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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2019

Wunderschönes Cover, enttäuschender Inhalt.

Die Zeit des Lichts
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Selten hatte ich mich so sehr in einem Buch getäuscht. Schade! Ich liebe historische Romane, bin insbesondere von starken Frauencharakteren fasziniert und hatte daher angenommen, mit einem Werk, in dem ...

Selten hatte ich mich so sehr in einem Buch getäuscht. Schade! Ich liebe historische Romane, bin insbesondere von starken Frauencharakteren fasziniert und hatte daher angenommen, mit einem Werk, in dem die Autorin Whitney Scharer uns ins Paris der Dreißigerjahre entführt und das Leben der berühmten Lee Miller portraitiert, könnte ich nichts falsch machen.

Das Cover ist wirklich passend gewählt worden. Es spiegelt den Stil der damaligen Zeit wider, strahlt schlichte Eleganz aus und rückt das Thema Fotografie, auf welches tatsächlich sehr detailliert eingegangen wird, da es eine Hauptkomponente des Romans bildet, in den Fokus.

Die Amerikanerin Lee Miller, die mir bis dato noch gänzlich unbekannt gewesen war, hatte ein aufregendes Leben geführt. Als Kind nach einem sexuellen Übergriff traumatisiert, wuchs sie zu einer Schönheit heran und arbeitete sehr erfolgreich als Model für die Vogue, ehe sie beschloss, nach Paris zu ziehen, wo ihr der Fotograf Man Ray begegnete. Lee wird seine Muse, Man Ray wird Lees Liebhaber und Lehrmeister in Sachen Fototechnik. Die Arbeit hinter der Kamera erscheint ihr erfüllender als das Posieren davor und wenige Jahre später wird sie mit ihren Kriegsreportagen Weltruhm erlangen: sie lässt sich in Hitlers Badewanne ablichten, berichtet von der Befreiung der Konzentrationslager.

Mit dem nüchternen, gänzlich emotionslosen und dauerhaft distanzierten Schreibstil bin ich leider überhaupt nicht warmgeworden. Die Autorin schreibt im Präsens; Lees Gedanken und Gefühle werden eingeleitet mit Formulierungen wie 'Lee fühlt XYZ' oder 'Lee denkt, dass XYZ'… Anfangs dachte ich noch, ich würde mich im Laufe der Lektüre daran gewöhnen, aber ich habe auch nach bald 400 Seiten keinerlei Zugang zur Hauptfigur gewinnen, geschweige denn Sympathie oder Mitgefühl für sie entwickeln können.

Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit folgen – bis auf den ersten Rückblick - keinem logischen Muster. Wirklich interessant erschienen mir nur wenige Sequenzen, jene Momentaufnahmen aus Kriegszeiten; abgesehen davon empfand ich das Werk als langatmig und langweilig. Von Lees so bedeutender Arbeit als Kriegsreporterin ist beinahe gar nichts zu lesen, bis auf ein paar scheinbar flüchtig eingeworfene Seiten, auf ein Minimum reduziert. Schwerpunkt des Romans ist stattdessen Lees Beziehung zu Man Ray. Nun, damit hätte ich mich arrangieren können…mit einer unsympathischen, egoistischen und selbstbezogenen Hauptfigur allerdings nicht. Ich verstehe, dass Lees lieblose Kindheit sie geprägt haben muss, dennoch triefte das Werk quasi vor Schwermut, Depression und Verbitterung – mir war, als säße ich während des Lesens unter einer düsteren Wolke, alles fühlte sich negativ an. Letztlich springt Lee mit anderen Menschen so um, wie sie selbst nicht behandelt werden möchte – andauernd fühlt sie sich auf ihre Schönheit reduziert, als Fotografin bzw. Künstlerin nicht genügend geschätzt, von ihrem Partner eingeengt…aber sie hat keinerlei Hemmungen, andere Menschen für ihre Bedürfnisse auszunutzen. Mir kam sie hart, eitel und uneinsichtig vor. Das Paris der Dreißigerjahre wird auf Opium-Parties und sexuelle Freizügigkeit reduziert, ein sehr einseitiges Portrait.

