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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2025

Nette Unterhaltung

Unbeugsam wie die See
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Als Lucy vor ihren privaten Problemen kapituliert, sucht sie ihre Schwester Jess auf die an einem entlegenen australischen Küstenort wohnt, an dem über Jahrzehnte acht Männer spurlos auf See verschwunden ...

Als Lucy vor ihren privaten Problemen kapituliert, sucht sie ihre Schwester Jess auf die an einem entlegenen australischen Küstenort wohnt, an dem über Jahrzehnte acht Männer spurlos auf See verschwunden sind und ein verwaistes Baby gefunden wurde. Als Lucy an dem Haus direkt am Kliff angekommen ist, ist ihre Schwester jedoch nicht da, die Tür ist jedoch offen, das Auto und das Handy sind noch da.

Ein weiterer Erzählstrang beschäftigt sich mit den Schwestern Mary und Eliza, die als Verurteilte 1801 mit einem Sträflingsschiff nach Australien gebracht werden. Sowohl Lucy als auch Jess verspüren eine eigenartige Verbindung zu diesen beiden Schwestern. Jess Gedanken erfahren ein Tagebucheintragungen.

Sowohl die acht vermissten Männer und das Auftauchen des Babys als auch das Verschwinden Jess` und deren seltsame Eintragungen im Tagebuch verleihen dem Roman einiges an Spannung und sorgen für gute Unterhaltung. Einen geschichtlichen Hintergrund besteht durch die Sträflinge die von Großbritannien vor rund 2 Jahrhunderten nach Australien gebracht wurden. Die Geschichte selbst, insbesondere der Ort Comber Bay und das Schiff Naiad sind reine Fiction. Eine weitere Thematik wird mit der Benachteiligung von Frauen aufgegriffen, dieses Thema steht allerdings etwas am Rand der Handlung.

Was ich an dem Roman vermisst habe, ist etwas mehr Tiefgang, über die reine Unterhaltung reicht das Werk kaum hinaus. Auch die mystische Verbindung zwischen den beiden Geschwisterpaaren war mir etwas zu weit hergeholt.

Das Cover ist sehr schön gestaltet. Mit dem Unterwassermotiv passt es sehr gut zu dem Inhalt des Buches.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Eine Villa mit düsterer Vergangenheit

Death at Morning House
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Marlowe hat einen ganz besonderen Ferienjob, sie gibt zusammen mit einigen anderen Jugendlichen Führungen in einem „Horrorhaus“ indem vor vielen Jahrzehnten ein exzentrischer Herr mit seiner Familie gelebt ...

Marlowe hat einen ganz besonderen Ferienjob, sie gibt zusammen mit einigen anderen Jugendlichen Führungen in einem „Horrorhaus“ indem vor vielen Jahrzehnten ein exzentrischer Herr mit seiner Familie gelebt hat, bis sich ein tragisches Unglück ereignete.

Die Erzählung des Romans unterteilt sich in eine Rahmen- und eine Binnenhandlung, wobei die Rahmenhandlung etwa doppelt so umfangreich ist als die Binnenhandlung. Im Verlauf des Romans erfahren wir immer mehr über die sonderbare Villa und deren Bewohner. Hinter der einzigartigen Architektur und dem außergewöhnlichen Lebensstil des Hausherren verbergen sich Abgründe. Die Fassade des harmonischen Familienlebens bekommt immer mehr Risse und die Dinge erscheinen immer mehr in einem anderen Licht. Aber auch in der Rahmenhandlung ist ein Unfall passiert, der von den Beteiligten als offenes Geheimnis gehütet wird und in dem Marlowe immer mehr Einblicke erhält.

Die Stimmung, das Setting und die Spannung haben mir in diesem Roman sehr gut gefallen. Jedoch fand ich das die beiden Handlungsstränge oft etwas unverbunden oder konstruiert erscheinen. Es findet ein Fortgang der Binnenhandlung statt, ohne dass man wüsste wie diese in Verbindung mit der Rahmenhandlung steht. Diese Art der Konstruktion hat mich etwas gestört.

