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Veröffentlicht am 22.07.2025

Starker, emotionaler Mittelteil – der Abschluss der „Nytefall-Trilogie“ kann kommen!

The Night is Defying
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„The Night is Defying“ ist Teil zwei der „Nytefall-Trilogie“ von Chloe C. Peñaranda und führt die Geschehnisse des Auftakts fort. Konnte mich „The Stars are Dying“ nicht zu Gänze von sich überzeugen – ...

„The Night is Defying“ ist Teil zwei der „Nytefall-Trilogie“ von Chloe C. Peñaranda und führt die Geschehnisse des Auftakts fort. Konnte mich „The Stars are Dying“ nicht zu Gänze von sich überzeugen – was hauptsächlich an den oberflächlichen Gegebenheiten, Wiederholungen und einer wirren Handlung lag –, zog mich diese Fortsetzung – auch emotional – komplett in ihren Bann.

Aus der erinnerungslosen und unsicheren Astraea wurde eine wahre Kriegerin, die sich nun ihrer Identität, ihrer Macht bewusst ist. Erst langsam, dann mit voller Wucht lernt das Kind zweier Gottheiten, ihre Kraft zu beherrschen, entdeckt die ausgelöschten Fragmente ihrer Selbst, findet zurück zu der Größe, die sie einst war, zu der Liebe, die sie einst spürte. Für Nyte. Und trotz der Gewissheit, wo ihr Platz ist, muss Astraea jene Wege gehen, die ihr bestimmt sind, muss ihr Volk sehen, all die, die vor Jahrhunderten FreundInnen, Familie waren – und stolpert. In Hinterhalte, in Verrat, in lang gesponnene, weitreichende Intrigen …
„Nightsdeath“ kann nichts weiter tun, als an der Seite des strahlendsten Sterns zu stehen, wenn das auch heißt, sie gehen zu lassen …

„𝓙𝓮𝓽𝔃𝓽. 𝓓𝓪𝓶𝓪𝓵𝓼. 𝓤𝓷𝓭 𝓯𝓾𝓮𝓻 𝓲𝓶𝓶𝓮𝓻.“

Peñaranda bestückte den zweiten Band ihrer düsteren Fantasy-Serie mit der bisher fehlenden Tiefe – so erfahren wir einiges über die Vergangenheit der konträren – verfeindeten – Protagonisten, über den Fluch ihrer Verbindung, die selbst der Tod nicht zu zerreißen vermag, über die Uneinigkeiten, Kriege und Vorurteile zwischen Celestials, Vampiren und Fae, den Egoismus der Unsterblichen und über die hier eindrucksvoll erschaffene Welt, die vor Korruption, Unterdrückung, Rassismus und (Macht)Gier strotzt.

Die mystischen Fähigkeiten, die Darstellung der verschiedenen Wesen und das Worldbuilding insgesamt sind originell, die Atmosphäre von Misstrauen, Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit durchzogen. Es war herzzerreißend, den klaffenden Zwiespalt von Nyte und Astrae auf so eindringliche Art zu erleben – ihre grenzenlose Liebe im Austausch für das Gleichgewicht von Solanis?! Das Ringen mit Prophezeiungen, Vorverurteilungen und den eigenen Selbstvorwürfen zu verfolgen, sehen zu müssen, wie die Guten fallen und wie bedingungslos, endgültig diese Beziehung ist. Leidenschaftliche Schwüre, aufrichtige Geständnisse, die Intensität der Emotionen, die Kraft der von Chloe C. gewählten Worte gingen nah. Trieben mir Tränen in die Augen – so wie mich die letzten 25% des Öfteren den Kopf abwenden, die Augen vor der Grausamkeit, vor der Endlichkeit schließen ließen.
Im Verlauf werden Fragen beantwortet, Geheimnisse gelüftet und Lücken gefüllt, neue geschaffen und gleichzeitig Pläne geschmiedet, Rache geübt, Schlachten geschlagen und vor Zorn gewütet – die Autorin verschont weder die LeserInnen vor ungeahnten Verlusten noch ihre Figuren, die geprüft und gequält werden. Brutal, gewaltvoll, blutig.

