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Veröffentlicht am 31.01.2026

Drei Sterne für den Weg – fünf für das Ende

Nightweaver
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Der Einstieg in Nightweaver fiel mir leider recht schwer. Man wird ohne große Vorbereitung direkt in die Handlung hineingeworfen: viel Action, viele Informationen und extrem viele Namen. Gerade zu Beginn ...

Der Einstieg in Nightweaver fiel mir leider recht schwer. Man wird ohne große Vorbereitung direkt in die Handlung hineingeworfen: viel Action, viele Informationen und extrem viele Namen. Gerade zu Beginn passiert sehr viel auf einmal, was es mir erschwert hat, emotional in der Geschichte anzukommen. Das dichte Worldbuilding und erste politische sowie monarchische Strukturen werden sehr früh eingeführt, ohne dass man genügend Zeit bekommt, sie einzuordnen.

Perspektive & Protagonistin

Die Geschichte wird ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Aster erzählt. Sie ist 17 Jahre alt und Piratin, die den Großteil ihres Lebens auf einem Schiff verbracht hat, da Menschen von den Nightweavern vom Land verdrängt und gejagt werden.

Als Figur konnte mich Aster leider nur bedingt überzeugen. Obwohl es einzelne starke Szenen gab, blieb sie für mich emotional oft unglaubwürdig. Besonders auffällig war, dass sie ihre Identität als Piratin sehr häufig wiederholt, was mit der Zeit eher ermüdend als charakterstärkend wirkte.

Schreibstil

Der Schreibstil ist sehr intensiv, stark auf innere Zerrissenheit und Emotionen fokussiert und arbeitet viel mit Umschreibungen. In actionreichen oder dramatischen Szenen hat das gut funktioniert, in ruhigeren Passagen empfand ich ihn jedoch als zu ausschweifend. Vor allem im Mittelteil verstärkte das die ohnehin vorhandenen Längen.

Brutalität und düstere Atmosphäre der Welt

Die Welt von Nightweaver ist insgesamt sehr brutal und gnadenlos angelegt ist. Gewalt, Tod und Leid sind allgegenwärtig und werden teilweise äußerst intensiv und detailliert beschrieben. Es geht dabei häufig um Blut, verstümmelte oder tote Körper und sehr grausam wirkende Szenen. Für mich persönlich war diese Brutalität jedoch stimmig, da sie gut zu der düsteren, unterdrückenden Welt passte und das Ausmaß der Grausamkeit dieser Gesellschaft deutlich gemacht hat Diese Darstellungen sind nicht nur angedeutet, sondern werden explizit geschildert, was für empfindliche Leserinnen und Leser definitiv eine Triggerwarnung wert ist. Meine Empfehlung wäre ab 16 Jahren.

Worldbuilding & Magiesystem

Das Worldbuilding bietet viele interessante Ansätze, ließ für mich aber auch viele Fragen offen. Die Nightweaver sind eine vampirähnliche Spezies, funktionieren jedoch anders als klassische Vampire.Ihre Macht stammt aus einer besonderen Essenz, die unter anderem aus dem Blut von Menschen und einer speziellen Blume gewonnen wird. Spannend fand ich zudem das Elementarmagiesystem: Jeder Nightweaver beherrscht ein eigenes Element mit individueller Bezeichnung.

Zusätzlich kommt ein sehr dichtes Worldbuilding hinzu. Politische und monarchische Strukturen werden früh angerissen, Zusammenhänge schnell erklärt, ohne dass man Zeit bekommt, sie wirklich zu verarbeiten. Dadurch fiel es mir schwer, emotional in die Geschichte hineinzufinden oder eine Bindung zu den Figuren aufzubauen. Positiv hervorzuheben ist aber eine Szene, in der Aster in ihrem inneren Monolog drei verschiedene Kreaturenarten noch einmal bewusst durchgeht und ihre Eigenschaften zusammenfasst. Diese Wiederholung war sehr hilfreich und gut in die Handlung eingebettet.

Handlung mit Höhen und deutlichen Längen

Nach dem ersten Handlungsschub wurde es zunächst etwas besser, doch besonders im Mittelteil hatte das Buch für mich große Längen. Zwar werden Mysterien aufgebaut und Pläne geschmiedet, vieles passiert jedoch eher im Hintergrund. Es wird viel nachgedacht, überlegt und vorbereitet aber wenig aktiv umgesetzt. Hinzu kamen Zeitsprünge, die sich für mich nicht flüssig angefühlt haben. Teilweise vergehen plötzlich Monate, ohne dass dies erzählerisch gut eingebettet wurde. Das nahm der Geschichte zusätzlich an Spannung.