Fazit: Meine 2 Sterne setzen sich aus dem schönen Cover und der Grundidee zur Story zusammen, deren Umsetzung leider gar nicht mein Fall war.

Veröffentlicht am 20.11.2019

Ein weiterer wundervoller Cosy Crime-Roman aus der Feder von Karin Kehrer!

Leichenschmaus im Herrenhaus (Bee Merryweather ermittelt 2)
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Ein ganzes Jahr lang hatte ich voller Ungeduld auf den neuen Roman der Autorin gewartet, die mir bereits mit "Todesklang und Chorgesang" so wundervolle Lesestunden beschert hatte, dass Teil 1 aus der Cosy ...

Ein ganzes Jahr lang hatte ich voller Ungeduld auf den neuen Roman der Autorin gewartet, die mir bereits mit "Todesklang und Chorgesang" so wundervolle Lesestunden beschert hatte, dass Teil 1 aus der Cosy Crime-Reihe um die sympathische Seniorin Bee Merryweather seit jeher zu meinen Lieblingswerken zählt. Was soll ich sagen… Das Warten hat sich gelohnt! Ich hatte hohe Erwartungen an den Folgeband und dennoch hat Karin Kehrer es geschafft, sich noch zu übertreffen!

In diesem Roman ermittelt Bee zum zweiten Mal, denn erneut häufen sich im beschaulichen Örtchen South Pendrick die Todesfälle. Eigentlich hatte sich die herzensgute Witwe Bee fest vorgenommen, sich fortan auf ihre Häkelarbeiten zu konzentrieren und in keine polizeilichen Ermittlungen mehr verwickelt zu werden; sie genießt die Ruhe des Landlebens in ihrem gemütlichen Cottage, die Zeit mit ihren 3 entzückenden Katzen und vor allem die Momente mit ihrem guten Freund, dem Landarzt Marcus. Bee hat sich (im Gegensatz zu den restlichen Bewohnern South Pendricks) mit Lavinia angefreundet – die wunderschöne junge Frau ist mit ihrem Mann Percy vor kurzer Zeit auf das benachbarte Grundstück, Waterford Manor, gezogen. Lavinia ist den Frauen des Ortes ein Dorn im Auge – sie wittern Konkurrenz, denn mit ihrem umwerfenden Aussehen und den oftmals viel zu knappen, sexy Outfits verdreht die Zugezogene so manchem Mann den Kopf. Außerdem ist sie doch viel zu jung für ihren betagten, dafür umso reicheren Ehemann – klarer Fall: sie muss auf sein Geld aus sein! Es wird fleißig getratscht und gemutmaßt. Zum Glück kann Lavinia auf Bee zählen, die aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer ein Neustart in einem fremden Ort sein kann. Obwohl Bee schon seit Jahren in South Pendrick lebt, fühlt auch sie sich manchmal noch ausgeschlossen. Plötzlich muss Bee sich allerdings fragen, wie gut sie Lavinia wirklich kennt – als sie auf deren Grundstück über eine Leiche stolpert. Wenige Wochen später, auf einer Party, folgt der nächste Todesfall. Und so langsam weiß Bee nicht mehr, wem sie trauen kann…

Auch wer den ersten Band nicht gelesen hat, braucht keinerlei Sorge haben, der Handlung nicht folgen zu können oder aufgrund von potentiellen Wissenslücken auf Ungereimtheiten zu stoßen - die Autorin hat gut vorgesorgt und lässt alle nötigen Informationen aus Teil 1 geschickt in die neue Story miteinfließen. Allen neuen Leser/innen möchte ich also zunächst Folgendes sagen:

1. Herzlichen Glückwunsch, dass ihr diese herrliche Cosy Crime-Reihe entdeckt habt!

2. Der erste Band ist keine Voraussetzung, da Teil 2 eine in sich geschlossene Handlung hat.

3. An eurer Stelle würde ich mir trotzdem der ersten Band nicht entgehen lassen, da insbesondere die 66-jährige Bee so ein goldiges Persönchen ist, dass man sich gar nicht sattlesen kann an der Story!

