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Veröffentlicht am 02.02.2019

psychologisch packender Roman

Wer ist Michael Swann?
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In dem Roman „Wer ist Michael Swann?“ geht es um ein Bombenattentat auf die Penn-Station in New York. Der Protagonist Michael Swann ist wartet während des Attentats am Bahnhof auf seinen Zug. Kurz vorher ...

In dem Roman „Wer ist Michael Swann?“ geht es um ein Bombenattentat auf die Penn-Station in New York. Der Protagonist Michael Swann ist wartet während des Attentats am Bahnhof auf seinen Zug. Kurz vorher nimmt er noch Kontakt zu seiner Frau Julia und den Kindern auf. Diese erfährt durch die Nachrichten von der Explosion und versucht erfolglos mit Michael Kontakt aufzunehmen. Um ihren Mann zu finden, macht sie sich auf den Weg zum Ort des Geschehens.

Erfolglos kehrt sie zurück und wird in einem veröffentlichten Video einer Überwachungskamera damit konfrontiert, das ihr Mann der Attentäter sein soll. Sie glaubt jedoch an die Unschuld ihres Mannes und versucht nun ihren Mann noch vor der Polizei zu finden. Es gibt Hinweise, das er überlebt hat und nun beginnt eine Jagd nach Michael. Wer kann ihn zuerst finden?

Mir gefällt das Buch ganz gut. Man merkt schnell, das Bryan Reardon Psychologie studiert hat. Er versteht es perfekt Personen, Orte und das Geschehen ins rechte Licht zu rücken. Das Attentat hat mich an die Ereignisse von 9/11 erinnert und ich hatte schnell wieder die schrecklichen Bilder von damals vor Augen. Auch die in der Öffentlichkeit aufkommenden Verdächtigungen, die gegenseitige Unterstützung in der Bevölkerung und die Macht der Medien werden thematisiert.

Nach Bekanntwerden des Attentats stehen Freunde und Familie hinter Julia und unterstützten sei in ihrem Vorhaben Michael wiederzufinden. Dies wechselt aber ganz schnell, als Michael als Verdächtiger durch die Behörden zur Fahndung ausgeschrieben wird. Es ist ein Wechselbad der Gefühle.

In Rückblenden erfährt der Leser die Geschichte von Julia und Michael. Vieles setzt sich bis zum packenden bzw. erschreckenden Finale wie ein Puzzle zusammen. Immer wieder stellten sich mir als Leser neue Fragen zum Geschehen.

Zusammenfassend kann ich das Buch empfehlen. Es spielt viel mit psychologischen Komponenten und ist daher auch kein Thriller in Sinne von Action und wilden Verfolgungsjagden. Natürlich muss man dies auch mögen. Ich habe das Buch nicht aus der Hand legen wollen. Auch wenn es inhaltlich den ein oder anderen Logikfehler gibt, ist es dennoch ein gelungener Roman.

Veröffentlicht am 09.12.2018

packender MEDIZIN-Thriller mit Verbesserungsbedarf

Unter dem Messer
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Ich habe mich im Rahmen einer Leserunde für das Buch beworben und wurde als Leser ausgewählt. Mich haben drei Gründe bewogen, das Buch lesen zu wollen. Zum einen, weil es sich um einen Thriller aus dem ...

Ich habe mich im Rahmen einer Leserunde für das Buch beworben und wurde als Leser ausgewählt. Mich haben drei Gründe bewogen, das Buch lesen zu wollen. Zum einen, weil es sich um einen Thriller aus dem medizinischen Bereich handelt, weil der Autor selber ein Arzt ist und die Rahmengeschichte (unter anderem Nanotechnologie und der Einsatz neuer Techniken in der Medizin) angesprochen haben. Wahrscheinlich liegt es auch daran, da ich selber im Gesundheitswesen tätig bin, mit moderner Röntgentechnik umgehe und medizinisches Spezialequiqment zur Behandlung von Herzerkrankungen einsetze.