Charaktere, Dynamiken & Liebesgeschichte

Ein zentraler Kritikpunkt für mich ist die enorme Anzahl an Charakteren. Neben Asters Eltern und ihren zahlreichen Geschwistern treten viele weitere Nebenfiguren auf, die alle namentlich eingeführt werden. Dadurch geht sehr schnell der Überblick verloren, was es mir schwer gemacht hat, eine emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen. Irgendwann war es mir leider egal, wer gerade angesprochen wurde, weil es schlicht zu viele Personen auf einmal waren.

Die Geschichte enthält mehrere zwischenmenschliche Beziehungen, die zeitweise wie mögliche romantische Entwicklungen wirken. Zu Beginn wird eine erste Verbindung aufgebaut, die mit einer leichten, ruhigen Spannung arbeitet und durchaus Potenzial hat. Diese Dynamik wird jedoch über einen längeren Zeitraum unterbrochen, wodurch sie für mich emotional deutlich an Gewicht verliert.

In dieser Phase entstehen andere Beziehungen, die sich für mich wesentlich greifbarer anfühlten. Dabei handelt es sich nicht zwingend um romantische Entwicklungen, sondern vielmehr um Bindungen, die durch gemeinsame Erlebnisse, gegenseitige Unterstützung und Präsenz wachsen. Problematisch wurde es für mich gegen Ende des Buches, als die ursprüngliche Verbindung plötzlich wieder stark in den Fokus gerückt wird. Mir sollte vermittelt werden, dass hier eine große, tiefgehende Liebe existiert, eine emotionale Intensität, die ich als Leserin jedoch nicht fühlen konnte. Gerade im Vergleich zu den anderen, organischer gewachsenen Beziehungen wirkte diese „Hauptliebe“ für mich konstruiert und emotional nicht verdient.

Fazit

Nightweaver hat ein starkes Konzept und definitiv Potenzial, konnte mich aber erst in den letzten rund 30 % vollständig überzeugen. Ab diesem Punkt wird die Handlung deutlich spannender, Twists werden aufgelöst und der intensive Schreibstil passt plötzlich sehr gut zur Geschichte. Diese letzten Kapitel waren für mich echte 5-Sterne-Momente.

Der Weg dorthin war jedoch zäh: ein überfordernder Einstieg, zu viele Figuren, Längen im Mittelteil und eine schwache emotionale Bindung an die Protagonistin. Insgesamt vergebe ich daher 3 bis 3,5 Sterne.

Das Ende macht neugierig auf Band zwei, und ich überlege, diesen zu lesen, in der Hoffnung, dass nun alle Grundlagen gelegt sind und die Geschichte fokussierter, dynamischer und mit stärkerer Charakterentwicklung fortgesetzt wird.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein beinahe Fünf-Sterne-Highlight

A City of Flames
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A City of Flames – Glühende Rache hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte war so fesselnd, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage beendet habe, was bei mir eher selten vorkommt. ...

A City of Flames – Glühende Rache hat mich von Beginn an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte war so fesselnd, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage beendet habe, was bei mir eher selten vorkommt. Meine Neugier darauf, was als Nächstes passiert, wurde konstant aufrechterhalten, und genau das hat mir unglaublich gut gefallen.

Perspektive & Erzählweise

Die Geschichte wird vollständig aus der Ich-Perspektive von Nara erzählt. Diese Erzählform hat für mich hervorragend funktioniert, da man ihren Gedanken und Gefühlen sehr nahekommt. Gerade Naras innere Zerrissenheit, ihre Wut und ihre Motivation waren dadurch sehr greifbar. Ich hatte das Gefühl, emotional direkt an ihrer Seite zu sein, was das Lesen besonders intensiv und mitreißend gemacht hat.

Schreibstil

Der Schreibstil ist locker, treibend und sehr zugänglich. Emotionen spielen eine große Rolle und werden offen und häufig thematisiert, ohne dabei überladen zu wirken. Die Handlung ist actionreich, leicht verständlich und größtenteils sehr bildlich beschrieben, ich konnte mir die Welt, die Kämpfe und die Figuren lange Zeit hervorragend vorstellen.
Erst gegen Ende des Buches gab es für mich kleine Schwächen: In den finalen Abschnitten ließ die Bildhaftigkeit etwas nach, und ich konnte mir manche Szenen nicht mehr ganz so klar vorstellen wie zuvor. Bis dahin war der Stil jedoch durchweg sehr stimmig und atmosphärisch.