Erneut hat der bildreiche, einladende Schreibstil der Autorin mich von Anfang an gepackt und South Pendrick vor meinem inneren Auge zum Leben erweckt. Plötzlich ist man wieder mittendrin – als würde man nach Hause kommen. Die einzelnen Figuren – nicht nur die Hauptcharaktere – sind unheimlich facettenreich gestaltet worden und bleiben den Lesern auch nach der Lektüre im Gedächtnis. Karin Kehrer schreibt einfach sensationell! Trotz des ländlichen Idylls geht es heiß her und man verfolgt mit zum Zerreißen gespannten Nerven die Entwicklung der Ereignisse. Wie man es von einem ordentlichen Cosy Crime erwarten darf, bleiben einem gruselige Morddetails und Brutalität erspart, dafür kann man umso mehr bei der Tätersuche mitfiebern.

Ich sehe Bee regelrecht vor mir, wie sie – von Neugier getrieben – dort herumschnüffelt, wo sie eigentlich nichts zu suchen hat und sich immer wieder in Gefahr begibt. Sie ist so liebevoll und gutmütig, dass man sie einfach nur in den Arm nehmen und knuddeln möchte!

Kaum hatte ich diesen Roman, in dem die ganze Bandbreite der Emotionen aufgetischt und mit einer ordentlichen Portion Spannung garniert worden ist, ausgelesen, ist mir mit Entsetzen eingesunken, dass ich nun wieder die lange Zeit bis zum nächsten Werk überbrücken muss. Man will South Pendrick nicht verlassen! Sogar mein Mann, der längst von meiner Euphorie für Karin Kehrers Werke angesteckt worden ist, fragte mich neulich: "Wann kommt denn das neue Buch von Bee?" Dies ist mein einziger Kritikpunkt an Frau Kehrer: Wer so toll schreibt, sollte sich mit Beendigung eines Romans automatisch verpflichten, einen weiteren Band zu verfassen! So! Ich bin mir sicher, alle Fans der Autorin werden mir in dieser Hinsicht zustimmen.

Fazit: Von mir gibt es eine uneingeschränkte und erneut zu 100% begeisterte Leseempfehlung. Ein kniffeliger, herzlicher, oftmals mit einem Augenzwinkern geschriebener Krimi ohne Blutvergießen, perfekt geeignet für Fans von Miss Marple, Agatha Christie und "Mord ist ihr Hobby".

Veröffentlicht am 18.11.2019

Lobenswerter Ratgeber zum Thema Strahlenschutz

Gesund leben trotz Strahlenflut
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Es lässt sich nicht leugnen: wir sind permanent umgeben von Strahlung: in unseren eigenen vier Wänden, auf der Arbeit, sogar unterwegs – in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto. Studien hin oder her, ...

Es lässt sich nicht leugnen: wir sind permanent umgeben von Strahlung: in unseren eigenen vier Wänden, auf der Arbeit, sogar unterwegs – in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Auto. Studien hin oder her, wirklich abschätzen, welchen Einfluss all die Strahlung auf uns hat (ob nun elektromagnetische Strahlung oder Erdstrahlen), weiß niemand so genau. Umso wichtiger ist eine kompetente Aufklärung zu diesem brisanten Thema, das in den Medien noch immer viel zu wenig Beachtung findet.

Mit "Gesund leben trotz Strahlenflut", dem farbig bebilderten und mit allerlei anschaulichen Illustrationen ausgestatteten Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, kann man absolut nichts verkehrt machen. – Auch jene Leser/innen, die sich noch nie mit der Thematik auseinandergesetzt haben, werden dem Inhalt mühelos folgen können, da alle Erklärungen überaus nachvollziehbar sind.

Es gibt so viele Aspekte dieses Werks von Ernst Schwarzhans und Sabrina Mašek, die ich positiv hervorheben möchte!