Doch inmitten der Düsternis blitzen auch romantische, innige Momente auf, harsche, stimmungsvoll inszenierte Intimitäten, Freundschaften und leise Gefühle von Glück.
Eine Rebellion, die nach Veränderung strebt.
Abgesehen des im Vordergrund stehenden Paares treffen wir auf weitere Charaktere, die ausreichend bis stark integriert und ausgearbeitet wurden: Zephyr, Drystan, Rose, Davina, Lilith, Zath, Auster (…) bereichern die Storyline, treiben ungute Vorahnungen in die Höhe, zeigen ungeahnte Seiten – sind Verräter und Feind oder wahrhaftig Freund?

Stilistisch ist „The Night is Defying“ malerisch und lebendig geschrieben. Sehnsucht und Verlangen kamen spür-, Setting und Verlauf vorstellbar zur Geltung. Kämpfe und Konfrontationen verströmten durchweg Tempo und Aufregung und sowohl die Entwicklung von „Starlight“ als auch jene von „Nightsdeath“ – unerwartet sanft und warm – ging authentisch und wendungsreich vonstatten. Es war so leicht, sich von dieser Geschichte, ihren Twists und der Tragik mitreißen zu lassen. Zu leiden. Zu hoffen. Zu hassen.

Verlust und Wut, Zweifel und Ängste, purer Schmerz, Rachsucht und reine, allen Widrigkeiten zum Trotz bestehende Liebe – aufrechterhalten durch Jahrhunderte und nachtschwarze Stürme, in bodenloser Dunkelheit und blendendem Sternenlicht – durchziehen die detailreich ausgearbeitete, ereignis- und erkenntnisreiche, bittersüße Handlung. Und ja, das Ende hat die Kraft, Herzen zu brechen.

Abgesehen der großartigen Aufmachung, findet sich im Anhang eine Hilfe zur Aussprache einzelner Namen und Bezeichnungen. Auch die Karte, die die Endpages ziert, ist der Orientierung und der Verbildlichung zuträglich. Was ich jedoch wirklich wichtig und wünschenswert gefunden hätte: ein kurzes „Was bisher geschah“, ein Personenverzeichnis, denn es kommen (und gehen) eine Vielzahl von Figuren, und ein Glossar, um Begriffe zuordnen zu können.

Starker, emotionaler Mittelteil – der Abschluss der „Nytefall-Trilogie“ kann kommen!

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Veröffentlicht am 20.07.2025

CliFi trifft auf Dystopie und eine Slow-Burn-Liebe ...

Fable for the End of the World
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In ihrem neuen Roman fackelt Ava Reid nicht lange – „Fable for the End of the World“ reißt uns in eine dystopische Welt, in der tödliche Spiele zur Unterhaltung beitragen und „Engel“ auf die Jagd gehen ...

In ihrem neuen Roman fackelt Ava Reid nicht lange – „Fable for the End of the World“ reißt uns in eine dystopische Welt, in der tödliche Spiele zur Unterhaltung beitragen und „Engel“ auf die Jagd gehen …

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was die Unterschiede, die jeweiligen Situationen und Intentionen der Protagonistinnen darlegt und dafür sorgt, dass wir Reaktionen und Verhalten nachvollziehen können.

Inesa, die durch die Schulden ihrer Mutter in die Rolle eines „Lamms“ gedrängt wird, bleibt nichts anderes übrig, als bei den verhassten Wettkämpfen um ihr Leben zu rennen und somit zur Belustigung der „Obigen“ beizutragen. Nur ihrem Bruder Luka kann sie noch vertrauen.
Melinoë ist jener Engel, der es auf Inesa abgesehen haben sollte, doch statt ihrem „Instinkt“, ihrer Aufgabe nachzugehen, verliert sie sich in einem unerwarteten Zwiespalt – zwischen Gefühlen, die sie nicht empfinden dürfte, und ihrem Dasein als gnadenlose Jägerin.
Schon bald müssen beide Frauen um ihr Überleben kämpfen …


