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Veröffentlicht am 27.02.2026

Nicht sein bester Thriller

Kill for Me
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Kennt ihr das Buch oder die Verfilmung zu „Der Fremde im Zug“?

Steve Cavanagh zählt dank seiner cleveren Justizthriller um Eddie Flynn zu jenen wenigen Autoren, von denen ich jedes Buch lesen muss. So ...

Kennt ihr das Buch oder die Verfilmung zu „Der Fremde im Zug“?

Steve Cavanagh zählt dank seiner cleveren Justizthriller um Eddie Flynn zu jenen wenigen Autoren, von denen ich jedes Buch lesen muss. So war ich unheimlich auf „Kill for Me“ gespannt, konnte mich Cavanagh mit seinen temporeichen und ausgeklügelten Plots, dem trockenen Humor und der Tiefe, die seinen Storys zugrunde liegt, bisher stets überzeugen.

Aber auch jetzt?

Stell dir vor, du verlierst alles, was du liebst, bleibst alleine zurück, traumatisiert und in Schmerz gefangen. Gerechtigkeit? Gibt es nicht. Denn wie so oft versagt das System. Jenes, das die Menschen doch eigentlich schützen, ihnen helfen, sie sehen soll.

Als Amanda Wendy kennenlernte, hatte sie bereits Pläne geschmiedet, um den Mörder ihrer Tochter auszuschalten, war so kurz davor, den Grund für den Tod ihres Mannes zu eliminieren. Mit dem Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein, dem Wunsch, ihre Liebsten unter allen Umständen rächen zu müssen, andere Eltern vor diesem Schrecken zu schützen, ist Amanda verletzlich, verzweifelt und ein leichtes Ziel …

Ruth hat den Angriff eines Serienkillers knapp überlebt – während ihre körperlichen Wunden zu Narben werden, bekommen die seelischen nie die Chance, zu verheilen. Nicht, solange der Täter frei herumirrt. Ruth isoliert sich, wird von Panikattacken und Alpträumen geplagt. Selbst Scott kann ihr Leid nicht lindern, kann ihr ihre Unsicherheiten und Ängste nicht nehmen …

​Eine weitere, wenn auch selten zu Wort kommende Perspektive ist Andrew Farrow, der mit seiner Partnerin Karen Hernandez in beiden Fällen ermittelt. Wir treffen hier auf einen engagierten Detective, auf Mitgefühl und die Bereitschaft, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Monster zu fassen. Doch auch er weiß, dass die Mühlen der Justiz nicht die schnellsten sind und wenig für die Opfer übrig haben.

Steve Cavanagh lässt uns an dem Alltag, der Geschichte, den Gedanken verschiedener Persönlichkeiten teilhaben und spinnt so ein weitreichendes Netz aus – oftmals unspektakulär erscheinenden – Ereignissen und Vermutungen. Nur langsam entsteht ein greifbares und dynamisches Geschehen um die einzelnen Figuren, ihre Konflikte, Probleme und Motivationen. Aber Verständnis, das gab's von Anfang an: Ich konnte Amandas Ziel, ihren Wunsch, ihre Bereitschaft, Vergeltung zu erzwingen, verstehen. Ihren Schmerz fühlen. Selbstjustiz ist keine Lösung? Ist rechtswidrig? Erzähl das einem Menschen, dem das Liebste auf brutalste Weise genommen wurde.