Gut gefallen hat mir das düstere Cover ganz in grün und leuchtendem gelb. Es ist auffallend, erweckt eine dunkle Vorahnung und ist durch seine Farbgebung dennoch harmonisch. Im Innenteil, verleihen die reißerisch gestalteten Kapitelzahlen dem Ganzen eine zusätzliche Spannung.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Enttäuschte Erwartungen

Adlergestell
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Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend ...

Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend für das Buch ist die längste Straße in Berlin "Adlergestell". Hier erleben die drei Freundinnen mit Stauen, großen Erwartungen und aus Kindersicht den rasanten Wandel der sich in Ostdeutschland in den 90er Jahren vollzog. Doch oft stellen sich diese Erwartungen als unrealistisch heraus. So unterschiedlich die Drei auch zu sein scheinen, eines haben sie gemeinsam, sie wünschen sich eine Flucht aus ihrem Zuhause in eine andere Welt. Denn in ihrem Zuhause erleben sie u.a. Gewalt, Vernachlässigung, Rassismus, plötzlich geschieden Eltern und Arbeitslosigkeit. Die Freundinnen verbringen ihre Nachmittage u. a. mit dem Klauen von Mercedessternen, Telefonstreiche, und Stelen von allerlei Dingen. Erzählt werden die Erlebnisse als Rückblick aus der Gegenwart. In kurzen Einschüben zwischen den einzelnen Kapiteln liest man die sehr treffende Interpretationen westlicher Werbung, des Comichelden Captain Planet oder des PC-Gams Lemminge, deren medialen Charaktere Ostdeutschland eroberten.

Mir ist diese Zeit ebenfalls aus Kindertagen bekannt, jedoch aus westdeutscher Sicht. Umso interessanter fand ich es den Erlebnissen und Erfahrungen der drei Mädchen aus ostdeutscher Sicht zu folgen. Die Autorin verstehet es mit ihrem Schreibstil die Dinge in aller Kürze und einer unglaublichen Sprachgewandtheit auf den Punkt zu bringen. Teilweise muten die Sätze richtig poetisch an.

Das Cover spielgelt in seiner einfachen und kindlichen Darstellung den Inhalt bestens wieder. Das Gespenst auf dem Titelbild kann man sowohl bildlich, als Umriss den die Kinder auf der Straße sehen, als auch im übertragenen Sinn, als den Wandel der in jedem Haus in Ostdeutschland durch das Leben der Bewohner spuckt, verstehen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Sprachlich überaus gelungen, beschreibt er das Lebensgefühl einer jungen Generation die mit dem Wandel den sie und ihre Familie erleben oft überfordert zu sein scheinen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Tragik und Zynismus

Botanik des Wahnsinns
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Sämtliche Familienmitglieder in diesem Roman haben psychische Erkrankungen. Und so scheint es dem Ich-Erzähler des Romans nur selbstverständlich, dass auch ihn dieses Schicksal zuteil wird. Unaufhaltsam ...

Sämtliche Familienmitglieder in diesem Roman haben psychische Erkrankungen. Und so scheint es dem Ich-Erzähler des Romans nur selbstverständlich, dass auch ihn dieses Schicksal zuteil wird. Unaufhaltsam beobachtet er sich selbst um erste Anzeichen hierauf zu erkennen. Schließlich kommt er tatsächlich in eine Psychiatrie, jedoch als Psychologe.

„Botanik des Wahnsinns“ erzählt die Geschichte einer Familie in der die verschiedenen Psychosen der einzelnen Mitglieder zum Alltag geworden sind. Persönliche Erlebnisse in der Psychiatrie als Arzt, Erzählungen über die Vergangenheit der Familie und medizinische Hintergrundinformationen sowie die historische Entwicklung der Behandlung von psychischen Erkrankungen wechseln sich ab. Eine eindeutige Aussage hierüber wird zwar nie erwähnt, aber ich gehe davon aus, dass das Buch starke biographische Züge enthält. Viele Parallelen zwischen dem Autor und dem Ich-Erzähler sind erkennbar. Die Beschreibungen wirken außerdem äußerst authentisch.