Welt, Magiesystem & Grundidee

Besonders spannend fand ich das Magiesystem und den Weltenaufbau. In dieser Welt gibt es Gestaltwandler, die sich entweder in drachenähnliche Wesen oder in monströse Schlangenkreaturen verwandeln können und anschließend wieder eine menschliche Gestalt annehmen. Auch ich habe erst etwa zur Mitte des Buches vollständig verstanden, dass diese Kreaturen eine menschliche Form besitzen, was rückblickend ein sehr spannender Effekt war. Die Gestaltwandler werden gejagt und gelten als böse, während die sogenannten Venatoren als eine Art militärische Einheit ausgebildet werden, um gegen sie zu kämpfen. Diese Konstellation fand ich sehr interessant, vor allem in Verbindung mit Naras persönlicher Geschichte: Ihr Vater wurde von einem Drachen getötet, weshalb sie voller Hass den Venatoren beitritt und sich zur Kämpferin ausbilden lässt.

Charaktere & Dynamiken

Besonders interessant fand ich Naras persönliche Entwicklung: Ausgehend von ihren klaren Werten, Überzeugungen und ihrem tief verwurzelten Hass habe ich ihren Weg und die inneren Konflikte, die sich daraus ergeben, sehr gern verfolgt, auch wenn mir ihre Entscheidungen zum Ende hin nicht immer ganz logisch erschienen, war der Weg dorthin für mich nachvollziehbar, spannend und gut aufgebaut. Die Nebencharaktere haben mir besonders gut gefallen. Während ihrer Ausbildung lernt Nara mehrere Figuren kennen, die der Geschichte Tiefe, Humor und emotionale Wärme verleihen. Die Gruppe besteht aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, von schüchtern über egoistisch bis hin zu herzlich, was für Abwechslung sorgt und Naras Entwicklung glaubwürdig unterstützt.

Auch die romantische Komponente hat mir überraschend gut gefallen. Zwar wird von Romantasy gesprochen, doch lange Zeit bleibt offen, in welche Richtung sie sich entwickelt. Zwei Figuren kommen potenziell infrage, ohne dass frühzeitig Klarheit geschaffen wird. Diese Zurückhaltung empfand ich als sehr erfrischend. Das Buch kommt vollständig ohne Spice aus; es gibt lediglich ein paar zarte romantische Momente wie Küsse. Der Fokus liegt klar auf dem Kennenlernen, auf aufkeimenden Gefühlen und inneren Konflikten und weniger auf körperlicher Nähe. Für mich war das ein großer Pluspunkt, da es Raum für Entwicklung lässt, vermutlich erst in Band zwei.

Besonders spannend fand ich zudem die Katze-und-Maus-Dynamik mit einer weiteren Nebenfigur. Es handelt sich hierbei nicht um ein klassisches Enemies-to-Lovers, sondern eher um ein Spiel aus Misstrauen, Geheimnissen und dem Hinterfragen von Motiven. Nara nutzt diese Figur zeitweise als Mittel zum Zweck, wägt ihre Entscheidungen ab und bewegt sich in einem moralischen Graubereich. Diese Dynamik hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und war für mich einer der stärksten Aspekte der Geschichte.

Handlung & Kritikpunkte

Bis kurz vor Schluss hatte ich stark das Gefühl, ein absolutes Fünf-Sterne-Highlight zu lesen. Leider gab es im letzten Teil des Buches einige Punkte, die mich etwas gestört haben.
Zum einen traten für mich kleinere Logikfehler auf: Bestimmte Handlungen einzelner Figuren wirkten nicht ganz konsequent oder nachvollziehbar, vor allem im Hinblick auf frühere Entscheidungen. Die daraus resultierenden Konsequenzen kamen für mein Empfinden zu spät.
Zum anderen war das Pacing im großen Finale nicht mehr ganz rund, und der Schreibstil konnte dort nicht mehr vollständig mit der Intensität der Handlung mithalten.

