Große Erwartungen, wenig Inhalt
Masked by NightfallIch hatte wirklich große Erwartungen an Masked by Nightfall. Einerseits, weil ich unglaublich viel Gutes über das Buch gehört habe, andererseits aber auch, weil mich das wunderschöne Cover sofort angesprochen ...
Ich hatte wirklich große Erwartungen an Masked by Nightfall. Einerseits, weil ich unglaublich viel Gutes über das Buch gehört habe, andererseits aber auch, weil mich das wunderschöne Cover sofort angesprochen hat. Außerdem hatte ich kurz zuvor bereits ein längeres Fantasybuch gelesen, das mir richtig gut gefallen hat, deshalb dachte ich: Mehr Seiten, mehr Worldbuilding, mehr Tiefe. Leider war hier genau das Gegenteil der Fall.
Der Einstieg hat mir zunächst noch gut gefallen. Ich konnte mich schnell in die Geschichte einfinden, fand Elodie anfangs nachvollziehbar und war gespannt auf die Richtung, die die Handlung einschlagen würde. Besonders die Dynamik innerhalb der Gruppe der Anwärter:innen hatte Potenzial, und einzelne Dialoge oder Interaktionen haben mir wirklich gefallen. Auch Jax mochte ich als Charakter am meisten, er war für mich einer der wenigen Figuren, die tatsächlich etwas Präsenz hatten und die Geschichte teilweise getragen haben.
Was mich irritiert hat, war die Erzählstruktur. Die Autorin versucht mehrfach, bestimmte Geheimnisse oder Hintergründe mysteriös aufzubauen, indem Informationen im inneren Monolog bewusst vage gehalten werden. Als Leser:in ahnt man jedoch meistens sofort, worauf es hinausläuft. Umso enttäuschender war es dann, dass diese „Mysterien“ oft völlig unspektakulär in Nebensätzen aufgelöst werden, ohne emotionalen Höhepunkt oder große Enthüllung. Dazu kommt, dass manche Entwicklungen bereits sehr früh angedeutet oder sogar direkt gespoilert werden, obwohl das der Geschichte überhaupt keinen Mehrwert bringt. Dadurch geht zusätzlich Spannung verloren.
Ein großes Problem war für mich das Worldbuilding. Ich hatte direkt zuvor bereits zwei Fantasybücher gelesen, die diesem hier extrem ähnlich waren, besonders das Soldatenlager- bzw. Ausbildungsszenario und das Magiesystem/Hintergrund. Dadurch wirkte vieles nicht nur bekannt, sondern teilweise beinahe identisch. Die Fantasy- und Magieaspekte, die ich dann erwartet hatte, standen hier stark im Hintergrund. Stattdessen begleitet man hauptsächlich die Ausbildung der Anwärter:innen mit Trainings, Reisen zwischen Lagern und Gruppendynamiken. Das Problem dabei: Über sehr lange Zeit passiert schlichtweg kaum etwas.
Das Buch hat fast 700 Seiten, aber selbst nach der Hälfte hatte ich das Gefühl, dass die Handlung kaum vorangekommen ist. Man lernt Figuren kennen, erfährt Hintergründe und beobachtet kleinere Dynamiken, aber eine wirkliche Entwicklung oder Spannung blieb für mich lange aus. Erst ab etwa 65 % nimmt die Handlung minimal Fahrt auf, und erst gegen Ende passiert überhaupt mehr. Doch selbst dann werden wichtige oder dramatische Szenen viel zu schnell abgehandelt. Momente, die emotional einschlagen könnten, werden innerhalb weniger Seiten wieder beendet, ohne dass man sich richtig hineinfühlen kann.
Besonders schwierig fand ich außerdem die Hauptfigur Elodie. Anfangs konnte ich ihre Gedanken und Handlungen noch nachvollziehen, aber im Verlauf wurde sie mir immer unsympathischer. Ihre extreme Sturheit hat viele ihrer Entscheidungen für mich eher frustrierend als interessant gemacht. Auch die Nebencharaktere blieben trotz sympathischer Ansätze insgesamt sehr blass. Zwar mochte ich die Freundschaftsdynamik innerhalb der Gruppe, aber viele Figuren hatten für mich kaum genug Persönlichkeit, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Teilweise habe ich Namen verwechselt, weil einige Charaktere kaum eigenständige Präsenz hatten und wenig zur Handlung beigetragen haben.
Trotz allem gab es einzelne Szenen zwischen Elodie und Jax, die ich wirklich mochte. Manche Dialoge waren schön geschrieben, und man merkt, dass die Geschichte interessante Ideen hat. Leider konnte ich die emotionale Entwicklung zwischen den Figuren letztendlich nicht nachvollziehen, weil mir die Charaktere insgesamt zu oberflächlich geblieben sind.
Fazit
Insgesamt war Masked by Nightfall für mich leider eine Enttäuschung. Die Handlung bleibt über weite Strecken sehr dünn, das Setting wirkt vertraut und wenig eigenständig, und die Charaktere bleiben insgesamt zu blass. Deshalb konnte mich die Geschichte nicht packen, ich vergebe 2,5 von 5 Sternen und ich werde die Reihe deshalb nicht weiterlesen.