Aufgrund der recht kurzen Kapitel und der damit einhergehenden Perspektivwechsel sind eine durchgängige Entwicklung und ein flottes Vorankommen gegeben. Von Seite zu Seite kommen wir diversen, sich zuspitzenden Situationen und Abgründen, unsichtbaren Verbindungen näher. Wie schon bekannt, konzipierte der Autor weder einen eindimensionalen Plot noch farblose Charaktere. Die im Fokus stehenden Frauen wurden mit Hintergrund und nachvollziehbaren Zügen gezeichnet, mit ambivalenten Empfindungen, Trauer, Trauma und Hass. Es war aufregend, ihre Wege zu verfolgen, herauszufinden, was sie tun würden und werden. Und gleichzeitig schwang eine beklemmende Nuance mit, eine Sicherheit, die trügerisch schien. Obgleich hier die psychologische Spannung dominiert, wartet die eine oder andere blutige Angelegenheit auf uns, überraschende Wendungen und logisch abgestimmte Wahrheiten samt einiger unvorhergesehener Twists. Tatsächlich sind es die letzten 25 %, bevor „Kill for Me“ zu einem runden Abschluss kommt, in denen der Autor mit Tempo und Zeitdruck kräftig punktet.

Trotz der positiven Aspekte gab es für mich auch Enttäuschendes: Dieses Mal kam mir Cavanaghs Stil sehr, sehr einfach vor. Unelegant, regelrecht plump. Zusätzlich finden sich zahlreiche Längen mit irrelevanten Informationen – bspw. Anekdoten aus den verschiedenen Leben oder bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von Tätigkeiten und Umgebungen. Was wahrscheinlich der Atmosphäre und dem Einfinden zugutekommen soll, brachte lediglich die Handlung ins Stocken und bremste dabei die Spannung aus. Dabei basiert das Geschehen auf einer intelligenten, merklich durchdachten Idee, auf Themen und Situationen, die zum Nachdenken anregen. Steve Cavanagh animiert die LeserInnen konstant dazu, Zusammenhänge zu suchen, mitzurätseln und aufmerksam zu bleiben, bevor er sie vollkommen aus der Bahn wirft.

Nicht der beste, aber ein lesenswerter Thriller.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Statt berührend eher frustrierend

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1)
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Auf den Own Voice Roman „Und alles zerbricht“ hatte ich mich sehr gefreut, denn Maxine Reuker behandelt in ihrem Jugendbuch das unterschätzte Thema Essstörung. Als langjährig Betroffene, die viel Zeit ...

Auf den Own Voice Roman „Und alles zerbricht“ hatte ich mich sehr gefreut, denn Maxine Reuker behandelt in ihrem Jugendbuch das unterschätzte Thema Essstörung. Als langjährig Betroffene, die viel Zeit in Therapien und Kliniken verbracht hat, mehrfach fast ihr Leben verloren hätte und verschiedene Formen der Erkrankung durchlief, andere Erkrankte traf und verabschieden musste, liegt es mir am Herzen, dass diese psychische Krankheit angesprochen, dass auf sie aufmerksam gemacht wird. Und das abseits von Klischees und Stigma.



Mila hat großes Glück, in einem großen Haus mitten in Berlin gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Dackel leben zu können, gleich nebenan und immer dabei ihre beste Freundin Juno und ihre Tante. Doch kurz vor der legendären 16. Geburtstagsparty der Cousinen eröffnet Milas Mutter, leidenschaftliche Architektin und Alleinverdienerin, ihrer Familie, dass sie ein Projekt in der Schweiz übernommen hat und sie in wenigen Tagen nach Zürich ziehen werden. Ohne Juno und Nora.

Herausgerissen aus ihrer vertrauten Umgebung, kilometerweit weg von ihren FreundInnen, ist das Mädchen gezwungen, neu anzufangen. Aber genau wie ihrem bis dato liebevollen Vater fallen Mila die Veränderungen schwer. Dass Juno zu Hause in Berlin ihre erste Liebe findet und Mila darüber hinweg vollkommen vergisst, ihre Mutter in noch mehr Arbeit versinkt, verstärkt die Frustration der Teenagerin von Tag zu Tag mehr. Und so flüchtet sie sich erst ins Essen und dann auf Pro Ana Foren …



„Und alles zerbricht“ beginnt mit einem Eindruck von Mila in der deutschen Hauptstadt. Die Autorin zeichnete das Bild einer aufgeweckten, zugänglichen Person, die ihr privilegiertes Leben, sich und ihre Familie, die enge Bindung zu Juno, schätzt. Mit dem Umzug wandelt sich Milas Stimmung ebenso stark wie jene des Buches, wird bedrückter, unsicherer. Viel zu lange verschließt sie die Augen vor den Problemen in ihrem neuen Haus, verschiebt Gespräche, verschluckt ihre eigenen Bedürfnisse, bis sie gar nichts mehr schluckt. Bis Mila und ihre Eltern die Konsequenzen in Form einschlägiger Ereignisse tragen müssen.