Zusätzlich (ich habe das Hörbuch gehört) fiel es mir stellenweise schwer, den Überblick über die vielen Figuren zu behalten, insbesondere über die männlichen Charaktere. Durch die hohe Anzahl und teils sehr ähnlich klingende Namen habe ich oft eher in Rollen und Funktionen als in konkreten Namen gedacht. Bei den weiblichen Figuren empfand ich die Übersicht deutlich einfacher.
Gleichzeitig fand ich es grundsätzlich positiv, dass auch kleinere oder einmalige Figuren nicht anonym bleiben, sondern selbst in kurzen Szenen mit einem Namen versehen werden. Das verleiht der Welt mehr Tiefe und Authentizität, kann im Hörbuch jedoch auch verwirrend wirken, wenn neue Namen auftauchen, die nur ein- oder zweimal erwähnt werden und sich nicht klar zuordnen lassen.

Dennoch möchte ich betonen, dass sich diese Kritik wirklich nur auf die letzten Seiten und einzelne Aspekte bezieht. Der Weg dorthin war durchgehend spannend, unterhaltsam und emotional fesselnd. Im Laufe des Buches wird zudem ein kleines Mysterium aufgebaut, das sich durch subtile Hinweise und Andeutungen zieht und den Leser immer wieder zum Grübeln anregt. Auch wenn wir am Ende erfahren, was geschehen ist, bleibt dennoch genug offen, um eine neue Richtung für die Handlung anzudeuten, eine vollständige Auflösung bleibt aus und macht definitiv neugierig auf Band zwei.

Fazit

A City of Flames – Glühen der Rache ist ein mitreißender Auftakt mit einer spannenden Welt, starken Charakterdynamiken, einer angenehm zurückhaltenden Romance und einer fesselnden Ich-Perspektive. Trotz kleiner Schwächen im Finale hat mich das Buch sehr überzeugt und hervorragend unterhalten.
Für mich liegt die Bewertung bei 4 bis 4,5 Sternen – je nachdem, wie stark man die Logik- und Pacing-Probleme am Ende gewichtet.

Band 2 werde ich auf jeden Fall lesen.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Wenn die Fantasy überzeugt, die Liebe aber stolpert

The Ordeals
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The Ordeals von Rachel Gleenlaw hat mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht und war für mich auch das erste Buch dieser Art mit tödlichen Spielen bzw. Prüfungen. Genau dieses Element hat mich sofort angesprochen. ...

The Ordeals von Rachel Gleenlaw hat mir insgesamt sehr viel Spaß gemacht und war für mich auch das erste Buch dieser Art mit tödlichen Spielen bzw. Prüfungen. Genau dieses Element hat mich sofort angesprochen. Die Geschichte punktet mit originellen Themen, kreativen Fantasy-Elementen und einem sehr packenden Einstieg, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat.

Erzählstil & Perspektive

Das Buch ist klar und übersichtlich strukturiert. Zu Beginn bekommen wir einen gelungenen Einstieg in die Handlung. Erzählt wird die Geschichte ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Sophia. Dadurch ist man sehr nah an der Protagonistin und kann ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. An manchen Stellen wirkte diese Perspektive jedoch etwas einseitig, da mir gelegentlich andere Blickwinkel oder zusätzliche Informationen gefehlt haben. Das ist jedoch nicht ausschließlich dem Erzählstil geschuldet.

Schreibstil & Atmosphäre

Der Schreibstil ist insgesamt sehr treibend, atmosphärisch und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten fliegt. Nur in wenigen Szenen fiel es mir etwas schwer, mir alles bildlich vorzustellen, was jedoch meinen Lesefluss kaum gestört hat. Besonders positiv fand ich die Kapitelüberschriften, da sie die Stimmung gut einfangen haben

Welt & Setting

Die Welt wirkt auf den ersten Blick modern, Autos werden zumindest einmal erwähnt, rückt jedoch nicht stark in den Vordergrund. Dadurch bleibt viel Raum für die eigentliche Handlung und das Magiesystem. Man kann sich eine eher moderne, aber nicht zu dominante Umgebung vorstellen, die vor allem als Bühne für die Fantasy-Elemente dient.

Magiesystem & Akademie

Ein großer Pluspunkt des Buches ist das Magiesystem. Es gibt Illusionisten, Botaniker, Alchemisten sowie Gestaltwandler, die sogenannten Maskierer. Obwohl einige dieser Magiearten zunächst vertraut erscheinen, ist ihre konkrete Ausgestaltung kreativ und interessant umgesetzt. Besonders die Akademie, an der diese Wirkmagie gelehrt wird, spielt eine zentrale Rolle und trägt stark zur Atmosphäre der Geschichte bei.