In der Geschichte wacht die renommierte Chirurgin Rita Wu nackt auf einem OP Tisch auf, auf dem sie selber in Kürze mit einem neuen chirurgischen Roboter eine Operation durchführen soll. Und als wenn das nicht reicht, hört sie plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf. Diese übernimmt die Kontrolle über Rita und fordert Sie auf…… Nun ja! Das sollte erst einmal reichen.

Das Cover hat mir zu Beginn zugesagt. Als ich jedoch das amerikanische Originalcover gesehen habe, hätte ich mir dieses auch für den deutschen Markt gewünscht.

Wie ich schon erwähnte ist der Autor Kelly Parsons selber als Mediziner tätig. Sein Spezialgebiet ist die Chirurgie und er lehrt als Professor an zwei amerikanischen Universitäten. Auf seiner Homepage erfährt man, das er seit über 20 Jahren Vorlesungen und Schulungen bei Ärzten, Krankenschwestern, Krankenhausleitern, Wissenschaftlern, Medizinstudenten, Führungskräften, Patientengruppe und Gemeinschaftsorganisationen hält.

Warum ich das so ausführlich erläutere? Kelly Parsons hat einen mitreissenden tollen Schreibstil, welcher mich zu Beginn wirklich mitgereisten hat. Man merkt, das er in der Materie steckt und diese auch gut vermitteln kann. Statt einzelner Überschriften in den Abschnitten, nutzt er den Namen der Charaktere, um die Geschichte zu erzählen. Dies war am Anfang für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten wirklich praktisch. So konnte ich mich immer schnell auf den entsprechenden Charakter einstellen. Die Hauptakteure werden gut beschrieben und durch diverse Rückblenden erfährt der Leser einiges über die Vergangenheit. Die Inhalte sind so „platziert“, das man langsam an die Geschichte herangeführt wird und die Charaktere und deren Verhalten besser einordnen kann.

Das Fachwissen wird zu Beginn spannend ins Spiel gebracht. Im Zwischenteil merkt man aber auch schnell, dass der Autor ein wenig „zu sehr“ in der Materie ist und vergisst, das nicht jeder Leser „vom Fach“ ist. Über viele Seiten beschreibt er in aller Ausführlichkeit medizinisches Equipment und Vorgehen. Wenn man nicht vom Fach ist, kann man aber mit einigen Sachen nichts anfangen. So wird für viele Leser der „C-Bogen“ (welcher mehrfach erwähnt wird) ein Rätsel bleiben. Dabei wäre es so einfach gewesen, dem Leser dieses fahrbare Röntgengerät in einem Nebensatz erklären zu können. Das hätte aber auch dem Lektor oder Übersetzer auffallen können. Und wenn man schon den Inhalt nicht ändern möchte, hätte ein medizinisches Glossar ein wenig mehr Klarheit bringen können.

Der ausführliche medizinische Mittelteil, „bremst“ die Geschichte aus und läßt den Spannungsbogen abfallen. Zum Ende hin überschlagen sich dann aber die Ereignisse und ein kommt zu einem fulminanten Finale. Meiner Meinung nach wirkt es ein wenig überzogen.

Mir hat das Buch dennoch gefallen. Die Idee mit den Nanoteilchen und dem medizinischen Equipment sind nicht weit hergeholt. Ein paar Anleihen (Story und Charaktere) aus „Greys Anatomy“, „Terminator“ und „Anatomy“ haben der Story keinen Abbruch getan. Gerade Fans von „Greys Anatomy“ werden sich dabei ertappen, den ein oder anderen Charakter zu vergleichen.

Den medizinischen Hintergrund als Setting für einen Thriller zu nutzen, ist nicht neu. Kelly Parsons hat seine Geschichte, bis auf einen etwas langatmigen, aber mit vielen Backgroundinformationen gespickten Zwischenteil, sauber und gut zu Papier gebracht. Es empfiehlt sich jedoch ein medizinisches Interesse mitzubringen und sich „anstecken“ zu lassen.