Mila wird in einer idyllisch gelegenen Klinik für essgestörte Menschen aufgenommen, kann sich nicht mehr vor ihrer größten Angst und ihrem wunden Inneren verstecken. Und gerade hier, an ihrem Tiefpunkt, begegnet sie Nicolas. Der fürsorgliche Praktikant ist es, der Mila den Alltag, die Strapazen und Therapien überstehen lässt. Bis er ihr das Herz bricht.



Ich muss sagen, dass ich dieses Buch aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen nicht objektiv bewerten kann, ließ mich dieser Young-Adult-Roman letztlich ernüchtert zurück. Abgesehen davon, dass die Autorin den Krankheitsverlauf samt der körperlichen Auswirkungen und Folgen stark „vorangetrieben“ hat, inkl. der ärztlichen Maßnahmen, und somit weit von authentischen Prozessen entfernt war, fehlte es dem kompletten Mental-Health-Aspekt an der nötigen Tiefe. An Zeit und Entwicklung. Diese einfache und eher lasche Darstellung war für mich eine Enttäuschung.

Ebenfalls undeutlich und eher „als eines“ zusammengefasst, als „ohne dies gibt's das nicht“, wurden Magersucht und Bulimie. Dabei handelt es sich um verschiedene Formen, die zusammen auftreten können, jedoch einander nicht bedingen.

Positiv ist hingegen die Erwähnung der mir nur allzu bekannten Pro Mia/Ana Foren, die mitschwingende Warnung vor diesen gefährlichen Online-Bewegungen. Denn so unglaublich es scheint, sie haben Einfluss und sind leicht zu finden. Erzeugen das Gefühl, gesehen zu werden und zu einer Gemeinschaft zu gehören. Gerade dann, wenn mensch am verletzlichsten ist.

„Gut“ aufgegriffen, wenn auch Milas (romantische) Gefühle deutlich im Fokus standen, empfand ich auch den Klinikalltag samt der häufig gemischten Belegschaft von Essstörungstypen und Geschlechtern wie auch die Rivalität. Zu Milas persönlicher Entwicklung, ob sie Einsicht gewann und wirklich verstand, kann ich leider nicht viel sagen, da diese Probleme und Konflikte recht rasch abgehandelt/behandelt wurden.



Aber Maxine Reuker zeigt in dieser Story ganz klar und deutlich, wie schnell es sich in zwanghaften Gedankenkreisen, in Selbsthass verlieren lässt und wie schleichend und doch rasant eine Essstörung Besitz von Körper und Psyche ergreifen, zu Gewohnheit werden kann. Wie verlockend es scheint, mit (nicht) essen die eigene Realität, Schmerz und Unsicherheit zu kompensieren.



Mein größter Kritikpunkt geht an die Instalove-Romanze, war diese doch komplett drüber und irgendwie unpassend, betrachtet man das Setting und Milas Situation. Nicolas, ein 18-Jähriger, der eine offensichtliche Patientin AUGENBLICKLICH mit „meine Schönste“ und „Liebste“ anspricht und während des zweiten Dates von „Beziehung“ faselt? Ehrlich? Ab diesem Punkt KONNTE ich diese Geschichte einfach nicht weiter ernst nehmen. Haben mir die vorherigen Punkte schon zugesetzt, weil sich kaum Zeit genommen wurde, um die Erkrankung realistisch und ausreichend aufzugreifen, mit Tiefe in die Gedanken und den Struggle der Protagonistin einzutauchen, war es ab diesen Szenen vorbei.