Der Aufbau ist sehr übersichtlich strukturiert. Der Ratgeber enthält nicht nur 7 umfangreiche und zugleich kompakte Kapitel, die alle wichtigen Informationen auf den Punkt genau erläutern, sondern auch einen Leitfaden zum Buch. Weiterhin inkludiert sind eine Definition zum Thema Strahlung, ein Anhang mit Quellenangaben sowie ein Verzeichnis über verwendete Literatur und Stichworte.

Wir erfahren, was die häufigsten Strahlungsarten und -quellen sind und wie wir uns wirksam dagegen schützen können. Besonders gut hat mir gefallen, dass keinerlei Panikmache betrieben wird, z.B. dass nicht alle technischen Geräte direkt verteufelt werden. Stattdessen sprechen die Fakten für sich und es bleibt der Leserschaft selbst überlassen, wie sie mit den Erkenntnissen umgeht. Gerade die kritische Hinterfragung von 5G sowie die Erklärung des digitalen Stromzählers Smart Meter (- etwas, das selbst meinem digital-affinen Ehemann noch kein Begriff war -), hat mich schwer beeindruckt. Es werden zahlreiche Schutzmaßnahmen für alle verschiedenen Wohnräume genannt, vom Kinderzimmer bis hin zur Küche, inklusive nützlicher Extra-Tipps zur Wohnraumgestaltung - z.B. hinsichtlich Abschirmstoffen (Gardinen, Teppiche, etc.). Weiterhin zeigen drei Erfolgsgeschichten, dass wir den Strahlen nicht "hilflos ausgeliefert" sind.

Auch wenn ich in der Vergangenheit bereits ein wenig Recherche zum Thema Strahlenschutz betrieben hatte, habe unheimlich viel dazugelernt, vor allem was den Umgang mit dem Handy angeht. Den Online-Dialog zum Thema 'Spezifische Absorptionsrate' (SAR) werde ich fortan im Auge behalten. Wie sollen die Werte, die bereits 1998 festgelegt worden sind, für heutige Technologie ausreichend bzw. verlässlich sein?! Es ist wirklich erschreckend, wie wenig wir über unseren Alltag mit dem Smart Phone nachdenken. Fakt ist, die Langzeiteffekte können von keinem Wissenschaftler der Welt mit 100%iger Sicherheit bestimmt werden – weil eben noch nicht genügend Zeit vergangen ist, seitdem die breite Masse der Bevölkerung Mobiltelefone benutzt.

Fazit: Ein sehr informativer Ratgeber zum Thema Strahlenschutz, der mit nachvollziehbaren Erklärungen, anschaulichen Beispielen und gut umsetzbaren Strategien punktet.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Spannender historischer Roman mit Politikfokus

Die Dirne und der Bischof
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Autorin Ulrike Schweikert hat mit "Die Dirne und der Bischof" einen soliden Auftakt zur Elisabeth-Reihe erschaffen.

Bereits das wunderschöne, farbintensive Cover lässt das Genre erahnen. Der Titel ist ...

Autorin Ulrike Schweikert hat mit "Die Dirne und der Bischof" einen soliden Auftakt zur Elisabeth-Reihe erschaffen.

Bereits das wunderschöne, farbintensive Cover lässt das Genre erahnen. Der Titel ist treffend gewählt worden und verrät bereits vor der Lektüre eine wichtige Information.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst. - Als eine junge Frau bewusstlos und halbnackt im Flussgraben der Stadt entdeckt wird, liegt die Vermutung nahe, sie stamme aus dem örtlichen Hurenhaus. Zwar kennt Hurenwirtin Else die hübsche Frau nicht, wittert allerdings eine großartige zusätzliche Einnahmequelle, denn das Mädchen ist umwerfend schön. Praktischerweise erinnert sich die junge Dame, der man spontan den Namen Elisabeth gibt, an nichts aus ihrer Vergangenheit und wird bald darauf von Else zur Arbeit gezwungen. Aufgrund ihres Bildungsstandes (– im Gegensatz zu den anderen Dirnen kann sie lesen und schreiben -), ihrer tadellosen Manieren und Gottesfürchtigkeit lässt sich erahnen, dass Elisabeth aus einem guten Hause stammen muss. Als ihr dämmert, womit sie ihre Schulden bei Else abarbeiten soll, ist das Mädchen entsetzt und verzweifelt, denn es gibt scheinbar keinen anderen Ausweg. Doch nach und nach beginnt Elisabeth sich zu erinnern, wer sie wirklich ist…