Die Ordeals: Prüfungen, Spannung & Mystery

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die sogenannten Ordeals, tödliche Prüfungen, die Sophia bestehen muss, um eine vollwertige Studentin der Akademie zu werden. Dieses Setting sorgt für eine konstant hohe Spannung. Man bangt mit der Protagonistin und weiß nie, was als Nächstes passieren könnte. Zusätzlich gibt es mehrere Morde, deren Hintergründe lange im Dunkeln bleiben, was der Geschichte eine starke mysteriöse Komponente verleiht.

Nebencharaktere, Dynamik

Die Nebencharaktere haben mir insgesamt sehr gut gefallen. Sie sind abwechslungsreich gestaltet, nicht eintönig und besitzen klare Charakterzüge. Besonders die Dynamik zwischen Sophia und den anderen Figuren, vor allem innerhalb der Ordeals; hat mir viel Spaß gemacht und zur Spannung sowie zur emotionalen Tiefe der Geschichte beigetragen.

Auch die Dynamik zwischen den beiden zentralen Protagonisten hat mir zu Beginn sehr gut gefallen. Durch die Umstände der Ordeals kommen sie sich gezwungenermaßen näher, was zu vielen humorvollen, neckerischen Momenten führt. Dieses spielerische, leicht sarkastische und zugleich respektvolle Miteinander hat für mich sehr gut funktioniert und war einer der Aspekte, die ich besonders gern gelesen habe. In dieser Phase wirkten sie eher wie Freunde oder Verbündete, die sich langsam annähern und genau das hatte für mich großes Potenzial. Leider konnte mich die spätere Entwicklung nicht überzeugen, obwohl die Dynamik zwischen den beiden grundsätzlich stimmig war, wirkte der Übergang von dieser freundschaftlich-neckischen Beziehung hin zu romantischen Gefühlen für mich zu abrupt und nicht ausreichend aufgebaut. Viele der romantisch gemeinten Szenen hätten meiner Meinung nach auch ohne explizite Liebesaspekte funktioniert. Gerade weil die anfängliche Dynamik so gelungen war, hätte man hier deutlich mehr herausholen können, etwa durch eine langsamere Entwicklung oder eine stärkere Verschiebung dieses Elements in den zweiten Band.

Ende & Fazit

Das Ende ist intensiv, spannend und lässt viele Fragen offen. Genau das macht neugierig auf die Fortsetzung. Neben der weiteren Entwicklung des Magiesystems und der Handlung verspricht auch die übergeordnete Geschichte großes Potenzial für Band zwei.

The Ordeals ist ein spannender und origineller Fantasyroman mit einem starken Magiesystem, einer interessanten Protagonistin und einer fesselnden Grundidee. Trotz Schwächen im Romance-Bereich konnte mich das Buch insgesamt überzeugen.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Wenn mitreißende Dark Fantasy und Spice kollidieren

Rabid
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Kurzmeinung: Atmosphärisch und intensiver Schreibstil, aber der furchtbare derbe Spice/Smut schadet der Geschichte mehr, als er ihr nutzt.

Einstieg & Atmosphäre

Der Einstieg ist vergleichsweise ruhig ...

Kurzmeinung: Atmosphärisch und intensiver Schreibstil, aber der furchtbare derbe Spice/Smut schadet der Geschichte mehr, als er ihr nutzt.

Einstieg & Atmosphäre

Der Einstieg ist vergleichsweise ruhig und introspektiv. Über einen längeren Abschnitt begleiten wir Seneca fast ausschließlich durch ihre Gedanken, ohne viele Interaktionen mit anderen Figuren. Diese lange Einleitung hat mir geholfen, eine emotionale Bindung zur Protagonistin aufzubauen und ihre innere Zerrissenheit zu verstehen.
Atmosphärisch ist das Buch durchgehend stark: düster, roh, intensiv – eindeutig Dark Fantasy / Dark Romance. Brutalität, Gewalt und eine sehr direkte Sprache gehören fest zum Ton der Geschichte und werden nicht beschönigt.

Schreibstil & Perspektive

Die Geschichte wird vollständig aus der Ich-Perspektive von Seneca erzählt. Wir erleben alles ausschließlich durch ihre Wahrnehmung, ihre Gefühle und vor allem ihre Gedankenwelt. Das Buch lebt stark von inneren Monologen: Senecas Ängste, Zweifel, Wut und ihre Auseinandersetzung mit dem Wolfsgeist nehmen deutlich mehr Raum ein als klassische Dialoge.
Der Schreibstil ist dabei sehr intensiv, fragmentiert und mitreißend. Kurze Sätze, Gedankensprünge und emotionale Einschübe erzeugen das Gefühl, direkt in Senecas Kopf zu stecken. Genau das macht das Lesen so fesselnd, man wird regelrecht durch die Geschichte getragen. Wer dialoglastige Romane bevorzugt, könnte das als anstrengend empfinden, für mich war es jedoch erfrischend und ungewöhnlich.