Bereichert wird die Handlung dafür von Milas fürsorglichen, sich ihrer Fehler bewusst werdenden Eltern, Juno, Nora und Larissa. Reukers Stil ist übrigens durchweg verständlich und schnörkellos, dem Alter der Zielgruppe entsprechend einfach.


Gut zu wissen: Es handelt sich um den Auftakt einer mindestens zweiteiligen Buchserie, heißt, der YA-Roman ist nicht abgeschlossen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Unterhaltsame und spannende Fantasy-Romance

Witch of the Wolves - Halbmond Erbe
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Die 23-jährige Cordelia Levine lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante in London und hilft dieser bei ihren magischen Geschäften. Als Angestellte in einer Apotheke und in einer Zeit, in der Frauen ...

Die 23-jährige Cordelia Levine lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Tante in London und hilft dieser bei ihren magischen Geschäften. Als Angestellte in einer Apotheke und in einer Zeit, in der Frauen eher schmuckes Beiwerk als ernstzunehmende Gesprächspartnerinnen sind, geht die junge Hexe einem eintönigen Alltag nach, während dem sie weder das Vermögen von Lenora noch ihre Kräfte zur Schau stellen kann. Jedes Treffen mit ihren beiden Freundinnen weckt in Cordelia denselben bitteren Beigeschmack wie es die zahlreichen Avancen und lüsternen Blicke der Männer tun.
Nur gut, dass sie als Hexe in dem Bewusstsein aufgewachsen ist, eine flüchtige Affäre einer Ehe vorzuziehen, und sie im Gegensatz zu ihren menschlichen Geschlechtsgenossinnen frei ist.
Bis sie genau das nicht mehr ist – denn als sie von einem Werwolf, einem Handlanger ihres bis dato unbekannten Vaters, entführt wird, kippt Cordelias geordnetes Leben. Plötzlich findet sie sich in der vermeintlichen Obhut des Albion-Rudels wieder. Was als zeitlich begrenzter Aufenthalt zu ihrem Schutz beginnt, wird zu einer Gefangenschaft, aus der sich Cordelia weder durch ihre Hexenausbildung noch durch ihre sekundären Werwolfskräfte befreien kann.
Aber vielleicht … nur vielleicht findet sie in Bishop Daniels einen Verbündeten. Immerhin hat Silas Stockwell auch sein Schicksal in der Hand.

„Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ ist der Auftakt einer unterhaltsamen, oftmals spannenden Fantasyreihe, in der relevante Punkte aufgegriffen werden – beispielsweise die Unterdrückung der Frau, die Reduzierung auf deren Geschlecht und patriarchale Muster. Im Fokus steht Cordelia und ihr Aufenthalt in Trevelyan, dem Sitz des Rudels, das seinen Anspruch auf die seltene Lykanerin und ihre Gene geltend gemacht hat.
Ich empfand Kaylee Archers Stil – im Vergleich zu anderen aktuellen Romantasy-Storys – als anspruchsvoller, die Worte wirkten sorgsamer gewählt und allein deswegen bekommt das Buch von mir schon eine Leseempfehlung. Zusätzlich konnte mich das Worldbuilding – heißt hier die übernatürlichen Gegebenheiten und Lebensweisen, die Regeln der Hexen samt der Strukturen der Gestaltwandler – mit allerhand originellen Ideen, interessanten Hintergründen und Einblicken überzeugen.

Cordelia ist eine selbstbewusste, begabte und intelligente Hexe, die sich zu wehren weiß und nicht bereit ist, sich zu unbedachten oder naiven Reaktionen hinreißen zu lassen. Nach all den Jahren endlich zu wissen, woher ihr ausgeprägter Geruchssinn, die Ruhelosigkeit und der ständige Hunger kommen, ist eine Wohltat. Dennoch sind ihr die Enttäuschung über den Verrat und die Lügen der beiden für sie wichtigsten Frauen anzumerken. Doch sich genauer damit zu beschäftigen, dafür fehlt dem Mischling die Zeit.