Ort der Handlung ist Würzburg im 15. Jahrhundert. Der Alltag im Hurenhaus ist sehr intensiv und authentisch geschildert worden. Im Grunde hätten die Beschreibung der verschiedenen Mädchen und ihre Hintergrundgeschichten genügend Inhalt für einen eigenen Roman geliefert. Sehr gerne hätte ich mehr darüber erfahren, warum es die einzelnen Dirnen einst ins Hurenhaus verschlagen hatte; bis auf Ausnahmen wird dies nicht erwähnt. Das Mittelalter war keine frauenfreundliche Zeit, schon gar nicht, wenn man als Abschaum der Gesellschaft betrachtet wurde und sich als Dirne den widerwärtigsten Wünschen der Kundschaft beugen musste. Elisabeth tat mir anfangs unheimlich leid. Es ist bewundernswert, dass sie nie an Güte und Hilfsbereitschaft eingebüßt hat. Eine besonders interessant gestaltete Figur ist Else, die Eselswirtin, welche das Hurenhaus leitet; einerseits kümmert sie sich um ihre Mädchen, andererseits nutzt sie diese schamlos aus. In jedem Fall wirkte sie auf mich äußerst realistisch.

Den Schreibstil der Autorin sowie die Kapitellänge habe ich als sehr angenehm empfunden. Für meinen Geschmack nahm die Referenz zu politischen Entwicklungen, Kriegsgeberichten und Machtspielen/Intrigen jedoch zu sehr Oberhand. Vor allem der Mittelteil des Romans hat dadurch an Dynamik und Mitfieber-Faktor verloren. Elisabeth wurde über viele Kapitel zu einer Nebenfigur und ihre persönliche Geschichte rückte in den Hintergrund, weil unheimlich viel Zeit darauf verwendet wurde, politisches Geplänkel in die Story miteinzubinden. Hier wäre weniger mehr gewesen; speziell bei solch einer sympathischen Protagonistin sollte der Fokus nicht von ihr abrücken. So habe ich zwar das Beste für Elisabeth gehofft, wirklich emotional berührt war ich letztlich aber nicht. Das Ende ist mir ein wenig sauer aufgestoßen – für mich war es kein runder Abschluss.

Fazit: Super Grundidee, sympathische Hauptfigur, spannender Plot – leider etwas langatmig im Mittelteil und für meinen Geschmack zu Politik-lastig.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Ein Cold Case aus Zeiten der DDR

Unter der Mauer
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Pünktlich zum Jahr, in dem Deutschland das Jubiläum "30 Jahre Mauerfall" feiert, hat Autorin Melanie Lahmer mit ihrem Werk "Unter der Mauer" eine Geschichte erschaffen, die einmal mehr verdeutlicht, wie ...

Pünktlich zum Jahr, in dem Deutschland das Jubiläum "30 Jahre Mauerfall" feiert, hat Autorin Melanie Lahmer mit ihrem Werk "Unter der Mauer" eine Geschichte erschaffen, die einmal mehr verdeutlicht, wie sehr das damals in der DDR 'eingesperrte' Volk unter den mit ihrer Heimat verbundenen Einschränkungen gelitten hat. Alles musste erst 'von oben' genehmigt werden. Urlaubsreisen in das nichtsozialistische Ausland waren ein Ding der Unmöglichkeit und allein ein Antrag auf dauerhafte Ausreise konnte die Zukunft der gesamten Familie ruinieren – zumal solche Anträge fast nie genehmigt wurden. Wer studieren durfte, wurde nicht anhand guter schulischer Leistungen entschieden, sondern basierte oftmals auf Vitamin B. 'Nicht negativ auffallen bei der Stasi', hieß die Devise.

