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Veröffentlicht am 11.11.2018

... als wäre man als Reisender mit unterwegs

Im Schatten des Löwen (DuMont Reiseabenteuer)
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Ich habe bisher noch kein Buch von Wolf-Ulrich Cropp gelesen und war positiv überrascht vom Schreibstil des Autors und den einfühlsam beschriebenen Erlebnissen seiner Reise durch Simbabwe, Botswana und ...

Ich habe bisher noch kein Buch von Wolf-Ulrich Cropp gelesen und war positiv überrascht vom Schreibstil des Autors und den einfühlsam beschriebenen Erlebnissen seiner Reise durch Simbabwe, Botswana und Namibia.

Entgegen der sonst üblichen Reiseroute vieler Touristen reist der Afrika-Kenner Wolf-Ulrich Cropp durch die drei afrikanischen Länder. Dabei versteht er es, neben seinen alltäglichen Erlebnissen auch viel Hintergrundinformationen einfließen zu lassen. Dazu gehören neben Informationen zu Politik auch sehr viel zur geschichtlichen Entwicklung.

Im Vordergrund stehen aber seine Erlebnisse vor Ort und den Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet ist.
Dazu nutzt der Autor einen ehrlichen, offenen und mitreissenden Schreibstil.

Die Art und Weise, wir er Situationen, Menschen und Orte beschreibt sind packend und fesselnd zugleich. Auch wenn man noch nicht an den Victoria Falls war, kann man anhand der Beschreibungen nachempfinden, wie sich Livingstone damals gefühlt haben musste.

Oftmals erwischte ich mich auch mit einem Grinsen auf dem Gesicht, wenn er mit blumigen Worten skurrile Situationen in den Mittelpunkt rückt wie z.B. als sich ein Elefant bedrohlich nähert: „Ruhig verhalten, bis er sich absetzt“, mahnt Philipp. Schweiß rinnt über den Kragen. Hoffentlich ist Phillip ein Elefantenversteher. Anderenfalls wird aus uns Kleinholz gemacht.

Schnell war ich von den Worten gefangen und fasziniert von der Kultur, den Menschen und den Traditionen eines mir (ehrlich gesagt) unbekannten Landes. Oftmals war ich auch beschämt von den geschichtlichen Ereignissen, der Ausbeutung der Bevölkerung, deren wirtschaftlichen Ressourcen und dem Mittun vieler europäischer Länder. Das dies nicht nur der Vergangenheit stattfindet, sondern sich auch in der heutigen Zeit widerspiegelt, ist umso erschreckender.

Umso mehr braucht es Autoren wie Wolf-Ulrich Cropp, die Afrika von der traditionellen, geheimnisvollen und faszinierenden Seite zeigen. Nicht nur die Menschen sind im wichtig, sondern auch die Landschaft und die Tierwelt. Das ein oder andere schwarz weiß Foto und ein paar handgezeichnete Karten lockern den klein gedruckten Text auf. Gerade die Karten finde ich dabei hilfreich. So konnte ich mich ein wenig orientieren und der Reiseroute folgen, ohne einen Atlas aufschlagen zu müssen.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der einfach mal Abschalten und dem alltäglichen Streß entfliehen möchte. Gerade die trüben Herbsttage und die dunklen Winterabende laden dazu ein, sich mitnehmen zu lassen. Es lohnt sich!

Veröffentlicht am 11.11.2018

erschreckende packende Geschichte mit Verbesserungsbedarf

GLOBAL DAWN
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Mich hat die Beschreibung zu dem Buch und der Klappentext angesprochen und neugierig gemacht. Eine dytopische Zukunft Europas und folgend der ganzen Welt. Alles im Namen des Friedens und der Normalisierung. ...

Mich hat die Beschreibung zu dem Buch und der Klappentext angesprochen und neugierig gemacht. Eine dytopische Zukunft Europas und folgend der ganzen Welt. Alles im Namen des Friedens und der Normalisierung. Wer nicht mitmacht wird zum Feind des Systems, zum Abtrünnigen. So geht es auch Pavel, Max und deren Familien. Sie wählen die Freiheit und damit den Widerstand.

Nun denkt man, das man im Buch eine Geschichte des Widerstand gegen die Bestrebungen der „global Player“ findet. Dies ist aber nicht der Fall. Fans von „Hollywood Blogbuster“ Geschichten werden hier nicht bedient, auch wenn der ein oder andere Abschnitt daran denken lassen könnte.

Stattdessen handelt es sich um ein Buch mit „Tiefgang“. Liest man sich auf der Homepage des Autors den Abschnitt „About Me“ durch, bekommt man eine Ahnung, worum es dem ihm geht. Das Buch würde sich auch als Unterrichtslektüre in Soziologie, Politik, Psychologie oder Philosophie eignen.

