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Veröffentlicht am 27.05.2024

Zwischen tieftraurig & strahlendhell.

An Optimist's Guide to Heartbreak
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Mir war leider nicht klar, dass es sich bei dem Heartsong-Duet um eine Serie handelt, und somit hat mich das Ende von „An Optimist's Guide to Heartbreak“ überrascht, lässt es doch einiges offen, ungeklärt. ...

Mir war leider nicht klar, dass es sich bei dem Heartsong-Duet um eine Serie handelt, und somit hat mich das Ende von „An Optimist's Guide to Heartbreak“ überrascht, lässt es doch einiges offen, ungeklärt. Nichtsdestotrotz möchte ich die Geschichte von Lucie & Call empfehlen, war sie doch durchweg wunderbar und emotional.

Erzählt wird aus der Perspektive von Lucy, die, getreu ihres Nachnamens »Hope«, nie die Hoffnung, die Freude, nie ihr Lachen verlor. Dabei gab es in dem Leben der jungen Frau genügend Dinge, die sie zu einer Pessimistin hätten machen können.
Mit dem Erbe ihrer Großmutter wagt sie einen Schritt zurück in die Vergangenheit, zieht wieder in ihre Heimatstadt und kauft das Haus, in dem ihr einstiger bester Freund wohnte. Durch ein Unglück trennten sich vor Jahren die Wege der beiden, doch Lucy ist fest entschlossen, diese erneut zu verbinden, und geht so weit, den attraktiven Automechaniker um einen Job zu bitten.
Aber Cal ist alles andere als erfreut über dieses Wiedersehen, das so viele verdrängte Erinnerungen und Gefühle aufleben lässt. … Nur wie lange kann er Lucys Strahlen widerstehen?

Jennifer Hartmann hat einen ebenso einfühlsamen, gefühlvollen wie lebendigen und humorvollen Stil, was auch diesen Roman im Gesamten sehr gut beschreibt.
Zu Beginn lernen wir Lucy und einen Teil ihrer Geschichte kennen, erleben ansteckenden Optimismus, pure Freude und Spaß. Eigenschaften, die nicht über ihre Verletzlichkeit hinwegtäuschen können.
Cal wirkte unnahbar, abweisend; doch auch sein distanziertes Verhalten erklärt sich im Verlauf, während dem er seine Fassade immer mehr fallen lässt. Die Entwicklung beider und ihre wankelmütige Dynamik brachten allerlei unterhaltsame wie bewegende Augenblicke, Momente zwischen tieftraurig und gleisendhell. Spice, Leichtigkeit und Schwere.
Es war einfach, sich von den unterschiedlichen Facetten der Protagonisten mitreißen zu lassen, mitzufühlen. Hin und wieder waren Offenbarungen und Gespräche melancholischer Natur, überraschend; die Stimmung bedrückt von all den Themen, die Hartmann eingearbeitet hat. Aber nie schien es, als würden die grauen Wolken bleiben, irgendwo war stets ein Funken Freude und Zuversicht. Eine unbestimmte Gemütlichkeit, die im angenehmen Kontrast zu Dramatik und Schmerz stand

Im Dezember erzählt Cal die Geschichte der beiden in „A Pessimist's Guide to Love“ weiter. Wir dürfen gespannt sein.

Fans von Grumpy meets Sunshine, Friends to Lovers und Second-Chance; von emotionaler Romance, die trotz sensibler Themen weder mit Witz noch Wohlfühlmomenten geizt, sollten sich dieses Buch schnappen.

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Veröffentlicht am 22.05.2024

Kein Vergleich zu seinen neueren Werken.