Veröffentlicht am 19.03.2019

gut recherchierter Zukunftsroman mit Bezug zur gesellschaftspolitischen Realität

Das Feuer der Erde
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Artikel zur Umweltpolitik und Klimaveränderung lassen sich immer wieder in den Medien finden. Nicht zuletzt auch durch das Engagement der sechzehnjährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden. Die ...

Artikel zur Umweltpolitik und Klimaveränderung lassen sich immer wieder in den Medien finden. Nicht zuletzt auch durch das Engagement der sechzehnjährigen Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden. Die durch ihr ins Leben gerufene Aktion „Fridays for Future“, hat das Thema „Klimawandel “ wieder in Erinnerung gebracht. In Deutschland nimmt die Politik die Aktionen zwar wahr, aber eher aus dem Gesichtspunkt der „Schulschwänzerei“. Die Schüler sollten doch lieber nach der Schule protestieren. Frei nach dem Motto „Um das Klima kümmern wir uns, wenn es ernst wird.“ Ob jetzt der Vorschlag Greta Thunberg zum Nobelpreis zu nominieren, eine Alibi-Nominierung ist, um für Ruhe zu sorgen und das Thema ad acta zu legen bleibt abzuwarten.

Das neue Buch von Leo Aldan passt in die aktuellen politischen Diskussionen, greift das Thema „Klimaveränderung“ sowie dessen Folgen auf und zeichnet eine düstere Zukunftsperspektive.

Klappentext:

Auf einer Expedition in die Antarktis macht die Vulkanforscherin Dr. Georgina Finley eine erschreckende Entdeckung: Erwachen unter dem jahrtausende alten Eis hunderte Vulkane?
Rund um die antarktische Platte registrieren Seismographen merkwürdige Schwingungen. Erdbeben erschüttern Neuseeland und Chile. Eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes kündigt sich an. Doch niemand, weder Wirtschaftsbosse noch Politiker, will Georginas Warnungen glauben. Mit einem Mal sieht sich die junge Wissenschaftlerin inmitten eines weltweiten Komplotts aus Machtgier und Manipulation. Jayden Turkov, ein skrupelloser Industrieboss, der den Energiesektor ganzer Kontinente beherrscht, setzt alle Hebel in Bewegung, um sie auszuschalten. Viel Zeit bleibt Georgina nicht, um die Umweltkatastrophe und damit den Tod von Millionen Menschen zu verhindern. Sie trifft eine folgenschwere Entscheidung …
  
Das Szenario erinnert an Filme wie „2012“, „San Andreas“ oder „The Day After Tomorrow“. Oder auch an das Buch von Frank Schätzing „Der Schwarm“, wo sich die Natur gegen die Eingriffe des Menschen währt. Und wie auch bei den bekannten Storys entdeckt eine Wissenschaftlerin ein „Ungleichgewicht“ im ökologischen System, das mit folgenschweren Ereignissen für die Erde und die Menschheit einhergeht.

Die Geschichte spielt im Jahr 2029 in einer fiktiven Zukunft. Vieles hat sich schon verändert. Es gibt autonom fahrende Elektro-Fahrzeuge, weniger Flugzeuge in der Luft, Wetterschwankungen, leichte Beben (Plattenverschiebungen), …. Aber auch in der Zukunft hat man es immer noch nicht geschafft, den Klimawandel zu stoppen.

Dr. Magdalene Georgina Finley ist die Wissenschaftlerin (Geologie und Vulkanforschung), die die sich anbahnende Katastrophe schon seit längere Zeit beobachtet. Zusammen mit ihren Arbeitskollegen Camille und Nicky versucht sie darauf aufmerksam zu machen.