Welt & Fantasy-Aspekte

Besonders überzeugt hat mich die originelle Interpretation des Werwolf-Mythos. Die Gestaltwandler teilen sich ihren Körper mit einem eigenständigen Wolfsgeist, einem Wesen mit eigener Persönlichkeit, eigenen Instinkten. Dieses Konzept verleiht der Geschichte Tiefe und hebt sie deutlich von klassischen Gestaltwandler-Erzählungen ab.
Die Welt selbst ist modern angelegt, mit Handys, Autos und Bussen, doch diese Elemente bleiben bewusst im Hintergrund. Stattdessen dominiert ein starkes Natur- und Rudelsetting, was der Atmosphäre sehr zugutekommt. Die verschiedenen Wolfsrudel unterscheiden sich nicht nur kulturell, sondern auch visuell (von moderner Kleidung bis hin zu Leder und Leinen), was ihnen eine klare Identität verleiht.

Dark Elements & Brutalität

Das Buch spart nicht an harten Inhalten. Gewalt, Tod und psychische Traumata werden thematisiert. Auch die Wortwahl ist oft derb und provokant. Teilweise funktioniert das sehr gut und unterstreicht die raue Welt, teilweise wirkt es überzeichnet. Hier wird schnell klar: Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter.

Charaktere & Entwicklung

Seneca ist eine spannende, komplexe Hauptfigur. Ihre Flucht, ihr Trauma und ihr innerer Kampf mit dem Wolfsgeist sind gut dargestellt. Besonders gelungen fand ich die Dynamik zwischen ihr und dem zweiten Hauptcharakter, die sich langsam, über Gespräche, Nähe und gegenseitiges Verstehen entwickelt.
Auch die Nebenfiguren und das Rudel als Gemeinschaft sind stimmig ausgearbeitet und vermitteln ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Action- und Verwandlungsszenen sind intensiv geschrieben und gehören für mich zu den Highlights des Buches.

Der größte Kritikpunkt: Spice

Der Punkt, der mich fast zum Abbruch gebracht hätte, sind die expliziten Szenen. Auf rund 430 Seiten gibt es nur wenige (4) davon, aber insbesondere die erste wirkt extrem fehlplatziert. Sie kommt recht früh, mitten nach bzw. in einer traumatischen Phase der Protagonistin, ohne emotionale Vorbereitung oder nachvollziehbare Entwicklung. Die Szene fühlt sich komplett losgelöst von der Handlung an, ohne nachvollziehbaren Grund, und mit einer Wortwahl, die ich als überzogen und unangenehm empfunden habe. Ich war ehrlich gesagt schockiert und kurz davor, das Buch wegzulegen.

Zum Glück bleibt es dabei nicht dauerhaft so. Nach dieser Szene verlagert sich der Fokus deutlich auf Handlung, Charakterentwicklung und Beziehungen. Spätere Annäherungen sind zwar weiterhin sehr direkt formuliert und Geschmackssache, aber emotional nachvollziehbarer, weil sie auf einer tatsächlichen Dynamik und Entwicklung basieren. Dennoch hätte das Buch für mich mit deutlich weniger oder sogar ganz ohne diese Szenen besser funktioniert.

Kritik an Zeit & Trauma-Darstellung


Ein weiterer Kritikpunkt ist der sehr kurze erzählte Zeitraum. Die Handlung spielt sich innerhalb von etwa 4- ca.10 Tagen ab – in dieser Zeit geschehen extrem viele einschneidende Dinge. Die Verarbeitung schwerer Traumata wirkt dadurch unrealistisch schnell.

Positiv hervorzuheben ist zunächst, dass das Buch diese Erfahrungen nicht romantisiert. Seneca benennt immer wieder, dass ihr Schreckliches widerfahren ist, und die Gewalt wird klar als das dargestellt, was sie ist. Dennoch bleibt ihre eigene psychische Verarbeitung auffallend vage. Obwohl sie sich noch mitten im Trauma befindet, wird dieses selten wirklich reflektiert oder eingeordnet. Es entsteht stellenweise der Eindruck, als sei das Erlebte für sie „einfach passiert“ und müsse nun hingenommen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass sich um eine Kombination aus sexualisiertem Trauma und sehr expliziten spice Szenen handelt, die für mich in dieser Form nicht stimmig zusammenpassen.