Ein starker Zynismus ist in fast jedem Satz zu finden, „Es ist ein Erfolg wenn die schwierigsten Patienten wiederkommen, anstatt sich umzubringen“ S. 93, ist so ein Beispiel hierfür. Derartige Aussagen findet man zuhauf in dem Text. Dem Autor gelingt es, durch diese Erzählweise, ein überaus ernstes und tragisches Thema mit Humor und Distanz zu vermitteln. Immer wieder wird auch die Frage über „Normal“ und „Unnormal“, „gesund“ und „verrückt“ aufgeworfen. So wurden z. B. mit der Aberkennung homosexueller Neigungen als Krankheit viele Menschen mit einem Mal als gesund und normal eingestuft.

Immer wieder wird im Roman die Welt der Psychosen mit der Botanik verglichen, deshalb auch der poetisch klingende Titel „Botanik des Wahnsinns“. Dieser Vergleich beruht auf einer historischen Tatsache. Bereits Carl von Linné, der sowohl Botaniker als auch Mediziner war, entwickelte in seinem Werk „Genera Moborium“ eine Ordnung in die er die verschiedenen psychischen Erkrankungen, ganz wie die verschiedenen Pflanzenordnungen, einteilte, S. 76-77.

Mir hat das Buch sowohl der Inhalt auch der Erzählstil des Buches sehr gut gefallen. Auch das Cover ist wunderschön. Die floralen Fantasiegestalten verdeutlichen den Thematik des Romans perfekt.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Die versteckten Gefühle einer traditionellen Dorfgemeinschaft

Das Geschenk des Meeres
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In dem abgelegenen schottischen Dorf Skerry, in dem ein traditionelles Leben herrscht, ereignen sich um 1900 merkwürdige Dinge. Nachdem vor Jahren ein Jung im Meer verschwunden ist, taucht plötzlich ein ...

In dem abgelegenen schottischen Dorf Skerry, in dem ein traditionelles Leben herrscht, ereignen sich um 1900 merkwürdige Dinge. Nachdem vor Jahren ein Jung im Meer verschwunden ist, taucht plötzlich ein zum Verwechseln ähnlicher Junge wieder auf, der an den Strand gespült wurde. Und wie es der Zufall so will nimmt ihn Dorothy, die verwaiste Mutter, auf.

Was zunächst mystisch anmutet, entpuppt sich während der Handlung immer mehr zu einem gesellschaftlichen Roman, der den Menschen tief in die Seele und in ihre Gefühlswelt blickt. Thematisiert wird dabei vor allem das Leid Dorothys, nach dem Verschwinden ihres Sohnes. Aber auch der Tratsch, Neid und Missgunst der Dorfbewohner spielen eine große Rolle, ebenso eine zarte Liebesgeschichte, die keine Chance zum Wachsen erhält. Der Junge bringt mit seinem Erscheinen im Dorf somit die gesamte Dorfgemeinschaft in Aufruhr. Der Schauplatz der Handlung ist sowohl von der Umgebung als auch vom Verhalten der Menschen rau und scheint durch und durch lebensfeindlich.

Erzählt wird die Handlung in Kapiteln entweder die Gegenwart oder die Vergangenheit der Protagonisten beschreiben. Unterteilt ist jedes Kapitel in kurze Abschnitte die jeweils einer einzelnen Person gewidmet sind. Diese Gestaltung des Textes gibt dem Roman eine klare Strukturierung.

Das Buch war ganz anders als ich zunächst erwartet hatte. Aus einem scheinbar spannenden und abenteuerversprechenden Ereignis (dem Auftauchen des Kindes) entwickelte sich eine ruhige und unaufgeregte, jedoch gefühlsbetonte und tief in die Psyche blickende Handlung, die sich aber durchaus lohnt gelesen zu werden.

Das Cover des Buches mit dem harmonischen Blautönen und dem einsamen Haus am stürmischen Meer vermittelt den Inhalt des Buches wunderbar und hat mir sehr gut gefallen. Als Beigabe gab es zum Buch noch zwei Postkarten mit dem Bild des Covers.

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