Inhaltlich will ich nicht zu viel verraten. Die Geschichte beginnt mit einem Blick in die Zukunft. Dann geht es wieder in die Vergangenheit. Diese Sprünge finden häufiger statt, was dem Lesefluss gerade zu Beginn etwas schwierig gestaltet. Ich brauchte eine Weile, um mich daran zu gewöhnen und dann konnte ich es auch nicht mehr aus den Händen legen. Nachdem man es dann durch hat, könnte man es zur Seite legen oder noch mal „zwischen den Zeilen“ lesen.

Die Realitätsnähe zu manchmal erschreckend und regt zum Nachdenken an. Die Protagonisten schaffen die Flucht aus den neu entstandenen „United States of Europe“ und erleben dessen Expansion auf der Seite der Abtrünnigen. Es geht um Macht, Intrigen, Geld und den „wahren“ Glauben. Um sich die Bürger gefügig zu machen, nutzt man Psychopharmaka. So entstehen willenlose Soldaten, die in andere Länder einfallen.

Der Autor nutzt völlig neue Begrifflichkeiten wie „die Bürgenden“ anstatt „Bürger“. Leider erklärt er diese nicht näher und überlässt es damit dem Leser seine eigene Interpretation dazu zu finden. Ich hätte mir auch eine geopolitische Weltkarte gewünscht, um mir die Situation so schneller vor Augen halten zu können. So wäre es einfacher die Situation der einzelnen Staaten besser zu verstehen und warum welcher „Korridor“ für einzelnen Länder so wichtig gewesen wäre.

Ich kann das Buch denjenigen Lesern empfehlen, die nicht nur reine Unterhaltung bevorzugen, sondern sich auch gedanklich weiter mit dem Thema „Globalisierung“ und dessen Vor- und Nachteile auseinandersetzen wollen.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Wenn Kinder eine Reise tun.... (und nicht nur für die Reise)

Lonely Planet Kinderreiseführer Komm mit nach Rom (Lonely Planet Kids)
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Reiseführer für Kinder? Wofür soll das gut sein? Das fragt man sich wahrscheinlich, wenn man die Lonly Planet Reihe für Kids findet. Nun ja. Wahrscheinlich ist die Frage nicht unberechtigt. Meist sind ...

Reiseführer für Kinder? Wofür soll das gut sein? Das fragt man sich wahrscheinlich, wenn man die Lonly Planet Reihe für Kids findet. Nun ja. Wahrscheinlich ist die Frage nicht unberechtigt. Meist sind es ja die Eltern, welche die Reise planen. Die Kids wollen nur ihren Spaß und den Urlaub genießen.

Wenn Sie meine anderen Reiseführer-Rezensionen lesen, dann wird Ihnen auffallen, dass ich häufig den Nutzen für Familien mit Kindern hinterfrage. Und werden die meisten Reiseführer den Ansprüchen nicht gerecht. Meist gibt es zwar ein Kapitel „Reisen mit Kindern“, aber das kommt immer zu kurz und bietet den Kindern überhaupt nichts.

Die Reihe „Lonly Planet Kids – Komm mit nach: New York, Paris, London ist vor einem Jahr (Juni 2016) schon in englischer Sprache unter dem Titel „City Trails“ erschienen und gut bei den Lesern angekommen. Daher haben wir einen Blick in die deutsche Ausgabe geworfen. „Wir“, das sind unsere zwölfährigen Zwillinge, meine Frau und ich.

Nun ist nach gut zwei Jahren ein weiterer Band der Reihe erschienen: Komm mit nach: Rom. So wie die Bände zuvor, ist auch dieser in einem Softcover-Format erstellt und mit seinem quadratischen Format von 20,5 x 20,5 cm gut in Kinderhänden zu halten. Ein paar Flecken auf dem Cover lassen sich sicherlich problemlos abwischen. Hinten und vorne findet sich ein herausklappbares Inlay, welches als Lesezeichen genutzt werden kann. So wie die bisher erschienenen drei Bände hat auch dieser Band 103 Seiten und ist somit nicht zu dick und schreckt „lesefaule“ Kinder ab.

Zu Beginn stellen sich „Amelia“ und „Marco“ vor, welche die Leser auf den Touren durch die entsprechende Stadt begleiten. Dabei erfahren wir schon, dass es sich um 19 Tourenvorschläge handelt, um die Stadt besser kennenzulernen. Die Touren sind im aufgeführten Inhaltsverzeichnis zu finden und auf einer Übersichtskarte der Stadt. Am Buchende findet sich ein Register, in dem man schnell ein gewünschtes Schlagwort wiederfindet.