Die Radleys
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♡»𝘞𝘢𝘳𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘫𝘦𝘮𝘢𝘭𝘴 𝘷𝘦𝘳𝘭𝘪𝘦𝘣𝘵?« (…) »𝘌𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭«, 𝘢𝘯𝘵𝘸𝘰𝘳𝘵𝘦𝘵 𝘦𝘳 (…) 𝘞𝘪𝘭𝘭 𝘯𝘪𝘤𝘬𝘵. »𝘌𝘴 𝘱𝘢𝘴𝘴𝘪𝘦𝘳𝘵 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘯𝘶𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭, 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘸𝘢𝘩𝘳? 𝘋𝘦𝘳 𝘙𝘦𝘴𝘵 … 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘴 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦 𝘴𝘪𝘯𝘥 𝘌𝘤𝘩𝘰𝘴.«♡

Erstmals 2010 erschien der Urban-Fantasy Roman ...



♡»𝘞𝘢𝘳𝘦𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘫𝘦𝘮𝘢𝘭𝘴 𝘷𝘦𝘳𝘭𝘪𝘦𝘣𝘵?« (…) »𝘌𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭«, 𝘢𝘯𝘵𝘸𝘰𝘳𝘵𝘦𝘵 𝘦𝘳 (…) 𝘞𝘪𝘭𝘭 𝘯𝘪𝘤𝘬𝘵. »𝘌𝘴 𝘱𝘢𝘴𝘴𝘪𝘦𝘳𝘵 𝘪𝘮𝘮𝘦𝘳 𝘯𝘶𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭, 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘸𝘢𝘩𝘳? 𝘋𝘦𝘳 𝘙𝘦𝘴𝘵 … 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘴 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦 𝘴𝘪𝘯𝘥 𝘌𝘤𝘩𝘰𝘴.«♡

Erstmals 2010 erschien der Urban-Fantasy Roman „𝐃𝐢𝐞 𝐑𝐚𝐝𝐥𝐞𝐲𝐬“, in dem #MattHaig einen sarkastischen Ton anschlägt und mentale Probleme, hier unter anderem die Abstinenz, wie auch Gesellschaftskritik einfließen lässt. Nun ist die Geschichte zurück und bereit, durch den DroemerKnaur-Verlag noch einmal Aufmerksamkeit zu erlangen.

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Wie der Titel vermuten lässt, dreht sich die Handlung um eine ungewöhnliche Familie, wenn auch alles den gegenteiligen Anschein erweckt: Peter, der Mediziner, und Helen, die Hausfrau, stets verkrampft miteinander, leben mit ihren beiden Teenagern, Rowan und Clara, in einer Reihenhausstraße in Bishopthorpe. Während der Junge unter Schlaflosigkeit und extremer Lichtempfindlichkeit leidet, ist seine Schwester ein blasses, hageres Mauerblümchen mit Brille. Beide teilen den Ruf der Freaks, kämpfen des Öfteren mit Migräne-, Schwäche- und Übelkeitsanfällen. Zu Hause herrscht eine nie endende Anspannung. Schon immer schweben ungesagte Worte in der Luft.
Bis Clara von etwas überfällt wird, das aus ihrem Inneren kommt und sich alles grundlegend ändert, Dinge offenbart werden, die die Kinder sonst nur aus Comics kennen … Als plötzlich Onkel Will in der Orchard Lane auftaucht, zerrt dieser nicht nur weitere Familiengeheimnisse, sondern auch Facetten ans Licht, die vielleicht lieber verborgen geblieben wären.

Stilistisch findet sich eine lockere, monotone Erzählweise, die leicht durch die kurzen Kapitel trägt und die zumeist bedrückende Stimmung samt der vorzufindenden Tristesse untermalt. Zusätzlich zu den fünf Radleys setzt sich die Geschichte, deren Perspektiven ineinander verschwimmen, aus den Blickwinkeln anderer relevanter Charaktere zusammen, sodass wir ein weitreichendes Bild erhalten, welches voller unterschiedlicher Nuancen und allseits bekannter Gefühle ist.
In die gegenwärtigen Problematiken und Ereignisse mischt sich, aus kleinen Rückblicken und Erinnerungen geformt, eine Ahnung über das einstige Leben der Radleys, ihre Beziehung zueinander und Hintergründe über Helens und Peters Entscheidung, sich von ihrem Wesen zu distanzieren. Durch Auszüge aus dem „Handbuch für Abstinenzler“ gewinnt die Blutsauger-Thematik eine interessante Art Skurrilität.
Obgleich Will eigentlich als Unterstützung in das kleine Haus gerufen wurde, bringt der praktizierende Vampir neben moralischer Fragwürdigkeit und Durst auch allerhand Ballast und Feinde mit.