Die Industrie sponsert die Wissenschaftler, dreht ihnen aber auch den Geldhahn zu, wenn ihre Interessen nicht vertreten oder bedroht werden. Hier geht es nur noch um Lobbyismus in seiner reinsten Form. Die Medien nehmen die sich anbahnende Katastrophe nicht ernst und nur eine Gruppe von Untergrund-Aktivisten unterstützt Georgina.

Ihr größter Widersacher Jayden Turkov, steht beispielhaft für korrupte und machthungrige Politiker, einflussreiche Medien-Mogule und geldgierige Industrievertreter. Er geht zur Wahrung seiner Interessen wortwörtlich über Leichen.

Bei meinem Fazit tue ich mich ein wenig schwer! Das Buch könnte auch verfilmt werden und würde sich als Katastrophen-Blogbuster in die oben genannte Filmreihe einfädeln. Es werden alle Klischees des Genres bedient und das Ende habe ich schon recht früh erahnt.

Trotzdem ist da aber der tolle Schreibstil von Leo Aldan. Er zieht sich durch das gesamte Buch. Er erzählt die Geschichte aus vielen Perspektiven, was der Handlung aber keinen Abbruch tut. So erfährt das Leser bis zum Ende des Buches, was mit den Charakteren und Schauplätzen geschieht. Der Spannungsaufbau steigert sich bis zum finalen Ende. Man fiebert nahezu mit Georgina und ihren Weggefährten mit. Die Protagonisten sind toll herausgearbeitet und in Szene gesetzt.

Ein Zitat eines Taxifahrers aus dem Buch hat mich ganz stark an eine Aussage des aktuell amtierenden amerikanischen Präsidenten erinnert:

»Und bei so einer Kälte reden die Eierköpfe von Klimaerwärmung?«, brummte der Fahrer. »Alles Lügen und Panikmache!«
(Zitat aus dem Buch „Das Feuer der Erde“ (Leo Aldan)

Die original Zitate finden sich bei Twitter und lauteten:
„Es ist Ende Juli und echt kalt draußen in New York. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung? Wir brauchen dringend was davon. Jetzt heißt das Klimawandel.“
auf Twitter, 28. Juli 2014

„Die Polkappen sind so hoch wie nie, die Eisbären-Population war nie stärker. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“ „Die Polkappen sind so hoch wie nie, die Eisbären-Population war nie stärker. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“
 auf Twitter, 29. Oktober 2014

Das mein Gedanke gar nicht so abwegig war merkt man auch an dem im Buch amtierende amerikanische Präsident mit dem Namen David Tull. Das die Initialen nicht unbeabsichtigt so gewählt wurden, hat mit Leo Aldan in einer Nachfrage bestätigt.

Man merkt es dem Roman an, das sich Leo Aldan im Vorfeld mit der Materie auseinandergesetzt hat. In einer Leserunde schreibt er dazu:

„Tatsächlich hat man erst vor wenigen Jahren Vulkane unter dem Eis der Antarktis gefunden – und warnt. Links zu den Artikeln finden sich auf meiner Webseite: http://storyecke.de/DasFeuerder_Erde.html
Die Supervulkane sind schon lange bekannt, obwohl viele nicht wissen, dass einer hier in Deutschland unter der Eifel schlummert. In den letzten Jahren scheint sich der Druck in dessen Magmakammer aufzubauen. Supervulkane brechen Wissenschaftlern zufolge alle vierzigtausend Jahre aus – einige sind inzwischen überfällig.