In diesem Alltag wachsen die Teenager Michaela und Annett Anfang der 80er Jahre auf. Vor allem Michi ist unzufrieden mit ihrer Situation, erhofft sich mehr vom Leben, träumt von der weiten Welt. Als sie eines Tages spurlos verschwindet, ist ihre entsetzte Familie am Boden zerstört. Niemand weiß, was Michi zugestoßen ist. Hat sie etwa 'rübergemacht', wie sie es in ihrem Abschiedsbrief angedeutet hatte? In jedem Fall hat ihr Verschwinden weitreichende Folgen für ihre Familie; insbesondere ihre jüngere Schwester leidet sehr unter dem Verlust – und unter den darauffolgenden Schikanen durch die Stasi. Aber warum meldet sich Michi auch Jahre nach dem Mauerfall nicht bei ihren Angehörigen?

Siegen, Gegenwart. Als Psychologin Nike Klafeld beim Ausmisten eines Weltkriegsbunkers, der ihrer Band als Proberaum gedient hatte, zufällig eine Vielzahl loser Tagebuchseiten in die Hände flattert, ist ihre Neugier geweckt. Scheinbar sind die Notizen viele Jahre alt. Aber wer ist die Frau, die sie einst verfasst hatte? Interessiert an der Geschichte, die sich hinter diesen ominösen Schriftstücken verbergen mag, beginnt Nike, Nachforschungen anzustellen - nicht ahnend, dass sie mit ihrer Neugier in ein Wespennest sticht.

Die Autorin hat sich intensiv mit dem Thema 'Leben in der DDR', quasi im Schatten der Mauer, auseinandergesetzt und ihre Rechercheergebnisse in dieses spannende Werk miteinfließen lassen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, wobei man im Hinblick auf die Vergangenheitsebene lange Zeit im Dunkeln tappt und erst gegen Ende herausfindet, was Michaela widerfahren ist.

Ein großer Anteil des Werks ist dem familiären Umfeld von Nike gewidmet worden, da dieser Band den Auftakt zu einer Buchreihe bildet und somit als Basiswissen fungiert. Die Ausarbeitung der Hauptfigur hat mir sehr gefallen, da Nike gleichermaßen authentisch wie sympathisch auf mich wirkt. Ihre Handlugen und Gedanken sind durch und durch nachvollziehbar; auch mich hätte es an ihrer Stelle in den Fingern gejuckt, mehr über den Verbleib der Tagebuchschreiberin zu erfahren – allerdings hätte ich mich nie in einen Bunker hineingetraut. Besonders beeindruckt hat mich die tiefgründige Schilderung der Gefühlswelt von Annett; nach Michis Verschwinden hatte sich im Familienkreis alles nur noch um den Verbleib der vermissten Tochter gedreht. Annett selbst schwankt zwischen Wut auf ihre Schwester und Unverständnis; sie möchte endlich die Wahrheit erfahren, um mit der ewigen Ungewissheit abschließen zu können.

Sowohl Covergestaltung als auch die Wahl des Buchtitels sind perfekt auf den Inhalt abgestimmt und sehr treffend gewählt worden. Der Schreibstil der Autorin ist eine angenehme Mischung aus feinfühlig und dynamisch. Während man anfangs vielleicht das Gefühl hat, es könnte ruhig ein wenig flotter vorangehen, nimmt die Story jedoch immer mehr an Fahrt auf und gipfelt in einem actionreichen Ende. Wäre dieser Roman der Auftakt einer Fernsehserie, würde ich definitiv am nächsten Tag wieder einschalten. Als Fan von Cold Case-Ermittlungen und historischen Romanen, speziell vor dem Hintergrund der DDR, war ich natürlich extrem gespannt auf das Werk und ich bin nicht enttäuscht worden.