Meiner Meinung nach zeigt Haig, abgesehen der vampirischen Eigenschaften, die typische Vorstadt-Familie, in der Unzufriedenheit und Gleichmut brodeln, sich verstellt und miteinander arrangiert wird, die Fassade für die Gemeinde strahlen muss. Neben dem tratschigen Kleinstadtcharme fing der Autor die Tragik innerhalb der vier Wände authentisch ein; setzt dramatische Akzente, etwa durch Wehmut, Reue oder verpasste Chancen. Der fantastische Aspekt – Fähigkeiten, System, Arrangements mit der Staatsgewalt … – kam ebenso ausreichend zur Geltung wie die einzelnen Figuren; das Tempo bleibt gemächlich und wird nur selten von Spannung aufgebrochen, dennoch gibt es Überraschungen, Schmerz, tiefsinnige Gedanken und einige Entwicklungen.
„Die Radleys“: ein Roman über Rache, Besessenheit und Sucht, über (eigene) Grenzen, maßvollen Genuss, die Liebe und Familie.

Fazit: nett und ungewöhnlich, aber spätere Werke des Autors empfinde ich als deutlich lohnenswerter.

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Veröffentlicht am 22.05.2024

Interessanter Roman.

Der Vertraute
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„Der Vertraute“ war mein erstes Buch von Leigh Bardugo, aber nicht mein Letztes.

Stilistisch haben wir einen anspruchsvollen, detailreichen und für die angepeilte Zeit passenden Ton, der sowohl das historische ...

„Der Vertraute“ war mein erstes Buch von Leigh Bardugo, aber nicht mein Letztes.

Stilistisch haben wir einen anspruchsvollen, detailreichen und für die angepeilte Zeit passenden Ton, der sowohl das historische Flair als auch die herrschenden Konventionen, die Vorsicht der Menschen wiedergibt.

Im Vordergrund steht Luzia Cotado, ein Küchenmädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das mehr will. Und gerade durch ihre verbotene Gabe scheint sie genau das zu bekommen. Denn die junge Frau kann Wunder wirken. Unberechenbare Wunder. Obgleich die Inquisition alles verfolgt und auf grausame Art auslöscht, was auch nur im Entferntesten dämonischer, teuflischer Natur anmutet, geht Luzia ihren Weg. Bis hinauf zum König. …
Mit ihrer Protagonistin weicht die Autorin vom Üblichen ab, zeigt, dass es nicht immer das schüchterne Mädchen sein muss, das sich versteckt. Denn Cotado ist willensstark, selbstsicher und mutig. Mutig genug, um sich in dieser Welt offen zu behaupten. Um nach dem zu verlangen, nach dem sie sich sehnt.
Aber ist es nicht menschlich, mehr zu wollen, mehr zu sein? Immer weiter, höher, schneller?!

Aufgrund der wechselnden Perspektiven erleben wir die Ereignisse aus verschiedenen Sichtweisen, sammeln variierende Eindrücke und entdecken die unterschiedlichsten Intentionen. Keine der fein gezeichneten Figuren ist nur gut, nur schlecht, „Morally Grey“ trifft es eher. Charakterlich werden im Verlauf Facetten und Nuancen deutlich, die Bereitschaft, umzudenken und sich zu verändern. Dementsprechend hält dieser fantastische Historische-Roman eine starke Entwicklung innerhalb der Handlung bereit.
Das Magiesystem wird in Einzelheiten und somit verständlich dargelegt, wirkt greifbar und fasziniert auf gewisse Weise. Unaufdringlich eingeflochten ist die Unterdrückung von Minderheiten, welche der Story einen, leider immerwährenden, aktuellen Bezug verleiht.