Lange Worte, kurzer Sinn: ich habe eine Menge recherchiert, über das Wetter, den CO2-Fußabdruck von Elektroautos, über die Menge Eis auf der Antarktis, Massenschmelze, Änderungen im Magnetfeld der Erde, Polsprung, Plattentektonik, Entstehung und Ausbreitung von Schockwellen im Ozean (Tsunamis) … Gibt es im Flugplatzrestaurant von Gaithersburg (USA) die besten Hamburger? Wie es heute ist weiß ich nicht, aber vor ein paar Jahren waren sie fantastisch.“

Aber nicht nur die Links auf seiner Homepage sprechen für seine Recherchen. Ich stand während des Lesens des Buches im Kontakt mit ihm und konnte ihm Fragen stellen. So habe ich unter anderem erfahren, das er im Vorfeld über Facebook in einer Klima-Gruppe aktiv war und sich  dort austauschen konnte. Nicht nur der amtierende amerikanische Präsident hat mit Twitter-Artikeln für Unruhe in der Klimafrage gesorgt. Auch in er deutschen Politik hat er Parteien ausfindig machen können, die die Beteiligung von Menschen am Klimawandel negieren.

Mich hat das Buch durch den Schreibstil und die Verknüpfung mit aktuell politischen Geschehnissen überzeugt. Ich möchte diese Rezension mit meinem Lieblingszitat aus dem Buch beenden:

„Ob sich noch einmal intelligente Wesen entwickeln würden? Intelligentere als Homo sapiens? Wie konnten sich die Menschen als intelligent bezeichnen, wenn sie es geschafft hatten, aus Profitgier und Ignoranz ihre Lebensgrundlage und damit sich selbst zu zerstören?“
(Zitat aus dem Buch „Das Feuer der Erde“ (Leo Aldan)

Veröffentlicht am 13.03.2019

kriminalistische Story mit Tiefgang oder „der Balkon zum Hof“….

Mordsirrtum
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Es müssen nicht immer „Top Autoren“ sein, die ein „dickes“ Buch schreibe, Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die Werbetrommel anwerfen, damit ihre  Leser ansprechen und in ihren Bann ziehen. Vielmehr geht ...

Es müssen nicht immer „Top Autoren“ sein, die ein „dickes“ Buch schreibe, Öffentlichkeitsarbeit betreiben, die Werbetrommel anwerfen, damit ihre  Leser ansprechen und in ihren Bann ziehen. Vielmehr geht es auch „klein“ und „fein“!

Das Taschenbuch ist mit 132 Seiten klein und kompakt gehalten. Es läßt sich gut mitnehmen und z.B. in Wartezimmern oder Bus- und Bahn lesen. Das Cover ist einfach gehalten und verspricht mit seinem Titel und dessen Aufmachung eine spannende Geschichte und laut Coverbild auch ein „Schachmatt“.

Und tatsächlich! Nach den ersten Seiten ist man schon mitten im Geschehen. Der Leser lernt die beiden Protagonisten Ellen und Tom kennen, die erst spät zusammengefunden haben und sich seit einigen Jahren eine gemeinsame Wohnung in Berlin teilen. Es sind Menschen wie Du und ich. Jeder hat seine Lebenserfahrungen im Gepäck und kann diese  einbringen. Beide führen zusammen ein glückliches und geregeltes Leben. Bis…… Na, ja! Schauen sie in den ……

…..Klappentext:
Dieser Roman handelt von einer skurrilen Mordaufklärung im Sommer 2018 in einer gut situierten Gegend Berlins.
Seit fünf Jahren leben Ellen und Tom in einem Haus, das wie ein Spiegelbild auf der anderen Seite einer kleinen dazwischenliegenden Privatstraße ein zweites Mal existiert. Beide begegnen ihren Nachbarn selten und hegen kein sonderliches Interesse an deren Privatleben.
Nach einem Einbruch in der Wohnung unter ihnen werden routinemäßig alle Hausbewohner befragt. Weder Ellen noch später Tom in seiner Auskunft haben etwas Ungewöhnliches zu berichten. Jedenfalls nichts, was an dieser Nachbarschaft nicht ohnehin augenscheinlich fraglich ist.
Als wiederholt eingebrochen wird, entsteht Unruhe im Kiez. Tom schenkt den Vorfällen keine weitere Beachtung, dementgegen Ellen verunsichert ist. Sie unterhält sich mit ihren Bekannten aus der Straße, die ihr Ungeahntes aus der Nachbarschaft erzählen. Alles scheint unklar und verzwickt. Ellens Interesse ist geweckt …

