Stilistisch schwach, weder atmosphärisch noch schaurig
Die Braut von Ashbyrn House„Die Braut von Ashbyrn House“ ist ein Spukhaus-Thriller von Amy Cross und blieb weit hinter meinen Erwartungen zurück – und das, obwohl sich nichts besser als ein uriges Herrenhaus eignet, um eine Geistergeschichte ...
„Die Braut von Ashbyrn House“ ist ein Spukhaus-Thriller von Amy Cross und blieb weit hinter meinen Erwartungen zurück – und das, obwohl sich nichts besser als ein uriges Herrenhaus eignet, um eine Geistergeschichte zu erzählen. Aber der Stil (oder die Übersetzung) war in meinen Augen komplett fad und monoton, sehr schlicht und einfach. (Wort-)Wiederholungen und nicht immer runde Sätze, ein ziemlich flottes Finale und der Mangel an Atmosphäre und schauriger Stimmung trugen ihr Übriges zu meiner Enttäuschung bei.
Um was geht es denn?
Owen Stone will Ruhe, Einsamkeit und keine Menschen in seiner Nähe. Da kommt dem Mittvierziger das schon lange verlassene Ashbyrn House mit dem weitläufigen Anwesen gerade recht. Statt den Mahnungen des Maklers, den Gerüchten, die sich um das Haus ranken, oder gar den Bedenken seines besten Freundes Gehör zu schenken, unterschreibt Stone den Kaufvertrag, packt seine Sachen und lässt den Londoner Trubel hinter sich, um sich in der Ödnis von Cornwall seinem Job und dem Whiskey zu widmen.
Schon die erste Nacht verläuft anders als in seiner Vorstellung: Nach einem kilometerlangen Marsch durch die verregnete, kühle Nacht kommt der neue Gutsherr vollkommen durchnässt und mit einem Hund im stromlosen, knarzigen Ashbyrn House an. Trotz merkwürdiger Geräusche, unerklärlicher Vorkommnisse und Bobs vorsichtigem, ängstlichem Verhalten ist Owen nicht gewillt, die Paranoia der Dorfbewohner auf sich überspringen zu lassen. Denn der Schriftsteller glaubt nicht an Geister … Owen ist sich sicher, dass ihm dieses Haus guttut, immerhin ist er so produktiv wie noch nie. Die Tage verschwimmen ineinander, das Whiskeyglas ist stets gefüllt und die geöffneten Fertiggerichte stehen griffbereit neben ihm. Wäre da nur nicht seine Vergangenheit, die ihn einfach nicht in Frieden lassen kann …
Während wir Owens Zeit in seinem Heim verfolgen, es selten Abwechslung und Spannung gibt, führt uns die Autorin in jedem zweiten Kapitel in das Jahr 1859. Zu Katinka Ashbyrn. Wir treffen die junge Frau kurz vor ihrer Hochzeit – der Moment, auf den sie zwanghaft fokussiert ist, auf den sie hingefiebert hat – an. Alles soll perfekt sein. So perfekt, dass ihr verstorbener Vater stolz auf sie wäre. In diesen Abschnitten lernen wir eine zutiefst fanatische, im Grunde bösartige, psychopathische Person kennen, die nichts mehr will, als Ehefrau, Mutter und die Herrin ihres geliebten Zuhauses zu werden. In Charles sieht sie einen formbaren Mann, der zudem für die Instandsetzung des Anwesens aufkommen kann. Während die Trauung immer näher rückt, tyrannisiert Katinka ihre Familie und ihren Verlobten, schreckt nicht vor Gräueltaten zurück – um die Schönste zu sein, um sich Respekt zu verschaffen, um sich zu rächen …
Cross offenbart uns gewissermaßen nach und nach die Gründe für Katinkas Treiben und auch jene, die Stone in ein Leben als Einsiedler drängten. Prinzipiell waren beide Charaktere interessant, jedoch flach ausgearbeitet. Die Gruselelemente erreichten mich nur bedingt, wenn auch die eine oder andere (tragische) Überraschung im Verlauf wartet. Aufgrund der Perspektivwechsel, des einfachen Ausdrucks und des knackigen Tempos lässt sich „Die Braut von Ashbyrn House“ zumindest flott weglesen.