefe – sowohl in der Spannung als auch bei einigen Figuren. Viele Charaktere blieben für mich etwas oberflächlich, und obwohl Harper etwas mehr Kontur bekommt, war auch das noch nicht ganz ausreichend. Ein absoluter Pluspunkt für mich: Ich bin beim Lesen enorm schnell vorangekommen – die kurzen Kapitel und der flüssige Stil haben dafür gesorgt, dass ich förmlich durch die Seiten geflogen bin. Da das Buch zudem mit einem fiesen Cliffhanger endet, bin ich dennoch gespannt auf Band zwei und hoffe dort auf mehr Intensität, zusätzliche Hintergrundinformationen und vielleicht die ein oder andere überraschende Wendung.