Ava Reid schafft es, von der ersten Seite an zu fesseln und mit ihren ungleichen, starken Figuren, den Umständen ihrer Begegnung und einem grausamen System zu faszinieren. Obgleich „Spiele auf Leben und Tod“ kein neues Element ist, wurde dieses originell und spannend ein- sowie umgesetzt. Es war durchweg interessant, die geschaffene, logisch aufgebaute Welt und die – von innen heraus strömende – Bedrohung, die Gegebenheiten und Hierarchien zu ergründen und sich rege überraschen zu lassen. Die Autorin verzichtet weder auf Action noch auf sanfte Töne, welche vornehmlich in der Liebesgeschichte, die zu keiner Zeit die eigentliche Handlung überlagert, zu finden sind. Das aufeinander zubewegen von Melinoë und Inesa erfolgt sachte, den gefährlichen Umständen entsprechend nicht ohne Misstrauen, und fügt sich wunderschön in die nervenaufreibende Storyline. Slow-Burn vom Feinsten und somit durchweg greif- und spürbar.

Dass das Thema Klimawandel/Umweltkatastrophen verwoben ist, die Liebe allen Widrigkeiten zum Trotz und der Wunsch nach Veränderung – mit der Bereitschaft, für diese Opfer zu bringen – machen „Fable for the End of the World“ zu einem aktuellen, realen Fantasy-Roman.

Stilistisch möchte ich erwähnen, dass Reid mit ihren klaren, zugleich eindringlichen Worten tief berührt, wir detailreich, aber ohne Ausschweifungen durch einen stimmig aufgebauten, lebendig konzipierten Verlauf geführt werden. Mitfiebern und -leiden inklusive.


Dramatisch, temporeich und romantisch: „Fable for the End of the World“ ist ein Muss.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Turbulent. Unterhaltsam. Herzallerliebst.

Die Arcyrion-Akten – Fall 2: Die falsche Verbrecherin
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Kiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin ...

Kiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin alltäglichen Kleinigkeiten nach. Außerdem wäre da noch das mehr schlecht als recht laufende Talent-Training bei Gina Monroe, die Ungewissheit, in welcher Beziehung Neith zu ihr steht, der sich merklich verschlechternde Zustand von Aiken und Kiaras eigene Trauer.
Doch als in einem schwer gesicherten Lagerhaus von V.A.U.L.T. eingebrochen und ein fragliches Artefakt entwendet wird, Tote auftauchen und ihre Freundin verdächtigt wird, spitzt sich die Lage für Brocks, Draven und ihr „Team“ zu. Schon bald wünscht sich Kiara die ruhigen Tage sehnlichst zurück … denn die Zeit, um den tatsächlichen Schuldigen zu finden, läuft unaufhörlich ab …

Teil zwei der Arcyrion-Akten entfaltet rasch einen ganz eigenen Sog, der uns zum einen die verlorene Welt der Dreuaner sowie die hiesige, noch immer nicht freie, von Ungerechtigkeiten und veralteten Hierarchien dominierte Situation der „Flüchtlinge“ und zum anderen die relevanten, bereits bekannten Figuren näherbringt.
Luke, der mit einer Krankheit und seinen düsteren Zukunftsaussichten; Draven, der mit seinem Stand unter seinesgleichen und dem, was in ihm wohnt, ringt. Gina, die nicht in der Position ist, Schwäche zu zeigen, und sich bereits durch zu viele Kämpfe geschlagen hat. Neith, die um keinen Preis ihre Geheimnisse offenbaren will, selbst wenn das bedeutet, ein Dasein als Gefangene zu fristen. Etwas, das Kiara unter keinen Umständen zulassen kann und wird – eine nervenaufreibende, aussichtslose Spurensuche, schwelende Konflikte und gewagte Schauspielerei (…) stehen auf dem Plan. Dabei sind die Initiatoren des Schlamassels näher als geahnt und der wahre Strippenzieher ein Gegner, der mit Macht und Einfluss selbst Hochsicherheitsorganisationen infiltrierte …