Um dieses Interesse aber zu stillen, muss Ellen aus ihrer „Komfortzone“ treten und auf ihre Nachbarn, Freunde, Bekannten und auch die eigenen Kinder zugehen. Dabei erlebt sie die ein oder andere Überraschung und verstrickt sich in immer komplexer werdende Theorien.

Keine Sorge! Als Leser behält man den Überblick und kann den Gedankengängen von Ellen gut folgen. Mehr noch! Es macht Spaß, das Buch zu lesen und man möchte es gar nicht so schnell aus der Hand legen. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen und muss sagen „Hut ab“! Klasse Geschichte.

Vieles erinnert mich an den alten Hitchcock Klassiker „Das Fenster zum Hof“ von 1954 mit James Stuart in der Hauptrolle. So wie damals L. B. Jefferies aufgrund eines Beinbruchs seine Wohnung nicht verlassen konnte und vom Fenster aus seine Nachbarschaft beobachtete, geht es auch Ellen. Sie arbeitet selbstständig von zu Hause aus, hat einen tollen Balkon und kennt ihre Nachbarn und die Inhaber der Geschäfte in ihrer Nachbarschaft. Nach dem besagten Einbruch, schaut sie aber genauer auf ihr Umfeld und versucht die Hintergründe des Einbruchs zu verstehen und aufzudecken.

Mit dem kriminalistischen Spürsinn eine „Miss Marple“ versucht sie ein Puzzle zusammenzusetzen. Oftmals musste ich bei den daraus entstehenden Dialogen grinsen. Ellen merkt schnell, wie wenig sie über ihre Nachbarschaft weiß, und tritt in das ein oder andere Fettnäpfchen. Als dann immer weniger Figuren auf dem Schachbrett stehen, kommt es zum spannenden Finale.

Gabriele Tetzlaff hat mit ihrem Taschenbuch eine tolle Geschichte veröffentlicht, welche zum Nachdenken anregt und dem Leser andere Perspektiven einnehmen läßt. Ich habe gemerkt, das sie als „Personal- und Business-Coach“ in allen Lebenslagen, ihre Erfahrungen aus jahrelanger Arbeit, mit in das Buch hat einfließen lassen. Sie hält dem Leser einen Spiegel vors Gesicht und oftmals musste ich mich hinterfragen, ob ich meine Nachbarn wirklich so gut kenne? Wir wohnen zum Glück in einem kleinen ruhigen Umfeld, mit wenigen Nachbarn. Aber wie geht es Leuten in einer Stadt wie Berlin, Hamburg oder München? Die Kinder sind aus dem Haus und kommen nicht mehr regelmäßig vorbei. Vieles wird über das Telefon oder Internet geregelt. Jeder geht seinen eigenen Weg und verliert dabei den Kontakt zu seinem Umfeld. Dies geschieht wohl eher in Großstädten als in kleineren Gemeinden, aber wahrscheinlich empfinden wie alle unterschiedlich und wie Gabriele Tetzlaff so schön sagt: „weil irgendwo dazwischen die Wahrheit liegt“.

Veröffentlicht am 12.03.2019

ansteigende Spannung bis zum packenden Ende

Das Ambrosia-Experiment
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Wie auch bei Volker Dützers Titel „Jenseits der Nacht“ handelt es sich um einen Thriller aus regionalen Gefilden. Diesmal spielt er in Koblenz und im Allgäu.

Klappentext:

Sie träumen von Unsterblichkeit ...

Wie auch bei Volker Dützers Titel „Jenseits der Nacht“ handelt es sich um einen Thriller aus regionalen Gefilden. Diesmal spielt er in Koblenz und im Allgäu.