Schon auf dem Cover und der „Vorstellungsseite“ fällt das farbenfrohe Layout auf. Es wirkt ein wenig comicmäßig aufgezogen, gleitet aber nicht ins lächerliche ab. Statt „Sprechblasen“ gibt es kurze Abschnitte die aus fünf bis zehn Sätzen bestehen. Durch die einzelnen Bände schlängelt sich ein „Faden“. Dieser ist mal eine stilisierte Straße, eine Bahnschiene, Fußspuren, Musiknoten, Diamanten…… je nachdem was für ein Thema gerade auf der Doppelseite behandelt wird. Neben kleinen Bildern gibt es auch Fotos der umschriebenen Themen. Es gibt immer eine große Überschrift und darunter den Ort, wo das Umschriebene zu finden ist.

Inhaltlich sind die Bände echt klasse gemacht. Sie liefern Fakten zur Stadt; Geschichtliches; Infos zu Sport, Kultur, Speisen, Gebäuden, berühmten Sehenswürdigkeiten….. Im Gegensatz zu anderen Reiseführern ist es kindgerecht geschrieben und spricht Kinder definitiv an.

Unsere Jungs lesen generell viel und „saugen“ interessante Bücher förmlich auf. Die drei Bände waren schnell durchgelesen, was schon einmal bedeutet, dass es nicht langweilig war. Ich habe sie dann gefragt, was ihnen gefallen hat. Hier die Antworten:

- „lustig geschrieben“
- „Interessant“
- „in den Büchern sind viele nützliche Informationen und Fakten zu Gebäuden, Straßen, U-Bahnen sowie über die Stadt zu finden“
- „kann man gut für ein Referat in der Schule brauchen“
- „lässt sich gut und flüssig lesen“
- „liest sich wie in Comic“
- „es bleibt viel hängen, meist die Informationen die ich nicht kannte“
- „wirkt im ersten Moment „unübersichtlich““
- „kann man gut durchlesen“
- „handlich“
- „nicht zu viel Lesestoff“

Interessant fand ich die Aussage, dass man die inhaltlichen Themen auch gut für die Schule und Referate gebrauchen kann. Einer unserer Söhne war vom Thema der „Französischen Revolution“ angetan, der andere richtete sein Augenmerk auf die „Architektur“ von New York und das es 13000 Glasscheiben im One World Trade Center gibt, wie es dazu gekommen ist, dass die Londoner Doppeldecker-Busse rot sind und die Idee mit den zweigeschossigen Fahrzeugen eigentlich aus Paris stammt. Nun wissen sie auch das Rom 753 vor Christus gegründet worden sein soll, der berühmte Trevi Brunnen 26 Meter hoch und 20 Meter breit ist und täglich ca. 4000 Euro in Münzen hineingeworfen werden. Dieses Geld wird dann römischen Wohltätigkeitsorganisationen zu Verfügung gestellt. Die Bände sind also nicht nur für eine Reise zu gebrauchen, sondern dienen auch als kleines Lexikon.

Mit den nun vier Bänden ist die „Lonly Planet Kids“ Reihe für Kinder wirklich ansprechend. Die empfohlene Altersangabe des Verlags von acht bis zwölf Jahren ist in Ordnung. Wahrscheinlich finden es ältere Kinder dann uncool, weil man ja die Daten auch im Internet finden könnte. Da kann ich jedoch nur gegenhalten, dass ich bei vielen Geschichten gar nicht auf die Idee gekommen wäre danach im Internet zu suchen. Auch im Alter lernt man noch was dazu. Bei einem Besuch der entsprechenden Stadt wird das Kind nun auch mitreden können und den elterlichen Blickwinkel verändern. Von unseren Kindern und uns eine klare Empfehlung!!

Zu guter Letzt bleibt noch zu wünschen, dass es irgendwann auch mal Familienreiseführer gibt, in denen Fakten für Erwachsene und für Kinder zusammengeführt werden.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Reise an den Anfang der Welt

Das Lächeln der Vergangenheit (DuMont Reiseabenteuer)
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Wir begleiten die Autorin Birgit Weidt nicht auf eine Reise ans Ende der Welt, wie ihr Großvater erklärte, sondern an den Anfang der Welt. So lernen wir, dass ein Wechsel der Perspektive ganz neue Aspekte ...

Wir begleiten die Autorin Birgit Weidt nicht auf eine Reise ans Ende der Welt, wie ihr Großvater erklärte, sondern an den Anfang der Welt. So lernen wir, dass ein Wechsel der Perspektive ganz neue Aspekte mit sich bringt und zum Nachdenken anregt. Dieses Buch will kein Reiseführer sein, sondern uns in eine andere Kultur und Sichtweise entführen.