Zuerst: Evelyne Aschwanden leitet den zweiten Teil ihrer Urban-Fantasy-Serie mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse ein und beendet diesen mit einem Glossar – besser geht’s nicht!
Die Handlung setzt ungefähr drei Monate nach Kiaras Kündigung im öden Bürojob an, sodass ein deutlicher Fortschritt in ihren Fähigkeiten sowie ein spürbares Einfinden in der übernatürlichen – dreuanischen – Gesellschaft zu vernehmen ist. Neben Brocks sind vor allem Arik Draven, den ich unglaublich schätze und ins Herz geschlossen habe, Luke Vanderbilt, der mit sensiblen Seiten und unerwartet harschen Fähigkeiten mehrfach zur Hilfe eilt, Neith Morrigan, ein impulsives Feuer-Talent mit zwielichtigem Geschäftssinn, und Gina Monroe, Wächterin und Anführerin der Dreuaner, detailreich ausgearbeitet und stets präsent. Eben immer vor Ort, wenn Chaos ausbricht …

„Die falsche Verbrecherin“ ist spannend aufgebaut, zu keiner Zeit langweilig, oft herzerwärmend und durch Evelynes authentischen, humorvollen Stil leider zu schnell vorbei. Feingliedrig wurde sich eine urbane Welt erdacht, in der alles – von den unterschiedlichen Talenten und Daemonen bis zu den Taschendimensionen und den involvierten Menschen – logisch abgestimmt scheint. Für den Fall zuträgliche sowie allgemeine Informationen, turbulente Ermittlungsarbeiten und etliche Theorien über Identität und Intention des Einbrechers/Diebs halten sich mit waghalsigen Ereignissen, Action und Kampf, schmerzlichem Verrat und leiser Verzweiflung die Waage. Zwischendurch blitzen zarte, gefühlvolle Momente, bewegende Erkenntnisse und Blicke hinter Fassaden, hinter stoische Beherrschung, auf. Wie gewohnt ist zwar der romantische Strang gegeben, ohne jedoch die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Aschwanden flocht wiederholt die schwierige, wackelige Situation der „Zuwanderer“, Vorurteile und Ausgrenzung, persönliche Traumata und tragische, verlustreiche Vergangenheiten ein – und schlägt mit diesen Themen einen Bogen zu der „unseren“ Gegenwart, weckt Mitgefühl und Verständnis. Dass auch 5 Jahre nach dem Fall von Nimralis nicht alle geretteten Dreuaner die Otra, die einstige Ordnung, und ihren Rachedurst hinter sich gelassen haben, zwei konträre Gruppen radikal aufbegehren, erschwert Monroes Vorhaben, für Frieden und Gleichheit zu sorgen, und macht Vertrauen so kostbar …

Für Draven & Co. gibt es nur wenige Pausen, dafür türmen sich die Sorgen, Ungereimtheiten führen in Sackgassen, Verrat schockiert – und all das ist nur mit Sarkasmus, bitte viel davon, zu ertragen. Abgesehen der Idee, die den Arcyrion-Akten zugrunde liegt, ist die Darstellung von „Vampiren“, „Daemonen“ und „Wandlern“ sowie die verschiedenen Kräfte übrigens ziemlich cool.
Fall Nummer 2 ist abgeschlossen, jedoch versprühen die letzten Kapitel böse Vorahnungen und leiten grundlegende Veränderungen ein – „Gefangene der Zeit“ kann kommen.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Nette Rockstar-Romance

Raven’s Melody: Rockstar Romance
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Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der ...

Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der Thunderbirds zurückzutreten. Nur ein Deal könnte ihn von seiner Kündigung abhalten. Doch statt alle vier Rockstars büßen zu lassen, ist es an Gitarrist und Sänger Devin „Raven“ Anderson, ein Opfer zu bringen: Er soll Sparrow – Teil jenes Newcomer-Duos, in dessen Ungnade der Star fiel – öffentlich zu daten. … Ob das funktionieren kann?
Aus Sorge, nicht mehr als ein One-Hit-Wonder zu sein und nie die Chance zu bekommen, der Welt zu zeigen, was wirklich in den Sandpipers steckt, lässt sich Sparrow Price auf den wahnwitzigen Vorschlag ihrer Managerin Olivia ein – voller Bedenken und Unsicherheit. Für zwei Monate spielt sie die Fakefreundin des abgehobenen und arroganten Frontmanns der Thunderbirds.
Je besser sie den Rocker und seine Wahrheiten kennenlernt, umso mehr – echte – Zeit sie mit ihm verbringt, umso häufiger stellt sich die sanfte Musikerin die Frage, ob dieses Arrangement vielleicht mehr werden kann als ein PR-Gag …