Klappentext:

Sie träumen von Unsterblichkeit – und sind bereit, dafür über Leichen zu gehen
Auf der einen Seite: ein Mord in Koblenz. Eine Schönheitsklinik in den Alpen. Und eine Gruppe sehr reicher, sehr mächtiger Männer, die bereit ist, andere sterben zu lassen, um selbst am Leben zu bleiben. Auf der anderen Seite: die junge Laborantin Jule Rahn und der zwangsversetzte Kommissar Lucas Prinz. Beide fest entschlossen herauszufinden, was sich hinter den Machenschaften dieser Männer verbirgt. Gemeinsam kommen die beiden einem Verbrechen auf die Spur, dessen Ausmaß sie fassungslos macht. Und dessen Drahtzieher haben nicht vor, die beiden am Leben zu lassen …

Es ist gar nicht so einfach eine Rezension zu einem Roman zu erstellen, ohne viel vom Inhalt zu verraten. „Das Ambrosia-Experiment“ hat es mir echt angetan und ich habe es innerhalb weniger Tage durchgelesen. Es muss nicht immer ein Roman aus den Federn eines amerikanischen oder englischen Autors sein. Auch deutsche Autoren verstehen es tolle und mitreißende Romane zu schreiben. Klar ist Volker Dützer nicht so bekannt wie Sebastian Fitzek, aber der Inhalt seines neuen Werkes kann sich sehen bzw. lesen lassen.

Der Roman spielt, wie schon Anfangs erwähnt, in Koblenz und im Allgäu. Ich habe mich oftmals dabei erwischt, als ich mir in Google Maps die Karte von Koblenz aufgerufen habe. Klar findet man nicht alle beschriebenen Örtlichkeiten aus dem Buch, aber der grobe Rahmen stimmt und selbst die Eisenbahnbrücke über dem Rhein ist vorhanden. Der der Autor in der Nähe von Koblenz lebt, konnte er die Stadt auch gut in den Roman einbauen. Die dunkle Jahreszeit passt in die düstere Geschichte wie die „Faust aufs Auge“ und birgt gerade in den Allgäu Szenen noch mal eine andere Gefahr für die Protagonisten.

Wo wir schon einmal bei den Protagonisten sind. Zwei Charaktere stehen im Mittelpunkt des Romans von Volker Dützer. Da wäre zu einen der Kommissar Lucas Prinz und die Laborantin Jule Rahn. Beide haben mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen.

So wird Lucas Prinz nach Koblenz zwangsversetzt, nachdem er Kollegen „angeschwärzt“ hat. Oder wie Prinz selber sagt „Ich hab ins eigene Wohnzimmer gepinkelt. Das hat ein paar Leuten nicht gefallen.“ Er versprüht den Flair eines Horst Schimanski oder eines Max Ballauf. Aber auch wie diese genannten Kommissare hat Lucas Prinz einen weichen, einfühlsamen Kern. Vielleicht findet der ein oder andere noch einen anderen Vergleich. Mit diesen Kommissaren bin ich jedoch groß geworden und daher kommen sie mir in den Sinn. Vor Jahren von seiner Frau sitzengelassen zieht er zu seiner neuen Wirkungsstätte und steckt wieder mitten in einem neuen Fall und lernt dabei Jule Rahn kennen.

Jule Rahn ist eine junge Frau, die unter einer Zwangsneurose leidet. Wie schreibt Wikipedia dazu so treffend:

Bei einer Zwangsneurose kommt es zu dem Zwang, bestimmte, nicht sinnvolle Handlungen ständig zu wiederholen (Zwangshandlung) oder bestimmte, mit Angst besetzte Gedanken drängen sich der betroffenen Person immer wieder auf (Besessenheit).