Besonders auffällig ist, dass Begriffe wie PTBS zwar im Buch auftauchen, jedoch ausschließlich in Bezug auf Nebenfiguren – nie explizit auf Seneca selbst angewendet werden. Gerade weil wir die Geschichte vollständig aus ihrer Ich-Perspektive erleben, hätte ich mir hier deutlich mehr innere Auseinandersetzung, Benennung und Raum für Verletzlichkeit gewünscht.

Fazit

Lange Zeit schwankte meine Bewertung zwischen 2,5 und 3 Sternen, hauptsächlich wegen der expliziten Inhalte. Doch wenn man diese Szenen ausklammert oder überspringt, bleibt eine überraschend starke, originelle und atmosphärische Geschichte mit einem intensiven Schreibstil, spannender Fantasy-Idee und einer überzeugenden Hauptfigur. Das Ende ist rund, emotional stimmig und hat letztlich dafür gesorgt, dass ich das Buch deutlich positiver in Erinnerung behalte.

Wer mit Dark Fantasy, Brutalität und sehr direkter Sprache umgehen kann und bereit ist, einzelne Szenen zu überspringen, bekommt hier eine wirklich mitreißende Story mit viel Atmosphäre, Action und innerer Tiefe.


Bewertung: 3,5 bis 4 Sterne – trotz (und nicht wegen) des Spices.

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Überraschend tiefgründige Romantasy

Darkthorn Archives 1: Bite the Bride
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Ich habe dieses Buch zunächst ohne große Erwartungen begonnen, eigentlich ausschließlich wegen des Covers und weil es mir auf Social Media immer wieder begegnet ist. Der Einstieg fiel mir überraschend ...

Ich habe dieses Buch zunächst ohne große Erwartungen begonnen, eigentlich ausschließlich wegen des Covers und weil es mir auf Social Media immer wieder begegnet ist. Der Einstieg fiel mir überraschend leicht: Ich war schnell in der Geschichte drin und fand mich rasch in der Handlung zurecht.

Als ich dann jedoch genauer gelesen habe, dass es sich um eine spicy Fantasy Rom-Com im Schottland der 1920er Jahre handelt, wurde ich ehrlich gesagt skeptisch. Aktuell bin ich kein großer Fan von plumpen Spicy-Büchern, bei denen der Fokus stark auf expliziten Szenen liegt. Umso positiver war meine Überraschung, denn genau das ist hier nicht der Fall.

Erzählperspektive & Schreibstil

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Catherine und Ethan erzählt. Mir persönlich hat Catherines Perspektive etwas besser gefallen, vor allem in Bezug auf ihre Gedankenwelt und die Dialoge. Ethans Sicht war zwar ebenfalls interessant, wirkte stellenweise aber etwas distanzierter.

Der Schreibstil ist insgesamt angenehm, bildlich und stellenweise überraschend poetisch. Kritiken, dass die 1920er Jahre sprachlich nicht exakt eingefangen seien, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Für ein Fantasybuch muss meiner Meinung nach keine historische Perfektion herrschen. Im Gegenteil: Besonders bei Ethan ist mir eine etwas gehobenere Sprache aufgefallen, die gut zu seiner Herkunft und seinen Kreisen passt und einen schönen Kontrast zu Catherines Alltag bildet.

Hörbuchproduktion & Sprecherleistung

Die Hörbuchproduktion hat mir insgesamt sehr gut gefallen, insbesondere durch das gelungene Zusammenspiel der beiden Sprecher:innen. Ein großes Lob möchte ich dabei Yeşim Meisheit aussprechen, die Catherines Perspektive mit unglaublich viel Gefühl und Intensität vorträgt. Gerade in den romantischen und emotionalen Szenen bringt sie so viel Emotion hinein, dass man sich Catherine sehr nahe fühlt und tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen kann. In Kombination mit dem ohnehin poetischen und klangvollen Schreibstil entstehen hier sehr eindringliche Momente, die niemals plump wirken, sondern vielmehr atmosphärisch und berührend sind. Für mich fühlte es sich stellenweise fast so an, als wäre ich nicht nur Zuhörerin, sondern stille Beobachterin von Catherines Innerstem.