Eine düstere, öfter beklemmende Atmosphäre umspielt die Storyline, stetig im Hintergrund, unterschwellig spürbar, die drohende Gefahr. Die Angst, entdeckt zu werden. Trotz des häufig ruhigen Tempos warten hier und da Action, Gewalt und Blut. Im Kontrast poetische Zeilen. Gänsehautmomente. Augenblicke, in denen ein Mitbangen- und hoffen unumgänglich scheint.

„Der Vertraute“ ist ein Roman mit zahlreichen Themen und Irrungen; über die menschliche Gier, die Suche nach Macht. Bardugo zeigt, was der Einzelne, was viele bereit sind zu tun, wenn Unzufriedenheit und Vergleiche überhandnehmen. Schickt uns zurück in eine Welt, in der Meinungsfreiheit utopisch war, die von Religion und Fanatikern beherrscht wurde, von Angst.

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Veröffentlicht am 17.05.2024

Langsamer Einstieg, der Fahrt aufnimmt.

Getaway - Das Unheil
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Drei Frauen und die grenzenlose Freiheit der Natur.

Was als meditativer, erdender Trip geplant war, der Imogen, ihre Schwester und die gemeinsame Freundin aus Jugendtagen wieder näher zueinander führen ...

Drei Frauen und die grenzenlose Freiheit der Natur.

Was als meditativer, erdender Trip geplant war, der Imogen, ihre Schwester und die gemeinsame Freundin aus Jugendtagen wieder näher zueinander führen sollte, entwickelt sich zu einer Wanderung, in der innere und zwischenmenschliche Konflikte, ungesagte Worte und brodelnde Emotionen nicht die schlimmsten Begleiter sind ...

„𝐆𝐞𝐭𝐚𝐰𝐚𝐲 - 𝐃𝐚𝐬 𝐔𝐧𝐡𝐞𝐢𝐥“ beginnt mit einem Prolog, der ein traumatisches Erlebnis der Protagonistin offenlegt, mit dessen Folgen Imogen u. A. noch immer kämpft. Beck, die sich nach jener Zeit sehnt, in der die Schwestern und Tilda unzertrennlich waren, animiert beide zu einer Rucksack-Tour durch den Grand Canyon. Sieben Tage nur Landschaft und Abgeschiedenheit. Und viel Raum, viel Zeit, um die ehemals intensive Bindung zwischen den Mittdreißigerinnen wieder aufflammen zu lassen. Dabei schleppen die drei mehr mit sich als nur das dringend benötigte Gepäck.

Von der ersten Seite an wirkte der Stil, mit dem Zoje Stage durch ihren (PsychThriller führte, regelrecht mitreißend. Dies lag am Mix aus detailreichen Ausschmückungen und der Einfachheit ihrer Worte. Trotz Gefühl und der Möglichkeit, sich in Imogen hineinzuversetzen, aus deren Perspektive die damaligen wie gegenwärtigen Geschehnisse zu erleben, hielt die Autorin eine gewisse Distanz aufrecht, was der Erzählung einen unberechenbaren, Vorsicht erregenden Touch verleiht. Obgleich es gerade in der ersten Hälfte einige Längen gab und Fragen aufgeworfen wurden, deren Klärung sich erst im fortschreitenden Verlauf findet, flogen die Kapitel rasch dahin. Während der Spannungsbogen allmählich anstieg, gewannen die Charaktere mehr und mehr an Kontur.