- Zweifel (Unsicherheit, Handlungen nicht zufriedenstellend abgeschlossen, etwas falsch verstanden, getan oder unterlassen zu haben)
- Zählzwang (Arithmomanie) (bestimmte Dinge, die im Alltag auftauchen, werden gezählt)
- Wiederholungen (bestimmte Gedanken müssen ritualisiert wiederholt werden)

Es gibt noch weitere Zwangsneurosen, aber die drei Punkte beschrieben den Charakter von Jule am besten. Sie möchte nicht auffallen und zeigt dies auch durch ihre  unauffällige, einfache Bekleidung. Während des Romans erfährt der Leser immer mehr aus Jules Leben und darf gespannt auf Ihre Entwicklung sein.

Volker Dützer schafft es mit seinem Schreibstil den Leser schnell an die Charaktere zu binden und in die Geschichte abtauchen zu lassen. Die Sprache ist ausdrucksstark, präzise, mitreissend, packend und umschreibt viele Dinge mit einfachen, aber passenden Worten. Dazu findet sich zum Beispiel folgender Satz: „Auf der freien, ebenen Fläche würde ihr Verfolger sie so deutlich erkennen wie einen Blutfleck auf einer weißen Tischdecke.“ Gleichzeitig ist sie aber auch ehrlich und nicht geschönt. Das Beispiel mit „…ins eigene Wohnzimmer gepinkelt.“ spricht da für sich.

Die Story läßt sich ein wenig vom Titel ableiten „Das Ambrosia Experiment“. Ambrosia, oder auch beifußblättriges Traubenkraut gehört nicht zu den heimischen Pflanzenarten. Bei Homer kommt es in der Ilias und in der Odyssee als unsterblich machende Speise der Götter regelmäßig vor. Den gewöhnlichen Menschen wird es vorenthalten, wie man aus der Kirke-Episode der Odyssee sehen kann. (Quelle: Wikipedia)

Und wie damals bei den Göttern geht es auch in diesem Roman um die „Unsterblichkeit“. Nur statt den Göttern ist es hier Menschen vorenthalten, die Geld und Macht besitzen. Die Motive „Geld“ und „Macht“ bilden in vielen Romanen die Grundlage für das Handeln der „Bösewichte“. Hier kommt aber noch die „Unsterblichkeit“ hinzu und so ist es nicht verwunderlich, das diese Menschen sprichwörtlich „über Leichen gehen“, um ihre Ziele zu erreichen.

Die Geschichte beinhaltet viele reale Bezugspunkte und wirkt dadurch noch erschreckender, wie z.B. Rezeptdatenklau und -vermarktung, Gen-Manipulation und politische Seilschaften. Aber auch gesellschaftspolitische Themen wie die Ausgrenzung von alten Leuten aus der Gesellschaft lassen sich kritisch hinterfragen.

Alles in allem ist es ein gelungenes Werk von Volker Dützer. Wie die Zahnräder eines Schweitzer Uhrwerks greifen die Handlungsstränge und Charaktere ineinander über. Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es „Cliffhanger“, welche mich als Leser zum Weiterlesen verführt haben, auch wenn ich eigentlich das Licht ausmachen und Schlafen wollte.

Zum Schluss noch einer meiner Lieblingssätze aus dem Buch:
„Sie sind eine ausgesprochen hübsche und liebenswerte junge Frau, aber so verängstigt wie ein Hund, den man jahrelang geschlagen hat. Ich will endlich wissen, was Ihnen widerfahren ist … und wer dafür verantwortlich ist, dass Sie sind … wie Sie sind.“
 
Ich hoffe, ich konnte ihnen mit meiner Rezension einen ersten Eindruck zu dem Buch vermitteln. Volker Dützer hat auf seiner Homepage noch ein wenig mehr zur Entstehungsgeschichte zu „Das Ambrosis-Experiment“ veröffentlicht. Falls ich ihr Interesse wecken konnte, finden sie dort ein paar mehr Informationen