»Es stand nicht auf meinem Plan, mich zu verlieben.«

Melanie Schütz führt uns in einem leichten, sehr detailreichen und gefühlvollen Stil durch ihre Romance, in der zwar die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, jedoch auch die Missstände des Musikbusiness, der Druck, den Rampenlicht mit sich bringt, sowie Trauer und Verlust(ängste) thematisiert werden.
„Raven’s Melody“ begann unterhaltsam und weckte vor allem durch das – hitzige – Miteinander zwischen Raven und Sparrow, ihre zumindest anfänglich aufregende Annäherung und die individuellen Hintergründe große Erwartungen. Jedoch verlor sich die Story mMn in ausufernden Gedankenkreisen und Überlegungen. Dies ließ die Protagonisten und ihre (neue) Situation, Ravens inneres Ringen und Sparrows Zweifel zwar greifbar werden, dämpft zugleich aber auch signifikant das Tempo. Dennoch sind es hauptsächlich die konträren Charaktere, ihre verschiedenen Melodien und ihr unvorhersehbares Zusammenspiel, dass das Interesse aufrechterhält.

Wo der Frontmann der Thunderbirds – flirtend und impulsiv – von jahrelangen durchzechten Nächten, verdrängten Problemen und Höhenflügen gezeichnet ist, ist das schüchterne Küstenmädchen bodenständig und merklich von der Aufmerksamkeit und dem Luxus überfordert. Sowohl ihre Zurückhaltung als auch ihre Empathie treffen in dem harten Bad Boy einen Nerv, der ihn nur zu gerne vergessen lässt, dass das alles – jede Berührung, jedes zarte Lächeln, jedes Date – nur fake ist. Und doch erstickt Verlangen die Distanz, blitzt im Schauspiel Vermissen auf, sorgt Aufrichtigkeit für Nähe. Aber Ravens Erfahrungen lehrten ihn, dass das Leben und die Liebe vergänglich sind …

„Ich lebte das Leben (...) Lebte es hart, lebte es richtig, ausufernd genug für zwei.“

Inmitten des eher soften Verlaufs finden sich Szenen, die Spaß machen, atmosphärische Beschreibungen, die uns nicht nur in die dekadente, nie stillstehende Realität beider, in intensive, losgelöste Nächte und berauschende Auftritte führen, sondern uns im selben Maße an der Ruhe, die das Meer schenkt, und an der Sicherheit, die Heimat bedeutet, teilhaben lassen.
Wenn ich auch die romantische Entwicklung nicht zur Gänze fühlen, den bemüht wirkenden Dialogen stellenweise nichts abgewinnen konnte, fand ich Ravens Versuche, seine „Freundin“ aus der Reserve zu locken, sie mit flotten Sprüchen zu überrumpeln, größtenteils amüsant. Im Gegensatz zu seinem zunehmend anstrengender werdenden Wechselspiel aus heiß-kalt, ja-nein.
Den Rest der Thunderbirds lernen wir leider nur flüchtig kennen, nichtsdestotrotz machen die unterschiedlichen Musiker einen sympathischen, unterstützenden Eindruck. Im Gegensatz zu Liv und dem zweiten Teil der Sandpipers – mit Wren und ihrer „wohlmeinenden“ Art wurde ich einfach nicht warm.
Hingegen sorgt Sparrow mit versteckten Talenten und verborgenen Seiten für Überraschungen – war zu Beginn deutlich, dass sie weder an sich glauben noch für sich, ihre Wünsche einstehen kann, zeigt sie im fortschreitenden, von Hürden durchzogenen Verlauf immer häufiger Souveränität und Selbstbewusstsein.

„Raven’s Melody“ war für mich nicht DAS perfekte Buch, dennoch bietet die Story – neben sensiblen, einfühlsam behandelten Themen – nette Unterhaltung, tolle Settings, Romantik und (guten) Spice.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Cozy-Gruselspaß für kurzweilige Stunden.

