Zwischen Misstrauen, Lügen und schockierenden Wahrheiten
Don't Believe HerDieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman ...
Dieser Thriller hat mich wirklich von Anfang an gepackt und dann immer tiefer in seinen Bann gezogen. Ich wollte permanent wissen, wie es weitergeht und genau das macht für mich einen richtig guten Spannungsroman aus.
Wir folgen Ellie in der Ich-Perspektive. Schon ihre Vorgeschichte ist ungewöhnlich und geheimnisvoll: In jungen Jahren ist Ihre Beste Freundin von zu Hause abgehauen und gilt seit zwölf Jahren als verschwunden. Inzwischen lebt Ellie mit dem Bruder Ihrer besten Freundin, in den sie sich verliebt hat, seiner Mutter, sowie ihrer Tochter aus einer früheren Beziehung unter einem Dach.
Als plötzlich Ellies beste Freundin von früher wieder auftaucht, beginnt das eigentliche Spiel. Denn Ellie spürt sofort: Das ist nicht die Person, die sie vorgibt zu sein. Und genau dieser Grundgedanke ist einfach großartig. Man fiebert die ganze Zeit mit, weil man gemeinsam mit der Protagonistin weiß, dass hier etwas nicht stimmt. Es macht unglaublich viel Spaß, Ellie dabei zu begleiten, wie sie Indizien sammelt, Beweise sucht und versucht, hinter die Wahrheit zu kommen.
Der Anfang nimmt sich etwas Zeit. Die ersten zweieinhalb bis drei Stunden dienen vor allem dazu, Figuren, Beziehungen und Hintergründe aufzubauen. Das ist gut gemacht, aber noch nicht wirklich Thriller-typisch nervenaufreibend. Es geht mehr um Charakterentwicklung als um Hochspannung. Dadurch wirkt der Einstieg stellenweise etwas schleppend.
Doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, entfaltet sie eine enorme Sogwirkung. Kleine Hinweise werden wie Brotkrumen gestreut, scheinbar unscheinbar, aber unglaublich effektiv. Man stellt Theorien auf, verwirft sie wieder, wird überrascht und ständig zum Weiterdenken angeregt. Genau dieses Miträtseln hat mir viel Spaß gemacht.
Neben der konstanten Spannung transportiert der Thriller auch unglaublich viele Emotionen. Besonders in den Momenten, in denen Ellie alles daransetzt, die Wahrheit über die vermeintliche beste Freundin aufzudecken, entstehen Szenen, bei denen man sich teilweise für ihr Verhalten schämt. Man denkt sich „Oh nein, bitte tu das nicht“, oder fühlt sich selbst unwohl bei dem, was sie tut. Ellie wird einem dadurch nicht immer sympathisch, man hinterfragt sie, zweifelt an ihr und ist sich zeitweise unsicher, ob man wirklich hinter ihr steht. Genau dieses emotionale Schwanken macht die Geschichte so intensiv.
Auch andere Figuren treffen Entscheidungen oder geraten in Situationen, bei denen man innerlich aufstöhnt und sich denkt: „Nein, warum passiert das jetzt?“ oder „Warum macht die Person das?“ Dieses Aufregen, dieses Mitfiebern und teilweise Schockiert sein verstärkt die Wirkung des Thrillers enorm, weil man eben nicht nur zuschaut, sondern emotional komplett involviert ist.
Besonders hervorzuheben sind die Wow-Momente: Einige Twists habe ich wirklich nicht kommen sehen. Sie verleihen der Geschichte eine neue Dynamik und sorgen für echte Gänsehaut. Auch das Ende hat mich beeindruckt. Es war stellenweise sprachlos machend, emotional intensiv und insgesamt sehr befriedigend. Zwar hätte ich mir an ein, zwei Stellen noch etwas mehr Ausarbeitung gewünscht, da es gegen Schluss etwas abrupt wirkte, aber der Ausblick rundet das Ganze gelungen ab.
Don’t Believe Her – Die Fremde unter deinem Dach ist ein spannungsgeladener Thriller mit starken Wendungen, interessanten Figuren und einer fesselnden Grundidee.Trotz des etwas gemächlichen Einstiegs vergebe ich 4,5 von 5 Sternen, hätte der Anfang minimal mehr Tempo gehabt, wären es für mich ganz klar 5 Sterne gewesen.