Bishop wirkt unterkühlt und unnahbar, hält eine Distanz aufrecht, aber je häufiger er sich zu echter Interaktion, zu offenen Gesprächen hinreißen lässt, umso klarer wird, dass er im Kern ein Guter ist. Ein Werwolf mit Manieren und Anstand, einer, der Grenzen wahrt – ganz im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern seiner Meute …
Um seinen Fehler wiedergutzumachen, begibt sich Bishop selbst in größte Gefahr, geht Risiken ein.
Aber wie soll er die Hexe retten, wenn sie so wichtig für sämtliche Wolfsrudel ist und sie ihm nicht mehr vertraut?

Obgleich es hier und da zu Stillstand kommt, der Plot mehrfach gen romantisches Gefühlschaos driftet, bietet „Witch of the Wolves“ insgesamt Abwechslung, eine fesselnde Geschichte, die zwar in Teilen vorhersehbar ist, aber mit der einen oder anderen Wendung und Offenbarung überrascht. Einige Nebenfiguren und ihre Besonderheiten bereichern den Verlauf, während Emotionen und Setting nachvollzieh- bzw. vorstellbar zur Geltung kamen. Auf passende Weise wird das Geschehen von einer von Misstrauen, Vorsicht und Argwohn durchtränkten, nicht selten angespannten Atmosphäre umschmeichelt. Hingegen lockerten humorvolle Dialoge – und vor allem die direkten Schlagabtausche zwischen Bishop und Cordelia –, anzügliches Geplänkel, Charme und der Kampfgeist der Gefangenen die Stimmung rege auf.

Ihr wollt mitfiebern, schmachten und euch in einer logisch ausgearbeiteten Fantasyromance verlieren? Dann ist „Witch of the Wolves: Halbmond Erbe“ euer Buch. Teil zwei steht auf jeden Fall auf meiner Merkliste.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Spannende Idee, deren Umsetzung mich nicht überzeugte.

The Loneliest Hour
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Gideon Moreno ist ein angesehener Anwalt in Seattle. Seit Jahren führen er und seine beiden besten Freunde eine Kanzlei, die vorrangig finanziell gut gestellte MandantInnen vertritt. Kontrolle und Struktur ...

Gideon Moreno ist ein angesehener Anwalt in Seattle. Seit Jahren führen er und seine beiden besten Freunde eine Kanzlei, die vorrangig finanziell gut gestellte MandantInnen vertritt. Kontrolle und Struktur sind in einer unbeständigen, selten fairen Welt Gideons Halt. Doch in dem attraktiven Mittdreißiger schlummert eine schwer zu bändigende Wut, mit der er sich als Thunder einen Namen gemacht hat …

Endlich ist Dawn Banks zurück – bei ihrem Bruder, ihrer gemeinsamen Wahlfamilie und in Seattle. Zurück in Freiheit. Dass Nathan ihr nicht nur sein Gästezimmer zur Verfügung stellt, sondern auch schon einen Job für sie parat hat, erleichtert der 20-Jährigen ihren dringend benötigten Neuanfang ungemein. Wenn die Aussicht, bald für ihren Jugendschwarm zu arbeiten, auch ein seltsames Kribbeln in ihr entfacht …

„The Loneliest Hour“ ist Teil eins einer Suspense-Dilogie von June Evans, in der wir in Abgründe geführt und mit verschiedenen Dämonen konfrontiert werden.
Zugegeben, meiner Meinung nach ist das Lektorat nicht einwandfrei gelungen, finden wir doch schon in den ersten Kapiteln Wiederholungen von Informationen/Worten und auch der Stil selbst wirkt eher aufgesetzt und bemüht. Zwischen unnötigen Ausführungen und einem Tempo, das an so mancher Stelle unpassend flott wirkt, rascher Überdramatisierung und zähen Gedankenkreisen steckt dennoch eine im Kern interessante Lovestory, die Dawn und Gideon Überwindung und Geduld abverlangt. Eine Geschichte, in der Verlust und Schmerz enthüllt werden, Mauern fallen. Eine, die ungeahnte Schrecken mit sich bringt. Denn Gideons Geheimnis bedeutet Gefahr – für alle, die ihm nahe stehen, und alles, das ihm wichtig ist. Währenddessen wird aus Dawns Neuanfang viel zu schnell ein nervenaufreibendes Chaos – denn da ist jemand in ihrem Schatten …