How to Feed a Demon
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Frisch verlassen, von dem Desinteresse ihrer Eltern gepeinigt und voller Trauer um den einzigen Menschen, der ihr jemals das Gefühl gab, gut und wertvoll zu sein, ergreift Marie in einer Vollmondnacht ...

Frisch verlassen, von dem Desinteresse ihrer Eltern gepeinigt und voller Trauer um den einzigen Menschen, der ihr jemals das Gefühl gab, gut und wertvoll zu sein, ergreift Marie in einer Vollmondnacht überstürzt die Flucht – und weiß dabei gar nicht so recht, wohin. An einer Bushaltestelle trifft sie auf einen mysteriösen Mann, der sie zu einer trockenen Bleibe verweist, die die 17-Jährige gerade dringend gebrauchen kann. Und damit nimmt Maries Leben eine Wendung, die sie selbst wohl am meisten überrascht …

„How to Feed a Demon“ ist ein schnuckliges Jugendbuch, in dem uns Sabine Riedel in ein übernatürliches Hotel, zu einer skurrilen Gemeinschaft und in allerhand Geheimnisse führt.

Maries Unterkunft stellt das Mädchen mehrfach vor die Frage, ob sie dem Wahnsinn verfallen oder nur in einem (Alb)Traum gefangen ist, denn die BewohnerInnen sind vieles, nur nicht gewöhnlich, nur nicht menschlich. Aber das Schlimmste? Von nun an bis zum nächsten Neumond ist Marie dafür verantwortlich, die Wesen zufriedenzustellen und ihnen einen entspannten Urlaub zu ermöglichen. Doch wie bewirtet man Blutschinke, Irrlichter und Fängginnen, Drachen, Basilisken und Golems?
Auf die frisch eingestellte Hotelverwalterin wartet eine Herausforderung nach der nächsten. Dabei kommt die größte Ungereimtheit von außen: Denn der aufdringliche Herr Mertens will sich unbedingt das Grundstück unter den Nagel reißen und auch die Gläubiger sind nicht weit!
Zwischen Geldproblemen, die gelöst, zu gut versteckten Schätzen, die dringend gefunden werden müssen, und Plaudereien mit potenziellen Ungeheuern versucht das Mädchen, nachdem sie sich der Wichtigkeit dieses Ortes bewusst geworden ist, alles, um ihrem Posten gerecht zu werden und den von den aussterbenden Fabelfiguren dringend benötigten Safespace zu beschützen. Und ihren Platz zu finden.

Riedel schreibt in einem bildreichen, aber einfachen Ton, dem es hier und da an Abwechslung mangelt. Dies macht die lebendige, kreative Storyline jedoch wett, in der wir liebevoll ausgearbeitete, schrille wie exzentrische Persönlichkeiten antreffen und zugleich einiges über ihre speziellen Leben(sweisen) sowie die Rolle von Hotel und Hüterin erfahren.
Im Verlauf vollzieht Marie eine deutliche Entwicklung, indem sie sich nicht nur ihren, zunächst beängstigenden Aufgaben stellt, sondern sich auch mit den individuellen Problemen der Gästeschar beschäftigt – und langsam mehr will als nur ihre Zeit abzusitzen; gar ihr Herz an die Vielfalt, die zusammengewürfelte Gemeinschaft und einen ganz bestimmten Wandler verliert.
Es machte Spaß, die Geschehnisse zu verfolgen, mit Marie zu lernen und düsteren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Themen wie Ausgrenzung, Vorurteile und Einsamkeit erhalten einen Raum, minimieren aber zu keiner Zeit den Cuteness- und Wohlfühlfaktor. Mit fortschreitender Handlung nehmen Spannung, Gefahren und Action zu, ohne dass der softe, gemütliche Kern verloren geht. Ob es die „Lovestory“ gebraucht hätte, muss jede/r für sich entscheiden.

Insgesamt war „How to Feed a Demon“ aber eine wundersame, feinfühlig erzählte Geschichte über Freundschaft und jene Familie, die man sich selbst aussucht, über (Selbst)Akzeptanz und Mut. Humorvoll, gemütlich und definitiv mal anders.

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