Wir können nicht in die Köpfe anderer Menschen schauen. Und das ist auch gut so.
Jenseits der Dinge
So wie es mir schwerfällt dieses Buch zu rezensieren, so muss es dem Schöpfer des Pressetextes gegangen sein. Er brauchte einen etwas reißerischen Aufmacher, den das Buch einfach nicht hergibt. Und so ...
So wie es mir schwerfällt dieses Buch zu rezensieren, so muss es dem Schöpfer des Pressetextes gegangen sein. Er brauchte einen etwas reißerischen Aufmacher, den das Buch einfach nicht hergibt. Und so kam er auf das Schauen in die Köpfe anderer Menschen. Das können wir natürlich nicht. Was die Psychologen in dieser Geschichte machen, ist etwas viel Einfacheres. Sie legen buddhistische Mönche in eine MRT-Röhre und quälen sie dann über Kopfhörer mit irgendwelchen wild zusammengestellten Geräuschen, die im Gehirn Reaktionen hervorrufen sollen. Auf ihren Bildschirmen leuchten dann Farben auf, die zeigen, wo im Gehirn solche Reaktionen stattfinden. Das ist im Grunde lächerlich, denn buddhistische Mönche müssen nichts beweisen, die Psychologie als Wissenschaft aber wohl doch.
Alles, was man von dieser Wissenschaft hört, sind Tatsachenbeschreibungen, die man auch durch gute Beobachtung erkennen kann oder schon kennt. Sie werden nur in schöne Formulierungen gepresst und mit einer Statistik untermauert, die bei genauerer Betrachtung nichts wert ist, weil entweder die Anzahl der Probanden zu gering oder ihre Auswahl nicht typisch für die Bevölkerung ist. Es sind meist aus Kostengründen nur wenige eigene Studenten.
In dieser Geschichte soll nun bewiesen werden, dass buddhistische Mönche ganz anders reagieren als der Durchschnittsmensch, der keine Zeit hat, um täglich stundenlang zu meditieren. Das hat man tatsächlich schon mit Zen-Buddhisten oder tibetischen Mönchen veranstaltet, um zu beweisen, was man sowieso schon weiß. Wäre die buddhistische Meditation nicht wirksam, wäre sie nicht über Jahrhunderte durch eine solche Praxis weitergegeben worden, sondern einfach verschwunden. Mönche haben aber ein Interesse an der Weitergabe ihrer Techniken, obwohl sie niemanden bekehren wollen, und die westliche Wissenschaft braucht irgendeine Sensation. Also trifft man sich.
Das ist der Ausgangspunkt in dieser Geschichte, in der es um buddhistische Mönche aus Südkorea geht. Sie kommen in die Schweiz in ein Team von Psychologen, das eine Studie durchführen möchte, in der das oben Beschriebene Thema ist. Die Autorin erzählt nun aus verschiedenen Sichtwinkeln, was dabei passiert, wobei es nicht nur um die Meditation und ihre Folgen geht, sondern mehr um die Zustände im Team der Psychologen.
So wie nur wenige Ärzte gesund leben, so braucht mancher Psychologe einen Psychiater, denn er kann seine Wissenschaft nicht einmal auf sich selbst anwenden. Wer das noch nicht wusste, bekommt es hier vorgeführt.
Und schließlich wird auch gezeigt, dass selbst eine diszipliniert durchgeführte ständige Meditation nicht alles reparieren kann, was dem Gehirn einmal angetan wurde. Es kommt in der Röhre ausgerechnet beim ältesten und erfahrensten Mönch zu einem Trigger durch die Geräuschkulisse, der nicht ohne Folgen bleibt.
Ein solches Buch zu schreiben, erscheint mir mutig, denn es erzählt eine Geschichte, die nur wenige Menschen tangiert. Wer sich jedoch für Meditation interessiert oder wer sich dem modernen westlichen Achtsamkeits-Hype verbunden fühlt, wird in diesem Buch sicher einige Hinweise finden, denn es berichtet auch über gewisse Methoden in diesem Zusammenhang. Gleichzeitig aber zeigt es auch, dass sie in Situationen, in denen man sie braucht, oft nicht funktionieren. Oder jedenfalls nicht so wie erhofft. Denn um sie wirklich zu beherrschen, braucht es viel Disziplin und Zeit, die der moderne Mensch nicht besitzt. Er ist eben kein Mönch mit einem strukturierten Tag und viel Zeit für Meditation.
Was nicht heißen soll, dass all diese Techniken gar nichts bringen. Aber man braucht außer Zeit eben auch viel Geduld und Gleichmut, wenn man sie erlernen möchte. Eigenschaften also, die man sich gerade ersehnt. Gott hat eben viel Humor. Und: Wenn man mit Meditation ein Ziel verbindet, wird man scheitern.
Ob nun gewollt oder nicht erzählt die Autorin auch über die gelegentliche Hohlheit des Wissenschaftsbetriebes. In diesem Fall wollen Leute eine Studie über die Wirksamkeit buddhistischer Meditation machen, haben aber keine Ahnung davon, was diese Meditation eigentlich ist. Darüber hinaus interessieren sie sich nicht für die Geschichte ihrer Probanden, obwohl sie wissen müssten, dass ihr Verfahren auch zu Triggern führen kann. Wie soll man das nennen? Unprofessionell, unethisch oder respektlos?
Ein interessantes Buch, wenn man etwas im Thema steckt.