Trotz Tropes wie Age Gap, Stalking und Underground Fights, der einen oder anderen spannenden und überraschenden Sequenz sowie greifbaren Einblicken in die Protagonisten konnte mich „The Loneliest Hour“ – vorrangig aufgrund der oben genannten Punkte – nicht für sich gewinnen. Die Romance fand ich zu einfach, rasch und unverhältnismäßig … drüber, die Dialoge viel zu gestellt und insgesamt … ich konnte einfach nicht mitfühlen, nicht mitfiebern. Wenn das Ende auch düster ist, Neugier entfacht, werde ich das Finale der zweiteiligen Serie nicht lesen.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Nette RomCom

Josh and Hazel's Guide to Not Dating
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Jahre sind vergangen, seit sich
Hazel und Josh während ihrer Collegezeiten kennengelernt haben. Nun haben die beiden Lehrkräfte die Chance, um Freunde zu werden. Und gerade Josh kann gerade dringend eine ...

Jahre sind vergangen, seit sich
Hazel und Josh während ihrer Collegezeiten kennengelernt haben. Nun haben die beiden Lehrkräfte die Chance, um Freunde zu werden. Und gerade Josh kann gerade dringend eine Freundin gebrauchen, setzt ihn doch eine kürzliche Trennung stark zu.
Hazel – Dauersingle – überredet ihren attraktiven und überaus charmanten Kumpel dazu, mit ihr auf „Blind Double Dates“ zu gehen. Was könnte einen Menschen schneller von Herzschmerz ablenken, als gemeinsam mit der besten Freundin ein wenig im Singlepool zu tauchen?
Nur, dass jedes Date im Chaos endet, nichts und niemand passt – außer die beiden zueinander.

Christina Lauren erzählen ihre romantische Komödie in einem lockeren, leichten Stil, ohne an Gefühl zu sparen.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, wobei Hazel – ein Wirbelwind, laut, unbeholfen, bunt und extrovertiert – den Hauptpart mimt. Im Gegensatz zu ihr ist Josh strukturiert und aufgeräumt, ordentlich und setzt auf leise Töne.
Während die beiden mal mehr, mal weniger ambitioniert versuchen, den Partner/die Partnerin für sich zu finden, wird ihre Beziehung intensiv und intim. Viel mehr als für eine rein platonische Freundschaft üblich ist. Josh und Hazel kommen sich immer näher – auch aufgrund der die Handlung dominierenden offenen und ehrlichen Gespräche, sowie dem beidseitigen Selbstbewusstsein, Fehler zu machen und einander jede Seite zu zeigen.

Es war herrlich, dieses Miteinander zu verfolgen, den verschiedenen, wenn auch etwas im Hintergrund verlaufenden Dates beizuwohnen und die Protagonisten – ihre Wesenszüge, ihre Zweifel und Wünsche, ihre Verletzlichkeiten – kennenzulernen. Dass die Nebenfiguren blasse Schemen bleiben tut der Romance, die mit einer passenden Portion Spice samt schräger Situationskomik unterlegt ist, hierbei keinen Abbruch.
Jedoch war es schade, dass die softe, unterhaltsame Gemütlichkeit der ersten Hälfte im fortschreitenden Verlauf durch die Fokussierung auf Körperliches abgelöst wird und Klischees die Storyline vereinnahmen. Ebenso wirkte das Ende und die vorherigen, abrupten Entwicklungen übereilt.

Dennoch ist „Josh and Hazel's Guide to Not Dating“ eine kurzweilige, humorvolle RomCom mit Wohlfühl-Charme und Gefühl.

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