Wie stellt ihr euch die Einsamkeit des Grand Canyons vor? Bedrückend? Beklemmend? Genau diese Atmosphäre samt der Anstrengung, die solch Wanderung erfordert, fing Stage ein und brachte sie dicht, greifbar rüber.
Die Anspannung, ausgelöst durch das, was zwischen den Frauen steht – Ärger, Frust, Geheimnisse –, der Ursprung ihrer Entfremdung und spitze Dialoge entfachen Neugier. Aber da ist noch mehr. Denn sie sind nicht allein. Etwas schreitet mit, wie ein Schatten, der beobachtet …

„Getaway - Das Unheil“ entwickelt sich nach einem langsamen Einstieg, dem es an Ereignissen und Abwechslung fehlt, zu einem einnehmenden Thriller, dessen Irrungen samt dem entstehenden Unbehagen an den Nerven zieht. Die durchsickernden Informationen – Imogens Inneres, ihre Traumata betreffend – wecken zusätzlich eine ungute Ahnung, die die Brust eng werden lässt. Ab der Hälfte der Geschehnisse zieht Stage das Tempo an, fesselt und überrascht.
Im Vergleich zu Idee und Storyline wirkte das Ende jedoch weniger originell und auf gewisse Weise zu einfach.
🤘🏻 Fazit: Dranbleiben lohnt sich!

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Veröffentlicht am 16.05.2024

Frisch, queer, anders.

Fluch und Segen
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„𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥𝐬𝐫𝐞𝐢𝐜𝐡“ ist der Beginn der High-Fantasy-Trilogie „𝐅𝐥𝐮𝐜𝐡 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐠𝐞𝐧“, in der wir einen Kontinent betreten, auf dem neben zahlreichen Sagengestalten auch Magie existiert. Doch nicht alle Völker ...

„𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥𝐬𝐫𝐞𝐢𝐜𝐡“ ist der Beginn der High-Fantasy-Trilogie „𝐅𝐥𝐮𝐜𝐡 𝐮𝐧𝐝 𝐒𝐞𝐠𝐞𝐧“, in der wir einen Kontinent betreten, auf dem neben zahlreichen Sagengestalten auch Magie existiert. Doch nicht alle Völker wurden mit dieser gesegnet, und so verliert sich das Reich Byrantia immer mehr in der Angst vor dem Untergang. Denn es herrscht Krieg.
Zusätzlich zeichnet sich die hier geschaffene Welt durch fiktive, sich manifestierende Gottheiten und einen starken Glauben aus. Doch reicht solch Zeugnis, um in Demut zu leben?

Erzählt wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven.
Elissia, die Kronprinzessin des Landes, lebte bisher im Augenblick. Doch nach dem Versagen ihres – allgemeinhin unbeliebten, missgünstigen – Bruders und dem damit einhergehenden Verlust seiner ihm angedachten Position im Reich holt sie ihre Pflicht als Thronfolgerin rasant ein. Die Erwartungen und Hoffnungen des gesamten Volkes, ein unbändiger Druck, lasten plötzlich schwer auf der 22-jährigen. Und somit auch auf ihrer Partnerin.
Daneska von Bodenstarcks – stellvertretende Heerführerin – und Eliss sind dazu angehalten, schnell eine Entscheidung für ihre Zukunft zu treffen. Eine, die das Leben beider ändert. Denn das Geschlecht der von Kroningens fortzuführen steht, wie das Wohlergehen des Landes, an forderster Stelle.
Der dritte Charakter, durch den wir die Ereignisse verfolgen, ist Malachias – ein enger Vertrauter und Berater des Königs. Doch während andere Land und Volk Loyalität geschworen haben, verfolgt der Kräuterkundige seit jeher eigene Pläne und Ideologien. Sät Hass und Unzufriedenheit. Versteckt Geheimnisse, hantiert mit Tricks, die drohen, die Strukturen des Reiches zu ändern, die Götter zu erzürnen.