Angefangen hat alles mit einer Maske und den begleitenden Worten ihres längst verstorbenen Großvaters, welcher als Missionar nach Ausbruch des ersten Weltkrieges und der damit erzwungenen Rückreise nach Deutschland, aufgrund einer Erkrankung auch in Neukaledonien landete.

Neukaledonien ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe im Südpazifik. Abseits der Touristenziele scheint die Welt stehen geblieben zu sein. Birgit möchte mehr über die Einwohner erfahren, gibt ihre ursprüngliche Planungen auf und lässt sich von Ort zu Ort treiben. Dabei lernt sie viele Menschen kennen und lieben. Sie wird eingeladen Gast zu sein, in einem Land welches sich durch kulturelle Unterschiede von vielen unterscheidet, welches sie als Europäerin kennt. Natürlich bewegen sich auch hier die Einwohner mit Autos durch die Gegend, tragen ein Handy mit sich und surfen im Internet. Trotzdem gehört die Tradition fest zu ihrem Leben.

Sie lernt Stammeshäuptlinge kennen, Begrüßungsrituale, den Aberglauben, das Verstorbene immer noch unter den Lebenden verweilen, in der Nacht Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben und das Gastfreundschaft ein wichtiges Gut ist. In einem Land, wo die Zeit ganz anders definiert und umschrieben wird, lernt sie anzuhalten, in sich zu gehen und eine neue Perspektive einzunehmen.

Ich konnte ebenfalls gut abschalten und viele Dinge verinnerlichen. Es tat gut (auch wenn es nur in Gedanken war) eine andere Welt zu betreten. Viele Dinge habe ich verdrängt und mir wieder bewusst machen können.

Ob die „Liebesgeschichte“ am Ende sein musste, weiß ich nicht. Vielleicht passiert so was, wenn man sich drei Monate aus der europäischen Zivilisation verabschiedet. Oder es passiert, um eine „runde Geschichte“ zu Papier zu bringen? Nun ja! Es tut dem ganzen keinen Abbruch. Das Buch ist für Leser zu empfehlen, die sich einfach mal entschleunigen wollen.

Veröffentlicht am 23.08.2018

ein Mitbringsel für Leute die es wirklich brauchen…..

Achtsam reisen
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Es handelt sich bei dem Buch um ein toll gestaltetes Buch mit freundlichen Illustrationen zu den einzelnen Themengebieten. Wenn ich jetzt noch schreiben: „das war es dann auch schon“, tue ich der Autorin ...

Es handelt sich bei dem Buch um ein toll gestaltetes Buch mit freundlichen Illustrationen zu den einzelnen Themengebieten. Wenn ich jetzt noch schreiben: „das war es dann auch schon“, tue ich der Autorin Sara Clemence ein wenig unrecht.

Vielleicht gehöre ich einfach nicht zu angesprochenen Interessengruppe. In dem Buch geht es um das „achtsame Reisen“ und das bewußte Verzichten auf technischen Schnickschnack, der einen ansonsten auf allen Wegen begleitet. Zurück zur Karte und dem Reisetagebuch, anstatt digitale Routenprogramm und Beiträgen in sozialen Netzwerken. Dies ist sicherlich alles richtig, aber ich denke mal, das man einfach einen persönlichen Mittelweg finden sollte.

Interessanter ist das „sich einleben“ in fremde Kulturen und Länder, das Abschalten und sich treiben lassen, Zeit nehmen und genießen…. Dies sollte man sich wirklich wieder bewußt machen. Viel zu sehr versucht man in einem zwei Wochen Urlaub alles mögliche einzuplanen und zu besuchen. Das es aber auch anders geht, wird im Buch in Erinnerung gerufen. Für manche Tipps muss man noch nicht einmal in den Urlaub fahren. Man kann sich auch so in ein Café setzen oder auf eine Parkbank und nur mal die Leute beobachten. Abschalten und das Leben auf sich wirken lassen.

Auf ein paar Seiten wird auch das Reisen mit Kindern in den Fokus genommen. Hier habe ich aber ehrlich gesagt nichts Neues für mich bzw. uns entdecken können.

Wie schon gesagt, vielleicht gehöre ich nicht zur richtigen Adressaten. Es ist ein tolles Buch für Leute, die genau diese Achtsamkeit verlernt haben: Workoholics, digitale Nerds, Reise-Muffel…… Vielleicht fällt ihnen noch der ein oder andere Bekannte ein, der von den Inhalten des Buches profitieren könnte.