Zumindest ist es optisch hübsch
SpellcasterNachdem ich den Besuch auf der „Supernatural Academy“ hauptsächlich interessant und unterhaltsam fand, war ich sehr gespannt auf die neue außergewöhnliche Universität, die Jaymin Eve erschaffen hat. Leider ...
Nachdem ich den Besuch auf der „Supernatural Academy“ hauptsächlich interessant und unterhaltsam fand, war ich sehr gespannt auf die neue außergewöhnliche Universität, die Jaymin Eve erschaffen hat. Leider war mein Aufenthalt am „Weatherstone College“ pure Zeitverschwendung.
Wie ihre Eltern und ihre vier Geschwister hat es auch Paisley geschafft, einen Platz am renommiertesten College Amerikas zu ergattern, in der Hoffnung, hier schnell ihre bisher verborgene magische Affinität zu entdecken und das komplette Potenzial ihrer Fähigkeiten auszuschöpfen. Mithilfe ihrer Ausbildung sieht das Nesthäkchen der Hallistars einer vielversprechenden Zukunft in einem einflussreichen Zirkel entgegen. Doch schnell wird ihr erstes Schuljahr von Schwierigkeiten überschattet: Nicht nur hat sich Logan Kingston – der Sohn jenes Mannes, der ihre Familie seit einem verheerenden Ereignis abgrundtief hasst – an das Weatherstone versetzen lassen, er bekleidet auch einen Posten als Professor und gilt als einer der mächtigsten Spellcaster – selten und beängstigend – der Welt. Weitaus bedrohlicher schätzt Pais jedoch die Angriffe auf ihr Leben ein, die Monster, die nicht existieren dürften und sie im Fokus zu haben scheinen, und das beständige Gefühl, in Gefahr zu sein, welches an ihr haftet, seit sie am College ist.
Zwar sorgen diese Vorkommnisse allmählich dafür, dass die magische Gesellschaft in Aufruhr gerät und sich die Schulleitung gezwungen sieht, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, aber wer oder was auch immer der Ursprung der Monsterattacken ist, lässt sich weder abhalten noch aussperren … Währenddessen ist es gerade Logan, der seiner ehemaligen besten Freundin auf verschiedene Arten hilft …
Wir erleben das dürftig ausgearbeitete Geschehen einzig durch Paisleys Augen, und bereits das kommt der Entfaltung der Story nicht zugute. Einmal bleibt Logan trotz seiner Relevanz ein Schemen, jemand, der nur da ist, wenn die 22-jährige Rettung braucht. Andererseits fehlt es der kompletten Geschichte durch ihre naive, eindimensionale und durchweg kindliche Sicht an Ernst, Fakten, etwas Greifbarem. Wer hier eine New-Adult-Romance erwartet, wird enttäuscht werden:
„Spellcaster“ liest sich wie klischeehafte Young-Adult, dies wird durch den Ausdruck und die Gesprächsinhalte von Pais und ihren Freundinnen, den familiären Aspekt, der nur so vor Kitsch und Überdramatisierung strotzt, und die impulsiven, unverhältnismäßigen und trotzigen Reaktionen der Protagonistin bestärkt. Das Worldbuilding mutet interessant an, gar vielversprechend, doch weder die magischen Gegebenheiten, die Vielfalt der Magie noch das – oder der Unterricht am – Weatherstone College erhalten tiefergehende Betrachtung, Details und Logik. Jaymin Eve hat tatsächlich jede charakterliche und zwischenmenschliche Entwicklung übersprungen, hingegen zwar jede Recherche zu den aktuellen Ungereimtheiten und aufgeworfene Theorien angesprochen, aber nur, um diese zu übergehen und direkt zu Paisleys Monologen zu driften. Und diese wiederholen sich, drehen sich hauptsächlich um ihre Selbstzweifel, ihre herzige (in Wahrheit bevormundende und echt aufdringliche) Familie und Logan, darum, wie heiß er aussieht und wie sehr sie ihn (aus Gründen, die Paisley übrigens selbst nicht weiß!) verabscheut. Ach, und sie braucht dringend Sex.
Es war frustrierend, es war nervig, es gab keinen strigenten Plot, nichts Echtes, nichts Nachvollziehbares. Kein System, keine Aufregung. Selbst die Monster-Momente brachten keinerlei Spannung und wer auch immer diese Dilogie als „Dark-Academia“ bezeichnet hat, hat diesen Trope nicht verstanden. Die einfachen, laschen Worte standen der Erzeugung einer Atmosphäre, von Neugier, Unbehagen im Weg, konnten weder düstere Bilder malen noch die Spicy-Szenen mit Leidenschaft füllen oder gar eine feurige Dynamik wecken. „Kleines“, „Bestie“ und der inflationäre Gebrauch von „Arschloch“ passten übrigens auch nicht so richtig in das Gesamte.
Soll heißen: Stilistisch war das Ganze schwach. Wie erwähnt gab es inhaltliche, neben diesen aber auch ständige Wiederholungen von Worten und ich bezweifle stark, dass der Goldmann-Verlag die Romantasy nach der Übersetzung überhaupt an eine/n LektorIn übergab.
Die Handlung tritt, obgleich Zeit vergeht, auf der Stelle, die Nebenfiguren inklusive Logan sind nicht der Rede wert, die Familienbande so … tooomuch … und am Ende – da gab's abrupte, teilweise überraschende, nicht ganz schlüssige Entwicklungen und eine Paisley, die alles mit viel wohlwollendem Verständnis hingenommen hat.
Also: ein Flop, der seinesgleichen sucht.