Auch die männliche Sprecherstimme empfand ich als sehr angenehm und ruhig, was gut zur eher zurückhaltenden Art von Ethan passt. Zwar hat mich Catherines Stimme emotional etwas stärker abgeholt, dennoch ergänzen sich beide Sprecher hervorragend und sorgen für ein stimmiges, hochwertiges Hörerlebnis.

Atmosphäre & Setting

Das 1920er-Jahre-Setting in Kombination mit Fantasy-Elementen fand ich ausgesprochen gelungen. Der Flair ist atmosphärisch, mystisch und bildhaft beschrieben. Neben Vampirelementen gibt es weitere Fantasiewesen, was der Welt zusätzliche Tiefe verleiht. Auch die Nebencharaktere, insbesondere Catherines Freundinnen bekommen Raum zur Entfaltung und wirken nicht wie bloßes Beiwerk. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Handlung & Charaktere

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Studentin Catherine Campbell, deren Leben durch ein äußerst ungünstiges Missgeschick eine völlig unerwartete Wendung nimmt: Sie wird mit dem Bibliothekar Ethan Hawthorne verheiratet. Besonders spannend ist dabei, dass Catherine Vampire aus tiefster Überzeugung hasst, was der Beziehung von Beginn an eine starke innere und äußere Spannung verleiht.

Catherine habe ich als Figur als besonders interessant empfunden. Sie ist stur, eigensinnig und widersetzt sich bewusst Regeln und Anweisungen, nicht aus Trotz, sondern weil sie ihren eigenen Weg gehen und Fehler selbst machen möchte. Während Catherine ihren freien Willen kompromisslos verteidigt, steht ihr mit Ethan ein deutlich zurückhaltenderer Charakter gegenüber, der viel beobachtet, schützt und im Hintergrund agiert. Auch wenn ich zu ihm insgesamt eine etwas größere Distanz hatte als zu Catherine, konnte ich in den Momenten aus seiner Perspektive, besonders wenn es um sie ging, sehr gut nachvollziehen, was er für sie empfindet und warum er so handelt. Gerade diese Gegensätzlichkeit hat die Beziehung für mich glaubwürdig und emotional gemacht.

Was mir sehr gefallen hat: Die Geschichte nimmt sich Zeit. Die Annäherung der beiden fühlt sich authentisch und organisch an. Es gibt zwar zu Beginn eine intime Szene, doch danach rückt der Fokus klar auf Dynamik, Tension, Dialoge und gemeinsame Erlebnisse. Genau dadurch konnte ich eine starke emotionale Verbindung zu den Figuren aufbauen.

Romance & „Spice“

Entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen ist der Romance-Anteil sehr gefühlvoll und nicht aufdringlich umgesetzt. Besonders positiv hervorheben möchte ich, dass in den romantischen Szenen der Fokus sehr klar auf Catherines Wahrnehmung und Empfindungen gelegt wird. Die Wortwahl bleibt dabei stets zurückhaltend, gefühlvoll und atmosphärisch-poetisch, ohne überzogen oder derb zu wirken, was für mich viel zur emotionalen Tiefe und zur Authentizität der Beziehung beigetragen hat. Besonders gut gefallen hat mir, dass nicht jede intime Situation bis ins Detail ausgeschrieben wird, sondern teilweise bewusst ausgeblendet und zum nächsten Morgen übergangen wird. Dadurch wirkt alles deutlich romantischer und weniger plakativ.

Kritik & Fazit

Etwa zur Mitte des Buches hatte ich kurz das Gefühl, dass es ein potenzielles Fünf-Sterne-Buch werden könnte. Gegen Ende ließ diese Begeisterung etwas nach, auch weil einige Fragen offenblieben und mich der Abschluss emotional nicht ganz so stark abgeholt hat. Dennoch sehe ich eine mögliche Vorbereitung auf die Folgebände.

Ein klarer Kritikpunkt für mich: Eine Rom-Com ist dieses Buch definitiv nicht. Es gibt zwar einzelne Situationen, in denen Catherine sehr stur ist, aber wirklichen Humor im klassischen Rom-Com-Sinne habe ich hier kaum gesehen.

Trotzdem bleibt unterm Strich ein sehr positives Fazit:
Ich bin von Skepsis zu echter Überraschung gelangt. Bite the Bride bietet mehr Tiefe, Atmosphäre und emotionale Entwicklung, als ich erwartet hätte, und macht definitiv neugierig auf die Fortsetzung.

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