Während die Einführung in die Geschichte klassischer Natur war, war es die Darstellung der Gesellschaft nicht. Denn wir entdecken eine gleichberechtigte Welt, in der jeder sein und lieben darf, was und wen er will, in der Menschen, egal welcher Zugehörigkeit und welches Geschlechts, ihren Beruf wählen dürfen und auf Augenhöhe agieren. Für Nachwuchs wird offen auf unkonventionelle, moderne Art gesorgt, und auch die – demokratisch – herrschende Familie unterliegt Regeln. Das und noch mehr schafft einen aktuellen Bezug und bringt frischen Wind in das Genre. Doch was nach einem utopischen, harmonischen Fleckchen klingt, wird durch die immer häufigeren, brutalen Angriffe der magisch begabten Völker erschüttert … Angst und Unsicherheit, Hilf- und Machtlosigkeit machen die Byrantinen anfällig für Manipulationen, sie beginnen zu verachten, was sie gleichzeitig schützt und langsam zerstört. Beginnen, sich von Göttern und Frauen abzuwenden, zu spotten; dem Zwietracht, intrigant gestreut, Einlass zu gebieten …

»𝗞𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗠𝗮𝗰𝗵𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝗴𝘂𝘁 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝗯𝗼𝗲𝘀𝗲. 𝗪𝗶𝗲 𝘄𝗶𝗿 𝘀𝘁𝗲𝗿𝗯𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝘂𝗻𝘀𝘁𝗲𝗿𝗯𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗪𝗲𝘀𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗲 𝗻𝘂𝘁𝘇𝗲𝗻, 𝗱𝗮𝘀 𝗴𝗶𝗯𝘁 𝗱𝗲𝗻 𝗔𝘂𝘀𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗴.«

Stilistisch findet sich hier eine sehr lockere und einfache Erzählweise, die es leicht macht, der Storyline zu folgen und das System zu verstehen. Wie üblich für den Beginn einer Serie lässt auch Jamie einiges an Background einfließen, gibt uns einen Überblick über Hierarchien und Traditionen. Die Autorin schuf eine Ausgangssituation, die sich im Verlauf ebenso besorgniserregend wandelt wie Stimmung und Gesinnung in Byrantia. Plötzlich scheint die Bedrohung von außen nicht die Zerstörerischste zu sein.
Neben den Herrschaftsstrukturen und einzelnen Positionen samt Intentionen wurden relevante Figuren mit ausreichend Tiefe und Authentizität ausgearbeitet. Gerade die Mitglieder der Königsfamilie und Daneskas Angehörige bilden einen bunten Mix. Durch Details, kleine Regungen und verstreute Informationen sind Reaktionen und Ziele nachvollziehbar. Es gilt, Zusammenhänge zu knüpfen und Facetten zu entdecken. Die Dynamik zwischen Dani und Eliss – ihre Loyalität gegenüber dem Land und ihre vertrauensvolle Basis – war zugleich sanft wie stark inszeniert.

»𝗗𝘂 𝘃𝗲𝗿𝘁𝗲𝗶𝗱𝗶𝗴𝘀𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗟𝗮𝗻𝗱, 𝘂𝗲𝗯𝗲𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻𝘀𝘁 𝗵𝗲𝗿𝗿𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲.
𝗪𝗶𝗲 𝗸𝗼𝗲𝗻𝗻𝘁𝗲 𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗶𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗷𝗲𝗺𝗮𝗹𝘀 𝘃𝗼𝗿𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗻?«

Spannende und informative Szenen, Überraschungen und Humor halten sich die Waage, während Romantik und Tragik seicht mitschwingen. Momente, die die Neugier anstacheln, Veränderungen, die wütend machen. Über allem Eliss: die mit so einigem konfrontiert wird, sich viel zu schnell in neue Strukturen einfinden und schwerwiegende Entscheidungen treffen muss. Das Schicksal von Byrantia, von tausenden Menschen, steht in der Schwebe, die Luft durchtränkt von einer epischen Veränderung, als Jamie Enderlein „Schicksalsreich“ beendet ...

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